LastMinute Adventskalender

Oh, ist morgen schon der 1. Dezember? Und du hast noch keinen Adventskalender für Menschen, die dir viel beudeuten? Oder du hast einen bekommen und musst dich auf die Schnelle revanchieren? Dann findest du hier die ultimative Anleitung für einen einfachen & kreativen Adventskalender:

Drucke dir das pdf-Dokument auf farbigem Papier aus und schneide die 24 Schnipsel auseinander. Dekoriere sie nach Geschmack und fädel sie einzeln auf eine Schnur. Die beschenkte Person (notfalls auch du selbst!) kann jetzt jeden Tag einen QR-Code scannen und etwas witziges, informatives, adventliches oder weihnachtliches finden. Von Adventsliedern zum Mitsingen über Punschrezepte, witzige Kurzfilme bis zum kreativen Krippenspiel oder Weihnachtscartoon ist es eine bunte Mischung digitaler Inhalte, die zum analogen Austausch einladen.

Du magst es individueller oder hast eigene Ideen? Natürlich kannst du die Inhalte auch nach persönlichen Vorlieben anpassen und mit Hilfe eines QR-Code-Generators (z.B. der hier garantiert ohne Tracking) zu beliebigen Links bzw. Texten erstellen.

Und wenn du dir dann doch etwas mehr Aufwand machen möchtest, dann legst du die Zettel mit je einer kleinen Süßigkeit in 24 kleine Beutel (z.B. Butterbrottüten aus der Drogerie) und schreibst die Zahlen der Zettel auf die Beutel. Noch mit ein paar Sternen oder Tannenzweigen verzieren bzw anmalen. Dann sieht es aus, als hättest du das ganze ewig geplant.

Und falls du weit entfernten Menschen eine digitale Freude machen möchtest, schick ihnen einfach jeden Tag einen der Links digital zu und unterhaltet euch darüber. Das schafft Verbindung trotz Distanz!

In diesem Sinne wünsche ich eine besinnliche und kommunikative Adventszeit 🙂

  1. Jeden Tag ein Adventslied zum Mitsingen: Der #singendeAdventskalender: www.ekmd.de/advent
  2. Jeden Tag ein kurzer Impuls
    zum Innehalten direkt aufs Smartphone: www.momentadvent.de
  3. The Xmas-Files untersucht Weihnachtsfilme: adventskalender.evangelisch.de
  4. Leckere Punschrezepte
    für die Adventszeit: www.youtube.com/watch?v=0qEup3neMyM
  5. digitaler Weihnachtsmarkt, ab heute geöffnet: netzgemeinde-dazwischen.de/sehnsuchtsbuden
  6. Nichtlustig Nikolaus-Cartoon: joscha.com/nichtlustig/051216
    (Bonus-Panel beachten!)
  7. Gegen den Winterspeck:
    Christmas-Dance-Workout www.youtube.com/watch?v=pzj78YA1zws
  8. Zum Bedenken:
    Fair handeln im Advent: www.fairtrade-advent.org/de
  9. Zum Schmunzeln:
    Glühwein-Cartoon: www.pinterest.de/pin/392024342560752226
  10. ChristmasShorts: Ultrakurzfilme der Bauhaus-Uni zu x-mas: www.youtube.com/watch?v=Ndv1Pq1n4dQ&list=PLAai1Tn0apnMOJXkm0iHHc5rXATUvlPrL
  11. Christmas Memes zum
    Freuen und Fremdschämen: www.boredpanda.com/christmas-memes
  12. Nichtlustig Kommerz-Cartoon: joscha.com/nichtlustig/011219
    (Bonus-Panel beachten!)
  13. Google-Maps-Reise von Naza­-
    reth nach Bethlehem: www.google.com/maps/dir/Nazareth+Village,+5079+St,+Nazareth,+Israel/Geburtskirche,+Bethlehem/@32.7002283,35.2909897,816m/am=t/data=!3m1!1e3!4m18!4m17!1m5!1m1!1s0x151c4dd276f66109:0xc2f92a36e97c5a5b!2m2!1d35.2920373!2d32.6999337!1m5!1m1!1s0x1502d87be687c8f9:0xd060c37bd524261c!2m2!1d35.2072612!2d31.7043262!3e2!6m3!1i0!2i0!3i6
  14. Noch mehr Adventslieder
    der EKM von 2020: www.youtube.com/watch?v=orEP7-3-7kQ&list=PLAai1Tn0apnO0hBmpuW-lyQ_T-zl5mfVl
  15. Der SocialMedia-Klassiker:
    Digitale Weihnachtsgeschichte: www.youtube.com/watch?v=vZrf0PbAGSk
  16. Nichtlustig Wunschzettel-Cartoon: joscha.com/nichtlustig/051202
    (Bonus-Panel beachten!)
  17. Joseph twittert seine Geschichte (von unten nach oben lesen): twitter.com/joseph_von_naza
  18. Noch mehr Adventslieder des „singenden Landesbischofs“
    der EKM, diesmal von 2019 www.youtube.com/watch?v=W6oUu8kkKBY&list=PLAai1Tn0apnNlu-G9bXMIKe3zViYlJUA7
  19. Weihnachtsquiz mit nützlichem und trivialem Wissen: www.br.de/radio/bayern1/weihnachtsquiz-102.html
  20. Nichtlustig Weihnachts-Cartoon: joscha.com/nichtlustig/091223
    (Bonus-Panel beachten!)
  21. Gehtweiter – Arthouse Clips
    zur Weihnachtsgeschichte: www.youtube.com/watch?v=tipm7QVdPnQ&list=PLAai1Tn0apnOYcXVx_96NZMcQB9cqytqG
  22. Tannenbaum-Cartoon: www.pinterest.de/pin/12736811427340226
  23. Krippenspiel mal anders:
    Bethlehem Rhapsody www.youtube.com/watch?v=IxvMkSKRWOA
  24. Die Weihnachtsgeschichte
    in Minecraft
    www.youtube.com/watch?v=d4Xd89YzOLQ

Wie gefährlich ist das Squid-Game?

Oktober 2021. Die Medien überschlagen sich. Über 111 Millionen Menschen haben die neue Netflix-Hype Serie geschaut. Wow!

November 2021. Die Medien überschlagen sich. Pädagogen laufen Sturm gegen die neue Serie, weil Schüler Teile des Spielsystems in ihren Pausenspielen adaptieren. Warnung!

Ich kann den Hype auf beiden Seiten nicht ganz verstehen. Mir ging es mit der Serie wie mit den meisten Tarantino-Filmen, „Altered Carbon“ oder „3%“. Filmisch zu gut gemacht, um sie als Medienmensch nicht zu kennen, aber soviel unsinnige Gewaltdarstellung, dass ich weiß, sie tut mir nicht gut. Dennoch habe ich „Squid Game“ in kurzer Zeit durchgeschaut und bin begeistert. In den ersten Teilen wird bewegend gezeigt, wie Menschen in Armut und Abhängigkeit leben, welche Probleme und Hoffnungslosigkeit daraus erwächst und wie leicht man bereit ist, für Geld alles zu tun. Ein Phänomen, was nicht nur im koreanischen Film, sondern auch in unserem Alltag oft zu beobachten ist. Wir haben zu wenig Geld für das, was wir dringend barauchen. Und wenn sogar Familien daran zerbrechen oder kranke Menschen nicht versorgt werden können, ist es umso verlockender, dem Glücksspiel zu verfallen, auch wenn man etwas riskieren muss.

[Achtung Spoiler ahead!]

Dass ein Großteil der Teilnehmer, die freiwillig an dem „Tintenfisch-Spiel“ teilnehmen protestiert, als sie erfahren, dass Ausscheiden mit dem Leben bezahlt wird, ist ein letztes Aufbäumen der Moral, aber die meisten kommen schon nach kurzer Zeit zurück, weil die Hoffnungslosigkeit ihnen keine Wahl lässt, als selbst ihr Leben zu riskieren. Und immerhin ist eine unüberschaubar große Summe Geld im Jackpot, die mit jedem Spiel zunimmt. Und sechs Kinderspiele zu überstehen, kann doch nicht so schwer sein…

Im übrigen zeigt die Serie sehr schön den Kontrast zwischen harmlosen Kinderspielen (Murmeln, Tauziehen, …) und mörderischen Voyeurismus-Phantasien gelangweilter Superreicher, denen normale Pferdewetten nicht mehr ausreichen. Letztlich sind also nicht nur die Mittellosen, sondern auch die Gutbetuchten in der Serie verzweifelt. Und das Spiel bringt sie zusammen.

Ab der fünften Folge kommt noch eine philosophisch-religiöse Komponente ins Spiel. Die Teilnehmenden reden im Angesicht des drohenden Todes über Ewigkeitsfragen. Wo kommen wir her, wo gehen wir hin? Was macht das Leben aus? Was könnte man mit dem Gewinn Gutes tun? Wofür lohnt es sich zu leben? Und letztlich diskutiert die Serie in all ihrer Grausamkeit immer wieder die ethische Frage: Was ist erlaubt, wenn das eigene Leben zur Disposition steht? Darf ich schummeln, lügen oder die Naivität anderer ausnutzen? Kann ich mit der Schuld leben, wenn mein Verhalten andere das Leben gekostet hat? Bin ich bereit „die andere Wange hinzuhalten“ statt meine eigene Haut zu retten? Gerade als Christen sollten wir nicht zu schnell urteilen, sondern die gezeigten Dilemma-Situationen ernst nehmen. Wie würde ich entscheiden? Wie weit würde ich gehen? Wo beeinträchtigt mein täglicher Lebenswandel das Leben anderer Menschen im globalen Wirtschaftskreislauf schon jetzt?

In den späteren Folgen wird ein Christ gezeigt, der im Angesicht des Todes anfängt zu beten und die ewige Verdammnis zu predigen. Schade, wenn das der Eindruck ist, den der Regisseur Hwang Dong-hyuk von christlicher Lebensweise hat. Zumal in einem Land wie Südkorea, das sehr aktive Mega-Churches und starke Missionsbewegungen verzeichnet. Aber oft sind Christen wohl nicht die selbstlos liebenden, sondern die verbissen verdammenden und am Ende doch ängstlich für sich kämpfenden Menschen, wenn es hart auf hart kommt. Ich bin froh, dass ich noch nie herausfinden musste, wie ich im Angesicht des Todes reagieren würde, aber in der Theorie ist meine christliche Hoffnung stärker als die Angst vor dem Tod. Das Gedankenspiel fordert mich heraus!

Neben den schönen Bildern, der immersiven Stimmung und den spannden ethischen Fragen bleibt die Serie freilich eine radikal gewaltverherrlichende! Zum einen physisch mit direkten Kopfschüssen, spritzendem Blut, freiliegenden Gedärmen und Bildern, die einfach nicht sein müssen. Zum anderen aber auch mit dem Bandenethos, des Wir gegen Die, des Mobbing und des Verachtens der scheinbar unterlegenen. Zwar gewinnt am Ende der Serie einer, der sich für die Schwachen eingesetzt hat und die Bösewichte müssen die Folgen ihrer Arroganz tragen, aber was bei unbedarften Zuschauern hängenbleibt ist mitunter das egozentrische Denken, dass alles erlaubt ist, solange es mich aufwertet und andere abwertet. Nicht ohne Grund hat die Serie keine FSK-Freigabe fürMenschen unter 16 Jahren. Meiner Ansicht nach wäre sogar FSK18 gerechtfertigt, aber ungefestigte Gemüter sollten diese Serie tatsächlich nicht unbeaufsichtigt sehen. Und das ist wohl ein Kernproblem: Bei Netflix sehen Jugendliche meist ungefiltert, was sie wollen und wenn die Medien proklamieren, dass diese Serie gerade angesagt ist, eben auch das.

Schon früher haben junge Menschen sich Conan, Chucky, Saw oder Halloween angesehen. Und eine Warnung macht Erwachsenenfilme erst richtig interessant. Daher finde ich die aktuellen Aufschreie nur mäßig hilfreich. Gut hingegen wäre, wenn Eltern konsequent mit ihrem Nachwuchs über deren Medienkonsum im Gespräch wären, um zu begleiten, was diese sehen oder wie sie das gesehene verarbeiten. Auch Lehrer, Jugendarbeiter und Freunde sollten positive Gesprächspartner sein statt diese Serie zu verteufeln, nachdem sie ohnehin schon die meisten gesehen haben. Und wenn auf Schulhöfen Kinder mit Murmeln spielen, ist das etwas Gutes. Wenn sie Schwache in ihr Team integrieren, um gemeinsam weiter zu kommen und ein Risiko in Kauf nehmen, um ihre kranken Eltern zu pflegen, ist das hoch anzurechnen. Aber wenn sie sich beim Spiel gegenseitig erniedrigen, körperlich oder psychisch verletzen, dann brauchen sie pädagogische Unterstützung.

Vielleicht sollten also christliche Jugendgruppen positiv besetzte Versionen des Squid Games anbieten, bei dem klassische Kinderspiele kompetitiv gegeneinander ausgetragen werden, aber am Ende alle sich freudig in den Armen liegen und miteinander feiern, was man zusammen erlebt hat. Oder ein Preisgeld von externen Sponsoringpartnern wird am Ende an die soziale Einrichtung gespendet, die der Gewinner bestimmen darf. Es gibt reichlich Möglichkeiten, einen Medienhype positiv aufzugreifen und das, was die Serie anklingen lässt, nachschwingen zu lassen. Statt Warnungen oder Verbote auszusprechen rate ich also: Lasst uns spielen!

Mosel-Camino

[Nennung von Namen und Marken ist keine bezahlte Werbung, sondern subjektive Einschätzung aufgrund unserer Erfahrungen]

Nachdem ich letztes Jahr von Erfurt zum Rhein gepilgert bin, habe ich mir dieses Jahr mit einem Freund den Anschluss von Koblenz nach Trier vorgenommen. Der Mosel-Camino ist ein schöner (und anspruchsvoller) Fernwanderweg mit nominell ca. 160 Km (gelaufen sind wir laut Handyaufzeichnung 201 Km). Dazu einige tägliche Höhenmeter zwischen Moseltal und Höhenlagen. Sinnvoll wäre es wohl, den Weg in kürzere Etappen (max 16-20 Km/Tag) aufzuteilen und lieber 1-2 Tage länger einzuplanen als der Outdoor-Führer aus dem Conrad-Stein-Verlag empfiehlt. Dann hat man den Kopf frei bzw Zeit, auch mal in Kirchen zu verweilen oder die schöne Natur zu genießen statt überall vorbeizuhetzen. Das Buch ist übrigens nur bedingt als Pilgerführer zu empfehlen. Es behauptet zwar Wanderführer und Pilgerführer zu sein, präsentiert aber primär historische Zahlen statt spiritueller Inhalte zu Kirchen, Klöstern und Strecken, verzichtet auf eine Liste von Pilgerstempeln und verzeichnet eher hochpreisige Unterkünfte. Echte Pilgerherbergen (5-10 EUR Spende im Massenquartier) finden sich allerdings an der Mosel auch nicht, sondern 30-40 EUR p.P. im Doppelzimmer sollte man einplanen. Dann bekommt man guten Standard mit reichhaltigem Frühstück. Das hat aber dann nicht so viel mit dem ursprünglichen Pilgergedanken (mit wenig Geld mehrere Monate bis nach Spanien laufen) zu tun, sondern ist eher ein 2 Wochen Aktivurlaub. Interessant wäre eine antikapitalistische Variante, den ganzen Weg über mit Schlafsack in Schutzhütten zu übernachten und sich an vorhandenen Wasserbecken frisch zu machen.
Die Strecken scheinen mir auch nicht so sehr an historischen Wegen oder „energieeffizient“ markiert zu werden, sondern aufgrund touristischer Kriterien. So sind einige Alternativrouten direkt an der Mosel im Buch von 2021 nicht mehr enthalten (angeblich weil die Fahrradfahrer sich über zu viele Pilger auf dem gemeinsamen Wegstrecken beschwert hatten) und einige Bergtouren könnte man deutlich einfacher begehen. Da empfehle ich jedem Wanderer, seine eigene Route zu wählen. Von der Via Regia und dem Elisabethpfad bin ich da aber etwas mehr Pilger-Unterstützung gewohnt als an der Mosel. Entsprechend würde ich meine Reise diesmal auch nicht als Pilgerreise, sondern als Wanderurlaub bezeichnen (auch wenn es geistliche Momente und Pilgerbegegnungen gab). Schön war, dass nach dem coronabedingten Lockdown Hotels und Gastronomie wieder öffnen konnten und so andere Pilger unterwegs waren. Es gab also immer wieder persönliche Begegnungen, wie man es sich beim Pilgern wünscht.

Als Grundlage für eine Planung des Moselcamino kann ich empfehlen: http://mosel-camino.info/
Wie bei jeder Tour sollte man nur das Nötigste mitnehmen. 2 Klamottensets (Merinowolle oder schnelltrocknende Synthetik), Hohe Wanderschuhe und leichte Abendschuhe, kleiner Kulturbeutel und minimales Technikset (Handy, Ladegerät, Powerbank, weil der Empfang dort oft erstaulich schlecht ist, was Akkuleistung zieht!). Oft kann man sich vom Frühstück noch ein Brötchen für den Weg mitnehmen oder beim Bäcker besorgen. Ein Apfel und Müsliriegel, evt Banane oder Tomate zwischendurch reichen dann, um über den Tag zu kommen. Ich mag meine 2l Trinkblase, die ich täglich mit Leitungswasser auffülle und eine kleine Flasche, in der ich abends ColdBrewCoffee (Turkish Style) für den nächsten Tag ansetze, um unterwegs Kaffee trinken zu können. Nach Ankunft tut mir ein halber Liter Wasser mit Minaral-Vitamin-Tabletten gut und abends ein guter Moselwein lokaler Erzeuger.

Unsere Tourdaten:

Koblenz Hbf – Stolzenfels Zubringer über den Rheinburgenweg (ca 10Km) Es lohnt sich, hier mit einer Übernachtung zu starten, wenn man eine längere Anreise hat.
ÜN: „FeWo-Stolzenfels“ (war bei uns ausgebucht) ist gut gelegen am offiziellen Wegstart. Hotel zur Kripp war OK, aber ca 1,5Km ab vom Weg.

Koblenz-St. – Alken 17,6 Km (Real haben wir mit Zubringerwegen 22,5 Km zurückgelegt) neben der Autobahnrastanlage kann man erstaunlich gut pausieren.
ÜN: Pilgerherberge am Bleidenberg (war bei uns ausgebucht).

Alken – Kloster Maria Engelport 26 Km ÜN im Kloster lohnt sich.
Die Strecke ist allerdings zu weit! Bis Treis-Karden schafft man es (waren schon 25 Km, die weiteren 8 haben wir im Taxi abgekürzt). Wer im Kloster übernachten will, sollte ggf die erste ÜN nach Löf oder Hatzenport schieben oder eine extra ÜN nähe Burg Eltz einplanen, um nicht zu spät am Kloster anzukommen.

Kloster Engelport – Bullay 20 Km ist vom Kloster aus machbar. Von TK aus wieder viel zu weit vorgegeben! Interessanter Brautrock-Brunnen.
ÜN im Moselinchen ist nett und unkompliziert

Bullay – Traben-Trarbach 23,7 Km (real 27Km). Wir hatten geplant, mit einer Fährüberfahrt nach Pünderich die geplante Route abzukürzen, aber die Fähre war ohne Vorankündigung auf der Webseite außer Betrieb. Alternativroute nördlich der Schleife am Moselweg ist auch schön, später macht bei Sonnenschein der „Heiße Stein“ seinem Namen alle Ehre und über den Mont Real läuft es sich entspannt schattig (aber nicht mit wenig Höhenmetern).
ÜN in der Pilgerherberge Alte Lateinschule (war bei uns ausgebucht) ist wohl sehr empfehlenswert. Wir haben bei Pension Bartz etwas weiter außerhalb mit modernen Zimmern und kleinem Pool im Garten gute Erfahrungen gemacht.

Traben-Trarbach – Klausen 23,7 Km (real 27,2 Km) auch hier zu weit und ab Monzel würde ich die „alte Alternativroute“ nördlich der letzten 2 Berge empfehlen.
ÜN: nette Pilgerherberge in Klausen direkt am Dorfladen, sehr zu empfehlen! Aufgrund der Streckenaufteilung aber vielleicht doch eher in Monzel bleiben?!

Klausen – Klüsserath 10,5 Km (real 13Km) war kurz und entspannt, lässt Zeit zum Nachdenken und für Begegnungen
ÜN: Privatzimmer im Weingut Herres inkl Essen und Weinprobe in persönlicher Atmosphäre sind sehr zu empfehlen

Klüsserath – Schweich 14 Km (real 16,7)
ÜN: Pension Schiff war ausgebucht (von anderen empfohlen), Pension Wallerath direkt am Weg war gut.

Schweich – Trier 20,2 Km (real 25 Km je nach Stadtroute), sieht erst flach aus, hat aber einige heftige Anstiege und zieht sich am Ende länger als man denkt. Am Anfang ist eine Alternativroute bis Quint an der Mosel angenehm zu laufen. In Trier lohnt es sich noch ein paar Stunden oder sogar einen ganzen Tag einzuplanen, um auszuschlafen und wieder in der Zivilisation anzukommen
ÜN in der neu renovierten Jugendherberge war gut, setzt aber eine kostenpflichtige Mitgliedschaft aller Gäste voraus.


Am Ende ist ein Pilgerweg das, was man draus macht. Wir hatten fast täglich gute Begegnungen mit Menschen, die auch unterwegs sind und Fragen haben. So kann man sich gegenseitig bereichern, wenn man offen ist und ins Gespräch kommt. Daher würde ich auch immer zu kurzen Etappen und freien Zeiten raten, um Zeit für sich, andere Menschen und Gottesbegegnugnen zu haben.

Mehr Fotos gibts bei Facebook!

„Rumo und die Wunder im Dunkeln“ als Passionsweg

Kurz vorneweg: Ich bin kein Literaturwissenschaftler und habe Walter Moers nicht in aller Tiefe studiert. Aber ich bin tief bewegt von den (Hör)Büchern, die ich von ihm gelesen habe. Darüber möchte ich medientheologisch nachdenken und freu mich über weiterführenden Austausch dazu!

Rumo ist nach „Käpt`n Blaubär“ und der „Stadt der träumenden Bücher“ der dritte Zamonienroman, den ich als Hörbuch genossen habe (die anderen werden folgen). Was der Autor sich dabei gedacht hat, weiß ich nicht, aber ich möchte (allen, die sich darauf einlassen können) eine Deutung von Rumo als (christliche) Passionsgeschichte anbieten. Vielleicht eignet sich dieses Buch ja als Lektüre in der vorösterlichen Zeit mit dem Finale am Osterwochenende, um die bekannten Ereignisse mal in ganz neuem Licht zu reflektieren?!


Spoiler-Alarm: Wer hier weiterliest wird Details aus Verlauf und Ende des Buches erfahren. Wer es vorher unbedarft lesen will, sollte jetzt aufhören und in 26 Stunden hier weiterlesen!


Ganz kurz zusammengefasst geht es in dem Buch um einen Wolpertinger (hundeartige Wesensform, die auf zwei Beinen geht), der als Welpe von Zyklonen entführt wird, sich nach langem Leid blutig befreien kann, umherschweift, Gleichartige findet, für die große Liebe ein Wagnis auf sich nimmt und am Ende ganz Zamonien rettet und selbst gerettet wird.
In diesem Buch geht es äußerst grausam zu. Leiden und Sterben ist an der Tagesordnung und mehrfach überkam mich Abscheu vor so einem „Splatterroman“. Dennoch hat mich der Wortwitz, die Spannung der verwobenen Geschichten und die Hoffnung auf einen guten Ausgang gefesselt. Ein ähnliches Gefühl habe ich immer bei Mel Gibsons Bibelverfilmung „Die Passion Christi“ (die ich jahrelang als Karfreitagsritual gesehen habe): Unsagbares Leid wird schonungslos offen dargestellt, schreckt ab und rührt an zugleich. Auch das Lesen der biblischen Passionstexte in der Karwoche löst bei vielen bereits dieses Gefühl aus und mir kam instinktiv die Idee, die beiden Narrative zu vergleichen.
Im folgenden parallelisiere ich die Stationen Rumos mit dem Leidensweg Jesu; wohlwissend, dass es bei ersterem um reine Fiktion (wenn auch sehr gute) und bei letzerem um (im Kern) historisch gesicherte Ereignisse handelt (tiefere historisch-kritische Auseinandersetzungen gerne an anderer Stelle). Ich tue das angelehnt an einen Passionsweg anhand verschiedener Stationen aus dem Leidensweg Rumos/Jesu:

Galiläa: Lernen und Leiderfahrung als vorbereitende Zeit

  • Rumo wird aus seiner vertrauten Heimat entführt und sein Leben bedroht
    vs. Säuglingsmord des Herodes, Flucht nach Ägypten
  • Leidenszeit auf dem Teufelsfelsen, die für den späteren Weg vorbereitet
    vs. Versuchungen durch den Teufel in der Wüste
  • Smeik wird Mentor und Wegbereiter für Rumo, Erweckung der Instinkte
    vs. Johannes der Täufer bereitet Jesus den Weg, Taufe Jesu als Beginn der Wikungszeit
  • Erkenntnis von besonderen Reflexen und Sensorik
    vs. erste Wunder (Wasser zu Wein) und Nathanaelberufung (ich wusste von dir, bevor ich dich getroffen habe)
  • Kampf gegen körperlose Schatten
    vs. Dämonen austreiben, leeres Haus nicht unbewohnt lassen

Einzug nach Jerusalem

  • Rumo scheint unbesiegbar, auf Erfolgskurs
    vs. Jesus hat große Gefolgsschar, die ihn zum König machen will
  • Ankunft in Wolperting, Erfolge & Duelle mit Rolv und Ushan
    vs. Einzug in Jerusalem, Streit mit Religiösen, Wutrede und Tempelreinigung

Getsemane

  • Rumo hat ein Schwert, in das zwei Geister eingeschmiedet sind, die ihm als innere Stimme (teils widersprüchliche) Ratschläge geben, was zu tun ist
    vs. Jesu inniges Gebet und hadern zwischen gewaltsamer Machtergreifung und demütigem Gehorsam

Verurteilung

  • während Rumo unterwegs ist, wird Wolperting überfallen und alle seine Freunde entführt. Er entscheidet sich, ihnen in die Untenwelt zu folgen, um ihren Tod zu verhindern
    vs. von außen wird Jesu Hinrichtung beschlossen, aus innerem Antrieb geht er bereitwillig den Weg, um die Menschheit vor dem ewigen Tod zu bewahren

Kreuzweg

  • schwerer Leidensweg durch die dunklen Höhlen zur Stadt „Hel“, Rumo scheitert fast, bekommt Unterstützung
    vs.
    Jesuswird gegeißelt und muss sein Kreuz durch die Stadt tragen, bricht zusammen, Simon hilft ihm tragen

Golgata

  • Protagonistenwechsel: Rala wird in der „kupfernen Jungfrau“ auf die schrecklichst mögliche Art zu Tode gefoltert und gibt nach langem Todeskampf mit einem lauten Schrei auf. Sie stirbt unter den Augen ihres Peinigers.
    vs. Jesus wird gegeißelt, ans Kreuz genagelt (leidvollste Hinrichtungsmethode der Römer), verspottet und stirbt mit einem Schrei unter den Augen seiner Peiniger.

Auferstehung

  • Rala liegt Tod in ihrem Sarg. Durch drei „unvorhandene Winzlinge“ (die niemand sehen kann, die aber sehr wohl vorhanden sind) und ihre Möglichkeiten wird die körperlich tote Rala wiederbelebt.
    vs. Jesu Tod wird attestiert. Er wird im Höhlengrab bestattet und durch Gottes Eingreifen wieder zum Leben erweckt. Keiner hat gesehen oder weiß genau wie, aber der Effekt ist sichtbar.

Weiteres

  • Der Endkampf im Theater ähnelt den epischen Schlachten der Offenbarung am Ende der Zeiten
  • Die Selbstzerstörung TikToks als letzte Aktion erinnert an das „wilde Wüten Satans“, der bereits besiegt noch viele mit in den Tod reißen will
  • Die einstürzende Höhle erinnert an das Erdbeben zur Todesstunde Jesu, was den Weg zum Allerheiligsten im Tempel (= zu Gott?) frei macht (also den Weg zur Hölle (Hel) versperrt?

Osterfreude

  • Ganz am Ende schafft es Rumo endlich, Rala seine Liebe zu gestehen und erfährt, dass sie ihn schon die ganze Zeit geliebt hat (Name eingeritzt). Seine Aktion (Schatulle & Rettung der Wolpertinger) war gar nicht nötig, um ihre Liebe zu verdienen, war aber für seinen Weg ein wichtiger Baustein
    vs. Am Ende unserer geistlichen Reise erkennen wir, dass es gar nicht auf unsere Taten ankam, sondern Gottes Liebe zu uns immer schon da war. Unsere Werke können für uns und die Welt wichtig sein, sind aber nicht Bedingung, um sich Gottes Liebe zu verdienen. Unsere Namen sind bereits im Buch des Lebens verzeichnet.


Ergänzend
In den Gesprächen über den Beitrag kamen einige spannende Aspekte auf, die beide Narrative nochmal schärfen und Teilweise die Übereinstimmungen stärken, teilweise aber auch eklatante Unterschiede deutlich machen. So hilft das Gedankenspiel, die Stoffe nochmal neu und klarer wahrzunehmen…

  • Ich gehe nicht davon aus, dass diese Übertragung bewusst inszeniert ist, wenngleich es ein durchaus übliches Stilmittel Moers ist, bekannte Narrative aufzugreifen und auch andere Literatur gerne auf die Bibel als Vorlage für Heldenreisen jeder Coleur zurückgreift.
  • Wie Wikipedia aufzeigt, kann man auch Anschlüsse an germanische und griechische Mythen in Rumo finden.
  • Zentrales Motiv vom Tod Jesu ist, dass er sich selbst aus freien Stücken für die Menschen opfert. Der Tod Ralas wird ihr von außen aufgezwungen. Sie wehrt sich nach Kräften, weil ihr Opfer keine Erlösung verspricht, sondern den sarkastischen Spieltrieb einer Tötungsmaschine befriedigen soll. Das Wesen TikTaks hier soll nicht als Gottesbild gesehen werden!
  • Die Übertragung der Personen kommen bei genauerer Betrachtung schnell an Grenzen. So ist Johannes der Täufer in der Bibel ein Asket und Gerichtsprediger, Smeik aber eine genießerische Lebemade und Glücksspieler. Die Funktion des Adjutanten erfüllen sie aber beide. Interesant aber, dass Smeik in Ralas Blutbahn tatsächlich bereit ist, sein Leben für ihre Rettung zu riskieren, was man christologisch deuten könnte.
  • Rumo bleibt sympatisch gebrochener Held, weil er zwar in der Lage ist, alle möglichen Gefahren zu besiegen, aber bis zum Ende nicht über seine Gefühle reden kann. Jesus wird hingegen als suveräner Kommunikator auch in Liebesdingen dargestellt.

Super Superbowl-Party coronakonform

Wie kann man in diesem Jahr eine coronakonforme Superbowl-Party feiern?
Viele Leute an einem Ort sind nicht erlaubt. Gemeinsam amerikanisch Essen, Trinken, sich über American Football austauschen und nach Mitternacht den beiden Teams zujubeln, die sich um die Meisterschaft der NFL streiten. All das scheint schwierig zu sein.

Im kleinen Kreis kann man aber zu Hause feiern und wenn man mehrere Hausgemeinschften zusammenschaltet, kommt vielleicht ein wenig Gemeinschaftsgefühl auf. Ein paar Enthusiasten aus Erfurt haben sich daher zusammen getan und eine dezentrale Feier geplant. Das ganze wird relativ LowLevel ablaufen, gibt aber die Mögichkeit, an dem langen Abend etwas mehr Gemeinschaft zu erleben.

Wie funktioniert das?

Jeder trifft sich regelkonform zu Hause mit so vielen Menschen, wie aktuell erlaubt. Essen und Getränke bereitet man vor, wie es passt, um den langen Abend gut zu füllen. Im Vorfeld können (für Menschen in Erfurt zumindest) Chicken Wings und Whisky-Tasting Pakete vorbestellt und am Abend abgeholt werden.

Ablauf des Abends (Sonntag, 7. Februar 2021):

20 Uhr Start der dgitalen Party (Zoom Meeting-ID: 836 9685 3770, Kenncode: nfl)
>> Essen und Trinken & Fotos mit Hashtags teilen
>> Austausch über Football, Regeln und Persönliches

22 Uhr: Mini-Whisky-Tasting
>> Irish/Scotch/American
>> pur bzw. siehe unten für Rezepte

ab 22.45 Uhr überträgt Pro7/ran.de/joyn
>> PreGame-Show und ab 0.30 Uhr das Spiel.
>> Den Videofeed startet jeder vor Ort
>> jubeln und kritisieren via Zoom.
>> Twitter & Instagram mit Hashtags
#supersuperbowlparty #rannfl

Natürlich kann man die hochwertigen Whisk(e)ys gut pur genießen oder aber passend zum Longdrink (z.B. mit Cola oder GingerAle) oder Cocktail verfeinern.
Cocktailrezepte für die drei Whiskysorten:

Irish Rose
4 cl Irish Whiskey
2 cl Zitronensaft
1 cl Grenadinesirup
im Shaker mischen und
mit Eiswürfeln im Shortdrinkglas servieren
Deko: Zitronenzeste, ggf Marashinokirsche
https://www.whisky.de/flaschen-db/cocktail-details/irish-rose.html

Old Fashioned
4 cl Scotch Whisky
0,5 cl Zuckersirup
2 Spritzer Chocolate Bitters
im Tumbler auf Eis verrühren
Deko: Orangenzeste
https://cocktailbart.de/cocktails/cocktails-mit-whisky/old-fashioned/

Lynchburg Lemonade
4 cl Bourbon (bzw. Tennessee) Whiskey
1 cl Orangenlikör (Triple Sec)
mit Eiswürfeln im Tumbler verrühren
1 Limettenachtel ins Glas pressen
1 Zitronenachtel ins Glas pressen
ca. 10 cl Zitronenlimonade auffüllen
als Deko, die ausgepressten Zitrusfrüchte ins Glas geben
https://www.maltwhisky.de/lynchburg-lemonade/

Alternativ/Ergänzend: Superbowle
>> 1 Mango in Stücke schneiden und mit 50g Zucker und 200ml Whiskey einige Tage ziehen lassen
>> 10cl Zitronensaft & 0,5l Maracujanektar ergänzen
>> mit Angustura Bitter abschmecken
>> frisch mit 1 Flasche Sekt auffüllen
>> mit kl. Gabel und Eiswürfeln im Tumbler oder Weinglas servieren

DisTanz-Party

Tanzen gehen, großer Club, laute Musik, buntes Licht, viele Menschen und sich ganz ungezwungen bewegen. Das scheint aufgrund der Kontaktbeschränkungen gerade nicht möglich zu sein.

Aber ähnlich wie berufliche Team-Meetings und Konferenzen kann man auch Freizeitbeschäftigungen digital realisieren. Natürlich ist es nicht „das Gleiche“. Der Gestank von Schweiß, Rauch und Enge, ist alleine zu Hause nur schwer herzustellen und der körperliche Kontakt, wenn man sich beim Tanzen näher kommt, ist auch auf die Teilnehmer in der eigenen Wohnung beschränkt. Aber man kann sich im Rahmen einer Privatveranstaltung mit 20-30 Personen zumindest optisch wahrnehmen, kann sich gleichzeitig zur gleichen Musik bewegen und dabei mental abschalten. Und das ist oft schonmal einiges.

Die nächste DisTanz-Party feiern wir am FREITAG 7. 5. 2021:

https://us02web.zoom.us/j/82586359797?pwd=VUMrNjd2MXo5aTd5YVR1cGkxVGtqdz09
Bzw. Meeting-ID: 825 8635 9797, Kenncode: distanz

Was brauchst du, um dabei zu sein?

  • Ein Computer mit installierter Zoom-Software (ein Account ist nicht nötig) und ordentlichen Lautsprechen für Discosound.
  • Freifläche zum Tanzen (so viel eben geht)
  • Webcam, die dich beim Tanzen zeigt
  • buntes Blinklicht, um die Atmosphäre zu prägen (einfach mal „Discolicht kaufen“ googeln). Für 20-30 EUR bekommt man schon was passendes.
  • Snacks und Getränke nach eigenem Gusto

Die Musik bereite ich für den Abend als Playlist vor, die ich als Audiospur über Zoom teile. So hören alle die gleiche Musik und am Abend steht das Tanzen im Vordergrund.

Damit die Nachbarn geschont werden, ist die Party auf 20-22 Uhr angesetzt, denn zum Tanzen braucht man schon eine gewisse Lautstärke. Wer nach 22 Uhr noch zusammen bleibt, muss selber einschätzen, wie laut die Musik noch spielen darf. Wichtig ist, dass es sich bei dem Treffen nicht um eine öffentliche oder kommerzielle Veranstaltung handelt, sondern um eine Privatveranstaltung von Karsten Kopjar und seinen Freunden. Quasi als würden wir uns in meinem Wohnzimmer treffen, nur eben dezentral. Wer Freunde mitbringen/einladen will, die sich benehmen können, darf das gerne tun. Sollte jemand versuchen, die Party zu stören, werden sie rausgeschmissen und per Warteraumfreigabe oder IP-Sperre ausgesperrt. Das war bisher aber noch nicht nötig.

Um die Privatsphäre zu schützen, machen wir während der Party keine Aufnahmen/Screenshots (außer nach Absprache).

Wer digital über die Veranstaltung redet, gerne mit Hashtag #DisTanzParty

Whisky-Pixel-Font

Ohne ersichtlichen Grund habe ich heute eine grafische ASCII-Schriftart kreiert. Die Grundlage ist ein Foto von 8×6 kleinen Glasflaschen gefüllt mit Whisky. Die senkrechte Aufsicht lässt die Flaschen als Pixel-Matrix erscheinen.

Durch das bewusst „dreckige Bekleksen“ mit digitaler Tinte, habe ich daraus Zahlen, Buchstaben und Sonderzeichen gestaltet. Diese kann man nun als Panoramabild nebeneinander setzen, um Wörter und Sätze zu bauen.

Die nicht proportionale Schrift (fixed font) und die einzelnen Grafiken stelle ich unter freier Lizenz CC-BY zur Verfügung. Wer möchte, darf sie also gerne unter Namensnennung „Whisky-Pixel by Karsten Kopjar“ verwenden. Ich bin gespannt, was man da draus machen kann 🙂

Hier die Schrift als 63 jpg-Dateien. Über eine Info, was du draus gemacht hast, freue ich mich!

CC BY 4.0
https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/legalcode

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Pilgern in Deutschland – ein Erfahrungsbericht

Ich schreibe als Medientheologe über meine Erfahrungen mit einem sehr klassischen Medium – die Pilgerreise. Eine Auszeit, in der ich bewusst viele Kanäle nicht genutzt habe, um anderes stärker wahrzunehmen.
Da der Text etwas länger ist, hier eine Übersicht der Kapitel:

Mehr Fotos im Facebook-Post zum Beitrag!

Der Weg ist das Ziel

Eigentlich hatte ich geplant, den nordspanischen Küstenweg nach Santiago de Compostella zu pilgern. Nachdem Nordspanien kurzfristig Risikogebiet wurde, war ich im Oktober 2020 stattdessen vier Wochen auf Pilgertour in Deutschland.
Nach der ersten Enttäuschung kam es mir eigentlich total passend vor: Wie ursprünglich üblich bin ich zuhause (in Erfurt) losgelaufen. Die richtung wurde durch die Wege mit der Jakobsmuschel ausgewiesen. Auch wenn mir klar war, dass ich in einem Monat nicht den ganzen Camino gehen kann, war ich im Geiste der Jakobspilger unterwegs. Und diese Ausrichtung gab der Tour eine zusätzliche Tiefe. Neben dem Fernwandern haben mich geistliche und menschliche Fragen beschägtigt: Wer bin ich? Was ist mir wirklich wichtig? Wie will ich in Zukunft leben? Fragen, die im Alltag zu oft untergehen. Da bietet es sich an, eine Auszeit zu nutzen, um bewusst darüber nachzudenken.
Die täglich Routine des Laufens und wo möglich ein einfaches Leben mit Verzicht auf unnötigen Luxus und Zerstreuung waren mir wichtig. Leider ist letzteres in Deutschland gar nicht so einfach (dazu später mehr). Einige sagen ja, man muss sich vom Weg leiten lassen, aber um entspannter zu sein, empfehle ich hierzulande ein wenig vorzuplanen. So habe ich die Übernachtungen der ersten beiden Wochen komplett vorgebucht und die letzten beiden Wochen dann unterwegs immer mit ein paar Tagen Vorlauf recherchiert. Das war gut, weil ich auf Veränderungen reagieren konnte, hat aber unterwegs auch zu einigen Stunden MobileOffice geführt. Und dass ich am Ende nach 500 Km an der Loreley lande, hätte ich am Anfang noch nicht gedacht. Von daher hat der Weg mich geführt, auch wenn ich nicht ganz unvorbereitet gestartet bin.

Planung und Literatur

Die Grundlage meiner Wegplanung war die Website https://camino-europe.eu (ergänzend auch www.oekumenischer-pilgerweg.de, www.elisabethpfad.de/elisabethpfade/eisenach-marburg und www.lahn-rhein-camino.de und die entsprechende Literatur). Ursprünglich geplant war die via regia und der Elisabethpfad. Durch kurzfristiges Umdisponieren (durch die sich ständig ändernden Infos zu Beherbergungsverbot und Corona-Hotspots) kamen noch LahnCamino und RheinCamino hinzu. Auf der europäischen Camino-Website finden sich Kurzbeschreibungen und gpx-Dateien der zentralen Jakobswege. Außerdem habe ich mir Literatur besorgt, um detailiertere Beschreibungen und Herbergsverzeichnisse (notfalls auch ohne Internet und Strom) dabei zu haben. Im Nachhinein würde ich aber sagen, dass beides auch nur mit digitalen Mitteln gut funktioniert hätte und die Bücher nicht unbedingt nötig sind. Besonders enttäuscht war ich, dass die eigentlich sehr guten OUTDOOR-Führer des Conrad-Stein-Verlages völlig unpassende Unterkünfte (Einzelzimmer oft 60-80 EUR pro Nacht) angeben und damit als Pilgerführer an sich ungeeignet sind. Allerdings muss man dazu sagen, dass es an den Strecken auch nicht sehr einfach ist, günstigere Alternativen zu finden (zumal aktuell fast alle Jugendherbergen wegen Umbau geschlossen sind). Da wäre also auch an die Jakobusvereine zu apellieren, noch mehr Kirchgemeinden und andere Anbieter zu motivieren, ihre Gemeindehäuser für Pilger zu öffnen und das auch klar zu kommunizieren. Positiv hervorheben möchte ich daher das Herbegsverzeichnis des ökumenischen Pilgerweges entlang der Via Regia (nur im Heft) und des Elisabethpfades, welches zwar dringend aktualisiert werden müsste, aber viele, auch günstige und pilgergeeignete Unterkünfte (5-10 EUR für Massenquartier, 15-30 EUR Pension) enthält. Wer die Bücher nutzt, bekommt freilich noch viele kulturelle Infos zu Städten und Sehenswürdigkeiten am Weg, die man sich sonst zusammengoogeln müsste. Und wer digitale Medien reduzieren will, kann das so entspannt tun (als Ergänzung sollte man dann eine gute Wanderkarte mitnehmen!).

Ich war allerdings primär digital unterwegs. Ich nutze die OpenSource-Software OSMAND~ die kostenlose Karten auf dem Gerät speichert und so unterwegs ohne Internetverbindung via gps navigieren kann. Über die importierten GPX-Daten wurde mir als rote Linie der vorgeschlagene Weg angezeigt. Zusätzlich habe ich meist eine Fußgänger-Navigation gestartet, um die Entfernung zum Ziel im Blick zu haben und bei Wegänderungen einfach weiter geleitet zu werden. Als Backup hatte ich die Beschreibungen in den Führern und die Wegmarkierungen (Jakobsmuschel bzw Elisabeth-Symbol am Wegrand), die mir gezeigt haben, dass ich auf dem richtigen Weg bin. An einigen Stellen musste ich zwischendurch abwägen, wenn die GPX-Daten, Navigation und Wegmarkierungen voneinander abwichen. Und letztlich muss jeder Pilger immer wieder seinen eigenen Weg finden. Der kann mal eine Ehrenrunde drehen, eine Abkürzung nehmen oder Exkurse integrieren. Vor allem zwischen Eisenach und Marburg musste man sich fast täglich entscheiden, ob man dem Jakobsweg auf den alten Handelsrouten im Tal (20Km asphaltierter und eher langweiliger Radweg) oder dem Weg der Heiligen Elisabeth (anstrengenderer aber schönerer Waldweg über die Hügel) folgt. Ich war meist mit Lissy unterwegs. Am Rhein verweigert sich der Jakobsweg allerdings der „einfachen Route“ am Fluss entlang (die mir das Navi immer wieder aufdrängen wollte) und folgt in weiten Teilen dem bekannten Rheinsteig mit deutlich mehr Höhenmetern (und dadurch schönerem Lauferlebnis). Ich würde empfehlen, lieber mehr Zeit zu investieren und die schöneren Wege zu gehen, denn auf den Weg kommt es ja an. Nicht versiegelte Waldwege tun den Füßen (meist) gut und inspirierende Umgebungen helfen beim Nachdenken. Ob man allerdings wirklich jede Dorfkirche am Weg mitnehmen muss, darf jeder selbst entscheiden. Einige haben mich nachhaltig fasziniert, während ich kurz sitzen und ausruhen konnte. Andere waren nicht so einladend oder sogar geschlossen. Dann ist die Enttäuschung über den Umweg doppelt so groß. Ein Highlight ist die offene Kirche in Aspach (bei Gotha) mit Tisch & Stühlen und toller Atmosphäre!

Was sind geeignete Herbergen?

Bei den Übernachtungen muss man sich auf einen Mix aus günstigen Pilgerherbergen und teureren Hotels oder Pensionen einstellen. Ganz so günstig wie in Spanien kommt man nicht davon. Vor allem, weil eine Hotelübernachtung meist auch ein Abendessen im Restaurant erfordert, wenn die einfache Pilgerküche fehlt. Und in manchen Hotelrestaurants hat schon ein Glas Wein und Wasser zum Abendessen mehr gekostet als an anderen Orten die Übernachtung inkl selbstzubereitetem Abendessen, Getränken und Frühstück zusammen. Weiter unten werde ich detaillierter auf meine Erfahrungen eingehen (wobei die durch die Brille der Corona-Maßnahmen im Herbst 2020 zu sehen sind).
Gute Erfahrungen habe ich mit dem Anrufen bei Pfarrerinnen und Pfarrern gemacht. Einige haben mich aufgenommen, obwohl sie keine offizielle Pilgerherberge betreiben. Leider musste ich mir auch einige verständnislose Absagen anhören, die gar nicht verstehen konnten, warum man auf einer Pilgerreise in einer Kirche nach Unterkunft fragt. Vielleicht sollten die Landeskirchen (in dem Fall EKM, EKKW, EKHN und EKiR) das Thema „Pilgerfreundliche Gemeinde sein“ nochmal vertieft behandeln. Denn wer Pilger aufnimmt, tut nicht nur denen etwas gutes, sondern kann auch von deren Fragen und Erlebnissen profitieren (sofern man irgendwann wieder wirklich miteinander in Kontakt kommen darf). Eine Falt-Matratze in einem beheizbaren Raum, eine einfache Pilgerküche (Herdplatte, Topf, Wasserkocher) und eine Toilette mit Waschbecken reichen notfalls aus. Ein Kühlschrank und eine Dusche erhöhen den Komfort natürlich deutlich. Aus Pilgersicht wäre es schön gewesen, mehr Kontakt zu Gastgebern oder anderen Pilgern zu haben. Das war coronabedingt nur eingeschränkt möglich, weil oft pro Sanitäreinrichtung nur ein Haushalt zugelassen war und ich daher oft alleine im großen Gemeindehaus war, während andere weiterreisen mussten.

Realistisches Tagesziel

Bei den Etappenvorschlägen in der Literatur finde ich immer wieder Touren um die 30 Km am Tag. Das halte ich persönlich für eine Pilgerreise für zu viel. Aber das muss jeder selber rausfinden. Mein Körper sagt mir bei über 20Km (mit gut 10Kg Rucksack auf dem Rücken) sehr deutlich, dass es reicht. Ich laufe meist zwischen 8 und 9 Uhr los und versuche, zwischen 16 und 17 Uhr anzukommen. Und dafür sind 20Km eine gute Distanz. Denn an schönen Punkten sollte man auch Zeit zum Verweilen einplanen. Sei es eine 30min Mittagspause, mehrere kurze Auszeiten an schöner Aussicht, in einer Kirche oder zum Lesen informativer Schautafeln. Und auch das Nachdenken und ggf Aufschreiben von Erkenntnissen sollte Zeit haben. An den Tagen, wo ich ein zu hohes Pensum schaffen musste, habe ich weniger von mir und meiner Umgebung wahrgenommen als an entspannten Wandertagen. Also lieber nur 18 Km vornehmen (kleinere Umwege ergeben sich von selbst…) als mit zu hohen Ansprüchen unglücklich werden. Zwar hört man immer wieder Geschichten von Pilgern, die 30 oder 40 Km an einem Tag gelaufen sind, aber das sind dann oft Ausnahmen, weil es nicht anders ging oder irgendwas schief gegangen ist. Und das sind vor allem keine Entfernungen, die man mehrere Wochen am Stück geht. Wer nur eine Tagestour macht oder eine Woche unterwegs ist, kann mehr leisten als wer dauerhaft geht. Zusätzlich würde ich außerdem alle 10-14 Tage einen Pausetag einplanen, an dem man nur wenig oder gar nicht gehen muss, sondern vor Ort bleibt, Wunden versorgen, Wäsche waschen oder lokale Sehenswürdigkeiten besichtigen kann. Und wenn es mal gar nicht mehr geht (Wetter, Füße, Motivation, …), darf man auch ruhig mal eine Strecke per Bus und Bahn abkürzen. Ich habe zum Beispiel die Innenstadtrouten von Erfurt und Gotha abgekürzt, weil ich an dem Tag erst mittags losgekommen bin und der mir gut bekannte Weg vom Domplatz zum Messegelände ohnehin nicht so reizvoll ist.

Mahlzeiten und Tagesstruktur

Abends habe ich meist zwischen 18 und 20 Uhr gegessen. Oft war ich der einzelne Pilger in einer Unterkunft (gleichzeitig ein Vorteil und Nachteil der Corona-Maßnahmen), so dass gemeinsame Gespräche über den Weg eher spärlich ausfielen. Dadurch bin ich entgegen meinem Alltag als Spätschläfer meist schon um 21-22 Uhr Schlafen gegangen und habe oft 10h geschlafen. Wenn der Körper es braucht, gönn es ihm! Dennoch fand ich es hilfreich, nicht zu spät loszulaufen. Also um 7 Uhr aufstehen und zwischen 8 und 9 Uhr loslaufen, wäre mein Tipp. Wobei ich auch Tage hatte, an denen es immer später wurde oder ich nach 20min Weg doch nochmal auf nen Kaffee beim nächstbesten Bäcker angehalten habe.
Bei den Mahlzeiten habe ich flexibel auf die Gegebenheiten reagiert. Teilweise gab es ein tolles Frühstücksbüffet, manchmal einfach nur Müsli und Milch, oder auch mal gar nichts. Dann gab es Supermarktfrühstück oder notfalls Fallobst an der nächsten Wiese. Eine Notration hatte ich immer dabei, um notfalls nicht zu unterzuckern. Und einige Herbergen haben schon vorher den Hinweis gegeben, unterwegs einzukaufen, weil es im Ort nichts gibt. Das war hilfreich. Um von Logistik vor Ort unabhängig zu sein, habe ich mir eine kleine Flasche und Kaffeepulver mitgenommen und jeden Abend eine Portion ColdBrewCoffee angesetzt (10g Kaffeepulver mit 250ml kaltem Wasser aufgießen und 8-12h ziehen lassen). So hatte ich jeden Tag einen kalten Koffeinschub zum Mitnehmen. Danaben hatte ich pro Tag 1-2 Müsliriegel, viel Obst und wenn möglich 1-2 Brötchen dabei. Nach Ankunft gab es erstmal eine warme Dusche (oder eben Katzenwäsche) und Vitamin/Magnesium-Brausetablette zum Trinken. Abends war in einigen Orten ohne Küche oder Geschäft ein Pizza-Lieferdienst die einzige Nahrungsquelle. Auch da kann man zwischen Nudeln, Reis und ähnlichem variieren, aber die Qualität im Vorfeld nur selten einschätzen. Zumindest satt bin ihc immer geworden.

Zwischen Erfurt und Loreley

Im Nachhinein wird mir bewusst, wie unterschiedlich Deutschland beschaffen ist und wie diese Gegebenheiten auch kulinarisch und menschlich prägen. Das ist natürlich hochgradig persönlich und von Reisebedingungen wie Wetter, Begegnungen, Unterkünften abhängig. Die Beobachtungen sollen niemanden diffamieren und haben keinen Anspruch auf wissenschaftliche Neutralität:
Die Thüringer Wege waren recht kühl, rauh, windig, sehr ländlich, dünn besiedelt. Infrastruktur war eher spärlich, aber das was da ist, teilt man gerne. Hier waren einfache Übernachtungen am einfachsten zu finden und ich hatte am ehesten das Gefühl, zu pilgern.
Die nordhessischen Wege kamen mir eher wie ein Übergang vor. Das Bindeglied zwischen der neuen und der alten Heimat. RollingHills, kleine Städtchen, die für sich funktionieren aber selber wissen, dass sie keine Highlights sind. Eher entspannt und pragmatisch. Es war ein tägliches Abwägen zwischen den Bergtouren („mit Lissy“) oder den einfachen Talstrecken („mit Jack“), bevor abends beide wieder zusammen kommen.
Die mittelhessischen Wege an der Lahn waren unspektakulär schön. Auf diesem Abschnitt habe ich viel bei Freunden übernachtet und es gab die größten Umplanungen. Die großen Entscheidungen passieren ja oft im unscheinbaren. Mal flach an der Lahn oder mit seichter Steigung über die Hügel. Im Rückblick alles recht zahm, aber ohne zahlreiche unspektakuläre Zuflüsse wie die Lahn wäre der Rhein auch nicht so ein großer Strom…
Zwischen Lahn und Rhein wurde für mich die Reise deutlich katholischer, gefühlt konservativer, weniger flexibel und kommerzieller. Auch da gab es wohlwollende Begegnungen und schöne Strecken, aber die persönliche Nähe wich einer touristischen Gastlichkeit des Gebens und Nehmens.
Das UNESCO-Weltkulturerbe des Mittelrheins schließlich begeistert mit Weinbau, hohen Felsen, Prunk und Unnahbarkeit. Sicherlich liegen einige der schönsten Erlebnisse dort und ich mag das bergige, herausforderne. Aber hier ist man sich auch bewusst, dass man etwas besonderes ist. Man frotzelt gegen die andere Rheinseite, grenzt Altbier- Kölsch-, Pils- und Weingegenden voneinander ab und ist stolz auf alte Steine, egal ob Kirche oder Schloß. Wobei es davon so viel gibt, dass es auch wieder egal ist.

Ausrüstung – Wirklich nur das nötigste

„Maximal 10% des eigenen Körpergewichts soll man auf dem Rücken tragen“ hab ich mal gehört. Da hab ich ja nochmal Glück gehabt, aber wie man als zierliches Wesen bei so einer Tour unter 10 Kg kommen soll, kann ich mir nicht vorstellen. Ein leichter 40l Rucksack scheint mir passend für folgendes zu sein:
Ein Set Wanderklamotten: T-Shirt, Fleece, Unterhose, Socken, Wanderhose, Wanderschuhe, Schweißtuch, Jacke, Mütze, Schal, Handschuhe, Mundschutz. (wenn möglich alles Merinowolle oder schnelltrocknende Microfaser)
Ein Set Freizeitklamotten (notfalls auch wandertauglich): T-Shirt, Longsleeve, Unterhose, Hose, Socken, leichte Schuhe, Mikrofaserhandtuch
Backup für nass-kaltes Wetter: Wollsocken, lange Unterhose, Regenhose, Regencape
Kleines Technik-Set (wasserdicht verpackt): Handy, USB-Ladegerät, Kopfhörer, leichte Powerbank, Smart-Armband + Ladegerät, USB-Stick, Minilampe
Kleiner Kulturbeutel: kl. Zahnbürste, Zahncremekonzentral, Duschgel, Deo-Stick, Feuchtigkeitscreme, Wundheilsalbe, Pflasterset, Nagelschere, Baby-Puder, Desinfektionsspray, Kaugummi
weiteres: Geldbeutel (minimal mit Karten & kleinen Scheinen), Tagebuch, Stift, Pilgerführer, Schlafsack, Baumwollbeutel (um Kleidung zum Kissen zu machen), Schlafanzug, Ersatzmundschutz, Trinkblase (mir haben 1,5l Wasser pro Tagesmarsch gereicht), Termoskanne + Teebeutel, CB-Coffeeflasche + Kaffeepulver, Vitamintabletten, Müsliriegel, Obst, Besteck, Plastikschüssel, Pilgermuschel, Pilgerkreuz

Ich hatte anfangs 15Kg gepackt, habe dann schon zu Hause zweimal entschlackt und nach 3 Tagen nochmal ca 2Kg „Notfallmaterial“ aussortiert und per Päckchen nach Hause geschickt.

persönliches Resümee

Die Reise hat sich auf jeden Fall gelohnt! Es waren vier Wochen Abenteuer, die am Ende so schnell vorbei waren, dass ich mir für das nächste mal gerne 6-8 Wochen Zeit nehmen würde. Aber das ist schwer im Arbeitsalltag einzutackten. Ich hatte öfters die Frage, warum ich mir das eigentlich antue, täglich schmerzende Füße und Beine, wunde Stellen zu versorgen und neue Reise-Bedingungen auf die man sich einstellen musste. Es ist schon was anderes wie ein All-Inclusive-Mittelmeerurlaub (und am Ende vermutlich ähnlich teuer). Aber es ist eine unbezahlbare Erfahrung und hilft, den überdrehten Alltag wieder besser einzuordnen. Zwischendurch habe ich mich manchmal auf SocialMedia-Kanälen umgesehen und gemerkt, welche Belanglosigkeiten uns täglich beschäftigen. Worum geht es eigentlich? Was brauchen wir eigentlich? Und wie viel Ballast hält uns vom eigentlichen Leben ab?
Jetzt komme ich langsam wieder im Alltag an und werde vermutlich ganz schnell wieder nach dem bisherigen „Normal“ funktionieren. Aber das Gegenkonzept im HInterkopf zu haben kann auch helfen, den üblichen Alltag immer wieder zu hinterfragen, reflektierter zu gestalten und kleine Dinge bewusster wahrzunehmen.

Etappen-Übersicht

Für alle, die es ganz genau wissen wollen, hier eine tabellarische Übersicht meiner Reise mit ein paar Kommentaren. Nicht als perfekte Tour zum Nachahmen, aber vielleicht hilft es ja bei der eigenen Tourplanung:

  • Tag -2: Packen, aussortieren, neu packen, klären, was man noch braucht
  • Tag -1: letzte Dinge besorgen & für die Abwesenheit klären, final packen (da ich an einem Montag los wollte, konnte ich Sonntag nicht einkaufen und bin erst Montagmittag losgekommen, kein guter Start…)
  • Erfurt-Gotha, lange geradeaus, unspektakulär, zu schnell unterwegs (Blase gelaufen)
    ÜN im ev. Gemeindehaus der Versöhnungskirche inkl Küche
  • Gotha-Neufrakenroda (Siloah), eigentlich zu kurzer Weg aber als zweite Etappe bewusst so geplant. Abstecher nach Aspach lohnt!
    ÜN im Einzelzimmer, Wetter sehr kalt, aber gute Gemeinschaft auf dem Hof
  • Neufrankenroda – Eisenach, toller Kammweg später schlecht ausgeschildert (ein Bahnübergang existiert nicht mehr), langer Weg durchs Industriegebiet
    ÜN Junker Jörg = schönes Einzelzimmer, aber weit oben am Berg, kein Altstadtbummel mehr, weil müde
  • Eisenach-Ifta, viele Tiere getroffen und bewusst wahrgenommen, Einkaufen schon in Creuzburg (für 2 Tage)
    ÜN im ev. Gemeindesaal, einfacher Standard mit kl Küche
  • Ifta-Datterode, kurze Etappe über die ehem. innerdeutsche Grenze, die mir kaum aufgefallen ist. Hätte ich mir mehr Zeit nehmen sollen?
    ÜN in einfacher Pension im alten Bauernhaus mit super Frühstück!
  • Datterode-Waldkappel, auf Waldweg mit Förster über Fichtensterben geredet & lange Pause in der Sonne
    ÜN im ev. Gemeindehaus, Frühstück beim Bäcker
  • Waldkappel-Spangenberg, zu schnell bergauf gegangen = den ganzen Tag nassgeschwitzt, weil zu wenig Sonne zum schnell trocknen
    ÜN auf Burgsitz (toll reloviert, Spendenbasis)
  • Spangenberg-Homberg, schöner Weg, aber unmotiviert, also viele kurze Sonnenpausen, vor kurzem Starkregen in Kirche geflüchtet, ab Ostheim mit Bus abgekürzt
    ÜN SELK-Herberge inkl Küche direkt in schöner Altstadt!
  • Homberg-Treysa, langer Weg über die Berge „mit Lissy“, nasses Gras = nasse Füße = saukalt
    ÜN privat in Treysa
  • Treysa-Kirchhain, Weg über Momberg und Speckswinkel, ungeheizte Kirchen zum „Aufwärmen“, weil kalter Wind, Stadtallendorf lange Innenstadt, dann per Zug abgekürzt
    ÜN privat in Kirchhain
  • Kirchhain-Rauischholzhausen, entspannter Aufstieg zur Amöneburg mit tollem Ausblick, danach Weg verlassen und Freunde getroffen
    (wäre die Tour bis Marburg gegangen, hätte ich den Berg vermutlich umgangen)
    ÜN privat in Rauischholzhausen
  • RHH-Marburg-Roth, Logistik/Pause-Tag, privates organisieren, daher tw Auto/Bus/Zug gefahren und tw gelaufen, eigentliche Route macht hinterm Schloss einen sicher schönen aber unnötigen Umweg
    ÜN privat in Roth
  • Roth-Bellhausen-Niederwalgern , nochmal ein Tag ohne viel Weg (aus logistischen Gründen), dafür einen Schlenker gemacht und spannende Landwirtschaftsprojekte entdeckt.
    ÜN privat in Niederwalgern
  • Niederwalgern-Gleiberg, auf diesem Weg sind auf einmal alle Dorfkirchen abgeschlossen, kommt mir komisch vor! (zu lange) Pause an der Schmelzmühle, danach zieht sich der (schöne) Weg länger als gedacht
    ÜN im ev. Gemeindehaus
  • Gleiberg-Wetzlar, Burg, Feld, Wald, schöne Wege, aber wenig Caminofeeling (keine Wegweiser), Marburg-Wetzlar ist eher „Zubringer“ zum Lahn-Camino, warum eigentlich?
    ÜN privat in Wetzlar
  • Wetzlar-Weilburg (Kubach), Dörfer abgekürzt, dafür Turm ohne Aussicht und Braunfelser Altstadt mitgenommen, Weilburger Innenstadt ausgespart, weil Herbergssuche schwer war
    ÜN in Pension am Kartoffelhof
  • Weilburg-Langhecke, eigentlich kurze Tour wird länger, weil ich einen Geldautomaten suche, sehr ländliche Gegend, toller sonniger Weg, Highlight ist Burg Freienfels!
    ÜN im kath. Gemeindehaus
  • Langhecke-Limburg, emotionaler Gedanken, daher nehme ich den Weg kaum war, Einlauf nach Limburg sonnig und schön!
    ÜN im Priesterseminar, Andacht mit indischen Schwestern
  • Limburg-Balduinstein, kurze Etappe, um noch etwas Zeit für Limburg und Diez zu haben, wegen Regen länger im Café und mittags Pizzaria gesessen. Dennoch rechtzeitig angekommen
    ÜN in Hotel
  • Balduinstein-Obernhof, fixe Deadline,w eil Klosterpforte 16.30 Uhr schließt, daher schnell unterwegs, dabei im Wald falsch abgebogen und am Ende länger unterwegs, Erlebnis: orthodoxen Gottesdienst mit Schwestern des Klosters gefeiert, einfach aber herzlich
    ÜN Kloster Arnstein
  • Obernhof-Bad Ems, überrascht von schönem Dausenau, aber wenig gastlich, Bad Ems wirkt wie eine alternde Diva, die mal schön war und jetzt langsam unattraktiv wird (schwierige Herbergssuche)
    ÜN Hotel Prinz Eitel
  • Bad Ems-Lahnstein, Schleuse und Flusspflege an der Lahn sind Highlights, der Weg wird bergiger, dank Zeitumstellung schon um halb6 dunkel, emotionales Ende des LahnCamino an der Mündung erst im Stockdunkeln gesehen
    ÜN in sehr schöner Villa via AirB&B
  • Lahnstein-Kamp-Bornhofen, SmallTalk mit anderen Gästen = spät losgegangen, RheinCamino wird bergiger, obwohl es Wege am Fluss gibt = schön, aber nicht effektiv
    ÜN Hotel Rheinkönig direkt am Ufer
  • Kamp-Bornhofen-St. Goarshausen, es gibt da ein Wallfahrtskloster, das keine Pilger beherbergt und das nichteinmal komisch findet…
    Der Weg ist mein Gesamt-Highlight, viel hoch und runter und tolle Ausblicke auf den Rhein, sonnig, aber kalter Wind
    ÜN im ev. Gemeindehaus (ohne Küche)
  • St. Goarshausen-Kaub, letzte (kurze) Etappe des RheinCamino, ich laufe früh los, um noch mit Fähre & Bahn weiterzukommen, zwischendurch kurzer Regenschauer, lange Mittagspause im noblen Restaurant FETZ, Weg durch unscheinbares Hinterland des berühmten Loreley-Felsens (angeblich soll da demnächst ein Vergnügungspark mit Luxushotels entstehen, Anwohner protestieren)
    ÜN in Boppard im neu renovierten Hotel Ebertor
  • Klettersteig in Boppard, es ist gut, ein wenig Zeit zum reflektieren zu haben, am Abschlußtag daher keine große Wanderung, aber ein spannender 5km Wanderweg mit (einfachen) Kletterelementen und hinterher Sauna und Weinprobe runden die Tour ab
  • Rückfahrt über Koblenz, Ausblick vom Deutschen Eck auf den MoselCamino, den ich vielleicht nächstes Jahr laufe, um dem Heiligen Jakobus näher zu kommen?
    Oder doch den Ostteil der Via Regia von Görlitz nach Erfurt, den ich eigentlich dieses Jahr schon gehen wollte?
    Oder den spanischen Camino wie ursprünglich geplant?
    Mal schaun, welcher Weg mich nächstes Jahr ruft…

meine Tanzgeschichte

Tanzen ist Kommunikation. Ein Medium, um die Welt um mich herum in Bewegung umzusetzen.

Tanzen ist eine Leidenschaft, die mich schon lange begleitet. Mit 13 Jahren habe ich angefangen in einer Marburger Tanzschule Kurse zu belegen. Walzer, Jive, Tango, Samba, … Das Welttanzprogramm eben. Nach den üblichen Grund- und Medaillenkursen habe ich etwa 6 Jahre in einer Art Tanzkreis mit anderen Jugendlichen komplexere Technik und Figurenfolgen gelernt. Neben Showtanzformationen war das individuelle Führen und kreative entwickeln neuer Abläufe mit unterschiedlichen Tanzpartnerinnen meine Spezialität. So habe ich gelernt, mit verschiedenen Damen Musik auszutanzen und Freude auszustrahlen.
Neben dem eigenen Tanzen habe ich viel hospitiert, Tanzdamen auf dem Weg durch die Medaillenprüfungen begleitet und dadurch Souveränität auf dem Parkett entwickelt. Auch außerhalb der Tanzschule wurde ich öfters nach Tipps gefragt und habe angefangen, Anfängern die Lust am Tanzen weiterzugeben. Bewusst habe ich nie eine professionelle Turnierlaufbahn eingeschlagen, weil mir Freude und Ausdruck immer wichtiger waren als das penible Gutachten eines Wertungsrichters, der vorgibt, wie etwas korrekt zu sein hat. Neben dem Sport war die Tanzschule auch mein zweites Zuhause. Dort verbrachte ich viel Zeit, traf Freunde und konnte Selbstbewusstsein tanken.

Später habe ich im Studium verstärkt Salsa getanzt. Gelernt habe ich auf Partys von Latinos und in Workshops. Paarweise, als Rueda oder Linedance. Die lockere Partystimmung mit schnellen koordinierten Bewegungen hat mich fasziniert. Dass ich stilistisch dabei sowohl cubanisch als auch NewYorkStyle geprägt bin, habe ich erst später rausgefunden.
Gleichzeitig habe ich beim argentinischen Tango (Salón und Nuevo) das Konzept des modularen „Führen und Folgen“ kennen gelernt. Es hat mich begeistert, wie aufgrund kleiner Nuancen der Körperhaltung harmonische Bewegungen als Paar entstehen. So konnte ich aus bestehenden Bewegungen aller Tänze neue Variationen bauen und flexibler mit tänzerischen Elementen umgehen.

Mein Drang zu extravaganten Elementen hat mich weiter zum sportlichen Rock’n’Roll geführt, wo schnelle Tanzfolgen mit akrobatischen Hebefiguren und stärkeren Show-Elementen kombiniert wurden. Über 10 Jahre war das mein Haupttanz, auch als Übungsleiter im Hochschulsport und Organisator von Trainingslagern, während andere Tänze eher als Hobby nebenher liefen. Da meine langjährige Rock’n’Roll-Partnerin in der gleichen Tanzschule aufgewachsen war wie ich, konnten wir bei Showeinlagen oft mehrere Tänze kombinieren und bei Medleys zwischen Stilen switchen.
In dieser Zeit verstärkten sich die Anfragen und ich konnte öfters Tanz-Workshops oder Wochenend-Freizeiten anbieten, bei denen die Teilnehmer teilweise über Jahre wieder kamen und so eine Gemeinschaft formten. Das Tanzen war für mich also Hobby, Beruf und Familie gleichzeitig. Eine enge Gemeinschaft, die mein Leben geprägt hat.

Dann musste ich durch einen Umzug nach Erfurt viele Dinge aufgeben und am neuen Ort auch tänzerisch neu Fuß fassen. Ich konnte Grundlagen der Gesellschaftstänze vertiefen und freie Improvisation in den Paartanz integrieren. Quasi als Steigerung des Tango Argentino fing ich an, auch in anderen Tänzen als Paar zu verschmelzen und die Musik in elementare Bewegungen zu interpretieren, die zwar grundlegend auf z.B. Rumbaelementen aufbauen, aber letztlich freie Improvisation im Paar sind. Eine sehr emotionale Spielart, die durch die enge Bindung des Paares einen speziellen Reiz hat.
Als etwas ruhigere Form des Rock’n’Roll begann ich mich mit dem Lindy Hop zu beschäftigen, der die freie (argentinische) Improvisation mit schnellen (nordamerikanischen) Bewegungen kombiniert und so faszinierende Lebensfreude mit tänzerischem Spiel verbinden kann.

Ebenso lernte ich sportliche Individualformen wie Zumba, Salsation oder Iron Body kennen, die tänzerische Elemente mit schweißtreibenden Aerobic-Übungen kombinieren und auf fröhlichen Kalorienverbrauch hin optimiert sind. Diese Gruppentänze eignen sich auch, um jede Disco zum Fitnessstudio umzuwidmen und durch Tanz körperlich fit zu bleiben.

Die Kombination aus individueller Bewegung und inhaltlich-musischer Interpretation eröffnete mir ein weiteres Feld der Tanz-Meditation. Nicht nur Musik, sondern auch Gefühle und Inhalte individuell in Bewegung umsetzen und dabei sich selber besser verstehen. Was in der Theologie über Bibliolog, Bibliodrama und andere theologisch-therapeutische Formate passiert, kann auch beim Tanzen helfen, sich in Personen hineinzuversetzen und Rollen zu spielen, um neue Erkenntnisse zu gewinnen. Um das auch tänzerisch umzusetzen, braucht man einen geschützten Rahmen um die Scheu vor der Performance abzulegen. Man muss sich seiner selbst bewusst sein und gelernt haben, in sich hinein zu spüren. Dann ist es möglich, über Tanz und Körperlichkeit Geschichten tiefer zu erleben und künstlerisch umzusetzen.

Ich hoffe, dass ich tänzerisch noch nicht am Ende bin. Auf der einen Seite nehme ich in meiner Geschichte eine Entwicklung von festen Strukturen zu modularer Improvisation wahr, auf der anderen Seite spüre ich eine Sehnsucht, an bisherige Formate anzuknüpfen und Fäden wieder aufzunehmen. So kann die methodische Erkenntnis einer Tanz-Meditation vielleicht auch einen regelkonform getanzten Quickstep in seiner Performance bereichern, ein Discofox durch Showtanz-Elemente oder klassischer Tanzschul-Jive durch LindyHop- und Rock’n’Roll-Einlagen etwas mehr Würze bekommen.
Und letztlich geht es beim Tanzen immer um eine Kommunikation im Paar. Ganz egal, wie der Tanz am Ende heißt, habe ich die Sehnsucht mit Menschen ins tänzerische Gespräch zu kommen, das nicht auf vorher definierten Schritten, sondern auf ausgetanzten Emotionen basiert. Ich wünsche mir, tänzerisch auf dem Weg zu bleiben, neue und alte Formen zu verbinden, Freude zu erleben und weiterzugeben.
Ich möchte Tanzen! Vielleicht auch mit dir?

Zug ins ungewisse – ein virtuelles live action role play

Beim Rollenspiel probieren wir uns aus, erleben uns in neuen, ungewohnten Szenarien und können die (körperlich-ganzheitlichen) Erfahrungen, die wir im Spiel machen, für das „echte Leben“ reflektieren. Aber geht das auch digital?

Im Rahmen des Studienmoduls „Kunst, Kultur & Medien“ an der Ev. Hochschule Tabor in Marburg haben wir uns mit Improvisationstheater und Rollenspiel beschäftigt. Ursprünglich war dann geplant, als Seminargruppe einen Teil des Unterrichts als LARP zu gestalten. Da aber die Seminarblöcke im Frühjahr 2020 nur digital als Zoom-Konferenz möglich waren, musste auch das LARP online stattfinden. Als Setting wählten wir eine fiktionale Welt in der nahen Zukunft, die unserer in nahezu allen Faktoren gleicht, aber zum einen Corona und die Auswirkungen ignorieren kann und zum anderen die spielerische Möglichkeit bietet, neue Technologien oder Gesellschaftssysteme anzusprechen. Soweit nicht explizit angegeben, gehen wir aber davon aus, dass die Welt funktioniert, wie wir sie kennen.

Im Vorfeld haben wir uns Fernsehformate angesehen und fiktionale Figuren analysiert. Welche Rollen spielen sie und welche Funktionen hat das für den Plot (z.B. in Kudamm ’56). Dann haben wir Formatunterschiede zwischen fiktionalen Werken und ScriptedReality-Formaten betrachtet, die einen non-fiktionalen Inhalt in ein fiktionales Szenario übertragen. Auf dieser Folie sollten die Studierenden sich eigene Rollen überlegen, in denen sie ein Mini-LARP spielen wollen. Sie bekamen einen Charakter-Fragebogen, sollten sich eine Hintergrundgeschichte mit Stärken, Schwächen und ein Primärziel für ihre Figur ausdenken. Wir haben in die Vorbereitung des LARP eine Unterichtseinheit investiert. Soweit das im beschränkten zeitlichen Rahmen möglich war, sollten sie sich eine passende Gewandung suchen und dann nach einer bewussten Pause zum „Live-Block“ in ihrer Rolle erscheinen. Danach haben wir uns eine reale Stunde Spielzeit gegönnt, um Start und Ende der Zeit klar abgrenzen zu können und hinterher (nach einer weiteren Pause) noch eine Einheit zur Reflexion des Geschehens. Was haben wir erlebt? Wie haben unterschiedliche Teilnehmer Dinge wahrgenommen? Wie habe ich mich in meiner Rolle gefühlt? Bin ich vielleicht irgendwo in Rollenkonflikte gekommen, wenn mein „ich“ anders handeln würde als meine Rolle?
So „kostet“ das LARP-Projekt insgesamt vier UE, die sich aber wirklich lohnen.

Im vLARP musste alle Interaktion online stattfinden. Unsere Plattform war das bereits bekannte Tool „Zoom“ in dem auch der digitale Unterricht stattfindet. Die Teilnehmer*innen waren also mit der grundlegenden Bedienung bereits vertraut, hatten Kameras und Mikrofone getestet, der Chat und Breakout-Sessions waren ihnen vertraut und sie waren dort „zu Hause“. Für das Spiel verwandelten wir Zoom in einen „Zug ins Ungewisse“, weil ein Zug einen abgegrenzten Spielraum bietet aus dem man nicht ohne weiteres entfliehen kann und gleichzeitig eine logische Aufteilung (Abteile und Speisewagen) bietet. Die Zoom-Namen wurden angepasst und ein geteilter Bildschirm setze einen klassischen Dampfzug als Szenerie. Als Spielleitung war ich der Zugbegleiter im Speisewagen, der für Snacks und Informationen bereit steht und Fahrgäste auf Anfrage von ihrem Abteilplatz in ein anderes Abteil umbuchen kann. Somit konnten sie von einem Abteil in ein anderes navigieren, indem sie im Speisewagen darum baten. Das ermöglichte es, in jedem Abteil mit kleinen Gruppen intensiv zu interagieren aber auch die Gruppen zu wechseln. Als Haupt-Ziel hatten die Teilnehmer, ihre Rolle auszuspielen. Zusätzlich habe ich ihnen jeweils eine (zufällige) individuelle Aufgabe gegeben, die inhaltlich den nächsten Unterichtsblock vorbereitet hat, der so spielerisch im Geschehen angeteasert wurde, ohne zu stark referierend zu sein.

Nachdem das erste vLARP „Zug ins Ungewisse“ gut angekommen ist, haben wir, im folgenden Block (eine virtuelle Exkursion nach Erfurt) eine weitere Einheit eingebaut, die die Handlung zusammenbindet ohne zu stark auf der ersten Einheit aufzubauen. Das vLARP „Zurück zum Zug“ war gesettelt am Bahnhofsvorplatz (Zoom-Raum-Ebene) in Erfurt mit Breakout-Räumen an zentralen Erfurter Orten, die bereits aus der Exkursion eingeführt waren. Diesmal bekamen alle Spieler eine Main-Quest, bei der sie fünf Fragen zum vergangenen Exkursionsgeschehen an diesen fünf Orten beantworten sollten. An jedem Ort gab es gebriefte Informanten (NPCs), die ihnen helfen sollten, bestimmte Informationen zu bekommen. Jeder Spieler wurde am Anfang einem Ort zugelost, konnte aber frei wählen, wie lange man dort verweilt und wann man den Raum wechselt. So ergaben sich immer wieder neue Konstellationen und spannende Interaktionen der Charaktere. Gleichzeitig hatte ich als Spielleitung die Möglichkeit, die Routen zu leiten und Raumempfehlungen zu geben, wo gerade nicht so viel los ist. Mit dem Zuordnen zur passenden Breakout-Session konnte ich ihnen den Weg zur passenden Straßenbahn ausschildern, die sie nur noch betreten mussten. Einige der Informanten haben ihren Zoom-Hintergrund passend ausgetauscht, sodass „Bratmaxe“ am Domplatz tatsächlich in einer Wurstbude saß und die Stadtführerin am Augustinerkloster tatsächlich im Raum der Stille angesiedelt war. Mit gregorianischen Gesängen wurde Meister Eckhart in der Predigerkirche lebendig, andere spielten ihre Rolle durch starkes Auftreten, gute Argumentation oder setzten Stimmungen, die sich schnell übertrugen.
Auch die Teilnehmer*innen haben unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt. Einige haben sich auf die Main-Quest konzentriert, andere stärker ihre persönliche Side-Quest bearbeitet und wieder andere primär ihre Rolle ausgespielt und mit anderen interagiert. Das war für diese Selbsterfahrung freigestellt und in einer Zeitstunde ohnehin nicht alles möglich.

Falls man bei einem vLARP einen stärkeren roten Faden spinnen möchte, müsste man mit einem größeren Team vorher geplante Story-Elemente setzen und die eingerichteten Breakout-Sessions dafür kurzzeitig beenden, damit alle die relevanten Informationen mitbekommen. Spannend wäre es, so ein Spiel über mehrere Stunden zu ziehen, ggf auch die zur Verfügung stehenden Räume zu variieren und Gruppenaufgaben zu stellen (Rätsel, Sozialexperimente, Kampsimulation). Dafür müssen die NPCs gut gebrieft sein und optimalerweise sollte man einen externen Messenger zur Meta-Kommunikation im Team haben. Optimal wäre, wenn eine Spielleitung sich nur kommunikativ an die Teilnehmer wenden könnte, während eine weitere Person als Host im Hintergrund die technischen Dinge erledigt. Das Zuordnen der Teilnehmer zu Breakout-Sessions, die Chat-Kommunikation, das Gestalten und benennen der Breakout-Sessions und das Einspielen eines geteilten Desktops mit Informationen beansprucht viel Zeit, die dann zur InGame-Kommunikation fehlt. Allerdings muss eine auf mehrere Schultern verteilte Spielleitung sich gut absprechen, an welcher Stelle im Plot man gerade ist, damit die einzelnen Erlebnisse zusammengebunden werden.

Generell kann man durch Spiele viel lernen. Soziale Situationen, Interaktionen, der Umgang mit unterschiedlichen Situationen und ethische Fragen zu Handlungsweisen von Rolle und Person. Daher sollte man in keinem Fall an der Auswertungszeit sparen und dafür reichlich Zeit und kreative Methoden einplanen. Auch die inhaltliche Vorbereitung und Entwicklung einer funktionierenden Spielmechanik sind nicht zu unterschätzen. In jedem Fall ist dafür ein Team zu empfehlen, das sich auf Augenhöhe reflektiert, um Gefahren und Lücken in Plot oder Methodik früh zu erkennen. Außerdem braucht man immer reichlich Spontaneität und Improvisationsgabe, um auf unvorhersehbare Situationen eingehen zu können.

Ich freue mich schon auf weitere LARP-Erfahrungen, gerne als Live-Action-Variante vor Ort aber nach den ersten beiden virtuellen Erfahrungen auch als vLARP.

Projekte zwischen Wissenschaft, Kirche und Medienwelt