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Pilgern in Deutschland – ein Erfahrungsbericht

Ich schreibe als Medientheologe über meine Erfahrungen mit einem sehr klassischen Medium – die Pilgerreise. Eine Auszeit, in der ich bewusst viele Kanäle nicht genutzt habe, um anderes stärker wahrzunehmen.
Da der Text etwas länger ist, hier eine Übersicht der Kapitel:

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Der Weg ist das Ziel

Eigentlich hatte ich geplant, den nordspanischen Küstenweg nach Santiago de Compostella zu pilgern. Nachdem Nordspanien kurzfristig Risikogebiet wurde, war ich im Oktober 2020 stattdessen vier Wochen auf Pilgertour in Deutschland.
Nach der ersten Enttäuschung kam es mir eigentlich total passend vor: Wie ursprünglich üblich bin ich zuhause (in Erfurt) losgelaufen. Die richtung wurde durch die Wege mit der Jakobsmuschel ausgewiesen. Auch wenn mir klar war, dass ich in einem Monat nicht den ganzen Camino gehen kann, war ich im Geiste der Jakobspilger unterwegs. Und diese Ausrichtung gab der Tour eine zusätzliche Tiefe. Neben dem Fernwandern haben mich geistliche und menschliche Fragen beschägtigt: Wer bin ich? Was ist mir wirklich wichtig? Wie will ich in Zukunft leben? Fragen, die im Alltag zu oft untergehen. Da bietet es sich an, eine Auszeit zu nutzen, um bewusst darüber nachzudenken.
Die täglich Routine des Laufens und wo möglich ein einfaches Leben mit Verzicht auf unnötigen Luxus und Zerstreuung waren mir wichtig. Leider ist letzteres in Deutschland gar nicht so einfach (dazu später mehr). Einige sagen ja, man muss sich vom Weg leiten lassen, aber um entspannter zu sein, empfehle ich hierzulande ein wenig vorzuplanen. So habe ich die Übernachtungen der ersten beiden Wochen komplett vorgebucht und die letzten beiden Wochen dann unterwegs immer mit ein paar Tagen Vorlauf recherchiert. Das war gut, weil ich auf Veränderungen reagieren konnte, hat aber unterwegs auch zu einigen Stunden MobileOffice geführt. Und dass ich am Ende nach 500 Km an der Loreley lande, hätte ich am Anfang noch nicht gedacht. Von daher hat der Weg mich geführt, auch wenn ich nicht ganz unvorbereitet gestartet bin.

Planung und Literatur

Die Grundlage meiner Wegplanung war die Website https://camino-europe.eu (ergänzend auch www.oekumenischer-pilgerweg.de, www.elisabethpfad.de/elisabethpfade/eisenach-marburg und www.lahn-rhein-camino.de und die entsprechende Literatur). Ursprünglich geplant war die via regia und der Elisabethpfad. Durch kurzfristiges Umdisponieren (durch die sich ständig ändernden Infos zu Beherbergungsverbot und Corona-Hotspots) kamen noch LahnCamino und RheinCamino hinzu. Auf der europäischen Camino-Website finden sich Kurzbeschreibungen und gpx-Dateien der zentralen Jakobswege. Außerdem habe ich mir Literatur besorgt, um detailiertere Beschreibungen und Herbergsverzeichnisse (notfalls auch ohne Internet und Strom) dabei zu haben. Im Nachhinein würde ich aber sagen, dass beides auch nur mit digitalen Mitteln gut funktioniert hätte und die Bücher nicht unbedingt nötig sind. Besonders enttäuscht war ich, dass die eigentlich sehr guten OUTDOOR-Führer des Conrad-Stein-Verlages völlig unpassende Unterkünfte (Einzelzimmer oft 60-80 EUR pro Nacht) angeben und damit als Pilgerführer an sich ungeeignet sind. Allerdings muss man dazu sagen, dass es an den Strecken auch nicht sehr einfach ist, günstigere Alternativen zu finden (zumal aktuell fast alle Jugendherbergen wegen Umbau geschlossen sind). Da wäre also auch an die Jakobusvereine zu apellieren, noch mehr Kirchgemeinden und andere Anbieter zu motivieren, ihre Gemeindehäuser für Pilger zu öffnen und das auch klar zu kommunizieren. Positiv hervorheben möchte ich daher das Herbegsverzeichnis des ökumenischen Pilgerweges entlang der Via Regia (nur im Heft) und des Elisabethpfades, welches zwar dringend aktualisiert werden müsste, aber viele, auch günstige und pilgergeeignete Unterkünfte (5-10 EUR für Massenquartier, 15-30 EUR Pension) enthält. Wer die Bücher nutzt, bekommt freilich noch viele kulturelle Infos zu Städten und Sehenswürdigkeiten am Weg, die man sich sonst zusammengoogeln müsste. Und wer digitale Medien reduzieren will, kann das so entspannt tun (als Ergänzung sollte man dann eine gute Wanderkarte mitnehmen!).

Ich war allerdings primär digital unterwegs. Ich nutze die OpenSource-Software OSMAND~ die kostenlose Karten auf dem Gerät speichert und so unterwegs ohne Internetverbindung via gps navigieren kann. Über die importierten GPX-Daten wurde mir als rote Linie der vorgeschlagene Weg angezeigt. Zusätzlich habe ich meist eine Fußgänger-Navigation gestartet, um die Entfernung zum Ziel im Blick zu haben und bei Wegänderungen einfach weiter geleitet zu werden. Als Backup hatte ich die Beschreibungen in den Führern und die Wegmarkierungen (Jakobsmuschel bzw Elisabeth-Symbol am Wegrand), die mir gezeigt haben, dass ich auf dem richtigen Weg bin. An einigen Stellen musste ich zwischendurch abwägen, wenn die GPX-Daten, Navigation und Wegmarkierungen voneinander abwichen. Und letztlich muss jeder Pilger immer wieder seinen eigenen Weg finden. Der kann mal eine Ehrenrunde drehen, eine Abkürzung nehmen oder Exkurse integrieren. Vor allem zwischen Eisenach und Marburg musste man sich fast täglich entscheiden, ob man dem Jakobsweg auf den alten Handelsrouten im Tal (20Km asphaltierter und eher langweiliger Radweg) oder dem Weg der Heiligen Elisabeth (anstrengenderer aber schönerer Waldweg über die Hügel) folgt. Ich war meist mit Lissy unterwegs. Am Rhein verweigert sich der Jakobsweg allerdings der „einfachen Route“ am Fluss entlang (die mir das Navi immer wieder aufdrängen wollte) und folgt in weiten Teilen dem bekannten Rheinsteig mit deutlich mehr Höhenmetern (und dadurch schönerem Lauferlebnis). Ich würde empfehlen, lieber mehr Zeit zu investieren und die schöneren Wege zu gehen, denn auf den Weg kommt es ja an. Nicht versiegelte Waldwege tun den Füßen (meist) gut und inspirierende Umgebungen helfen beim Nachdenken. Ob man allerdings wirklich jede Dorfkirche am Weg mitnehmen muss, darf jeder selbst entscheiden. Einige haben mich nachhaltig fasziniert, während ich kurz sitzen und ausruhen konnte. Andere waren nicht so einladend oder sogar geschlossen. Dann ist die Enttäuschung über den Umweg doppelt so groß. Ein Highlight ist die offene Kirche in Aspach (bei Gotha) mit Tisch & Stühlen und toller Atmosphäre!

Was sind geeignete Herbergen?

Bei den Übernachtungen muss man sich auf einen Mix aus günstigen Pilgerherbergen und teureren Hotels oder Pensionen einstellen. Ganz so günstig wie in Spanien kommt man nicht davon. Vor allem, weil eine Hotelübernachtung meist auch ein Abendessen im Restaurant erfordert, wenn die einfache Pilgerküche fehlt. Und in manchen Hotelrestaurants hat schon ein Glas Wein und Wasser zum Abendessen mehr gekostet als an anderen Orten die Übernachtung inkl selbstzubereitetem Abendessen, Getränken und Frühstück zusammen. Weiter unten werde ich detaillierter auf meine Erfahrungen eingehen (wobei die durch die Brille der Corona-Maßnahmen im Herbst 2020 zu sehen sind).
Gute Erfahrungen habe ich mit dem Anrufen bei Pfarrerinnen und Pfarrern gemacht. Einige haben mich aufgenommen, obwohl sie keine offizielle Pilgerherberge betreiben. Leider musste ich mir auch einige verständnislose Absagen anhören, die gar nicht verstehen konnten, warum man auf einer Pilgerreise in einer Kirche nach Unterkunft fragt. Vielleicht sollten die Landeskirchen (in dem Fall EKM, EKKW, EKHN und EKiR) das Thema „Pilgerfreundliche Gemeinde sein“ nochmal vertieft behandeln. Denn wer Pilger aufnimmt, tut nicht nur denen etwas gutes, sondern kann auch von deren Fragen und Erlebnissen profitieren (sofern man irgendwann wieder wirklich miteinander in Kontakt kommen darf). Eine Falt-Matratze in einem beheizbaren Raum, eine einfache Pilgerküche (Herdplatte, Topf, Wasserkocher) und eine Toilette mit Waschbecken reichen notfalls aus. Ein Kühlschrank und eine Dusche erhöhen den Komfort natürlich deutlich. Aus Pilgersicht wäre es schön gewesen, mehr Kontakt zu Gastgebern oder anderen Pilgern zu haben. Das war coronabedingt nur eingeschränkt möglich, weil oft pro Sanitäreinrichtung nur ein Haushalt zugelassen war und ich daher oft alleine im großen Gemeindehaus war, während andere weiterreisen mussten.

Realistisches Tagesziel

Bei den Etappenvorschlägen in der Literatur finde ich immer wieder Touren um die 30 Km am Tag. Das halte ich persönlich für eine Pilgerreise für zu viel. Aber das muss jeder selber rausfinden. Mein Körper sagt mir bei über 20Km (mit gut 10Kg Rucksack auf dem Rücken) sehr deutlich, dass es reicht. Ich laufe meist zwischen 8 und 9 Uhr los und versuche, zwischen 16 und 17 Uhr anzukommen. Und dafür sind 20Km eine gute Distanz. Denn an schönen Punkten sollte man auch Zeit zum Verweilen einplanen. Sei es eine 30min Mittagspause, mehrere kurze Auszeiten an schöner Aussicht, in einer Kirche oder zum Lesen informativer Schautafeln. Und auch das Nachdenken und ggf Aufschreiben von Erkenntnissen sollte Zeit haben. An den Tagen, wo ich ein zu hohes Pensum schaffen musste, habe ich weniger von mir und meiner Umgebung wahrgenommen als an entspannten Wandertagen. Also lieber nur 18 Km vornehmen (kleinere Umwege ergeben sich von selbst…) als mit zu hohen Ansprüchen unglücklich werden. Zwar hört man immer wieder Geschichten von Pilgern, die 30 oder 40 Km an einem Tag gelaufen sind, aber das sind dann oft Ausnahmen, weil es nicht anders ging oder irgendwas schief gegangen ist. Und das sind vor allem keine Entfernungen, die man mehrere Wochen am Stück geht. Wer nur eine Tagestour macht oder eine Woche unterwegs ist, kann mehr leisten als wer dauerhaft geht. Zusätzlich würde ich außerdem alle 10-14 Tage einen Pausetag einplanen, an dem man nur wenig oder gar nicht gehen muss, sondern vor Ort bleibt, Wunden versorgen, Wäsche waschen oder lokale Sehenswürdigkeiten besichtigen kann. Und wenn es mal gar nicht mehr geht (Wetter, Füße, Motivation, …), darf man auch ruhig mal eine Strecke per Bus und Bahn abkürzen. Ich habe zum Beispiel die Innenstadtrouten von Erfurt und Gotha abgekürzt, weil ich an dem Tag erst mittags losgekommen bin und der mir gut bekannte Weg vom Domplatz zum Messegelände ohnehin nicht so reizvoll ist.

Mahlzeiten und Tagesstruktur

Abends habe ich meist zwischen 18 und 20 Uhr gegessen. Oft war ich der einzelne Pilger in einer Unterkunft (gleichzeitig ein Vorteil und Nachteil der Corona-Maßnahmen), so dass gemeinsame Gespräche über den Weg eher spärlich ausfielen. Dadurch bin ich entgegen meinem Alltag als Spätschläfer meist schon um 21-22 Uhr Schlafen gegangen und habe oft 10h geschlafen. Wenn der Körper es braucht, gönn es ihm! Dennoch fand ich es hilfreich, nicht zu spät loszulaufen. Also um 7 Uhr aufstehen und zwischen 8 und 9 Uhr loslaufen, wäre mein Tipp. Wobei ich auch Tage hatte, an denen es immer später wurde oder ich nach 20min Weg doch nochmal auf nen Kaffee beim nächstbesten Bäcker angehalten habe.
Bei den Mahlzeiten habe ich flexibel auf die Gegebenheiten reagiert. Teilweise gab es ein tolles Frühstücksbüffet, manchmal einfach nur Müsli und Milch, oder auch mal gar nichts. Dann gab es Supermarktfrühstück oder notfalls Fallobst an der nächsten Wiese. Eine Notration hatte ich immer dabei, um notfalls nicht zu unterzuckern. Und einige Herbergen haben schon vorher den Hinweis gegeben, unterwegs einzukaufen, weil es im Ort nichts gibt. Das war hilfreich. Um von Logistik vor Ort unabhängig zu sein, habe ich mir eine kleine Flasche und Kaffeepulver mitgenommen und jeden Abend eine Portion ColdBrewCoffee angesetzt (10g Kaffeepulver mit 250ml kaltem Wasser aufgießen und 8-12h ziehen lassen). So hatte ich jeden Tag einen kalten Koffeinschub zum Mitnehmen. Danaben hatte ich pro Tag 1-2 Müsliriegel, viel Obst und wenn möglich 1-2 Brötchen dabei. Nach Ankunft gab es erstmal eine warme Dusche (oder eben Katzenwäsche) und Vitamin/Magnesium-Brausetablette zum Trinken. Abends war in einigen Orten ohne Küche oder Geschäft ein Pizza-Lieferdienst die einzige Nahrungsquelle. Auch da kann man zwischen Nudeln, Reis und ähnlichem variieren, aber die Qualität im Vorfeld nur selten einschätzen. Zumindest satt bin ihc immer geworden.

Zwischen Erfurt und Loreley

Im Nachhinein wird mir bewusst, wie unterschiedlich Deutschland beschaffen ist und wie diese Gegebenheiten auch kulinarisch und menschlich prägen. Das ist natürlich hochgradig persönlich und von Reisebedingungen wie Wetter, Begegnungen, Unterkünften abhängig. Die Beobachtungen sollen niemanden diffamieren und haben keinen Anspruch auf wissenschaftliche Neutralität:
Die Thüringer Wege waren recht kühl, rauh, windig, sehr ländlich, dünn besiedelt. Infrastruktur war eher spärlich, aber das was da ist, teilt man gerne. Hier waren einfache Übernachtungen am einfachsten zu finden und ich hatte am ehesten das Gefühl, zu pilgern.
Die nordhessischen Wege kamen mir eher wie ein Übergang vor. Das Bindeglied zwischen der neuen und der alten Heimat. RollingHills, kleine Städtchen, die für sich funktionieren aber selber wissen, dass sie keine Highlights sind. Eher entspannt und pragmatisch. Es war ein tägliches Abwägen zwischen den Bergtouren („mit Lissy“) oder den einfachen Talstrecken („mit Jack“), bevor abends beide wieder zusammen kommen.
Die mittelhessischen Wege an der Lahn waren unspektakulär schön. Auf diesem Abschnitt habe ich viel bei Freunden übernachtet und es gab die größten Umplanungen. Die großen Entscheidungen passieren ja oft im unscheinbaren. Mal flach an der Lahn oder mit seichter Steigung über die Hügel. Im Rückblick alles recht zahm, aber ohne zahlreiche unspektakuläre Zuflüsse wie die Lahn wäre der Rhein auch nicht so ein großer Strom…
Zwischen Lahn und Rhein wurde für mich die Reise deutlich katholischer, gefühlt konservativer, weniger flexibel und kommerzieller. Auch da gab es wohlwollende Begegnungen und schöne Strecken, aber die persönliche Nähe wich einer touristischen Gastlichkeit des Gebens und Nehmens.
Das UNESCO-Weltkulturerbe des Mittelrheins schließlich begeistert mit Weinbau, hohen Felsen, Prunk und Unnahbarkeit. Sicherlich liegen einige der schönsten Erlebnisse dort und ich mag das bergige, herausforderne. Aber hier ist man sich auch bewusst, dass man etwas besonderes ist. Man frotzelt gegen die andere Rheinseite, grenzt Altbier- Kölsch-, Pils- und Weingegenden voneinander ab und ist stolz auf alte Steine, egal ob Kirche oder Schloß. Wobei es davon so viel gibt, dass es auch wieder egal ist.

Ausrüstung – Wirklich nur das nötigste

„Maximal 10% des eigenen Körpergewichts soll man auf dem Rücken tragen“ hab ich mal gehört. Da hab ich ja nochmal Glück gehabt, aber wie man als zierliches Wesen bei so einer Tour unter 10 Kg kommen soll, kann ich mir nicht vorstellen. Ein leichter 40l Rucksack scheint mir passend für folgendes zu sein:
Ein Set Wanderklamotten: T-Shirt, Fleece, Unterhose, Socken, Wanderhose, Wanderschuhe, Schweißtuch, Jacke, Mütze, Schal, Handschuhe, Mundschutz. (wenn möglich alles Merinowolle oder schnelltrocknende Microfaser)
Ein Set Freizeitklamotten (notfalls auch wandertauglich): T-Shirt, Longsleeve, Unterhose, Hose, Socken, leichte Schuhe, Mikrofaserhandtuch
Backup für nass-kaltes Wetter: Wollsocken, lange Unterhose, Regenhose, Regencape
Kleines Technik-Set (wasserdicht verpackt): Handy, USB-Ladegerät, Kopfhörer, leichte Powerbank, Smart-Armband + Ladegerät, USB-Stick, Minilampe
Kleiner Kulturbeutel: kl. Zahnbürste, Zahncremekonzentral, Duschgel, Deo-Stick, Feuchtigkeitscreme, Wundheilsalbe, Pflasterset, Nagelschere, Baby-Puder, Desinfektionsspray, Kaugummi
weiteres: Geldbeutel (minimal mit Karten & kleinen Scheinen), Tagebuch, Stift, Pilgerführer, Schlafsack, Baumwollbeutel (um Kleidung zum Kissen zu machen), Schlafanzug, Ersatzmundschutz, Trinkblase (mir haben 1,5l Wasser pro Tagesmarsch gereicht), Termoskanne + Teebeutel, CB-Coffeeflasche + Kaffeepulver, Vitamintabletten, Müsliriegel, Obst, Besteck, Plastikschüssel, Pilgermuschel, Pilgerkreuz

Ich hatte anfangs 15Kg gepackt, habe dann schon zu Hause zweimal entschlackt und nach 3 Tagen nochmal ca 2Kg „Notfallmaterial“ aussortiert und per Päckchen nach Hause geschickt.

persönliches Resümee

Die Reise hat sich auf jeden Fall gelohnt! Es waren vier Wochen Abenteuer, die am Ende so schnell vorbei waren, dass ich mir für das nächste mal gerne 6-8 Wochen Zeit nehmen würde. Aber das ist schwer im Arbeitsalltag einzutackten. Ich hatte öfters die Frage, warum ich mir das eigentlich antue, täglich schmerzende Füße und Beine, wunde Stellen zu versorgen und neue Reise-Bedingungen auf die man sich einstellen musste. Es ist schon was anderes wie ein All-Inclusive-Mittelmeerurlaub (und am Ende vermutlich ähnlich teuer). Aber es ist eine unbezahlbare Erfahrung und hilft, den überdrehten Alltag wieder besser einzuordnen. Zwischendurch habe ich mich manchmal auf SocialMedia-Kanälen umgesehen und gemerkt, welche Belanglosigkeiten uns täglich beschäftigen. Worum geht es eigentlich? Was brauchen wir eigentlich? Und wie viel Ballast hält uns vom eigentlichen Leben ab?
Jetzt komme ich langsam wieder im Alltag an und werde vermutlich ganz schnell wieder nach dem bisherigen „Normal“ funktionieren. Aber das Gegenkonzept im HInterkopf zu haben kann auch helfen, den üblichen Alltag immer wieder zu hinterfragen, reflektierter zu gestalten und kleine Dinge bewusster wahrzunehmen.

Etappen-Übersicht

Für alle, die es ganz genau wissen wollen, hier eine tabellarische Übersicht meiner Reise mit ein paar Kommentaren. Nicht als perfekte Tour zum Nachahmen, aber vielleicht hilft es ja bei der eigenen Tourplanung:

  • Tag -2: Packen, aussortieren, neu packen, klären, was man noch braucht
  • Tag -1: letzte Dinge besorgen & für die Abwesenheit klären, final packen (da ich an einem Montag los wollte, konnte ich Sonntag nicht einkaufen und bin erst Montagmittag losgekommen, kein guter Start…)
  • Erfurt-Gotha, lange geradeaus, unspektakulär, zu schnell unterwegs (Blase gelaufen)
    ÜN im ev. Gemeindehaus der Versöhnungskirche inkl Küche
  • Gotha-Neufrakenroda (Siloah), eigentlich zu kurzer Weg aber als zweite Etappe bewusst so geplant. Abstecher nach Aspach lohnt!
    ÜN im Einzelzimmer, Wetter sehr kalt, aber gute Gemeinschaft auf dem Hof
  • Neufrankenroda – Eisenach, toller Kammweg später schlecht ausgeschildert (ein Bahnübergang existiert nicht mehr), langer Weg durchs Industriegebiet
    ÜN Junker Jörg = schönes Einzelzimmer, aber weit oben am Berg, kein Altstadtbummel mehr, weil müde
  • Eisenach-Ifta, viele Tiere getroffen und bewusst wahrgenommen, Einkaufen schon in Creuzburg (für 2 Tage)
    ÜN im ev. Gemeindesaal, einfacher Standard mit kl Küche
  • Ifta-Datterode, kurze Etappe über die ehem. innerdeutsche Grenze, die mir kaum aufgefallen ist. Hätte ich mir mehr Zeit nehmen sollen?
    ÜN in einfacher Pension im alten Bauernhaus mit super Frühstück!
  • Datterode-Waldkappel, auf Waldweg mit Förster über Fichtensterben geredet & lange Pause in der Sonne
    ÜN im ev. Gemeindehaus, Frühstück beim Bäcker
  • Waldkappel-Spangenberg, zu schnell bergauf gegangen = den ganzen Tag nassgeschwitzt, weil zu wenig Sonne zum schnell trocknen
    ÜN auf Burgsitz (toll reloviert, Spendenbasis)
  • Spangenberg-Homberg, schöner Weg, aber unmotiviert, also viele kurze Sonnenpausen, vor kurzem Starkregen in Kirche geflüchtet, ab Ostheim mit Bus abgekürzt
    ÜN SELK-Herberge inkl Küche direkt in schöner Altstadt!
  • Homberg-Treysa, langer Weg über die Berge „mit Lissy“, nasses Gras = nasse Füße = saukalt
    ÜN privat in Treysa
  • Treysa-Kirchhain, Weg über Momberg und Speckswinkel, ungeheizte Kirchen zum „Aufwärmen“, weil kalter Wind, Stadtallendorf lange Innenstadt, dann per Zug abgekürzt
    ÜN privat in Kirchhain
  • Kirchhain-Rauischholzhausen, entspannter Aufstieg zur Amöneburg mit tollem Ausblick, danach Weg verlassen und Freunde getroffen
    (wäre die Tour bis Marburg gegangen, hätte ich den Berg vermutlich umgangen)
    ÜN privat in Rauischholzhausen
  • RHH-Marburg-Roth, Logistik/Pause-Tag, privates organisieren, daher tw Auto/Bus/Zug gefahren und tw gelaufen, eigentliche Route macht hinterm Schloss einen sicher schönen aber unnötigen Umweg
    ÜN privat in Roth
  • Roth-Bellhausen-Niederwalgern , nochmal ein Tag ohne viel Weg (aus logistischen Gründen), dafür einen Schlenker gemacht und spannende Landwirtschaftsprojekte entdeckt.
    ÜN privat in Niederwalgern
  • Niederwalgern-Gleiberg, auf diesem Weg sind auf einmal alle Dorfkirchen abgeschlossen, kommt mir komisch vor! (zu lange) Pause an der Schmelzmühle, danach zieht sich der (schöne) Weg länger als gedacht
    ÜN im ev. Gemeindehaus
  • Gleiberg-Wetzlar, Burg, Feld, Wald, schöne Wege, aber wenig Caminofeeling (keine Wegweiser), Marburg-Wetzlar ist eher „Zubringer“ zum Lahn-Camino, warum eigentlich?
    ÜN privat in Wetzlar
  • Wetzlar-Weilburg (Kubach), Dörfer abgekürzt, dafür Turm ohne Aussicht und Braunfelser Altstadt mitgenommen, Weilburger Innenstadt ausgespart, weil Herbergssuche schwer war
    ÜN in Pension am Kartoffelhof
  • Weilburg-Langhecke, eigentlich kurze Tour wird länger, weil ich einen Geldautomaten suche, sehr ländliche Gegend, toller sonniger Weg, Highlight ist Burg Freienfels!
    ÜN im kath. Gemeindehaus
  • Langhecke-Limburg, emotionaler Gedanken, daher nehme ich den Weg kaum war, Einlauf nach Limburg sonnig und schön!
    ÜN im Priesterseminar, Andacht mit indischen Schwestern
  • Limburg-Balduinstein, kurze Etappe, um noch etwas Zeit für Limburg und Diez zu haben, wegen Regen länger im Café und mittags Pizzaria gesessen. Dennoch rechtzeitig angekommen
    ÜN in Hotel
  • Balduinstein-Obernhof, fixe Deadline,w eil Klosterpforte 16.30 Uhr schließt, daher schnell unterwegs, dabei im Wald falsch abgebogen und am Ende länger unterwegs, Erlebnis: orthodoxen Gottesdienst mit Schwestern des Klosters gefeiert, einfach aber herzlich
    ÜN Kloster Arnstein
  • Obernhof-Bad Ems, überrascht von schönem Dausenau, aber wenig gastlich, Bad Ems wirkt wie eine alternde Diva, die mal schön war und jetzt langsam unattraktiv wird (schwierige Herbergssuche)
    ÜN Hotel Prinz Eitel
  • Bad Ems-Lahnstein, Schleuse und Flusspflege an der Lahn sind Highlights, der Weg wird bergiger, dank Zeitumstellung schon um halb6 dunkel, emotionales Ende des LahnCamino an der Mündung erst im Stockdunkeln gesehen
    ÜN in sehr schöner Villa via AirB&B
  • Lahnstein-Kamp-Bornhofen, SmallTalk mit anderen Gästen = spät losgegangen, RheinCamino wird bergiger, obwohl es Wege am Fluss gibt = schön, aber nicht effektiv
    ÜN Hotel Rheinkönig direkt am Ufer
  • Kamp-Bornhofen-St. Goarshausen, es gibt da ein Wallfahrtskloster, das keine Pilger beherbergt und das nichteinmal komisch findet…
    Der Weg ist mein Gesamt-Highlight, viel hoch und runter und tolle Ausblicke auf den Rhein, sonnig, aber kalter Wind
    ÜN im ev. Gemeindehaus (ohne Küche)
  • St. Goarshausen-Kaub, letzte (kurze) Etappe des RheinCamino, ich laufe früh los, um noch mit Fähre & Bahn weiterzukommen, zwischendurch kurzer Regenschauer, lange Mittagspause im noblen Restaurant FETZ, Weg durch unscheinbares Hinterland des berühmten Loreley-Felsens (angeblich soll da demnächst ein Vergnügungspark mit Luxushotels entstehen, Anwohner protestieren)
    ÜN in Boppard im neu renovierten Hotel Ebertor
  • Klettersteig in Boppard, es ist gut, ein wenig Zeit zum reflektieren zu haben, am Abschlußtag daher keine große Wanderung, aber ein spannender 5km Wanderweg mit (einfachen) Kletterelementen und hinterher Sauna und Weinprobe runden die Tour ab
  • Rückfahrt über Koblenz, Ausblick vom Deutschen Eck auf den MoselCamino, den ich vielleicht nächstes Jahr laufe, um dem Heiligen Jakobus näher zu kommen?
    Oder doch den Ostteil der Via Regia von Görlitz nach Erfurt, den ich eigentlich dieses Jahr schon gehen wollte?
    Oder den spanischen Camino wie ursprünglich geplant?
    Mal schaun, welcher Weg mich nächstes Jahr ruft…

Walking the DingleWay

Heute mal ein ungewöhnlicher Blog-Beitrag. Ein Reisebericht, der  Urlaubstipps gibt (1), über den Unterschied zwischen Wandern und Pilgern nachdenkt (2) und einen Mittelweg zwischen zwanghafter Offlinezeit und Online-Ausschlachtung einer Tour propagiert (3). Ich bin mit einem Freund den Weg im August 2018 gelaufen und teile gerne meine Erlebnisse mit euch.

1. The Dingle Way

Der DingleWay ist ein gut beschilderter Wanderweg, der auf ca 180 Km in Küstennähe die Dörfer und Städte rund um die Dingle-Halbinsel verbindet. Es ist nicht immer der kürzeste Weg, aber meist ein schöner Weg. Aber Achtung: Es ist kein flacher Küstenweg, sondern überwindet über seine acht Etappen gut 7600 Höhenmeter! Also sollte man die Route mit Bedacht auswählen. Für Menschen, die auch noch Urlaub machen wollen, empfehle ich, die Etappen zu verkürzen, Pausetage einzuplanen oder die erste und letzte Route (Tralee-Camp) wegzulassen. Auch kann man einzelne Stationen per Bus/Taxi zurücklegen (falls sich morgens schon Dauerregen abzeichnet). Ein Doppelzimmer im B&B bekommt man um die 30-50 EUR p.P., Hostelpreise liegen meist unter 20 EUR im Mehrbettzimmer (und man kann die Küche nutzen, um nicht jeden Tag im Pub zu essen – ca 20 EUR + Getränke).
Die Iren sind entspannte Menschen. Den meisten hat für die Buchung eine Email mit Vorname und Datum gereicht. Gezahlt wurde oft erst bei Abreise, ganz entspannt in bar, ohne Meldeschein und auf Vertrauensbasis. Auch das ist The DingleWay.
Für die Tourplanung empfehle ich die grundlegende Frage: Was erwartest du von einem Wanderurlaub? Geht es um möglichst viel körperliche Bewegung? Oder auch um das Sein in der Natur, ausgiebige Pausen, Ausschlafen, einen Stadtbummel oder Sightseeing an historischen Stätten? Wer den DingleWay an 8 Tagen läuft, wird wenig drumherum mitbekommen. Dabei lohnt es sich, zumindest einmal am Tag innezuhalten, wahrzunehmen, in welch herrlicher Natur man unterwegs ist und zu genießen. Das kann bei einer Pause am Strand sein (die Möglichkeit gibt es quasi jeden Tag!), auf einer Bank in den Hügeln (die sind selten, also nutzt sie, wenn ihr welche findet!) oder im Pub nach Feierabend (was in Irland quasi zum guten Ton gehört…). Man kann sich bei Obst und Wasser entspannen, Guinness und Cider vom Fass konsumieren oder diverse lokale Craft-Biere kennenlernen. Man kann im Hostel selber kochen (wenn es ein Geschäft vor Ort gibt!), in einigen Pubs sehr gut essen (z.B. „Ashe’s Pub“ in Camp) oder sogar im B&B hervorragend bekocht werden (erlebt im „Gleann Dearg“ in Dunquin). Man kann für sich alleine bleiben, aber viel schöner ist es, sich auf Gemeinschaft einzulassen. Leicht kommt man mit anderen Wanderern, Gastwirten, Touristen und Locals ins Gespräch und lernt Schweden, Holländer, Franzosen, Italiener, Deutsche, Österreicher, Schweizer, Amerikaner, Chinesen, Briten und Iren kennen. Auf meiner Tour habe ich schnell aufgegeben, mir alle Namen der Leute zu merken, die ich unterwegs getroffen habe (ich hab euch trotzdem alle lieb!). Dennoch waren es tolle Begegnungen, gute Gespräche (mal oberflächlich, mal gemeinsam leidend, mal witzig) und wertvoller Austausch über die Route, Weg-Optionen und Erlebnisse.

2. Willst du wandern oder pilgern?

Ein Teil des DingleWay ist offizieller Teil des Jakobsweges, man kann also in drei Etappen von Tralee nach Dingle pilgern (mit Stempeln und Zertifikat). Man kann auch den gesamten Weg als Pilgerreise verstehen, kann sich auf eine innere Reise begeben, über sich selber, das Leben und große Themen nachdenken und den Kontakt zu Gott suchen. Oder man kann in geselliger Gruppe laufen, den Schwerpunkt auf Gespräche, Austausch und die Gemeinschaft legen. Beides geht, aber man sollte sich entscheiden, um hinterher nicht frustriert zu sein. Ich hatte ein wenig von beidem. Primär war ich mit einem Studienfreund am Wandern, hatte gute Gespräch und immer wieder Austausch mit anderen Wanderern. Zwischendurch gab es aber auch mal Stunden in denen wir geschwiegen haben, wo die Gedanken kreisen konnten (vom Regen und Matsch zu Lebensfragen, Erinnerungen, Liedern und abstrusen Theorien). Dieses scheinbar ziellose Denken finde ich besonders bereichernd, weil es die Möglichkeit bietet, dass man mal auf ganz neue Ideen kommt, die man sich nicht bewusst ausgedacht hat. Als Inspirationsquelle habe ich das Buch „Ganz da“ von Richard Rohr mitgenommen und (fast) jeden Tag einen kleinen Impuls gelesen, der mich mal mehr und mal weniger blegleitet hat. Für mich war es also eine Wanderung mit Pilgerelementen. Sorum finde ich es hilfreicher, weil man dann erfreut über geistliche Erkenntnisse sein kann (andersrum hat man leicht zu hohe Erwartungen und ist dann unzufrieden, wenn man doch nur gewandert ist). Und als Tipp: Zu große Gruppen halten eher auf (jeder muss zu unterschiedlichen Zeiten aufs Klo, hat Blasen, Hunger oder andere Bedürfnisse…), aber alleine oder zu zweit kommt man normalerweise gut voran. Wir haben einige Menschen mit Zelten getroffen, da bietet es sich natürlich an, Zelt, Kocher und Utensilien auf mehrere Schultern aufzuteilen (wobei ich das nur erfahrenen Wanderern empfehlen würde). Im Normalfall (wenn man kein Gepäcktaxi für ca 20 EUR pro Tag mitbuchen möchte), würde ich zu max 6-8Kg Rucksackgewicht (+ 2-3 Liter Wasser und Lunchpaket) raten.

3. Willst du auf dem Weg sein oder überall?

Früher habe ich im Auslandsurlaub mein Handy grundsätzlich ausgeschaltet. Vorwand waren oft die Roaminggebühren aber der eigentliche Grund war, dass ich mal ganz da sein wollte, wo ich mich aufhalte und eben nicht erreichbar. Da ich in der digitalen Welt arbeite, kann ich schlecht „rein privat auf Facebook“ unterwegs sein bzw. bin schnell in Versuchung eben doch mal berufliche Mails zu beantworten oder spannende Artikel zu lesen. Wer das möchte – gerne! Aber man darf auch mal bewusst abschalten. Auch wenn mittlerweile die meisten Provider ohne Aufpreis das Telefonieren und Surfen zu Inlandsgebühren ermöglichen (auf dem DingleWay ist der Empfang weitestgehend gut, quasi alle Herbergen bieten außerdem freies WLAN an), kann es hilfreich sein, bestimmte Themen einfach mal zu Hause zu lassen. Ein lange gährender Streit, der sich nicht schnell lösen lässt? Eine inhaltliche Herausforderung an der man schon lange brütet? Ein Echtzeit-Browsergame, bei dem man nur mal kurz ein paar Klicks täglich macht? Lass es einfach mal zu Hause und lass dich auf echten Urlaub ein.
Gleichzeitig bin ich ein Verfechter davon, dass gesunder Onlinekonsum auch im Urlaub bereichernd sein kann. Wenn man zum Beispiel holländischen Touristen beim Gespräch übers Pilgern mal schnell ein Foto von Hape Kerkeling (und seinen Erfahrungen auf dem Jakobsweg) zeigen kann oder unbekannte Wörter auf irischen Speisekarten übersetzen lässt, ist das hilfreicher Interneteinsatz. Ständig im „Familienchat“ oder anderen Messenger-Kommunikationen mitzulesen, kann aber durchaus gefangen halten. Ähnlich, wie täglich Urlaubsbilder bei Facebook oder Instagram zu posten. Es ist zwar schön, regelmäßig neidische Kommentare zu lesen und immer wieder in Kommentaren zu erklären, wo man genau ist und was man genau macht, aber genau das kann auch echtes Dasein verhindern. Ich empfehle, vorher darüber nachzudenken, wie man im Urlaub kommunizieren möchte, das mit relevanten Personen klar abzusprechen und dann entspannt damit zu sein.
Ein tolles Erlebnis war das Paar aus NewYork, mit denen wir abends in Dingle ein Bier im Pub getrunken und ein kurzes Gespräch geführt haben (Seid ihr verheiratet? Nein, vielleicht irgendwann mal…) und die am nächsten Tag per Facebook von den Cliffs of Moher ihre Verlobung bekannt gegeben haben. Das war natürlich eine tolle Nachricht für die Freunde zu Hause in den USA und auch für uns (ob man so eine Urlaubsbegegnung „Freund“ nennt, sei mal dahingestellt, aber ich fühle mich mit ihnen verbunden, weil wir unwissentlich einen sehr spannenden Zeitpunkt ihrer Beziehung miterleben konnten). So ganz ohne digitale Kommunikation wäre das untergegangen…
Obligatorisch sei auch nochmal darauf hingewiesen, dass ein öffentlicher Post „Ich bin jetzt 2 Wochen im Ausland und nicht erreichbar“ inkl Postadresse gerne von Einbrechern genutzt wird, um leichte Beute zu machen, also Vorsicht, was man postet! Auch wenn meine Wohnung nicht unbewohnt war, habe ich mich entschieden, Urlaubsbilder erst nach der Rückkehr zu sortieren und zu posten. Interessanterweise bekam ich darauf dann Kommentare, die erkennen ließen, Menschen dachten, ich wäre gerade im Urlaub. Es scheint also „das neue Normal“ zu sein, live zu berichten. Wie auch immer du dich entscheidest, tu es bewusst 🙂

Zum Abschluss hier noch unsere Streckenführung und ein paar Tipps aus unseren Erfahrungen:

Alles ohne Anspruch auf Vollständigkeit, Aktualität und ohne irgendwelche Provisionen. Wir waren im August 2018 unterwegs. Die Erfahrung eines vorherigen Irlandurlaubs lehrt uns, dass das Wetter ggf. im Mai besser sein kann und die Auslastung im Hochsommer (Achtung vor allem an irischen Bank-Holiday-Weekends!) macht es definitiv erforderlich, vorher exakt zu reservieren, wo man übernachten möchte. In der Vor-Saison, wurde mir erzählt, kann man auch flexibel eine Herberge suchen. So spontan sind die Iren auf jeden Fall, aber wenn voll ist, ist eben voll…

  • Flug ab Frankfurt-Hahn (Achtung: hohe Parkgebühren und enge Gepäckgrenzen!) nach Kerry Airport (HHN-KIR), von da 1,5Km nach Farranfore laufen und per Zug nach Tralee (ca 15min).
    Im Tourist Office den Pilgerpass besorgen und im echten Supermarkt bis Dingle Reiseproviant einkaufen.
  • ÜN1 in Tralee: Castle Hostel
    Entspannter, einfacher Stil und zentral gelegen. Für gutes Craft-Beer und lange Abende empfehle ich das Pub „The Blasket“.
  • 1. Etappe: Tralee – Camp
    Emotional schöner Start, weil man aus der Zivilisation langsam in die Wildnis kommt. Im Zweifel würde ich diese Etappe aber weglassen bzw. nur bei Sonne empfehlen, da der Weg großteils über eine Wiese führt und sehr schlecht ausgebaut und matschig ist. Schaut eigentlich flach aus, hat aber 900 Höhenmeter und zieht sich bei Dauerregen schier endlos!
  • ÜN2 in Camp: Finglas House
    Sehr nett, gute Zimmer und gutes Frühstück („wie bei Muttern“).
  • 2. Etappe: Camp – Annascaul
    Schöne Tour, besserer Weg als am ersten Tag, aber wieder ähnlich viele Höhenmeter. Dafür wird man mit Inch Beach belohnt, wenn man den Weg zum Strand mitnimmt.
    Abends ist bein Besuch im “South Pole Inn” ein Blick in den Wandkasten (Südpol-Erfahrung) obligatorisch.
  • ÜN3 in Annascaul: DingleGateHostel
    Günstig und gut, aber gut 2 Km vom „Ortskern“ abgelegen. Es gibt kein Geschäft/Pub in der Nähe, also eigentlich ungünstig gelegen. Außerdem wird die dritte Etappe dadurch sehr lang.
  • 3. Etappe: Annascaul – Dingle
    Angenehmer Weg zuerst abwärts zum Strand, hinterher wieder hoch nach Lispole. Ab da sind wir Bus gefahren, um Kräfte zu sparen…
    In Dingle kann man hinter dem „Centra“ für Münzen Wäsche waschen und trocknen. In der Zeit kann man ggü bei „Adams“ lecker Essen, im „The Dingle Pub“ Live Musik und Tanz erleben oder bei “Dick Mack’s” selbstgebrautes Bier kosten. Wer einen Pausetag einlegt, kann eine Brauereiführung mitnehmen, nach „Funghi“ dem Delphin Ausschau halten oder in der Dingle Distillery die Herstellung von Whiskey, Gin und Vodka kennenlernen.
  • ÜN4/5 in Dingle: DingleHights B&B
    Nicht so persönlich, aber top renoviert. Etwas oberhalb der Stadt, daher ruhig, aber auch viel Lauferei… Mitten in der Stadt wäre das günstige „Grapevine Hostel“, das aber ausgebucht war.
  • 4. Etappe: Dingle – Dunquin
    Eine landschaftlich schöne Etappe mit Hund, Strand und einigen interessanten Steinformationen. Wer die genauer begutachten will, sollte mehr Zeit einplanen und evt auch einen Abstecher zum Slea Head einbauen.
    In Dunquin sagt man „Krugers Bar“ nach, der westlichste Pub Europas zu sein. Zumindest ist es der einzige dort und es gibt gutes Bier. Achtung, kein Shop, wer kochen will (z.B. im Hostel) muss alle Zutaten mitbringen!
  • ÜN6 in Dunquin: B&B Gleann Dearg
    Angenehmes Ambiente mit sehr leckerem Essen im weinbewachsenen Wintergarten. Abendessen und Lunchpaket kann vorbestellt werden.
  • 5. Etappe: Dunquin – Feohanagh
    Eigentlich die schönste Etappe durch Wiesen, an Stränden, Buchten, Klippen mit der Option zu einigen interessanten Abstechern, wenn man sich Zeit nimmt. (Ggf schon im „Coastguard House“ übernachten und einen Tag extra einplanen?) Auf dem Weg kann man außerdem das berühmte „Gallarus Oratory“ ansteuern.
  • ÜN7 in Feohanagh: Coill an Róis
    Sehr gastfreundlich und sehr hoher Qualitäts-Standard. Um die Etappe kürzer zu halten, wäre das „An Riasc“ zu empfehlen, um die folgende Bergetappe zu verkürzen und das Pub direkt vor Ort zu haben das „An Bothar“. Sonst gibt es nicht viel in der Gegend, also einfach weiterlaufen…
  • 6. Etappe: Feohanagh – Cloghane
    Hier gehts übern Berg, die meiste Zeit ist es aber ein seichter Aufstieg/Abstieg über Wiesen und Wege. Bei Sonne sehr gut machbar, könnte bei Regen aber auch eine Schlammschlacht werden. Außerdem am Kamm sehr kalt und windig. Durch die Abgelegenheit kann hier ein alternativer Taxitransfer 40-50 EUR kosten.
  • ÜN8/9 in Cloghane: Mount Brandon Hostel
    Das Zimmer war recht klein und hellhörig, aber schön gelegen und empfehlenswert durch die absolut liebenswerte Gastgeberin Mary. Es gibt einen Pub und einen kleinen Shop und (ca 1-2 Km entfernt) schöne Strände. Wir haben hier einen Pausetag eingelegt, um nach der Bergtour auszuruhen. Vom Angebot her wäre das in Castlegregory besser gewesen, aber zum Auffüllen der Kraftreserven war es hier genau richtig.
  • 7. Etappe: Cloghane – Castlegregory
    Nach kurzem Einstieg geht der Weg vor allem 12Km lang am längsten Strand Irlands entlang. Lässt sich wunderbar laufen, mit Schuhen auf hartem Sand oder bei gutem Wetter auch barfuß im seichten Wasser. Wir haben die Landzunge abgekürzt und dafür eine lange Pause am Strand genossen. In der westlichen Bucht gab es durchaus surftaugliche Wellen, in der östlichen Bucht ist das Wasser eher ruhig.
  • ÜN10 in Castlegregory: Fitzgeralds Hostel
    Einfach, recht laut, aber total entspannte Betreiber und entspannter Ort mit echtem Supermarkt und mehreren Pubs.
  • 8. Etappe: Castlegregory – Tralee
    Nach dem Regentrauma des ersten Tages sind wir „nur“ die paar Kilometer nach Camp gelaufen (hat im Nieselregen genug Motivation gekostet) und sind von da aus Bus gefahren. Ansonsten hätte man eine „Déjà-Vu-Route“ und würde ggf. einigen Wanderern an ihrem ersten Tag begegnen, was sicherlich auch interessant wäre. Dafür müsste aber der Weg einfach besser gangbar sein, um das auf sich zu nehmen.
  • ÜN11 in Tralee: Castle Hostel
    War wieder nett und fühlt sich nach den zehn Tagen an, wie nach Hause kommen. Nochmal ein Abend „Stadtflair“ und am nächsten Tag wieder mit dem Zug zum Flughafen in Deutschland vom Flughafen nach Hause und erstmal entspannen. Ich würde nach so einer Wandertour raten noch min. 1-2 Tage zur Erholung einzuplanen, um den Urlaub/Pilgerweg nachwirken zu lassen.

 

  • Bei der Planung geholfen hat mir eine Website mit Infos zu m Weg und Übernachtungen.
  • Das berühmte „gelbe Buch“, das viele deutsche Wanderer dabei hatten, kann ich auch sehr empfehlen (schon allein für die Vorfreude), auch wenn eigentlich alle Infos online zu finden sind und der Weg gut ausgeschildert ist.
  • Außerdem hatte ich die kostenlose Offline-Navigation „OSMAND“ mit Straßenkarten von Irland (Höhenlinien kosten extra) und den GPX-Daten des Weges (kostenlos) auf dem Handy installiert. Das hilft als Backup und Übersicht.
  • GB Stromadapter nicht vergessen und alle Technik regensicher verpacken!