auf dem Weg zu wem?

Jetzt sind sie vorbei, die Kirchentage 2017…
Paralleles Programm in neun Städten am Himmelfahrts-Wochenende bot die Möglichkeit, mit möglichst vielen Leuten das Reformationsjubiläum zu feiern. Und es gab fantastische Inhalte, tolle Konzepte und sehr viele engagierte Menschen, die sich super eingebracht haben. Aber die Chance, mit den Teilen der (ostdeutschen) Bevölkerung zu feiern, die sonst eher wenig mit der Kirche zu tun haben, wurde weitestgehend verpasst. Das ist schade.

Es gab große Gottesdienste (z.B. in Wittenberg)
Es gab hochkarätige Kirchenmusik (z.B. die Augustinerkantorei Erfurt)
Es gab wichtige Themen (z.B. Schwerpunkt Medien in Magdeburg)
Und, ja, es gab auch in allen Orten Möglichkeiten, um ganz offen zusammenzukommen. Bunte Kaffeetafeln, Begegnungsabende, öffentliches Theater oder Marktplatzmusik.

Ich war selber bei einigen dieser Veranstaltungen unterwegs, um medial zu berichten und habe viele Menschen getroffen, die eine tolle Zeit hatten, neue Freunde gefunden haben und zumindest Kirche als gastfreundlich erlebt haben.
Aber ich habe auch Marktplatz-Bühnen erlebt, an denen Passanten ratlos vorbeigingen, weil sie nicht informiert wurden, wann hier was passieren wird. Das Programm war gut gehütetes Geheimwissen in Programmheften. Der „normale Bürger“ wurde weder zum Gottesdienst, noch zum Konzert öffentlich eingeladen noch wurde ihm überhaupt mitgeteilt, dass er eingeladen wäre, mitzufeiern.

So blieb manch gut gemeinte Veranstaltung relativ unbesucht, während nebenan im Park derweil ganze Studentenhorden und junge Familien entspannt auf der Wiese lagen und das Leben genossen.

Warum machen wir eigentlich immer so viel Programm und sind nicht viel mehr einfach da? Warum fragen wir nicht mal die Menschen um uns herum, was sie sich wünschen würden und schaffen Orte, wo man gemeinsam sein kann? Ich hätte mich gefreut, wenn lokale Studenten und „Kirchentagstouristen“ in einer gemeinsamen Grill&Chill-Lounge miteinander ins Gespräch kommen können oder wenn man Kirche zumindest in einer Art und Weise präsentiert, dass Menschen vor Ort wahrnehmen: Da bin ich willkommen, da werde ich gesehen, ernst genommen, das ist etwas, das mit meinem Leben etwas zu tun haben könnte.

So sollte Kirche sein, nicht nur die Kirchentage, sondern der Kirchenalltag. Mittendrin im Leben. Nah dran an den Menschen. Nicht nur an denen orientiert, die eh schon da sind, sondern an denen, die in unserem Stadtteil/Dorf/Gebiet zu Hause sind. Dann sind Medienzentren keine Fremdkörper neben der lokalen Medienuni, sondern Kooperationspartner. Dann werden Innenstadtbühnen gemeinsam mit lokalen Kulturgrößen gestaltet und beworben, damit das potentielle Publikum vor Ort sie auch findet. Und Kirche wird wieder zu einem Kommunikator der Gnade Gottes für Menschen in einer oft gnadenlosen Welt.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schwer das ist. Deshalb möchte ich garnicht so viel meckern, was „man“ anders hätte machen müssen… Ich freue ich mich an dem, was gut lief und mache mir Gedanken, wie in Zukunft noch mehr Menschen daran teilhaben können. Nicht erst beim #dekt19 in Dortmund, sondern vielleicht schon diesen Sommer! Macht ihr mit?

Der Herr ist auferstanden!

Karsamstag, Jesus ist beerdigt. Die Jünger verängstigt, zerstreut, versteckt. Alles scheint vorbei zu sein.

Ostermorgen, das Grab ist leer. Wurde der Leichnahm gestohlen und versteckt? Doch einige sagen, Ihnen wäre Jesus begegnet. Das hat sie verändert, ermutigt zum Guten.

Und dass wir heute, kanpp 2000 Jahre später immer noch davon sprechen und dieses Ereignis feiern, zeigt, wie zentral diese Begegnungen unser Weltgeschehen verändert haben. Was genau in dieser Osternacht geschah, können wir wohl nie wissenschaftlich erforschen. Aber der Glaube an den Auferstandenen gibt seither zahlreichen Menschen Kraft und befreit.

Nachdem ich bereits über das Kreuz und den Passionsfilm von Mel Gibson geschrieben habe, möchte ich heute von einem anderen Film erzählen, der für mich zu den Ostertagen gehört. Er fängt ungefähr da an, wo Mel Gibson aufhört und kommt dementsprechend mit deutlich weniger Gewalt aus. „Auferstanden“ ist ein amerikanischer Spielfilm aus dem Jahr 2016, der aus Sicht eines römischen Soldaten (Clavius, gespielt von Joseph Fiennes, den einige schon als Martin Luther kennen) die unglaubliche Geschichte erzählt, wie ein jüdischer Aufrührer hingerichtet wird, die Oberen extra eine Grabbewachung ordern und dennoch nach zwei Nächten das Grab leer ist. Jetzt beginnen die Ermittlungen und bringen viele Fragen mit sich.

Spannend, weil der Film sich relativ nah an den biblischen Quellen orientiert, aber dennoch eine Geschichte erzählt, die darüber hinaus geht und filmisch gut inszeniert ist. Anfangs will Clavius nur irgendeine Leiche finden, um seine eigene Haut zu retten. Am Ende geht es ihm darum, die Wahrheit herauszufinden und zu begreifen, was das für ihn bedeutet, falls ein Mensch, den er sterben sah, tatsächlich wieder leben sollte.

Die Frage sollten wir uns auch immer wieder stellen: Was hat Jesu Tod und seine Auferstehung mit uns heute zu tun. Was bringt es uns, daran zu glauben? Was verändert es, wenn er tatsächlich lebt? Und welche Perspektive hat unser Leben, wenn Jesus uns persönlich begegnen kann? Mit oder ohne Film wichtige Fragen.

Frohe Ostern euch allen.

Der Herr ist auferstanden!

 

Die Sache mit dem Kreuz…

Gestern war Karfreitag, ein stiller Feiertag an dem wir dem Tode Jesu Christi gedenken. Ein trauriges Ereignis. Entsprechend habe ich den Tag ruhig gestaltet, habe einen Kreuzweg in einer Baptistenkirche um die Ecke besucht, wo man in knapp einer Stunde 7 Stationen des Leidens Jesu meditierend nacherleben kann. Später war ich in einem Karfreitags-Gottesdienst und habe abends noch einen Passionsfilm geschaut und den Abend in eigener Meditation ausklingen lassen.

Ich finde, der Karfreitag eignet sich besonders, um aus der Normalität auszubrechen und sinnlich zu erleben, was wir in jedem Gottesdienst besingen. Der Schöpfergott stirbt am Kreuz, damit wir leben können. Ein Kreuzweg kann das bieten, weil man sich „auf den Weg“ macht  und etwas nacherlebt. Auch wenn medial erlebter Schmerz und Demütigung immer nur Anleihen sein können. Deshalb mute ich mir auch Mel Gibsons Passion Christi als Film zu. Ein harter Film voller Blut, Hass und Gewalt. Aber auch voller Liebe und Hingabe. Er erzählt die Passions-Geschichte ab Jesu Gebet in Getsemaneh bis zur Sterbestunde. Knappe 20 Stunden erzählte Zeit auf 2 Stunden grausam-martialischen Film reduziert; gespickt mit Rückblenden auf die ganz andere Lehre Jesu vorher: Die Bergpredigt, die Fußwaschung, die Ehebrecherin, das letzte Abendmahl – Jesus lehrt Liebe, Vergebung, Güte und gelebte Demut. Er ist Menschen zugwandt und tut niemandem etwas zu leide. Dennoch erzürnt er die religiöse Oberschicht gegen sich, weil er nicht nach ihren Regeln spielt und stattdessen Menschen in einen echten Kontakt zu Gott bringen möchte, der Gerechtigkeit und Barmherzigkeit hervorruft.

Der Film ist hart, aber vermutlich sehr nah an dem, was Jesus an dem Tag durchgemacht hat. Ich verstehe, dass nicht jeder einen so grausamen Film sehen mag. Gerade für Kinder ist er nicht geeignet und auch Erwachsene dürfen an einigen Stellen die Augen schließen ohne sich schämen zu müssen. Ich mag an dem Film gerade, dass er so eine Abscheu auslöst. Man merkt, dass da etwas nicht stimmt, dass es zu viel, zu krass, zu grausam ist. Weil Jesus sehr wahrscheinlich genau das gefühlt hat. Stop, genug, reicht jetzt. Die Kreuzigung war kein Spaziergang, sondern tatsächlich die grausamste Art der Römer, Menschen hinzurichten. Das hat Mel Gibson sehr gut erkannt und umgesetzt.

2004, als der Film neu im Kino lief, gab es Kontroversen, ob die Juden zu schlecht wegkommen und darüber hinaus zu der Frage, wer eigentlich Jesus ans Kreuz gebracht hat.
In einer Karfreitagspredigt hab ich damals gesagt: Die Juden haben Jesus angeklagt und seinen Tod gefordert, die Römer haben den Befehl zur Hinrichtung gegeben. Jesus hat die ganze Zeit geschwiegen (je nach Evangelium hat er einzelne Worte oder Sätze gesagt, aber keine ernsthafte Verteidigung). Er hätte es in der Hand gehabt, Pilatus zu überzeugen und freigesprochen zu werden, das hat er nicht genutzt und damit letztlich seinen Tod selber zu verantworten. Jesus hat sich selber ans Kreuz gebracht!? Warum hat er das gemacht? Weil er als inkarnierter Gott die Trennung zwischen Menschen und Gott aufheben und Gemeinschaft wieder möglich machen wollte. Weil er die Sünde sühnen und Schuld vergeben wollte. Weil er wusste, dass wir Menschen es nicht aus eigener Kraft schaffen, mit Gott in Gemeinschaft zu leben. Das sieht man im Film, wo weder die Juden, noch die Römer, aber auch nicht die Jünger besonders gut wegkommen. Und auch heute sind wir Menschen immer noch weit weg davon, Gottes Maßstäbe von Liebe & Vergebung selber zu leben.

Wir singen Lieder wie „Ich seh das Kreuz, und nichts anderes muss ich sehen. Ich seh das Kreuz, komm und glaube ruft es mich.“ als locker flockige Lobpreissongs in fröhlicher Auferstehungshaltung und haben doch so wenig verstanden, was das Kreuz bedeutet. Jesus ist eben nicht lebendig vom Kreuz heruntergekommen, um seine Macht zu demonstrieren, er hat auch nicht seine Gefangennahme und Geißelung abgebrochen, sondern er hat das Leid ausgehalten. Wir sollten nicht vor dem Kreuz weglaufen, weil wir ja schon wissen, dass Ostern folgen wird. Natürlich leben wir über 300 Tage im Jahr aus der Osterfreude heraus, aber dafür müssen wir auch die andere Seite ernst nehmen, ruhig werden und mit Jesus durch das Leid gehen. Bei der Taufe werden wir in sein Leid, in seinen Tod hinein getauft, um gemeinsam mit ihm auferstehen zu können. (Passenderweise war die Grabesstation beim Kreuzweg im baptistischen Taufbecken gestaltet, sodass man tatsächlich durch Jesu Grab hindurchgehen konnte.) Und so bleibt der Abend des Karfreitags und der Samstag für mich eine ruhige Zeit, in der ich garnicht tanzen und feiern möchte. An dem auch keine fröhlichen Lieder oder ausgelassenen Feste passen. Die Gemeinschaft und die Freude passen am Sonntag wieder. Dann umso mehr. Darauf freue ich mich.

Da passt dann auch die fröhliche Coda des erwähnten Liedes wieder: „Wir werden auferstehen und ewig leben, weil du für uns starbst. Wir werden auferstehen und ewig leben, weil du in uns lebst. Ich seh das Kreuz!“ Ja, die Auferstehungsfreude wird kommen, aber jetzt möchte ich trauernd stehendbleiben und dem Kreuz nicht ausweichen, es in Ehrfurcht wirken lassen, ein Stück tiefer verstehen, was da geschehen ist.

Passend dazu: „Der Herr ist auferstanden!

#DigitaleKirche bei Dynamissio

Gerade versammeln sich über 2300 Menschen in Berlin, um über zukunftsträchtige Inhalte und Formen kirchlicher Arbeit nachzudenken. Im Plenum geht es um die großen Stränge Evangelium – Gemeinde – Welt – Sendung. Ein Forum bindet letztlich alle diese Bereiche zusammen und befasst sich mit dem Thema „Digitale Kirche in der Digitalen Gesellschaft?! Wie kann gelebter Glaube im Internetzeitalter aussehen?“ (FPK10)

Aus technischen Gründen war der Livestream leider nur ruckelnd zu sehen, daher verlinken wir sobald möglich eine Aufnahme hier!
YouTube-LivestreamSocialMedia-Wall

Vielen Dank an die Organisatoren von #dynamissio, dass sie dem Thema Raum geben, an die Referenten @rolfkrueger, @dilinea, @Gofimueller und @roofjoke, dass sie sich Zeit nehmen und an alle, die mit uns weiterdenken wollen.
Ohne es exakt geplant zu haben, existieren seit heute eine Facebookseite, Gruppe, Twitterkanal und eine Domain. Wir haben einiges unter dem Hashtag gepostet. Ohne unnötige Parallelstrukturen zu bestehenden Netzwerken aufbauen zu wollen, frage ich mich jetzt, wohin das führen kann. Mal schaun, erstmal nehme ich wahr, dass da etwas ist. Vielleicht wird was draus, vielleicht löschen wir die Seiten auch wieder. Hast du dazu eine Meinung, dann sag sie uns! #DigitaleKirche

Automatisierter Videoschnitt mit ffMPEG

Manchmal will man Videos schnell und ohne großen Aufwand im Coporate Design einer Organisation oder eines Events online stellen. Gerade bei längeren Veranstaltungs-Dokus dauert es unglaublich lang, den Gesamtclip in einer großen Software zu importieren, Vorspann und Abspann hinzuzufügen und die Gesamtdatei wieder zu exportieren. Klar, wenn man komplexe Schnitte, Farbkorrektur oder Effekte einbauen will, dann nutzt man auch weiterhin Premiere, FinalCut, Lightworks oder ähnliche Tools. Aber wenns mal schnell gehen soll oder zahlreiche Clips mit gleichem Rahmen versehen werden sollen, hier ein paar Tipps, wie man auf die Schnelle mit der kostenlosen komandozeilenorientierten Software ffMPEG (Freeware) zum Ziel kommt. Ein weiterer Vorteil: ffMPEG muss nicht installiert werden, läuft also als portable App aus dem Nutzerverzeichnis oder vom USB-Stick aus! So bleibt man flexibel, wenn man keine Admin-Rechte für einen Rechner hat.

  1. Vorspann & Abspann als Videoschnipsel vorbereiten
  2. Videos aufnehmen und  auf Rechner kopieren
  3. Wartezeiten am Anfang und Ende abschneiden (trim)
  4. Vorspann+Inhalt+Abspann kombinieren (merge)
  5. Hochladen und in YouTube-Playlist einbauen
  6. ggf. Untertitel hinzufügen
  7. Alternative: direkt bei YouTube schneiden!

1. Vorspann & Abspann vorbereiten

Der Vorspann sollte den Namen der Veranstaltung, das Thema, die Fragestellung oder den Anlass nennen und motivieren, warum man sich diesen Clip anschauen sollte.
Im Abspann sollten Credits erscheinen (Wer hat das Video produziert, Bildrechte, Musikrechte, …) und eine Website für weitere Informationen eingeblendet werden.
Vorspann und Abspann können mit einer einheitlicher Musik untermalt werden (Rechte beachten!), um so einen einheitlichen Rahmen zu gestalten. Die Länge sollte je nicht über 10s liegen…
Beispielclip: Glaube und Heimat bei der EKM-Synode (wobei hier konventionell betitelt und überblendet wurde, Software: Adobe Premiere Elements)

2. Videos aufnehmen und  auf Rechner kopieren

Eine einfache Videoaufnahme kann man mit einer digitalen Spiegelreflexkamera (meist auf 16min beschränkt), einem Camcorder, einer Webcam  oder mit dem Handy erstellen. Viele Geräte nutzen SD-Speicherkarten, die man einfach im Laptop einstecken und Daten auf Festplatte kopieren kann. Einige Kameras können auch automatisch per WLAN Daten an einen Computer schicken. Empfehlenswert ist es, bei mehreren genutzten Geräten die gleichen Einstellungen zu nutzen (z.B. 1080p mp4 25fps) und Vorspann/Nachspann entsprechend zu produzieren.
Beispielclip: LWF Young Reformers Videobox (Kamera: Sony DSC-RX10, Schnitt: ffmpeg)

3. Wartezeiten am Anfang und Ende abschneiden (trim)

Wenn man bei einem Konzert/Gottesdienst/Vortrag den ersten Satz nicht verpassen will, sollte man frühzeitig auf Aufnahme klicken, hat dann im Rohmaterial ggf einige Minuten Vorlauf. Auch bei Interviews entstehen oft zumindest 2-3s Vorlauf, die man meist kürzen will. Um die Videos am Anfang und am Ende zu trimmen, ohne den gesamten Stream neu zu rendern, beitet sich folgendes Script an, bei dem man einfach nur den Counterstand von Anfang und Ende (oder Anfang + Länge) angeben muss, um in wenigen Sekunden eine gekürzte Datei zu bekommen.
Script: Video trimmen (Anfang und Ende kürzen)

4. Vorspann+Inhalt+Abspann kombinieren (merge)

Wenn die drei Dateien vorbereitet sind, ist das eigentliche Kombinieren mit einem weiteren einfachen Script möglich. Um nach dem mergen nicht zu vergessen, worum es im Video geht, empfiehlt es sich, den Dateinamen hinterher entsprechend zu bearbeiten (weil daraus später der YouTube Videoname wird).
Script: Video schneiden (mehrere Clips als batch-job)

5. Hochladen und in YouTube-Playlist einbauen,

Um Videos online zu teilen, bietet sich YouTube als kostenloser Content-Hoster an. Man sollte sich bewusst sein,d ass man dem Konzern dabei bestimmte Nutzungsrechte überträgt, aber wenn man ohnehin eine Öffentliche Nutzung der Vieos anstrebt, spricht da nicht gegen. Natürlich muss man selber alle Rechte am Clip haben, um sie weitergeben zu können…
Um von einer Veranstaltung zu berichten, von der es mehrere Clips geben wird (Teaser, Trailer, Eröffnungsrede, Musikbeiträge, Vorträge, O-Ton-Schnipsel, Interviews, Impressionen, …), kann man bereits im Vorfeld eine YouTube-Playlist anlegen und so konfigurieren,d ass neue Clips immer als erstes angezeigt werden. Diese Playlist kann man dann in einer Website einbauen (embed) und hat so immer das aktuellste Video auf der Website sichtbar. Alternativ kann man auch eine chronologische Reihenfolge wählen, um hinterher ein nacherleben der Dramaturgie zu ermöglichen. Beispiel: Playlist Barcamp Erfurt 2016

6. ggf. Untertitel hinzufügen

Wenn Menschen auch im Büro oder in lauten Umgebungen, wo kein Ton wahrnehmbar ist, die Videos genießen sollen, ist es ratsam, sie mit Untertiteln zu versehen. Diese könnend irekt in YouTube erstellt werden, sodass der zuschauer wählen kann, ob er sie anzeigen oder verbergen möchte. Auch fremdsprachige Übersetzugnen per Untertitel sind möglich. Tatsächlich kann diese Funktion dabei helfen, ein größeres Publikum zu erreichen.
Beispiel: Video zum setzen von Untertiteln
Beispiel: Automatische Untertitel

7. Alternative: direkt bei YouTube schneiden!

Wem das Bedienen der Scripte zu umständlich ist, kann auch direkt bei YouTube schneiden. Dazu müssen die drei Rohmaterialien (Vorspann, Inhalt, Abspann) als „privat“ zu YouTube hochgeladen werden. Im YouTube Video Editor kann man nun per Maus trimmen und mergen und sogar rudimentäre Effekte hinzufügen. Außerdem hat man dort Zugriff auf eine große Auswahl von freier Musik. Wer also eine schnelle Internetverbindung hat und nicht zu viele Clips bearbeiten muss, kann auch direkt online schneiden.
Beispiel: Meditation (auf YouTube in einem Hotelzimmer geschnitten)

Das war natürlich nur eine kleine Einführung. Das Tool ist enorm mächtig und kann noch so einiges mehr. Ich kenne auch nicht alles und habe nur die Windows-Version getestet.

Online-Dokumentation gibts z.B. hier (official) oder hier (Beispiele) oder hier (Erklärung der wichtigsten Parameter)

Viel Spaß beim ausprobieren!  🙂

On the Internet nobody knows, you’re a god!?

Wie verhalten sich Menschen online? Stärkt die intensive Hand-Auge-Koordination das Denken und Verstehen komplexer Zusammenhänge oder vertrödeln wir vor stumpfen Klick-Spielen unsere Zeit, weil wir in Selbstzweifel getrieben werden und nach Bestätigung hungern? Ursprünglich erschienen im Herbst 2016 in einem Beitrag für den theologischen Sammelband „Vielfältige Vernetzung“ zum Thema der KMU V und der daraus resultierenden Folgen. Hier ein zweiter Ausschnitt daraus fürs Web leicht umformuliert (dennoch etwas länger)…


Im Original heißt der Satz „On the Internet, nobody knows you’re a dog” (Im Internet weiß niemand, dass du eigentlich ein Hund bist.) und stammt aus einem Cartoon von Peter Steiner.In der frühen Phase des Internets sollte er ausdrücken, dass man seine Identität online bewusst verfälschend darstellen kann. Mittlerweile ist diese Sichtweise relativiert worden. Die meisten Menschen haben erkannt, dass auch in der Kohlenstoffwelt Kleider Leute machen und dass man sich sehr wohl dem Anlass entsprechend sehr einseitig präsentiert oder sogar falsche Fakten vorspielen kann. In sozialen Netzwerken des Internets besteht ebenso die von vielen Leuten genutzte Möglichkeit, sich selbst ein wenig aufzupolieren oder nur bestimmte Fakten zu nennen und traurige bzw. langweilige Bereiche auszublenden. Wenn man hingegen online mit den Schattenseiten des eigenen Daseins konfrontiert wird, bricht das Kartenhaus leicht zusammen, man geht im Shitstorm unter oder verliert das Selbstwertgefühl, das nötig ist, um sich selber dauerhaft als Marke online zu präsentieren. Allerdings scheinen gerade junge Menschen auf Instagram und Snapchat immer stärker einer Sucht nach Perfektion und Selbstoptimierung zu verfallen und durch die schöpferischen Möglichkeiten der virtuellen Welten wie SecondLife, The Sims oder Minecraft gewisse Allmachtsphantasien zu entwickeln.

DOG:MA I AM:GODDOGMA – I AM GOD. Spielerischer Spiegeleffekt, gefunden bei der Internetkonferenz re:publica 2016 in Berlin.

Das Dogma dieser Generation ist: „Ich bin Gott!“ Alles ist mir möglich, alles sollte erlaubt sein, und wer eine Nutzung einschränkt vergeht sich an meiner künstlerischen Freiheit.

Jeder will für sich herrschen und schöpfen. Das eigene Profil, der eigene YouTube-Kanal und die eigene Minecraft-Map zeigen, was ICH alles kann. Auf der anderen Seite gibt es zahlreiche kooperative Onlinespiele, bei denen man eben nicht als Einzelspieler, sondern in Gruppen (Clan, Gilde, Team, …) zum Erfolg kommt. Ebenso funktionieren viele Arbeitsprozesse der Arbeit4.0 nur partizipativ. Man ist Teil eines Kollektivs, bringt einen Teil ein und sieht das Gesamtwerk wachsen. Und im schlimmsten Falle wird man sogar Opfer des Systems, wenn man nicht richtig funktioniert, nicht die richtige Leistung bringt oder krankheitsbedingt ausfällt und ohne jegliche Emotion durch eine andere Arbeitskraft ersetzt wird.

Das digitale Ich ist also im Netz zunächst virtuell präsent: als autarker Schöpfer, als wichtiger Teamplayer, als austauschbares Rad im Getriebe. Im Internet fängt man als kleines Rad an. Niemand weiß, dass man eigentlich das Potential eines Schöpfers hat, man muss sich beweisen. Durch Eigenleistung kann man sich einen Status erarbeiten, durch Partnerschaften und Allianzen kann man an Bedeutung gewinnen und durch hohes Engagement im richtigen Team letztlich – wenn alles gut geht – die kreative Leistung erbringen, zu der man im Stande ist.

Das christliche Menschenbild baut darauf auf, dass der Mensch als Abbild Gottes tatsächlich mit schöpferischer Kraft ausgestattet ist (Vgl. Genesis 2). Er ist nur wenig geringer als die Wesen in Gottes Realität (Vgl. Psalm 8,6) geschaffen. Wir sind seine geliebten Kinder, durch die er in der Welt wirken will, die ihn nicht kennt. (Vgl. 1.Joh. 3,1) Abseits von egozentrischen Gottphantasien kann also ein christlicher Ansatz den Menschen befähigen, digitale Vernetzung zu nutzen, um sein Potential anzuwenden, und die Welt – online wie offline – zu einem göttlicheren Ort zu machen. Menschen können ein wenig Gott an die Stellen bringen, die sonst von selbstsüchtigem Machtstreben geprägt sind, indem sie die Liebe leben, von denen das Evangelium redet. Menschen können als Vernetzte aktive Nächstenliebe statt Selfisucht leben, flauschen statt shitstormen, andere unterstützen statt sich abzugrenzen, und verstehen statt zu lästern. Das ist nicht immer einfach, oft bedeutet es harte Arbeit. Aber die Kirche wird dann als geistliche Gemeinschaft ernst genommen, wenn ihre Mitglieder von der Masse unterscheidbar leben. Wenn Christenmenschen gegen den Trend soziale Netzwerke wirklich „sozial“ (= dem Gemeinwohl dienend) nutzen, ermöglicht das gleichzeitig ein Wachsen über den Tellerrand hinaus. Und letztlich offenbart jedes Onlineprofil viel vom tatsächlichen Charakter. Wie man sich online gebärdet zeigt, wer sich hinter der physischen Fassade verbirgt. Und wie eine Kirche sich in digitalen Welten einbringt, zeigt wie stark sie von Gottes Botschaft durchdrungen ist.

Im Internet weiß niemand, dass ich ein Gott bin. Im Internet haben Kirchen auch keinen moralischen Vorsprung. Eher werden sie als moralisierende, altmodische Machtinstitutionen gesehen und anhand ihrer aktuellen Skandale – Missbrauch, Protzerei, Spaltungen und Lieblosigkeit – bewertet. Wie wäre es, wenn immer mehr Menschen, Werke und Vertreter der Institutionen ein positives Gegenbild vermitteln würden? Ein Vernetzen im Namen der Liebe, der Gerechtigkeit und der Menschlichkeit? Dann würde man nicht nur mit Menschen aus der eigenen Konfession Allianzen bilden, nicht nur binnenkirchliche Vernetzung hochhalten, sondern mit allen Menschen guten Willens gemeinsam daran arbeiten, die Onlinewelt zu einem Ort zu machen, an dem Gottes Liebe spürbar ist. Und die Menschen vor den Bildschirmen könnten online erfahren, wie Gottes Liebe aussehen kann und das in ihren physischen Netzwerken weitergeben. So könnte digitale Vernetzung kirchliche Gemeinschaft in allen Dimensionen stärken.

Drei Dimensionen menschlicher Kommunikation

Wirkt Gott in SocialMedia? Kann man online geisltiche Erfahrungen machen? Weil ich bei Vorträgen oft Fragen zu dem Thema bekomme, habe ich mal ein paar Dinge zusammengeschrieben. Ursprünglich erschienen im Herbst 2016 in einem Beitrag für den theologischen Sammelband „Vielfältige Vernetzung“ zum Thema der KMU V und der daraus resultierenden Folgen für kirchliche Vernetzung. Hier jetzt ein Ausschnitt daraus fürs Web leicht umformuliert (dennoch etwas länger)…


Kommunikation in der virtuellen Realität folgt ähnlichen Gesetzen wie in der physischen Realität [1]. Ebenso kann Kommunikation in der geistlichen Realität – also die authentische Kommunikation des Individuums mit der Gottheit – als dritter Kanal betrachtet werden. Jeder Kanal hat spezifische Nutzwirkungen und am Ende bleibt die inhaltliche Frage, auf welche Form der Kommunikation man sich in welchem Szenario einlassen will.

Wenn es nun im zwischenmenschlichen Bereich diese drei Realitätsebenen gibt (physisch, virtuell, geistlich), die alle drei in dem Sinne real sind, dass sie unsere Wirklichkeit beeinflussen, wird deutlich, dass wir in der Kommunikation mit anderen Menschen interaktive Erfahrungen auf allen drei Ebenen machen können. Ähnlich wie die vier Seiten Seiten einer Nachricht nach Schulz von Thun (Sach, emotional, Apell, Selbstoffenbarung) können wir auch auf diesen drei Kanälen parallel kommunizieren.

Als Erweiterung der zwischenmenschlichen Kommunikation treten viele Menschen auch mit einer nicht fassbaren Gestalt in Kontakt, die sie Gott nennen. Gott hat nach christlicher Überlieferung in der Schöpfung sehr konkret in unsere Realität eingegriffen und ist – als Schöpfergott der neuen Kreatur – immer noch dazu in der Lage, unsere physische Realität zu verändern. Ebenso bezeugen viele biblische Ereignisse und menschliche Lebensberichte, dass Gott sie geistlich angesprochen hat bzw. dass sie sich durch geistliche Kommunikation mit ihm verbunden haben. [2]

Beispiel: Wir können ein Gebet in einer Kirche live ins Internet streamen und so gleichzeitig geistlich mit Gott im Gespräch sein, diese Kommunikation physisch in einer Kirche verorten und in den virtuellen Raum einspeisen. Auf allen drei Ebenen kann das Gebet wahrgenommen werden (von Gott, von den Menschen um uns herum, von den Internetzuschauern) und kann es Reaktionen darauf geben. Die erwartete Reaktion auf ein Gebet ist zum Beispiel auf der geistlichen Ebene, dass Gott die Bitte erhören möge oder meinen Blick für seine Perspektive öffnen möge. Unabhängig davon, ob und wie diese Reaktion eintritt und/oder mir bewusst wird, kann mein Gebet Menschen vor Ort bewegen und ihr Herz verändern. Gleichzeitig können sie mein Gebet mit ihrem „Amen“ bekräftigen, durch ihr Verhalten oder weitere Gespräche mit mir interagieren, mich bestärken oder durch gelangweiltes Gähnen dazu bewegen, schneller zum Schluss zu kommen. Ebenso real können allerdings auch Menschen angesprochen sein, die sich nicht im gleichen Raum aufhalten und nur auf der virtuellen Ebene erreicht werden. Für sie kann das Gebet ebenso real sein, sie können eigene geistliche Erfahrungen machen und auch sie können – bei vorhandenem Rückkanal – ein Feedback senden. Bei zeitversetzter Onlineausstrahlung kann eine Reaktion so auch später stattfinden.

Analog zu dieser vertikalen Gott-Mensch-Kommunikation kann man die Kommunikation von Menschen mit Maschinen beschreiben. Der Mensch als Schöpfer eines Computerprogrammes gibt dem Programm grundsätzliche Regeln, lässt es im vorgegebenen Rahmen mit konkreten Eingaben eigenständig ablaufen und ist für Änderungsabläufe, Wartung und Neuorientierung weiterhin auf Empfang. Gerade mit Blick auf künstliche Intelligenz lassen Programmierer ihren Schöpfungen aber immer mehr Freiheit und reagieren auf Kontaktaufnahmen der Maschine, sodass die Mensch-Maschine-Kommunikation eine ähnlich gelagerte interaktive vertikale Kommunikationsstruktur aufweist. Die Programmierung intelligenter Geräte wird dabei immer öfter nicht nur durch virtuelle Programmierbefehle, sondern auch durch Gesten und physische Verhaltensweisen gesteuert. Im Gesamtbild der Mensch-Maschine-Kommunikation ist insbesondere der SocialMedia-Bereich interessant, in dem mehrere Menschen in einer Community vernetzt und so Mensch-Computer-Mensch-Kommunikation ermöglicht wird. Hier bestimmt ein Algorithmus, welche Informationen einem Nutzer angezeigt werden. Der Sender einer Information bleibt also Herr über die Maschine, die aber in eigener Entscheidung mit diesen Eingaben umgeht und somit beeinflusst, wie die Kommunikation von anderen Menschen wahrgenommen wird. Wir erleben also eine Situation des machtlosen Schöpfers, der sich entschieden hat, seiner Schöpfung bestimmte Freiheiten zuzugestehen und nun nicht mehr in alle Teilbereiche eingreifen kann, dennoch aber das geschaffene Gesamtsystem weiterhin aktiv nutzen kann. [3]

Beispiel: Ein Mann lernt online eine Frau kennen. Sie tauschen einige Textnachrichten aus, finden sich interessant, sehen sich auf Fotos, diskutieren über Themen, die sie interessieren und verabreden sich schließlich auf einen Kaffee. Für den Mann hat diese Kommunikation im Kopf begonnen. Er hat ein Ziel verfolgt, sich auf einen Prozess eingelassen und ist einen virtuellen Weg gegangen. Gleichzeitig hat aber vermutlich dieser Weg auch körperliche Reaktionen bei ihm ausgelöst. Erhöhter Herzschlag, verstärkte Aufmerksamkeit, starke Zeitinvestition und einhergehende Vernachlässigung der Alltagsaufgaben. Vielleicht schläft er nicht mehr gut, vielleicht versäumt er wichtige Offline-Termine, vielleicht wirkt er auch besonders aufgeschlossen und lebendig auf seine Mitmenschen. Er hat bisher lediglich eine virtuelle Kommunikation getätigt, ist jedoch physisch davon sehr beeinflusst und hat vermutlich bei der Frau ähnliche physische Reaktionen hervorgerufen. Ebenso haben die beiden durch die Anhäufung von massenweise Metadaten auch die Verfassung des SocialMedia-Netzwerks in dem sie sich austauschen verändert.[4] BigData soll nicht als mitfühlendes Wesen dargestellt werden, ist jedoch in seiner Existenz ein sich veränderndes Gebilde, das durch den Input und daraus resultierende Interpretationen Schlüsse zieht, die wiederum die beiden Nutzer in ihrer physischen und virtuellen Realität entscheidend prägen.

Die meisten Theisten sind sich darin einig, dass Gott mit uns auf der geistlichen Ebene interagieren kann. Ob und wie genau menschliches Gebet einen Einfluss auf den Willen Gottes hat, sei dahingestellt. Aber da Gott außerhalb unserer Raumzeit existiert, ist diese Realitätsebene dafür prädestiniert, mit Gott zu kommunizieren. Ebenso kann man auch verständlich herleiten, dass der Schöpfer von Himmel und Erde einen Einfluss auf unsere physische Realität hat – zumindest einseitig. Betrachtet man den Missionsbefehl und Jesu Worte über das Weltgericht, scheint es auch eine Schnittstelle zu geben, wie unser physisches Handeln einen Einfluss auf Gottes Realität hat. Gott und Mensch stehen also zumindest auf geistlicher und physischer Ebene in bidirektionaler Kommunikation.

Ebenso verhält es sich mit der Kommunikation zwischen Mensch und „dem Internet“ oder SocialMedia.[5] Der primäre Kanal für diese Kommunikation ist der virtuelle, weil wir über Eingabegeräte etwas nicht physisch Geschaffenes in das System einspeisen, das keine Entsprechung in der Kohlenstoffwelt hat und auch beim Betrachter nur als virtuelle Information auf dem Monitor oder ähnlichen Ausgabegeräten erscheint. Gleichzeitig betonen Suchthilfestellen immer wieder, dass eine zu starke Nutzung von Internetdiensten durchaus auch physische Folgen haben kann: Schlafentzug, Hunger, Durst, fehlende Hygiene oder Vernachlässigung beruflicher Pflichten führen dazu, dass das physische Leben durch virtuelle Kommunikation geschädigt wird. Andersherum gibt es immer wieder Menschen, die durch geschickte Investitionen in virtuelle Welten oder als ProGamer viel Geld verdienen oder mit Dienstleistungen im virtuellen Bereich ihr physisches Leben verbessern können. Es liegt also auf der Hand, dass die Kommunikation zwischen Mensch und SocialMedia zumindest virtuell und physisch in beide Richtungen abläuft.

Bei Vorträgen erlebe ich oft, dass Zuhörer bis dahin mitgehen können, aber an der Stelle einhaken und meinen, das würde doch genügen. Dass Gott auch virtuell erfahrbar ist oder dass man über die geistliche Ebene auf die SocialMedia-Sphäre zugreifen kann, scheint ihnen zu fremd zu sein. Daher möchte ich diese beiden Punkte nun separat betrachten. Dabei ist mir wichtig zu sagen, dass ich nicht alte Modelle ablösen möchte und auch nicht Menschen dazu drängen möchte, alle möglichen Kanäle auch zu nutzen, sondern dass es hier lediglich darum geht, prinzipielle Möglichkeiten aufzuzeigen.
Zuerst die Frage, ob ein Mensch mit Gott auf virtuellen Wegen kommunizieren kann. Dazu ist es hilfreich, den Begriff der Virtualität genauer zu untersuchen. Von lat. virtus kommend bezeichnet etwas Virtuelles ein durch „Manneskraft“ oder gegendert „menschliche Kreativität“ gewirktes Etwas. Dabei ist weder ein technisches Grundsystem noch eine Abwertung gegenüber der Materie vorgegeben. Virtuell ist jeder Gedanke, den ein Mensch denkt, jeder Wunsch, Traum, jedes Objekt der Vorstellungskraft. In erster Stufe gibt es dabei Virtuelles in uns (Gedanken), in zweiter Stufe geteilte Virtualität (ein gemaltes Bild oder eine aufgeschriebene Geschichte) und in dritter Stufe vernetzte Virtualität (geteilte Fiktion, die wir gemeinsam weiterentwickeln).[6] Wenn wir nun jeden künstlerischen Gedanken und jede Inspiration als Virtualität begreifen und gleichzeitig daran festhalten, dass große Kunst von Gott inspiriert sein kann, wird automatisch der virtuelle Kanal auch ein Zugangsweg zu Gott. Gott kann unsere Gedanken inspirieren und wir können mit der Kunst, die wir schaffen, darauf antworten. Die Kunst kann sicherlich auch physisch (ein gemaltes Bild) oder geistlich (eine Predigt) sein, aber ebenso auch in virtuellen Systemen der dritten Stufe stehen bleiben (vernetzte Onlinekunst). Somit ist gezeigt, dass der Zugang zwischen Gott und Mensch oder Mensch und Gott durchaus auch auf der virtuellen Ebene liegen kann.
Nach diesem Weg ist nun als letzter Schritt die Frage zu beantworten, ob uns unsere SocialMedia-Nutzung auch auf der geistlichen Ebene beeinflussen kann. Sicherlich kann man anmerken, dass der Zugang zu digitalen Informationen in Computernetzwerken immer durch virtuelle Kanäle geschieht. Allerdings kann, ebenso wie die digitale Welt unsere physische Selbstwahrnehmung außer Kraft setzen kann, wenn wir beim stundenlangen Daddeln die Zeit vergessen, auch unsere geistliche Realität direkt von SocialMedia-Erlebnisse geprägt werden. Es gibt Berichte von Menschen, die in virtuellen Welten wie World of Warcraft eine Totenklage und Trauerfeier für einen in der physischen Welt verstorbenen Mitspieler abgehalten haben. Andere Menschen erzählen, dass sie von einer Onlinepredigt oder einem YouTube-Video derart angesprochen waren, dass sie Gottes Nähe gespürt haben. Und in virtuellen Andachtsräumen finden immer wieder Menschen eine Schnittstelle, die etwas in Ihnen zum Klingen bringt, was weder selbst gewirkt noch materiell greifbar und somit nach unserer Definition geistlich zu nennen ist. Das Beispiel von Amen.de zeigt in der Tridirektionalität der Kommunikation, dass auf Gebete, die ein Mensch online einstellt auch eine virtuelle Verteilung und geistliche Verarbeitung folgen kann, deren Auswirkungen der Absender dann zumindest virtuell, erwartungsgemäß aber auch geistlich (und ggf in der Folge physisch) erleben kann.

Somit ist gezeigt, dass ein Mensch sowohl mit Gott als auch mit SocialMedia auf allen Kommunikationsebenen interagieren kann. Ob man diese Erfahrungen auch auf allen Ebenen tatsächlich macht, hängt freilich nicht nur von der Möglichkeit ab, sondern auch davon, ob man es zulässt.[7] Wer mit verstocktem Herzen eine Kirche betritt, wird weniger offen für geistliche Erfahrungen sein, und wer mit nüchternem Verstand ein Liebesgedicht liest, wird weniger angesprochen von der Kunst der Poesie sein. Ebenso kann man bei der SocialMedia-Nutzung entscheiden, auf welchem Ohr man hören will, welche Ebenen man auf Empfang schaltet und welche Erwartungen man an die Kommunikation hat. Wenn die Kirche vernetzte Onlineerfahrungen fördern will, muss sie zulassen, dass Menschen sich ganzheitlich auf digitale Welten einlassen. Natürlich muss sie genauso auch die Backsides beleuchten: Suchtprobleme, Selbstreduktion und ideologische Fremdbestimmung ernstnehmen. Sie sollte aber Gottes Wirken dort genau so offen erwarten, wie sie es in der stillen Selbstreflexion, beim papierbasierten Bibellesen oder in einem Vor-Ort-Gottesdienst erwartet.

[1] Die oft vorgenommene verkürzende Unterscheidung in virtuell vs. real soll bewusst konkretisiert werden, um zu verdeutlichen, dass auch Kommunikation in der virtuellen Welt einen spürbaren Einfluss auf die menschliche Existenz hat, also durchaus real ist. Daher ist die Unterscheidung in verschiedene Realitätsebenen produktiver, die diesem Abschnitt zugrunde liegen wird. Vgl.: Kopjar: Kommunikation des Evangeliums, S.31ff.

[2]Da Gottes Realität für unserer Wahrnehmung nur indirekt zugänglich ist und die Interpretation von Gottes Handeln immer durch subjektiv menschliche Interpretation gefärbt ist, bleibt Gottes Souveränität in dieser Ausführung unangetastet. Dennoch ist in der christlichen Tradition die Annahme einer generellen Möglichkeit verankert, mit Gott in Kontakt zu treten, wenn Christen sich in Gebeten an ihn wenden und darauf vertrauen, dass er daraufhin aktiv in die menschliche Realität eingreift. Ebenso bezeugt die Tauflehre, dass physische menschliche Taten eine Auswirkung auf die kommende Realität Gottes haben.

[3] Die allgemeine Mensch-Maschine-Kommunikation wird greifbarer, wenn man sie anhand von konkreten Beispielen diskutiert. Das kann ein bestimmtes Programm, eine bestimmte Online-Community oder eine bestimmte Szenerie sein. Smartphone-Kommunikation macht sie massentauglich und verortet sie im Alltag und die Mainstreamnetzwerke großer SocialMedia-Anbieter erreichen ähnlich große Zielgruppen wie die weltweiten Religionen. Die Namen wandeln sich dabei in kurzer Zeit, die kommunikativen Konzepte bleiben längerfristig erhalten. Daher soll hier SocialMedia als Phänomen betrachtet werden, ohne konkrete Netzwerke direkt zu nennen.

[4] Ob man in Gottes Realität von „physisch“ sprechen kann, darf diskutiert werden. Bei Algorithmen und Datenstrukturen von „Physis“ zu reden, dürfte den meisten zu weit gehen. Dennoch ist es hier hilfreich, die Worte beizubehalten, um die Systeme vergleichen zu können und sich gleichzeitig bewusst zu machen, dass man für die emotionale Beschreibung von Maschinen neue Begriffe wird finden müssen.

[5] SocialMedia meint hier v.a. das Gesamtkonzept, bei dem natürlich eine Vielzahl von Maschinen und anderen Menschen beteiligt ist, meist aber eine konkrete Zielperson oder Gruppe der Gegenpart einer Kommunikation ist, selbst wenn (wie auf Twitter oder bei einem Blog) eine Nachricht prinzipiell offen an alle gesendet wurde. Für diese Argumentation betrachten wir den Kommunikationspartner SocialMedia also bewusst verkürzend als eine Einheit.

[6] Bernd Michael Haese: Hinter den Spiegeln. Kirche im virtuellen Zeitalter des Internet, Bonn 2006., S.15.

[7] Der Vollständigkeit halber sei ergänzt: und von Gottes Handeln, der unabhängig vom genutzten Kanal autark Segen schenken und verwehren kann. Da alles von Menschen geschaffene auch Teil seiner Schöpfung ist, ist davon auszugehen, dass für ihn unsere SocialMedia ebenso Teil seiner Schöpfung sind und er diesen doppelten Realitätssprung problemlos kompensieren kann. Perspektivisch ist es also auch denkbar, dass Gott mit Bestandteilen der SocialMedia oder zumindest über diese mit Menschen in Kommunikation steht.

Dass du mich einstimmen lässt…

Gestern haben wir im Gottesdienst ein Lied gesunden, dass ich aus meinen Kindertagen kenne. Es ist ein locker-flockiges (Kinder-)Lied. Aber erst gestern ist mir bewusst geworden, wie viel theologischer Tiefgang in dem Lied steckt:
„Dass du mich einstimmen lässt in deinen Jubel, o Herr, deiner Engel und himmlischen Heere; das erhebt meine Seele zu Dir, oh mein Gott, großer König, Lob sei Dir und Ehre!“*
1. Gott jubelt.
Egal, wie kaputt die Welt uns oft scheint, Gott ist am Jubeln! Vielelicht, weil ein Sünder umkehrt(Lk 15,7) oder einfach so… Bei Gott herrscht Freude und nicht Trauer. Das macht Hoffnung!
2. Mit ihm jubeln auch seine Engel und die himmlischen Heere.
Gott jubelt nicht alleine: Die Engel, also Wesen die er geschaffen hat, um in seiner Gegenwart zu sein, jubeln mit ihm. Ebenso die Heerscharen, die man sonst primär aus der Weihnachtsgeschichte kennt. Wow, ein imposantes Bild!
3. Ich darf dabei sein.
Ich bin jetzt nicht der begabteste Sänger und in Gottes Herrlichkeit stelle ich mir das Niveau noch höher vor als bei Willow Creek 😉
Dennoch bin ich nicht nur Zuschauer, sondern darf mitmachen! Das ist faszinierend! Gott lässt mich einstimmen in den himmlischen Jubel.
4. Ich mache das nicht als Dienst für Gott, sondern werde selber dadurh erhoben.
Ich opfere nicht einen Teil meiner Zeit, um Gott zu erheben, sondern wenn ich mich auf ihn einlasse, erhebt das mich! Ich werde erhöht aus meiner kleinen Welt hin zum Schöpfer aller Dinge!
5. Durch den Lobpreis Gottes erkenne ich seine Größe.
Es ist Gnade, dass ich dabei sein darf, das führt mich in den Lobpreis. Auch die anderen sind durch Gottes Gnade da und niemand muss sich verstecken. Wir sind alle nicht perfekt, aber durch ihn gerecht gesprochen. Dafür möchte ich ihm zujubeln!
6. Das führt zu Inklusion und offenen Strukturen!
Wir sollten viel mehr Menshen mitnehmen, wenn wir Gott zujubeln, damit sie seine Herrlichkeit erkennen können! Der Gottesdienst ist schon lange vorbei, aber das Lied begleitet mich und bringt mich immer wieder dazu, Gott zuzujubeln.
Wer jubelt mit?
*) Text und Melodie: 1976 Jesus-Bruderschaft (Gnadenthal). Die sechs Strophen unterschlage ich hier mal großzügig, aber alle münden wieder in diesen Refrain…

Medientheologischer Rückblick auf die #rpTEN

Vom 2.-4. Mai 2016 fand in Berlin zum zehnten Mal die Internetkonferenz „re:publica“ statt. Was als Blogger-Family angefangen hat, ist inzwischen Mainstream geworden. So tummeln sich neben 8000 Teilnehmenden (davon über 800 Vortragende) auch zahlreiche Werbepartner und Sponsoren auf dem Gelände, die Werbung für Produkte machen (Google, Microsoft, Snapchat), die die Digitale Generation der ersten Stunde noch scharf kritisiert hatte. Zu vielen Themen gibt es also PRO und CONTRA, allerdings wenigen offenen Diskurs, eher das breite Spektrum aus dem sich jeder raussuchen kann, welche Meinung man hören will…

Ich bin als SocialMedia-Koordinator der EKM von Berufswegen sehr interessiert, in welche Richtung sich die digitale Gesellschaft entwickelt und welche Rolle Kirchen und engagierte Christen für eine lebenswerte digitalen Zukunft spielen können.
Nachdem dieses Thema in den letzten Jahren gerade auf Seiten der Veranstalter und Redner eher kritische Distanz oder sogar Ablehnung zu spüren bekam, hatte ich dieses Jahr das Gefühl, dass die Offenheit, gemeinsam etwas Gutes zu bauen, größer wird.

So hat Markus Beckedahl in seinem Vortrag offen dazu aufgerufen, auch mitweet1t Partnern aus Politik und Kirche positive Allianzen zu gründen.
Auf der re:publica treffen sich immer auch einige Kirchenmenschen. Dieses Jahr hatte Brot für die Welt ein Treffen für WebWorker aus Kirchen und Diakonie angeboten. Allerdings abseits des Geländes und außerhalb des Tagungsprogramms. Dort bei #wework16 waren wir uns einig, dass wir einiges für die Zukunft der Gesellschaft beizutragen haben und es garnciht immer um die richtigen Logos und Gesichter gehen muss, sondern Menschen aus religiösen Motiven heraus für ein friees und gleichberechtigtes Miteinander eintreten wollen.Ein Kollege hat dann am letzten Tag der re:publica berichtet, dass er bei einem GetTogether für Veranstaltungstechniker für seine modernen Gottesdienstformen lernen wollte und am Ende 20min lang anderen Veranstaltungstechnikern über seine Erfahrungen in der Gottesdienstorganisation erzählt hat. Auch so kann man zum „Redner“ werden indem man offen ist, den Menschen zuzuhören 🙂

tweet2Ein besonderer Schwerpunkt war dieses Jahr Virtuelle Realität und virtuelle Welten. So kann man durch Plastikbrillen komplett in digitale Welten abtauchen und in „augmentierten Simulationen“ gegen Gegner kämpfen, die eigentlich garnicht da sind.

Eve Massacre betont, dass es wichtig ist, VR-Kunst als freien Handlungsraum (auch) aus Arthouse-Werkstätten ernstzunehmen und nicht nur die perfekte Simulation der Mainstreamanbieter zu feiern.

Björn Lengers zeigt auf, dass Theater immer schon immersiv war und jetzt auch neue Technik interaktiv nutzen kann.

tweet3Andere Projekte zeigen auf, wie man ein gemeinsames Abendessen kommunikativer oder zumindest vernetzter gestalten kann. Die echte Interaktion auch mit Menschen von anderen Orten scheint allerdings immer noch schwer umsetzbar zu sein, so bleibt der Beigeschmack, dass ein physisches Mahl vielleicht einfacher und erfüllender gewesen wäre…

Ich bin jetzt getriggert, zu experimentieren, was da im kirchlichen Bereich machbar ist. Vielleicht ein Projekt zum #KadW? Besondere Live-Berichterstattung oder Veranstaltungsdokumentation. Wie kann spezifisch geistlicher Inhalt vom Rundumblick, dem „Mittendrin-Gefühl“ oder der interaktiven virtuellen Welt profitieren? Können wir Gottes Perspektive oder seine immaterielle Anwesenheit mit solchen Methoden besser erklären? Oder ist es nur technische Spielerei? Wer Ideen hat: Lasst es mich wissen!

tweet4In einer Session erzählte Dong-Seon Chang über die Realität von virtuellen Welten (Thema meiner Diss) und zitierte dabei noch eine Grafik zur Bibelstelle aus Matthäus 4,19.

So kommt Religion also zumindest am Rande einiger Vorträge vor udn ich frage mich, ob das nur mir dieses Jahr so deutlich aufgefallen ist…

Religionskritisch äußerte sich der atheistische Blogger Md Mtweet5ahmudul Haque Munshi (scheinbar nicht online), der in Bangladesh für seine freiheitlichen Texte verfolgt wurde und nach Deutschland fliehen musste. Gerade gegenüber andauernder religiöser Unterdrückung ist die freiheitliche Grundlage des Protestantismus als Stimme des Friedens in der Welt eine wichtige Stellung, die wir öfters und lauter beziehen sollten. Ich hätte ja mal Lust zu einer Session über Religionsfreiheit oder digitale Aspekte religiöser Gemeinschaften in Deutschland. Leider sind viele Gemeinden immer noch zu wenig (ersthaft) online vernetzt, sodass die beiden Welten sich nur selten berühren.

tweet6Die Frage nach Gleichberechtigung wurde von Andres Guadamuz erweitert auf die Ebene der Roboterkunst. Nur in Großbritannien gibt es gesetzliche Grundlagen, um einer KI Rechte an geschaffener Kunst zugestehen. Welche Rechte haben Roboter, Maschinen oder Computerprogramme, wenn Sie Kunst hervorbringen, die vom Inspirationsfaktor her von menschlicher Kunst nicht zu unterscheiden ist? Weitergedacht wäre es die alte SciFi-Frage: Was ist der Mensch? Wie lange ist er Krone der Schöpfung? Wie verhalten wir uns gegenüber (potentiell) intelligenten Geräten in SmartHouses und SmartCities…?
Kate Crawford hingegen nimmt uns die Angst. Es dauert noch mindestens 20 Jahre bis wir ernsthafte KI bauen können und auch dann wird ein gesellshaftliches System entscheiden, was gut und was böse ist. Heute wird die Entwicklung einer KI stark durch die Ethik der CEOs beeinflusst. Wie wir soziale Standards einer menschlichen Welt gegen die Maschinenlogik durchsetzen wollen, wenn der Algorithmus sagt, dass wir Terroristen oder anderweitig geartete Zielpersonen sind, sagt sie allerdings nicht.

Gegen Ende rief Mark Surman (scheinbar noch nicht online), der CEO der Mozilla Foundation, noch einmal die Grundlagen des „alten Internets“ in Erinnerung und thematisierte, dass die Expansionspolitik von Facebook und ähnlichen Netzwerken an die Ausbreitung des römischen Reiches erinnere statt eine freie und gleichberechtigte Welt zu fördern. Globale digitale Entwicklungshilfe, das Vermeidung von Rekolonialisierung und die Freiheit der Nutzer gegen die Interessen der Konzerne werden wohl Themen sein, die uns noch lange beschäftigen. Dass das Evangelium frei machen kann und wir zwar Gott aber keinem irdischen System untertan sind, wäre dabei ein wichtiger Aspekt aus Sicht des Glaubens. Sowohl für die digitale Gesellschaft als auch für christliche Gemeinden, die oft ihren Ruf in die Welt vergessen haben. Hoffentlich wächst die gesunde Schnittmenge aus beidem.

Wer sich selber ein Bild machen möchte findet viele der Vorträge hier als Video online oder hier als Audio.

Empfehlen kann ich vor allem
Keynote
Gunter Dueck
Sascha Lobo
Greenpeace on TTIP
Markus Beckedahl
Opening Ceremony
Closing Ceremony
…oder was dich eben interessiert 🙂

Pub Theology – Buchrezension

Vor kurzem hab ich ein Buch gelesen, das ich schon länger im Schrank stehen hatte. Und es scheint aktuell sehr gut in meine gedankliche Situation zu passen: Bryan Berghoef – Pub Theology.

pubtheologyEin amerikanischer Pfarrer aus streng reformierter Tradition beschreibt darin seinen Glaubensweg von einem dogmengläubigen Mitläufer über die Öffnung für andere Christen im Studium bis zu einer grundsätzlichen Offenheit, alle Menschen in Glaubensfragen komplett stehenzulassen.
Das ist auch gleich der Punkt, wo er mir etwas zu weit geht. Er vertritt einen sehr universalistischen Ansatz (auf James Fowler: „Stages of Faith“, NewYork 1995 aufbauend), der alle philosophischen Quellen gleichwertig betrachtet. Ich bin ja auch sehr offen dafür, von unterschiedlichen spirituellen Strömungen zu lernen und verschiedene Welterklärungsmuster stehen zu lassen. Aber ich bleibe dabei (aktuell) etwas tiefer in der christlichen Tradition verwurzelt, weil sie als Gottesoffenbarung für mich eigentlich nur dann Sinn macht, wenn man ihr einen gewissen Gültigkeitsanspruch zuspricht. Bei aller berechtigter Kritik an Gegebenheiten der Kirchengeschichte und aller Offenheit für andere Methoden.

Bis auf diese für meinen Geschmack etwas zu starke Öffnung nach allen Seiten finde ich das Buch als Ganzes allerdings sehr spannend und hilfreich, um über die aktuelle Gemeindesituation nachzudenken. Die Grundlage, dass man keine Dogmen auswendig lernen sollte, sondern sich nur aufgrund eigener Glaubenserfahrung oder –Erkenntnis für eine spirituelle Weltsicht entscheiden kann, ist mir als Baptist ja nicht neu. Ebenso freue ich mich über die Impulse, im Studium auch andere Frömmigkeitsstile kennenzulernen, offen zu sein, sich auszuprobieren, Stärken und Schwächen kennen zu lernen und so das Fundament des eigenen Glaubens zu festigen. Auch das durfte ich über 10 Jahre lang erfahren und finde es gerade in meinem aktuellen Job bei der evangelischen Kirche immer noch spannend, zwischen evangelischen, katholischen und freikirchlichen Events zu pendeln und mit ganz unterschiedlichen Menschen im Gespräch zu sein.

Der Kerngedanke des Buches liegt dann freilich in der Präsentation der „Pub Theology“, eines interreligiös offenen Kneipengesprächskreises, den der reformierte Pfarrer aus Michigan ins Leben gerufen hat. Er sagt, „beer, conversations and God“ sind drei Dinge, die er liebt und die er deshalb zusammen bringen wollte. Also fand er eine lokale Kleinbrauerei, die ihm jeden Donnerstag einen Tisch reservierte und lud Menschen aus Gemeinden und Freidenkerclubs ein, mit ihm zu diskutieren. Er sagt, er möchte Menschen nicht missionieren, bekehren oder belehren, sondern offen und auf Augenhöhe mit ihnen ins Gespräch kommen. Er bereitet zwar Startup-Fragen für jeden Abend vor, aber nur, um ein Gespräch anzukurbeln und nicht mit einem bestimmten Ziel oder Ergebnis verbunden. Diese Offenheit ist für ihn der Schlüssel, warum sich Skeptiker und auch von Kirche enttäuschte Christen bei diesen Abenden so wohl fühlen. Für Atheisten ist es eine Möglichkeit, Vorurteile gegenüber vermeintlich „naiven Christen“ abzubauen. Christen aus traditionellen Gemeinden finden hier die Offenheit, kritische Fragen zu stellen statt sich vom Glauben abzuwenden.

Genau diese Offenheit fehlt heute vielen Gemeinden. Es gibt konservative Kreise, wo man schon schief angeschaut wird, wenn man skeptische Gedanken überhaupt zulässt und liberale Gemeinden, in denen klar ist, dass jeder Denken und Glauben kann, was er möchte. Beides ist als Extremform meiner Ansicht nach nicht zielführend. Aber offen und ehrlich über alle Themen zu reden, alle Denkrichtungen ernst zu nehmen und dennoch auch eine eigene Meinung zu vertreten, ist eine Kunst, die ich nicht allzu oft antreffe. Ich kenne solche Situationen allerdings von meiner Arbeit an diversen Cocktailbars. Wenn man nach Mitternacht mit Menschen ins Gespräch kommt, die ihren dritten Cocktail bestellen und sie herausfinden, dass man neben der Arbeit als Barkeeper auch Theologe ist, kommen sehr schnell zentrale Glaubensfragen auf. Oft von Menschen, die sonst niemanden kennen, mit dem sie über solche Themen reden können.
Warum also nicht gleich einen offenen Gesprächskreis ins Leben rufen, der philosophische Gespräche auf Augenhöhe und ohne vorgefasstes Ergebnis anbietet? Und ob das dann beim Kaffee, Bier oder Cocktail passt, darf man individuell entscheiden. Ein solcher Treffpunkt und so eine offene Einstellung würden jeder (größeren) Gemeinde gut tun. Das könnte den Glauben der eigenen Mitglieder festigen und Skeptiker für christliche Gemeinschaft interessieren.

In diesem Sinne, auf viele gute Gespräche, Prost!

 

Hinweis: Ich habe "Pub Theology" von 2012 (162 Seiten) gelesen.

Mittlerweile gibt es eine Neuauflage "Pub theology 101" als E-book von 2013, die fast doppelt so viele Seiten hat. Ob da mehr drinsteht oder der Inhalt aktueller ist, kann ich nicht sagen.

Wer Bücher kauft, darf gerne den lokalen Buchhandel unterstützen :-)

 

Projekte zwischen Wissenschaft, Kirche und Medienwelt