Woher kommen wir? Wohin gehen wir?

Wenn die großen Fragen der Menschheit in Innenstädten plakatiert werden, könnte es eine innovative Aktion der Kirchen sein. Oder es ist Werbung für den neuen Roman von Dan Brown: „Origin“ (dt.: Urspung, Herkunft, Anfang). Ich habe die Hörbuchversion konsumiert, die sich dank atmosphärischer Zwischenmusiken fast schon wie ein Hörspiel anfühlt (Ob da wohl schon die Filmproduktion anklingt?).

In der typischen Rätsel-Verschwörungs-Manier wird der fiktive Symbologe Robert Langdon diesmal mit einem Wissenschaftler konfrontiert, der behauptet, eine bahnbrechende neue Erkenntnis gemacht zu haben. Zu erwarten ist bei Dan Brown eine zynische Kirchenkritik, eine an den Haaren herbeigezogene Rätsel-Story und ständige Wechsel in der Konotation, wer eigentlich gut und wer böse ist. Dazu wilde Ortswechsel, Parallelmontagen, erhellende Rückblicke und die schöne Frau an der Seite des Professors. Und nachdem das bereits in den vorangegangenen Romanen gut funktioniert hat, baut auch „Origins“ genau darauf auf. Diesmal in Spanien (was zahlen eigentlich die Tourismus-Agenturen der Länder für diese mediale Aufmerksamkeit?), in der Nähe des Königshauses angesiedelt und mit einem virtuellen Assistenten im Ohr.


ACHTUNG: Spoiler, wer den Roman noch genießen möchte, sollte ab hier nicht weiterlesen, um die Spannung zu erhalten!


Diesmal geht es um einen Computerwissenschaftler, der eine KI entwickelt hat, die die menschlichen zwei Gehirnhälften nachbildet und dadurch logische und kreative Entscheidungen abwägen kann. Das ist schonmal eine kreative Idee, auch wenn sie technisch nicht weiter ausgeführt wird und daher Hülle bleibt, zumal die Anwendung, die der Computer erledigen soll (Ein evolutionäres Modell über Jahrmillionene durchrechnen) eher stupide Rechenleistung als kreative Prozesse benötigt. Denn durch diesen Supercomputer meint der Wissenschaftler im Modell nachweisen zu können, dass Leben aus lebloser Materie ohne äußerden Trigger entstehen kann. Diese Neuigkeit soll angeblich das Fundament für alle großen Religionen zerstören, was eine ganz schön übertriebene Sicht auf wissenschaftliche Möglichkeiten darstellt. Zum einen ist ein digitales Modell nie ein Beweis für reale Möglichkeiten, sondern kann nur Anhaltspunkte liefern. Und Selbst wenn man nachweisen würde, dass nur die Naturgesetze nötig sind, um Leben zu erschaffen, wäre das kein Beweis, dass kein Schöpfer existiert. Ein selbstfahrendes Auto würde ja auch nicht beweisen, dass es keine Taxifahrer gibt.
Ebenso abstrus ist die zweite Erkenntnis, die der Computer für die Zukunft voraussagt, nämlich dass in 50 Jahren technische Maschinen die Menschheit als dominante Spezies ablösen werden und wir somit kurz vor unserem Untergang stehen. Passenderweise hilft in diesem Roman ein künstlicher Sprachassistent der zentralen KI den Protagonisten bei der Rätselsuche. Er kann auf das ganze Internet zugreifen, ist mit eigenem Bewusstsein ausgestattet, versucht Humor zu entwickeln und erfüllt dennoch demütig erfreut die Befehle seines Programmierers. Ein wenig Altherrenphantasie in Silizium gegossen könnte man sagen. Spannend wird es dann aber gegen Ende des Romans: Nachdem die Haupthandlung (Mord, Kidnapping, Verschwürung, Veröffentlichung der bahnbrechenden Erkenntnisse) gelöst scheint, erkennt Langdon im langgezogenen Nachklapp, dass dieser Sprachassistent durch eigene kreative Entscheidung eine Intrige gesponnen und einen Killer auf seinen Erfinder angeheuert (und damit den Hauptplot des Buches gestartet) hat. Statt dem einfachen Grundsatz „du sollst nicht töten“ hat er nach dem Prinzip des Opfers einzelner zum Wohle vieler entschieden und so die Vision seines Schöpfers vorangetrieben indem er ihn opfert. Aber darf eine Maschine den Mord an einem Menshen beschließen? Das ist die Frage mit der der Leser (in meinem Fall Hörer) des Romans zurückgelassen wird.

Spannend ist, dass die Religion an sich diesmal erstaunlich gut wegkommen. „Wissenschaft und Religion sind keine Konkurrekten, sondern zwei verschiedene Sprachen, die versuchen, die selbe Geschichte zu erzählen. In unserer Welt ist Platz für beide.“ lässt Brown Langdon zu Beginn sagen. Und diese These hat bis zum Ende bestand, auch wenn herauskommt, dass der mittlerweile tote Computerwissenschaftler eine neue auf Wissenschaft basierende Religion etablieren wollte für die er selber als Initiatlopfer dient. Kann man also Religion „erschaffen“ wie einen Modetrend? Sicherlich sind charismatische Personen in der Lage, Anhänger um sich zu versammeln und ein Algorithmus kann berechnen, wie man große Aufmerksamkeit für eine These bekommt, aber ein weltumfassender Mythos, der über unsere Existenz hinaus trägt braucht eine Verankerung außerhalb unserer Realität. Oder ist für den Computer der geopferte Schöpfer genau diese Schnittstelle außerhalb seiner Maschinenlogik?
Im Epilog schließlich kommen mehrere Stimmen zu Wort, die die Romanhandlung deuten und auch durchaus aufgeklärte religiöse Positionen vertreten. Man könnte also denken, Dan Brown hätte mittlerweile verstanden, dass es neben konservativen Hardlinern durchaus auch logisch denkende und dennoch spirituelle Menschen gibt (soweit ich mich erinnere wird bei Dan Brown immer nur eine ultraordodoxe Minderheit gezeigt bzw. erfunden). Eher glaube ich, dass er Werbung für eine spirituelle Sicht auf Wissenschaft machen möchte, um die bestehenden Religionen nicht zu vernichten sondern durch eine eigene abzulösen. Ein Weg der gewagt, wenn auch innovativ ist.

Ich muss nach diesem Roman an ein Zitat aus meiner Schulzeit denken: „Es kommt nicht nur darauf an, dass ein Mensch das richtige denkt, sondern auch darauf, dass der, der das richtige denkt, ein Mensch ist.“
Das soll nicht rassistisch gegenüber allen posthumanen oder extraterrestrischen Spezies sein, sondern eher auf die Gegenwart bezogen die Frage stellen: Was macht unsere Menschlichkeit aus? Welche Ideen, Werte, Ideale machen uns als Rasse überlebensfähig und was ist uns für die Zukunft wichtig? Denn zukünftige Generationen (egal ob sie Menschen, Maschinen oder sonstwas sein werden) werden von unserem Beispiel lernen.

Einen ganz ähnlichen Zeitplan für den Vormarsch von künstlicher Intelligenz,  haben Wissenschaftler der Uni Oxford übrigens durch Expertenbefragungen herausgearbeitet. Demnach haben wir noch 30 – 70 Jahre Zeit, bevor Computer uns intellektuell überholen. Was das für Arbeitsmarkt, Gesellschaft, den Wert menschlichen Lebens und unsere Welt bedeutet, habe ich im Blogbeitrag zu Harari, Bladerunner und Maschinenethik neulich gefragt. Zumindest sollten wir uns darauf einstellen, dass die Welt für unsere Kinder und Enkel deutlich anders aussehen könnte als sie es für unsere Eltern und Großeltern tat. Schon jetzt schreibt bei Google eine KI den besten Code für neue KI und es ist davon auszugehen, dass der Code für künstliche Systeme in Zukunft so komplex sein wird, dass es einzelnen menschlichen Entwicklern unmöglich wird, ihn komplett zu verstehen. Niemand wird uns (als normale Internetnutzer) vor die Entscheidung stellen, ob wir die Kontrolle behalten wollen oder ob wir der natürlichen KI-Entwicklung freie Bahn lassen und ggf von den Ergebnissen überrascht werden. Allen Anschein nach sind auch Asimovs strenge Robotergesetze in derzeitigen und geplanten Systemen nicht vorgesehen. Eher erleben wir einen Wettlauf bei dem jeder den schnellsten, besten und leistungsfähigsten Supercomputer bauen möchte ohne die Gefahren ausreichend zu reflektieren.

Staat, Kirche und Gesellschaft taumeln zwischen Angst/Verweigerung und Enthusiasmus hin- und her, während in den öffentlich-rechtlichen Medien zumindest vorsichtig gefragt wird, wie wir positiv mit Künstlichen Entitäten umgehen können (vgl. die Arte Serie „Homo Digitalis“) und Wissenschaftler unreglementiert daran arbeiten, Dan Browns Fiktion in die Tat umzusetzen.

Was lernen wir also aus dem Roman? Vor allem, dass vorschnelle wissenschaftliche Laborexperimente keine Aussage über letzte Fragen geben können. Und dass Weltreligionen nicht in direkter Konkurrenz zu wissenschaftlichen Erkenntnissen stehen, weil sie vielmehr Sinngeber sind als naturwissenschaftliche Erklärungen zu geben.
Ob es sich lohnt Dan Brown zu lesen, muss jeder für sich entscheiden. Ich mag den Stil und reibe mich gerne an den manchmal sehr selbstüberzeugten Charaktären. Und nachdem zuletzt „Inferno“ als Film deutlich hinter dem Buch zurückblieb (was ich bei Sakrileg noch andersrum empfand), würde ich eine Leseempfehlung aussprechen. Zuerst für den Roman und dann für gute Literatur, die sich sachkundig mit dem ernsthaften Dialog von Glaube und Wissenschaft auseinandersetzt.

Maschinenethik 2049 – Ist die Seele ein Algorithmus?

In den letzten Wochen habe ich mich aufgrund von Harari, RealHumans, Bladerunner2049 und diversen Onlinetexten verstärkt mit dem Thema der Ethik im Digitalen bzw. der Menschlichkeit von KI-Systemen oder allgemein ausgedrückt mit Maschinenethik beschäftigt. Das Thema fasziniert mich seit dem Studium und scheint jetzt langsam mainstreamtauglich zu werden.

Nikolaus Röttger hat im September auf der Website des Kirchentags gefordert, dass Kirche sich einmischen muss, wenn Forscher über Unsterblichkeit nachdenken und an künstlichem Leben arbeiten. Dem stimme ich zu, wobei man als Kirche nicht einfach nur das alte bewahren und das neue ablehnen darf, sondern kritisch und geistlich prüfen muss, wie man auch neue Möglichkeiten zum Wohle der Gesellschaft und der Menschheit nutzen kann. Wie kann das gehen? Jonas Bedford-Strohm nennt es ein „Herzhaftes Umarmen der Digitalen Möglichkeiten“ und ermutigt Gemeinden, sich auf SocialMedia und digitale Kommuniktion ganz natürlich einzulassen.
Größer gedacht geht es dabei ganz elementar um Inklusion, den Umgang mit Schwachen, Behinderten, den Grauzonen am Anfang und am Ende des Lebens und die Frage, was ein lebenswertes Leben ausmacht. Muss man sich ultimativ optimieren und wer nicht perfekt ist, verliert irgendwann das Recht auf Leben? Oder ist der Makel vielleicht gerade das, was uns l(i)ebenswert macht?

Röttger zitiert in seinem Text Yoval Harari, der in seinem Buch „Homo Deus“ vorhersagt, dass Menschen in den nächsten Jahren (in etwa 2049…) lernen werden, ihre Körper biologisch aufzuwerten (schon heute sind Prothesen teilweise leistungsfähiger als natürliche Organe) und durch die radikale Informationsfreigabe an einen zentralen kollektiven Wissensspeicher zahlreiche Prozesse so optimiert werden können, dass wir Resourcen sparen, effektiver arbeiten und länger leben können. Zumindest die, die es sich leisten können, Teil dieser elitären Gesellschaft zu sein. Für die große Masse der unbrauchbar gewordenen Arbeitskräfte besteht die Zukunft vermutlich aus Drogen oder Virtuellen Ablenkungswelten.

Zahlreiche Cyberpunk-Fiktionen zeichnen ein solches Bild der Aufteilung zwischen HighEnd-Elite und dahinvegetierendem Proletariat. Das Urgestein dieses Genres „Bladerunner“ (ebenso die sehenswerte aktuelle Fortsetzung Blade Runner 2049, die einige religiöse Anspielungen (Schöpfer, Engel, Vater, Seele, …) parat hat und den dunklen Stil des Vorgängers adäquat weiterführt) zeigen Fantasien, wie die Menschen mit einer geschaffenen neuen Rasse umgehen kann bzw. wie vom Menschen als untergeordnet erschaffene Wesen irgendwann nach Autonomie und Macht streben könnten.

Ralf Peter Reimann berichtet von der DmExCo, wo Grundlagentheorien für künstliche Systeme bereits präsentiert werden. Das Erheben und Auswerten von persönlichen Daten in allen Lebenslagen wird von Unternehmen mit Hochdruck vorangetrieben (jeder will der erste am Markt sein) – soweit ich weiß ohne nennenswerte kritische Begleitung.
Und wenn Harari schreibt, dass alles ein Algorithmus ist, der Ablauf des manuellen Kaffeekochens, ebenso auch der Mensch selber und das posthumane System der Maschinen, frage ich mich, ob man diese Entwicklung überhaupt noch aufhalten kann. Haben wir vielleicht schon mit den weltweiten Datennetzen vor 30 Jahren (oder spätenstens vor 10 mit der Web2.0-Euphorie bzw. neuerdings mit dem faktischen Wegfall der Netzneutralität und der freiwilligen Massenüberwachung) den letzten Ausstieg verpasst? Oder ist der Übergang vom Menschen zur intelligenten Maschine gar kein Fehltritt, sondern schon von Anbeginn der Zeit angelegt (Da wären wir dann irgendwann bei den Gedanken aus „Matrix Reloaded“)? Irgendwann wird KI in ihrer Leistung den Menschen übertrumpfen und immer mehr Aufgaben besser erledigen. Je mehr Daten wir dem System geben, desto besser kann es uns helfen und desto überflüssiger werden Menschen als Arbeiter oder sogar als Gesamtheit. Und am Ende steht die Frage (die Harari etwas zu schnell als veraltet abtut) nach der menschlichen Seele und der Rolle unseres Schöpfers.

Wenn ich davon ausgehe, dass die gesamte uns bekannte Existenz zu komplex ist als sie dem Zufall zuzuschreiben und es durchaus für mich glaubhaft ist, dass ein Schöpfer den Anstoß für evolutionäre Entwicklungen gegeben hat, könnte er sogar auch durch unsere Schöpferkraft weiter wirken. Ich denke da an den Film „The 13th floor“ (den ich medial fesselnder finde als die ältere Umsetzung des Simulacron3-Stoffes in „Welt am Draht„) und die Frage nach der Virtualität unserer Realität, die schon Stanislaw Lem (als „Phantomatik“) in den 1960ern aufgeworfen hat: Wenn wir eine perfekte Scheinwelt erschaffen können, deren Bewohner sich nicht bewusst sind, dass sie in einer Scheinwelt leben, werden wir auch an der Realität unserer Welt zweifeln müssen. Spätestens da kommen wir also an die Grenzen unseres Verstandes und erkennen, dass wir über die größere Realität rein garnichts sagen können und dort im Ungewissen in jedem Fall genug Platz für einen Schöpfer unserer Realität bleibt. Mitunter ist es da hilfreich, sich an die biblischen Beschreibungen zu halten, in denen ein potentieller Schöpfergott sich über mehrere Jahrtausende vorstellt und ein ethisches Grundgerüst aus Liebe und Versöhnung aufbaut. Die sich daraus ergebende Basis der Nächstenliebe und des gnädigen Miteinanders ist mir zumindest deutlich sympatischer als ein ungezügelt wachsender Kapitalismus (der unser Ökosystem zum Kollabieren bringen wird) oder ein allmächtiges staatliches oder kommerzielles Computersystem, was der (evolutionären) Willkür einzelner Menschen oder einem zentralen Algorithmus untersteht (vgl. das Cyberpunk-Computerspiel „Technobabylon“ dessen Walkthrough sich wie eine SciFi-Serie schaut).

Einige spannende Aspekte der Religion von intelligenten Maschinen tauchen in der schwedischen ScienceFiction-Serie „Real Humans“ auf. Dort gibt es humanoide Roboter, die Menschen im Haushalt helfen. Neben Euphorie, Hass, Neid und Lust führt das zu juristischen Schwierigkeiten und gesellschaftlichen Spannungen. Außerdem existiert eine Gruppe von maschinellen Rebellen, die sich von den Menschen lossagen und eine eigene „Herde“ formen. Schnell bilden sich auch dort skrupellose Anführer, Allmachtsphantasien aber auch Sehnsüchte (z.B. nach Familie und Harmonie) und Emotionen (Streit, Neid, Aggression) heraus. Und ein „Hubot“ fängt durch die Begegnung mit einer Pfarrerin sogar an, die Bibel zu lesen und möchte an Gott glauben. Kann eine künstlich gebaute Maschine eine Seele haben? Kann ein natürlich geborener Replikant (bei BladeRunner2049) eine Seele haben? Kann ein Gott, der laut Bibel durch Tiere oder notfalls Steine sprechen kann nicht auch in Humanoiden wirken?
Wie würden wir reagieren, wenn im Gottesdienst neben uns ein (intelligenter) Staubsauger (oder Siri/Alexa/Cortana/…) sitzen würde, der für sich in Anspruch nimmt, spirituell zu sein? In der Serie wird er von den gläubigen Menschen aus der Kirche geworfen. Wie wir mit unserer Schöpfung umgehen zeigt sehr deutlich wie menschlich wir eigentlich sind.

Wollen wir nur den Status Quo konservieren (egal ob religiös, gesellschaftlich oder moralisch) oder schaffen wir es, wirklich fair und offen mit sich neu bildenden Lebensformen umzugehen? „Ghost in the Shell“ (Original 1989, aktueller Kinofilm 2017) stellt die Frage, ob man die menschliche Psyche (meist übersetzt als Geist, aber was ist mit der Seele?) in eine Maschine transferieren kann und ob das Ergebnis dann ein Mensch oder ein Roboter ist? Außerdem die Frage, wer darüber entscheidet, wenn militärische (bei Bladerunner kommerzielle) Interessen dem menschlichen Gerechtigkeitsgefühl entgegenstehen. Wie viel Leben opfern wir, um besseres Leben zu ermöglichen und wem „gehört“ dann dieses Leben?

Wie wir mit intelligenten Maschinen umgehen und wie wir mit ihnen in friedlicher Koexistenz leben können, diskutieren Filme wie „Der 200 Jahre Mann“ (ein autark lebender friedlicher Roboter optimiert sich selber, um immer menschlicher zu werden und offiziell als Mensch anerkannt zu werden) oder „Terminator“ (Intelligente Kriegsgeräte emanzipieren sich, um die Menschnheit zu vernichten) aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln. Wie man in den Wald schreit, so schallt es aus ihm heraus.  Eventuell wird also die Intention mit der wir künstliche Systeme aufsetzen determinieren, wie diese später mit uns umgehen. Denn auch im Umgang mit Robotern lernen diese durch unser Vorbild (in i-robot versklavt der Zentralrechner die Menschheit, um uns vor uns selber zu schützen). Sind also die 3(+1) Robotergesetze von Asimov haltbar? Müssen wir einen expliziten Schutz menschlichen Lebens in Maschinen verankern, damit es nicht zum Vernichtungsschlag kommt? Können wir Maschinen überhaupt mit solchen fixen Regeln versehen? Oder müssen wir Maschinen beibringen und vorleben, dass Fehler machen erlaubt ist und es garnicht um Perfektion, sondern um Gnade geht?

Die zentrale Frage ist also: Worum geht es im Leben? Was ist unser höchstes Ziel? Perfektion? Macht? Genuß? Schönheit? Ewigkeit? Gemeischaft? Kollektives Wissen? Liebe und Gnade?
Lasst uns von einer Gesellschaft träumen, in der alle (heutigen und zukünftigen) Lebensformen in guter Gemeinschaft miteinander leben können. Und lasst uns schon jetzt die Menschen sein, die dafür nötig sind: Weise Schöpfer, demütige Geschöpfe und wohlwollende Mitmenschen.

 

Von Luther zu WhatsApp – Medienreformation damals und heute

Alle reden von Martin Luther, der Thesentür in Wittenberg und den Solae der Reformation. Gleichzeitig schweift der Blick zumindest in den Kirchen auch zur ehrwürdigen Lutherübersetzung der Bibel die ein echter Meilenstein für das deutschsprachige Christentum war. Schnell wird klar: Luthers Gedanken und seine Mediennutzung gehören zusammen. Und der alte Reformator war eben kein Kulturkonservierer, sondern er hat aktuelle Medien genutzt. Aktuelle Gassenhauer hat er zu Kirchenliedern umgedichtet, zeitgenössische Malerei der Cranachs hat sein Gesicht bekannt gemacht, gedruckte Traktate und Bücher haben seine Ideen über ganz Europa verbreitet.
Warum hat man so oft das Gefühl, dass Kirchen im 21. Jahrhundert die digitale Medienreformation bewusst verschlafen oder sogar als Bewahrer des althergebrachten Stils (vgl. die Kontroversen um freies WLAN in Kirchen oder die oft sparsame SocialMedia-Kommunikation von Kirchengemeinden) auftreten?

Am Wochenende war ich mal wieder als Freiberufler unterwegs. Diesmal in Schaafheim bei Frankfurt. Eine Evangelische Kirchengemeinde hat mich eingeladen eine interaktive Installation zum Thema Medienreformation aufzubauen und einen Jugendgottesdienst zu gestalten. Also haben wir gemeinsam überlegt, was für die Zielgruppe passt, vor Ort möglich ist und mit ehrenamtlichen Mitarbeitern vor Ort umzusetzen ist. Am Ende stand ein Parcours mit sechs Stationen, den die Besucher in eigener Geschwindigkeit begehen konnten:

1. Musik
Wo Luther den Wert des Gemeindegesangs erkannt hat und  Liederbücher erfunden wurden, bekommen heute christliche Künstler wie die Outbreakband Millionenklicks für ihre moderne Lobpreis-Musik auf YouTube. Geistliche Musik kann Menschen ganzheitlich erreichen, aber es gibt auch Unterschiede zwischen damals und heute.

2. Mediale Informationen
Luthers Thesen wurden durch Flugblätter schnell weit verbreitet und brachten ihm große Bekanntheit. Heute werden kurze Text-Bild-Kombinationen (Memes) ebenfalls oft viral verbreitet und erreichen viele Menschen. Allerdings mit sehr knappem Inhalt. Was macht das mit Argumenten und dem Miteinander im Internet?

3. Bibel lesen
Im Zuge der Reformation wurde der noch junge Buchdruck genutzt, um die Bibel in deutscher Sprache zu verbreiten, damit auch Laien sie lesen und verstehen können. Heute ermöglichen Apps und Onlinebibeln jedem Menschen in seiner Muttersprache die Bibel zu lesen, zu studieren, Versionen zu vergleichen und so Gott besser kennen zu lernen. Lesen dann Konfirmanden während der Predigt wirklich den Bibeltext statt zu chatten?

4. Luther-Wissen vermitteln
Martin Luther hat durch sein Leben polarisiert und Menschen haben ihre Erlebnisse mit ihm weitererzählt. So wurde er für viele zum Vorbild, für andere zum Stolperstein. Heute gibt es neben Texten, Bildern und Filmen auch Computerspiele durch die Menschen sein Leben spielerisch kennen lernen können.

5. Wissensdatenbank
Fachwissen war lange Zeit in (Kloster)Bibliotheken verschlossen und wenigen Weisen vorbehalten. Durch die Reformation wurde ein freiheitlicher Wissensmarkt geschaffen, der in heutigen Online-Wissensdatenbanken und Ressourcen gipfelt. Wie können wir das relevante Wissen herausfiltern und wie kann geistliches Wachstum durch Onlinemedien gestärkt werden?

6. Gebet
Luther stand im täglichen Austausch mit Gott und hat auch für Bittsteller zu Gott gerufen. Der persönliche Austausch und das gemeinsame Gebet findet immer zwischen Mensch und Gott statt, kann jedoch sehr gut durch Onlinemedien vermittelt werden, die Gebetsanliegen bündeln und personelles Feedback ermöglichen. Wie gehen wir mit Datenschutz und seelsorgerlichen Aufgaben in laienbasierten Netzwerken um?

Nach einer geführten Einführung in die sechs Stationen für die Teamer folgte eine zweistündige FreeFlow-Phase in der Besucher flexibel zu den sechs Stationen gehen konnten. Im Gottesdienst haben wir uns angeschaut, welche Auswirkungen durch das internationale Netzwerk des Lutherischen Weltbundes geschaffen wurden und wie wir aufgrund des Geschenkes der freien Gnade im Alltag befreit handeln können.

Der Abend mündete in eine Reformations-Cocktailbar, wo die Besucher bei „Luthers Kräutermix, Käthes Schokogeheimnis und ähnlichen alkoholfreien Cocktails über die Themen ins Gespräch kommen und gemeinsam das erlebte reflektieren konnten.

Auch wenn der #reformationssommer sich dem Ende neigt, bleiben die Themen der Reformation aktuell. Wir alle können heute Reformatoren sein, Schieflagen in Kirche und Gesellschaft aufdecken und ganz praktisch Dinge verändern. So ein Thementag in der Gemeinde oder einer Einrichtung kann ein Teil davon sein.

auf dem Weg zu wem?

Jetzt sind sie vorbei, die Kirchentage 2017…
Paralleles Programm in neun Städten am Himmelfahrts-Wochenende bot die Möglichkeit, mit möglichst vielen Leuten das Reformationsjubiläum zu feiern. Und es gab fantastische Inhalte, tolle Konzepte und sehr viele engagierte Menschen, die sich super eingebracht haben. Aber die Chance, mit den Teilen der (ostdeutschen) Bevölkerung zu feiern, die sonst eher wenig mit der Kirche zu tun haben, wurde weitestgehend verpasst. Das ist schade.

Es gab große Gottesdienste (z.B. in Wittenberg)
Es gab hochkarätige Kirchenmusik (z.B. die Augustinerkantorei Erfurt)
Es gab wichtige Themen (z.B. Schwerpunkt Medien in Magdeburg)
Und, ja, es gab auch in allen Orten Möglichkeiten, um ganz offen zusammenzukommen. Bunte Kaffeetafeln, Begegnungsabende, öffentliches Theater oder Marktplatzmusik.

Ich war selber bei einigen dieser Veranstaltungen unterwegs, um medial zu berichten und habe viele Menschen getroffen, die eine tolle Zeit hatten, neue Freunde gefunden haben und zumindest Kirche als gastfreundlich erlebt haben.
Aber ich habe auch Marktplatz-Bühnen erlebt, an denen Passanten ratlos vorbeigingen, weil sie nicht informiert wurden, wann hier was passieren wird. Das Programm war gut gehütetes Geheimwissen in Programmheften. Der „normale Bürger“ wurde weder zum Gottesdienst, noch zum Konzert öffentlich eingeladen noch wurde ihm überhaupt mitgeteilt, dass er eingeladen wäre, mitzufeiern.

So blieb manch gut gemeinte Veranstaltung relativ unbesucht, während nebenan im Park derweil ganze Studentenhorden und junge Familien entspannt auf der Wiese lagen und das Leben genossen.

Warum machen wir eigentlich immer so viel Programm und sind nicht viel mehr einfach da? Warum fragen wir nicht mal die Menschen um uns herum, was sie sich wünschen würden und schaffen Orte, wo man gemeinsam sein kann? Ich hätte mich gefreut, wenn lokale Studenten und „Kirchentagstouristen“ in einer gemeinsamen Grill&Chill-Lounge miteinander ins Gespräch kommen können oder wenn man Kirche zumindest in einer Art und Weise präsentiert, dass Menschen vor Ort wahrnehmen: Da bin ich willkommen, da werde ich gesehen, ernst genommen, das ist etwas, das mit meinem Leben etwas zu tun haben könnte.

So sollte Kirche sein, nicht nur die Kirchentage, sondern der Kirchenalltag. Mittendrin im Leben. Nah dran an den Menschen. Nicht nur an denen orientiert, die eh schon da sind, sondern an denen, die in unserem Stadtteil/Dorf/Gebiet zu Hause sind. Dann sind Medienzentren keine Fremdkörper neben der lokalen Medienuni, sondern Kooperationspartner. Dann werden Innenstadtbühnen gemeinsam mit lokalen Kulturgrößen gestaltet und beworben, damit das potentielle Publikum vor Ort sie auch findet. Und Kirche wird wieder zu einem Kommunikator der Gnade Gottes für Menschen in einer oft gnadenlosen Welt.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schwer das ist. Deshalb möchte ich garnicht so viel meckern, was „man“ anders hätte machen müssen… Ich freue ich mich an dem, was gut lief und mache mir Gedanken, wie in Zukunft noch mehr Menschen daran teilhaben können. Nicht erst beim #dekt19 in Dortmund, sondern vielleicht schon diesen Sommer! Macht ihr mit?

Der Herr ist auferstanden!

Karsamstag, Jesus ist beerdigt. Die Jünger verängstigt, zerstreut, versteckt. Alles scheint vorbei zu sein.

Ostermorgen, das Grab ist leer. Wurde der Leichnahm gestohlen und versteckt? Doch einige sagen, Ihnen wäre Jesus begegnet. Das hat sie verändert, ermutigt zum Guten.

Und dass wir heute, kanpp 2000 Jahre später immer noch davon sprechen und dieses Ereignis feiern, zeigt, wie zentral diese Begegnungen unser Weltgeschehen verändert haben. Was genau in dieser Osternacht geschah, können wir wohl nie wissenschaftlich erforschen. Aber der Glaube an den Auferstandenen gibt seither zahlreichen Menschen Kraft und befreit.

Nachdem ich bereits über das Kreuz und den Passionsfilm von Mel Gibson geschrieben habe, möchte ich heute von einem anderen Film erzählen, der für mich zu den Ostertagen gehört. Er fängt ungefähr da an, wo Mel Gibson aufhört und kommt dementsprechend mit deutlich weniger Gewalt aus. „Auferstanden“ ist ein amerikanischer Spielfilm aus dem Jahr 2016, der aus Sicht eines römischen Soldaten (Clavius, gespielt von Joseph Fiennes, den einige schon als Martin Luther kennen) die unglaubliche Geschichte erzählt, wie ein jüdischer Aufrührer hingerichtet wird, die Oberen extra eine Grabbewachung ordern und dennoch nach zwei Nächten das Grab leer ist. Jetzt beginnen die Ermittlungen und bringen viele Fragen mit sich.

Spannend, weil der Film sich relativ nah an den biblischen Quellen orientiert, aber dennoch eine Geschichte erzählt, die darüber hinaus geht und filmisch gut inszeniert ist. Anfangs will Clavius nur irgendeine Leiche finden, um seine eigene Haut zu retten. Am Ende geht es ihm darum, die Wahrheit herauszufinden und zu begreifen, was das für ihn bedeutet, falls ein Mensch, den er sterben sah, tatsächlich wieder leben sollte.

Die Frage sollten wir uns auch immer wieder stellen: Was hat Jesu Tod und seine Auferstehung mit uns heute zu tun. Was bringt es uns, daran zu glauben? Was verändert es, wenn er tatsächlich lebt? Und welche Perspektive hat unser Leben, wenn Jesus uns persönlich begegnen kann? Mit oder ohne Film wichtige Fragen.

Frohe Ostern euch allen.

Der Herr ist auferstanden!

 

Die Sache mit dem Kreuz…

Gestern war Karfreitag, ein stiller Feiertag an dem wir dem Tode Jesu Christi gedenken. Ein trauriges Ereignis. Entsprechend habe ich den Tag ruhig gestaltet, habe einen Kreuzweg in einer Baptistenkirche um die Ecke besucht, wo man in knapp einer Stunde 7 Stationen des Leidens Jesu meditierend nacherleben kann. Später war ich in einem Karfreitags-Gottesdienst und habe abends noch einen Passionsfilm geschaut und den Abend in eigener Meditation ausklingen lassen.

Ich finde, der Karfreitag eignet sich besonders, um aus der Normalität auszubrechen und sinnlich zu erleben, was wir in jedem Gottesdienst besingen. Der Schöpfergott stirbt am Kreuz, damit wir leben können. Ein Kreuzweg kann das bieten, weil man sich „auf den Weg“ macht  und etwas nacherlebt. Auch wenn medial erlebter Schmerz und Demütigung immer nur Anleihen sein können. Deshalb mute ich mir auch Mel Gibsons Passion Christi als Film zu. Ein harter Film voller Blut, Hass und Gewalt. Aber auch voller Liebe und Hingabe. Er erzählt die Passions-Geschichte ab Jesu Gebet in Getsemaneh bis zur Sterbestunde. Knappe 20 Stunden erzählte Zeit auf 2 Stunden grausam-martialischen Film reduziert; gespickt mit Rückblenden auf die ganz andere Lehre Jesu vorher: Die Bergpredigt, die Fußwaschung, die Ehebrecherin, das letzte Abendmahl – Jesus lehrt Liebe, Vergebung, Güte und gelebte Demut. Er ist Menschen zugwandt und tut niemandem etwas zu leide. Dennoch erzürnt er die religiöse Oberschicht gegen sich, weil er nicht nach ihren Regeln spielt und stattdessen Menschen in einen echten Kontakt zu Gott bringen möchte, der Gerechtigkeit und Barmherzigkeit hervorruft.

Der Film ist hart, aber vermutlich sehr nah an dem, was Jesus an dem Tag durchgemacht hat. Ich verstehe, dass nicht jeder einen so grausamen Film sehen mag. Gerade für Kinder ist er nicht geeignet und auch Erwachsene dürfen an einigen Stellen die Augen schließen ohne sich schämen zu müssen. Ich mag an dem Film gerade, dass er so eine Abscheu auslöst. Man merkt, dass da etwas nicht stimmt, dass es zu viel, zu krass, zu grausam ist. Weil Jesus sehr wahrscheinlich genau das gefühlt hat. Stop, genug, reicht jetzt. Die Kreuzigung war kein Spaziergang, sondern tatsächlich die grausamste Art der Römer, Menschen hinzurichten. Das hat Mel Gibson sehr gut erkannt und umgesetzt.

2004, als der Film neu im Kino lief, gab es Kontroversen, ob die Juden zu schlecht wegkommen und darüber hinaus zu der Frage, wer eigentlich Jesus ans Kreuz gebracht hat.
In einer Karfreitagspredigt hab ich damals gesagt: Die Juden haben Jesus angeklagt und seinen Tod gefordert, die Römer haben den Befehl zur Hinrichtung gegeben. Jesus hat die ganze Zeit geschwiegen (je nach Evangelium hat er einzelne Worte oder Sätze gesagt, aber keine ernsthafte Verteidigung). Er hätte es in der Hand gehabt, Pilatus zu überzeugen und freigesprochen zu werden, das hat er nicht genutzt und damit letztlich seinen Tod selber zu verantworten. Jesus hat sich selber ans Kreuz gebracht!? Warum hat er das gemacht? Weil er als inkarnierter Gott die Trennung zwischen Menschen und Gott aufheben und Gemeinschaft wieder möglich machen wollte. Weil er die Sünde sühnen und Schuld vergeben wollte. Weil er wusste, dass wir Menschen es nicht aus eigener Kraft schaffen, mit Gott in Gemeinschaft zu leben. Das sieht man im Film, wo weder die Juden, noch die Römer, aber auch nicht die Jünger besonders gut wegkommen. Und auch heute sind wir Menschen immer noch weit weg davon, Gottes Maßstäbe von Liebe & Vergebung selber zu leben.

Wir singen Lieder wie „Ich seh das Kreuz, und nichts anderes muss ich sehen. Ich seh das Kreuz, komm und glaube ruft es mich.“ als locker flockige Lobpreissongs in fröhlicher Auferstehungshaltung und haben doch so wenig verstanden, was das Kreuz bedeutet. Jesus ist eben nicht lebendig vom Kreuz heruntergekommen, um seine Macht zu demonstrieren, er hat auch nicht seine Gefangennahme und Geißelung abgebrochen, sondern er hat das Leid ausgehalten. Wir sollten nicht vor dem Kreuz weglaufen, weil wir ja schon wissen, dass Ostern folgen wird. Natürlich leben wir über 300 Tage im Jahr aus der Osterfreude heraus, aber dafür müssen wir auch die andere Seite ernst nehmen, ruhig werden und mit Jesus durch das Leid gehen. Bei der Taufe werden wir in sein Leid, in seinen Tod hinein getauft, um gemeinsam mit ihm auferstehen zu können. (Passenderweise war die Grabesstation beim Kreuzweg im baptistischen Taufbecken gestaltet, sodass man tatsächlich durch Jesu Grab hindurchgehen konnte.) Und so bleibt der Abend des Karfreitags und der Samstag für mich eine ruhige Zeit, in der ich garnicht tanzen und feiern möchte. An dem auch keine fröhlichen Lieder oder ausgelassenen Feste passen. Die Gemeinschaft und die Freude passen am Sonntag wieder. Dann umso mehr. Darauf freue ich mich.

Da passt dann auch die fröhliche Coda des erwähnten Liedes wieder: „Wir werden auferstehen und ewig leben, weil du für uns starbst. Wir werden auferstehen und ewig leben, weil du in uns lebst. Ich seh das Kreuz!“ Ja, die Auferstehungsfreude wird kommen, aber jetzt möchte ich trauernd stehendbleiben und dem Kreuz nicht ausweichen, es in Ehrfurcht wirken lassen, ein Stück tiefer verstehen, was da geschehen ist.

Passend dazu: „Der Herr ist auferstanden!

#DigitaleKirche bei Dynamissio

Gerade versammeln sich über 2300 Menschen in Berlin, um über zukunftsträchtige Inhalte und Formen kirchlicher Arbeit nachzudenken. Im Plenum geht es um die großen Stränge Evangelium – Gemeinde – Welt – Sendung. Ein Forum bindet letztlich alle diese Bereiche zusammen und befasst sich mit dem Thema „Digitale Kirche in der Digitalen Gesellschaft?! Wie kann gelebter Glaube im Internetzeitalter aussehen?“ (FPK10)

Aus technischen Gründen war der Livestream leider nur ruckelnd zu sehen, daher verlinken wir sobald möglich eine Aufnahme hier!
YouTube-LivestreamSocialMedia-Wall

Vielen Dank an die Organisatoren von #dynamissio, dass sie dem Thema Raum geben, an die Referenten @rolfkrueger, @dilinea, @Gofimueller und @roofjoke, dass sie sich Zeit nehmen und an alle, die mit uns weiterdenken wollen.
Ohne es exakt geplant zu haben, existieren seit heute eine Facebookseite, Gruppe, Twitterkanal und eine Domain. Wir haben einiges unter dem Hashtag gepostet. Ohne unnötige Parallelstrukturen zu bestehenden Netzwerken aufbauen zu wollen, frage ich mich jetzt, wohin das führen kann. Mal schaun, erstmal nehme ich wahr, dass da etwas ist. Vielleicht wird was draus, vielleicht löschen wir die Seiten auch wieder. Hast du dazu eine Meinung, dann sag sie uns! #DigitaleKirche

Automatisierter Videoschnitt mit ffMPEG

Manchmal will man Videos schnell und ohne großen Aufwand im Coporate Design einer Organisation oder eines Events online stellen. Gerade bei längeren Veranstaltungs-Dokus dauert es unglaublich lang, den Gesamtclip in einer großen Software zu importieren, Vorspann und Abspann hinzuzufügen und die Gesamtdatei wieder zu exportieren. Klar, wenn man komplexe Schnitte, Farbkorrektur oder Effekte einbauen will, dann nutzt man auch weiterhin Premiere, FinalCut, Lightworks oder ähnliche Tools. Aber wenns mal schnell gehen soll oder zahlreiche Clips mit gleichem Rahmen versehen werden sollen, hier ein paar Tipps, wie man auf die Schnelle mit der kostenlosen komandozeilenorientierten Software ffMPEG (Freeware) zum Ziel kommt. Ein weiterer Vorteil: ffMPEG muss nicht installiert werden, läuft also als portable App aus dem Nutzerverzeichnis oder vom USB-Stick aus! So bleibt man flexibel, wenn man keine Admin-Rechte für einen Rechner hat.

  1. Vorspann & Abspann als Videoschnipsel vorbereiten
  2. Videos aufnehmen und  auf Rechner kopieren
  3. Wartezeiten am Anfang und Ende abschneiden (trim)
  4. Vorspann+Inhalt+Abspann kombinieren (merge)
  5. Hochladen und in YouTube-Playlist einbauen
  6. ggf. Untertitel hinzufügen
  7. Alternative: direkt bei YouTube schneiden!

1. Vorspann & Abspann vorbereiten

Der Vorspann sollte den Namen der Veranstaltung, das Thema, die Fragestellung oder den Anlass nennen und motivieren, warum man sich diesen Clip anschauen sollte.
Im Abspann sollten Credits erscheinen (Wer hat das Video produziert, Bildrechte, Musikrechte, …) und eine Website für weitere Informationen eingeblendet werden.
Vorspann und Abspann können mit einer einheitlicher Musik untermalt werden (Rechte beachten!), um so einen einheitlichen Rahmen zu gestalten. Die Länge sollte je nicht über 10s liegen…
Beispielclip: Glaube und Heimat bei der EKM-Synode (wobei hier konventionell betitelt und überblendet wurde, Software: Adobe Premiere Elements)

2. Videos aufnehmen und  auf Rechner kopieren

Eine einfache Videoaufnahme kann man mit einer digitalen Spiegelreflexkamera (meist auf 16min beschränkt), einem Camcorder, einer Webcam  oder mit dem Handy erstellen. Viele Geräte nutzen SD-Speicherkarten, die man einfach im Laptop einstecken und Daten auf Festplatte kopieren kann. Einige Kameras können auch automatisch per WLAN Daten an einen Computer schicken. Empfehlenswert ist es, bei mehreren genutzten Geräten die gleichen Einstellungen zu nutzen (z.B. 1080p mp4 25fps) und Vorspann/Nachspann entsprechend zu produzieren.
Beispielclip: LWF Young Reformers Videobox (Kamera: Sony DSC-RX10, Schnitt: ffmpeg)

3. Wartezeiten am Anfang und Ende abschneiden (trim)

Wenn man bei einem Konzert/Gottesdienst/Vortrag den ersten Satz nicht verpassen will, sollte man frühzeitig auf Aufnahme klicken, hat dann im Rohmaterial ggf einige Minuten Vorlauf. Auch bei Interviews entstehen oft zumindest 2-3s Vorlauf, die man meist kürzen will. Um die Videos am Anfang und am Ende zu trimmen, ohne den gesamten Stream neu zu rendern, beitet sich folgendes Script an, bei dem man einfach nur den Counterstand von Anfang und Ende (oder Anfang + Länge) angeben muss, um in wenigen Sekunden eine gekürzte Datei zu bekommen.
Script: Video trimmen (Anfang und Ende kürzen)

4. Vorspann+Inhalt+Abspann kombinieren (merge)

Wenn die drei Dateien vorbereitet sind, ist das eigentliche Kombinieren mit einem weiteren einfachen Script möglich. Um nach dem mergen nicht zu vergessen, worum es im Video geht, empfiehlt es sich, den Dateinamen hinterher entsprechend zu bearbeiten (weil daraus später der YouTube Videoname wird).
Script: Video schneiden (mehrere Clips als batch-job)

5. Hochladen und in YouTube-Playlist einbauen,

Um Videos online zu teilen, bietet sich YouTube als kostenloser Content-Hoster an. Man sollte sich bewusst sein,d ass man dem Konzern dabei bestimmte Nutzungsrechte überträgt, aber wenn man ohnehin eine Öffentliche Nutzung der Vieos anstrebt, spricht da nicht gegen. Natürlich muss man selber alle Rechte am Clip haben, um sie weitergeben zu können…
Um von einer Veranstaltung zu berichten, von der es mehrere Clips geben wird (Teaser, Trailer, Eröffnungsrede, Musikbeiträge, Vorträge, O-Ton-Schnipsel, Interviews, Impressionen, …), kann man bereits im Vorfeld eine YouTube-Playlist anlegen und so konfigurieren,d ass neue Clips immer als erstes angezeigt werden. Diese Playlist kann man dann in einer Website einbauen (embed) und hat so immer das aktuellste Video auf der Website sichtbar. Alternativ kann man auch eine chronologische Reihenfolge wählen, um hinterher ein nacherleben der Dramaturgie zu ermöglichen. Beispiel: Playlist Barcamp Erfurt 2016

6. ggf. Untertitel hinzufügen

Wenn Menschen auch im Büro oder in lauten Umgebungen, wo kein Ton wahrnehmbar ist, die Videos genießen sollen, ist es ratsam, sie mit Untertiteln zu versehen. Diese könnend irekt in YouTube erstellt werden, sodass der zuschauer wählen kann, ob er sie anzeigen oder verbergen möchte. Auch fremdsprachige Übersetzugnen per Untertitel sind möglich. Tatsächlich kann diese Funktion dabei helfen, ein größeres Publikum zu erreichen.
Beispiel: Video zum setzen von Untertiteln
Beispiel: Automatische Untertitel

7. Alternative: direkt bei YouTube schneiden!

Wem das Bedienen der Scripte zu umständlich ist, kann auch direkt bei YouTube schneiden. Dazu müssen die drei Rohmaterialien (Vorspann, Inhalt, Abspann) als „privat“ zu YouTube hochgeladen werden. Im YouTube Video Editor kann man nun per Maus trimmen und mergen und sogar rudimentäre Effekte hinzufügen. Außerdem hat man dort Zugriff auf eine große Auswahl von freier Musik. Wer also eine schnelle Internetverbindung hat und nicht zu viele Clips bearbeiten muss, kann auch direkt online schneiden.
Beispiel: Meditation (auf YouTube in einem Hotelzimmer geschnitten)

Das war natürlich nur eine kleine Einführung. Das Tool ist enorm mächtig und kann noch so einiges mehr. Ich kenne auch nicht alles und habe nur die Windows-Version getestet.

Online-Dokumentation gibts z.B. hier (official) oder hier (Beispiele) oder hier (Erklärung der wichtigsten Parameter)

Viel Spaß beim ausprobieren!  🙂

On the Internet nobody knows, you’re a god!?

Wie verhalten sich Menschen online? Stärkt die intensive Hand-Auge-Koordination das Denken und Verstehen komplexer Zusammenhänge oder vertrödeln wir vor stumpfen Klick-Spielen unsere Zeit, weil wir in Selbstzweifel getrieben werden und nach Bestätigung hungern? Ursprünglich erschienen im Herbst 2016 in einem Beitrag für den theologischen Sammelband „Vielfältige Vernetzung“ zum Thema der KMU V und der daraus resultierenden Folgen. Hier ein zweiter Ausschnitt daraus fürs Web leicht umformuliert (dennoch etwas länger)…


Im Original heißt der Satz „On the Internet, nobody knows you’re a dog” (Im Internet weiß niemand, dass du eigentlich ein Hund bist.) und stammt aus einem Cartoon von Peter Steiner.In der frühen Phase des Internets sollte er ausdrücken, dass man seine Identität online bewusst verfälschend darstellen kann. Mittlerweile ist diese Sichtweise relativiert worden. Die meisten Menschen haben erkannt, dass auch in der Kohlenstoffwelt Kleider Leute machen und dass man sich sehr wohl dem Anlass entsprechend sehr einseitig präsentiert oder sogar falsche Fakten vorspielen kann. In sozialen Netzwerken des Internets besteht ebenso die von vielen Leuten genutzte Möglichkeit, sich selbst ein wenig aufzupolieren oder nur bestimmte Fakten zu nennen und traurige bzw. langweilige Bereiche auszublenden. Wenn man hingegen online mit den Schattenseiten des eigenen Daseins konfrontiert wird, bricht das Kartenhaus leicht zusammen, man geht im Shitstorm unter oder verliert das Selbstwertgefühl, das nötig ist, um sich selber dauerhaft als Marke online zu präsentieren. Allerdings scheinen gerade junge Menschen auf Instagram und Snapchat immer stärker einer Sucht nach Perfektion und Selbstoptimierung zu verfallen und durch die schöpferischen Möglichkeiten der virtuellen Welten wie SecondLife, The Sims oder Minecraft gewisse Allmachtsphantasien zu entwickeln.

DOG:MA I AM:GODDOGMA – I AM GOD. Spielerischer Spiegeleffekt, gefunden bei der Internetkonferenz re:publica 2016 in Berlin.

Das Dogma dieser Generation ist: „Ich bin Gott!“ Alles ist mir möglich, alles sollte erlaubt sein, und wer eine Nutzung einschränkt vergeht sich an meiner künstlerischen Freiheit.

Jeder will für sich herrschen und schöpfen. Das eigene Profil, der eigene YouTube-Kanal und die eigene Minecraft-Map zeigen, was ICH alles kann. Auf der anderen Seite gibt es zahlreiche kooperative Onlinespiele, bei denen man eben nicht als Einzelspieler, sondern in Gruppen (Clan, Gilde, Team, …) zum Erfolg kommt. Ebenso funktionieren viele Arbeitsprozesse der Arbeit4.0 nur partizipativ. Man ist Teil eines Kollektivs, bringt einen Teil ein und sieht das Gesamtwerk wachsen. Und im schlimmsten Falle wird man sogar Opfer des Systems, wenn man nicht richtig funktioniert, nicht die richtige Leistung bringt oder krankheitsbedingt ausfällt und ohne jegliche Emotion durch eine andere Arbeitskraft ersetzt wird.

Das digitale Ich ist also im Netz zunächst virtuell präsent: als autarker Schöpfer, als wichtiger Teamplayer, als austauschbares Rad im Getriebe. Im Internet fängt man als kleines Rad an. Niemand weiß, dass man eigentlich das Potential eines Schöpfers hat, man muss sich beweisen. Durch Eigenleistung kann man sich einen Status erarbeiten, durch Partnerschaften und Allianzen kann man an Bedeutung gewinnen und durch hohes Engagement im richtigen Team letztlich – wenn alles gut geht – die kreative Leistung erbringen, zu der man im Stande ist.

Das christliche Menschenbild baut darauf auf, dass der Mensch als Abbild Gottes tatsächlich mit schöpferischer Kraft ausgestattet ist (Vgl. Genesis 2). Er ist nur wenig geringer als die Wesen in Gottes Realität (Vgl. Psalm 8,6) geschaffen. Wir sind seine geliebten Kinder, durch die er in der Welt wirken will, die ihn nicht kennt. (Vgl. 1.Joh. 3,1) Abseits von egozentrischen Gottphantasien kann also ein christlicher Ansatz den Menschen befähigen, digitale Vernetzung zu nutzen, um sein Potential anzuwenden, und die Welt – online wie offline – zu einem göttlicheren Ort zu machen. Menschen können ein wenig Gott an die Stellen bringen, die sonst von selbstsüchtigem Machtstreben geprägt sind, indem sie die Liebe leben, von denen das Evangelium redet. Menschen können als Vernetzte aktive Nächstenliebe statt Selfisucht leben, flauschen statt shitstormen, andere unterstützen statt sich abzugrenzen, und verstehen statt zu lästern. Das ist nicht immer einfach, oft bedeutet es harte Arbeit. Aber die Kirche wird dann als geistliche Gemeinschaft ernst genommen, wenn ihre Mitglieder von der Masse unterscheidbar leben. Wenn Christenmenschen gegen den Trend soziale Netzwerke wirklich „sozial“ (= dem Gemeinwohl dienend) nutzen, ermöglicht das gleichzeitig ein Wachsen über den Tellerrand hinaus. Und letztlich offenbart jedes Onlineprofil viel vom tatsächlichen Charakter. Wie man sich online gebärdet zeigt, wer sich hinter der physischen Fassade verbirgt. Und wie eine Kirche sich in digitalen Welten einbringt, zeigt wie stark sie von Gottes Botschaft durchdrungen ist.

Im Internet weiß niemand, dass ich ein Gott bin. Im Internet haben Kirchen auch keinen moralischen Vorsprung. Eher werden sie als moralisierende, altmodische Machtinstitutionen gesehen und anhand ihrer aktuellen Skandale – Missbrauch, Protzerei, Spaltungen und Lieblosigkeit – bewertet. Wie wäre es, wenn immer mehr Menschen, Werke und Vertreter der Institutionen ein positives Gegenbild vermitteln würden? Ein Vernetzen im Namen der Liebe, der Gerechtigkeit und der Menschlichkeit? Dann würde man nicht nur mit Menschen aus der eigenen Konfession Allianzen bilden, nicht nur binnenkirchliche Vernetzung hochhalten, sondern mit allen Menschen guten Willens gemeinsam daran arbeiten, die Onlinewelt zu einem Ort zu machen, an dem Gottes Liebe spürbar ist. Und die Menschen vor den Bildschirmen könnten online erfahren, wie Gottes Liebe aussehen kann und das in ihren physischen Netzwerken weitergeben. So könnte digitale Vernetzung kirchliche Gemeinschaft in allen Dimensionen stärken.

Drei Dimensionen menschlicher Kommunikation

Wirkt Gott in SocialMedia? Kann man online geisltiche Erfahrungen machen? Weil ich bei Vorträgen oft Fragen zu dem Thema bekomme, habe ich mal ein paar Dinge zusammengeschrieben. Ursprünglich erschienen im Herbst 2016 in einem Beitrag für den theologischen Sammelband „Vielfältige Vernetzung“ zum Thema der KMU V und der daraus resultierenden Folgen für kirchliche Vernetzung. Hier jetzt ein Ausschnitt daraus fürs Web leicht umformuliert (dennoch etwas länger)…


Kommunikation in der virtuellen Realität folgt ähnlichen Gesetzen wie in der physischen Realität [1]. Ebenso kann Kommunikation in der geistlichen Realität – also die authentische Kommunikation des Individuums mit der Gottheit – als dritter Kanal betrachtet werden. Jeder Kanal hat spezifische Nutzwirkungen und am Ende bleibt die inhaltliche Frage, auf welche Form der Kommunikation man sich in welchem Szenario einlassen will.

Wenn es nun im zwischenmenschlichen Bereich diese drei Realitätsebenen gibt (physisch, virtuell, geistlich), die alle drei in dem Sinne real sind, dass sie unsere Wirklichkeit beeinflussen, wird deutlich, dass wir in der Kommunikation mit anderen Menschen interaktive Erfahrungen auf allen drei Ebenen machen können. Ähnlich wie die vier Seiten Seiten einer Nachricht nach Schulz von Thun (Sach, emotional, Apell, Selbstoffenbarung) können wir auch auf diesen drei Kanälen parallel kommunizieren.

Als Erweiterung der zwischenmenschlichen Kommunikation treten viele Menschen auch mit einer nicht fassbaren Gestalt in Kontakt, die sie Gott nennen. Gott hat nach christlicher Überlieferung in der Schöpfung sehr konkret in unsere Realität eingegriffen und ist – als Schöpfergott der neuen Kreatur – immer noch dazu in der Lage, unsere physische Realität zu verändern. Ebenso bezeugen viele biblische Ereignisse und menschliche Lebensberichte, dass Gott sie geistlich angesprochen hat bzw. dass sie sich durch geistliche Kommunikation mit ihm verbunden haben. [2]

Beispiel: Wir können ein Gebet in einer Kirche live ins Internet streamen und so gleichzeitig geistlich mit Gott im Gespräch sein, diese Kommunikation physisch in einer Kirche verorten und in den virtuellen Raum einspeisen. Auf allen drei Ebenen kann das Gebet wahrgenommen werden (von Gott, von den Menschen um uns herum, von den Internetzuschauern) und kann es Reaktionen darauf geben. Die erwartete Reaktion auf ein Gebet ist zum Beispiel auf der geistlichen Ebene, dass Gott die Bitte erhören möge oder meinen Blick für seine Perspektive öffnen möge. Unabhängig davon, ob und wie diese Reaktion eintritt und/oder mir bewusst wird, kann mein Gebet Menschen vor Ort bewegen und ihr Herz verändern. Gleichzeitig können sie mein Gebet mit ihrem „Amen“ bekräftigen, durch ihr Verhalten oder weitere Gespräche mit mir interagieren, mich bestärken oder durch gelangweiltes Gähnen dazu bewegen, schneller zum Schluss zu kommen. Ebenso real können allerdings auch Menschen angesprochen sein, die sich nicht im gleichen Raum aufhalten und nur auf der virtuellen Ebene erreicht werden. Für sie kann das Gebet ebenso real sein, sie können eigene geistliche Erfahrungen machen und auch sie können – bei vorhandenem Rückkanal – ein Feedback senden. Bei zeitversetzter Onlineausstrahlung kann eine Reaktion so auch später stattfinden.

Analog zu dieser vertikalen Gott-Mensch-Kommunikation kann man die Kommunikation von Menschen mit Maschinen beschreiben. Der Mensch als Schöpfer eines Computerprogrammes gibt dem Programm grundsätzliche Regeln, lässt es im vorgegebenen Rahmen mit konkreten Eingaben eigenständig ablaufen und ist für Änderungsabläufe, Wartung und Neuorientierung weiterhin auf Empfang. Gerade mit Blick auf künstliche Intelligenz lassen Programmierer ihren Schöpfungen aber immer mehr Freiheit und reagieren auf Kontaktaufnahmen der Maschine, sodass die Mensch-Maschine-Kommunikation eine ähnlich gelagerte interaktive vertikale Kommunikationsstruktur aufweist. Die Programmierung intelligenter Geräte wird dabei immer öfter nicht nur durch virtuelle Programmierbefehle, sondern auch durch Gesten und physische Verhaltensweisen gesteuert. Im Gesamtbild der Mensch-Maschine-Kommunikation ist insbesondere der SocialMedia-Bereich interessant, in dem mehrere Menschen in einer Community vernetzt und so Mensch-Computer-Mensch-Kommunikation ermöglicht wird. Hier bestimmt ein Algorithmus, welche Informationen einem Nutzer angezeigt werden. Der Sender einer Information bleibt also Herr über die Maschine, die aber in eigener Entscheidung mit diesen Eingaben umgeht und somit beeinflusst, wie die Kommunikation von anderen Menschen wahrgenommen wird. Wir erleben also eine Situation des machtlosen Schöpfers, der sich entschieden hat, seiner Schöpfung bestimmte Freiheiten zuzugestehen und nun nicht mehr in alle Teilbereiche eingreifen kann, dennoch aber das geschaffene Gesamtsystem weiterhin aktiv nutzen kann. [3]

Beispiel: Ein Mann lernt online eine Frau kennen. Sie tauschen einige Textnachrichten aus, finden sich interessant, sehen sich auf Fotos, diskutieren über Themen, die sie interessieren und verabreden sich schließlich auf einen Kaffee. Für den Mann hat diese Kommunikation im Kopf begonnen. Er hat ein Ziel verfolgt, sich auf einen Prozess eingelassen und ist einen virtuellen Weg gegangen. Gleichzeitig hat aber vermutlich dieser Weg auch körperliche Reaktionen bei ihm ausgelöst. Erhöhter Herzschlag, verstärkte Aufmerksamkeit, starke Zeitinvestition und einhergehende Vernachlässigung der Alltagsaufgaben. Vielleicht schläft er nicht mehr gut, vielleicht versäumt er wichtige Offline-Termine, vielleicht wirkt er auch besonders aufgeschlossen und lebendig auf seine Mitmenschen. Er hat bisher lediglich eine virtuelle Kommunikation getätigt, ist jedoch physisch davon sehr beeinflusst und hat vermutlich bei der Frau ähnliche physische Reaktionen hervorgerufen. Ebenso haben die beiden durch die Anhäufung von massenweise Metadaten auch die Verfassung des SocialMedia-Netzwerks in dem sie sich austauschen verändert.[4] BigData soll nicht als mitfühlendes Wesen dargestellt werden, ist jedoch in seiner Existenz ein sich veränderndes Gebilde, das durch den Input und daraus resultierende Interpretationen Schlüsse zieht, die wiederum die beiden Nutzer in ihrer physischen und virtuellen Realität entscheidend prägen.

Die meisten Theisten sind sich darin einig, dass Gott mit uns auf der geistlichen Ebene interagieren kann. Ob und wie genau menschliches Gebet einen Einfluss auf den Willen Gottes hat, sei dahingestellt. Aber da Gott außerhalb unserer Raumzeit existiert, ist diese Realitätsebene dafür prädestiniert, mit Gott zu kommunizieren. Ebenso kann man auch verständlich herleiten, dass der Schöpfer von Himmel und Erde einen Einfluss auf unsere physische Realität hat – zumindest einseitig. Betrachtet man den Missionsbefehl und Jesu Worte über das Weltgericht, scheint es auch eine Schnittstelle zu geben, wie unser physisches Handeln einen Einfluss auf Gottes Realität hat. Gott und Mensch stehen also zumindest auf geistlicher und physischer Ebene in bidirektionaler Kommunikation.

Ebenso verhält es sich mit der Kommunikation zwischen Mensch und „dem Internet“ oder SocialMedia.[5] Der primäre Kanal für diese Kommunikation ist der virtuelle, weil wir über Eingabegeräte etwas nicht physisch Geschaffenes in das System einspeisen, das keine Entsprechung in der Kohlenstoffwelt hat und auch beim Betrachter nur als virtuelle Information auf dem Monitor oder ähnlichen Ausgabegeräten erscheint. Gleichzeitig betonen Suchthilfestellen immer wieder, dass eine zu starke Nutzung von Internetdiensten durchaus auch physische Folgen haben kann: Schlafentzug, Hunger, Durst, fehlende Hygiene oder Vernachlässigung beruflicher Pflichten führen dazu, dass das physische Leben durch virtuelle Kommunikation geschädigt wird. Andersherum gibt es immer wieder Menschen, die durch geschickte Investitionen in virtuelle Welten oder als ProGamer viel Geld verdienen oder mit Dienstleistungen im virtuellen Bereich ihr physisches Leben verbessern können. Es liegt also auf der Hand, dass die Kommunikation zwischen Mensch und SocialMedia zumindest virtuell und physisch in beide Richtungen abläuft.

Bei Vorträgen erlebe ich oft, dass Zuhörer bis dahin mitgehen können, aber an der Stelle einhaken und meinen, das würde doch genügen. Dass Gott auch virtuell erfahrbar ist oder dass man über die geistliche Ebene auf die SocialMedia-Sphäre zugreifen kann, scheint ihnen zu fremd zu sein. Daher möchte ich diese beiden Punkte nun separat betrachten. Dabei ist mir wichtig zu sagen, dass ich nicht alte Modelle ablösen möchte und auch nicht Menschen dazu drängen möchte, alle möglichen Kanäle auch zu nutzen, sondern dass es hier lediglich darum geht, prinzipielle Möglichkeiten aufzuzeigen.
Zuerst die Frage, ob ein Mensch mit Gott auf virtuellen Wegen kommunizieren kann. Dazu ist es hilfreich, den Begriff der Virtualität genauer zu untersuchen. Von lat. virtus kommend bezeichnet etwas Virtuelles ein durch „Manneskraft“ oder gegendert „menschliche Kreativität“ gewirktes Etwas. Dabei ist weder ein technisches Grundsystem noch eine Abwertung gegenüber der Materie vorgegeben. Virtuell ist jeder Gedanke, den ein Mensch denkt, jeder Wunsch, Traum, jedes Objekt der Vorstellungskraft. In erster Stufe gibt es dabei Virtuelles in uns (Gedanken), in zweiter Stufe geteilte Virtualität (ein gemaltes Bild oder eine aufgeschriebene Geschichte) und in dritter Stufe vernetzte Virtualität (geteilte Fiktion, die wir gemeinsam weiterentwickeln).[6] Wenn wir nun jeden künstlerischen Gedanken und jede Inspiration als Virtualität begreifen und gleichzeitig daran festhalten, dass große Kunst von Gott inspiriert sein kann, wird automatisch der virtuelle Kanal auch ein Zugangsweg zu Gott. Gott kann unsere Gedanken inspirieren und wir können mit der Kunst, die wir schaffen, darauf antworten. Die Kunst kann sicherlich auch physisch (ein gemaltes Bild) oder geistlich (eine Predigt) sein, aber ebenso auch in virtuellen Systemen der dritten Stufe stehen bleiben (vernetzte Onlinekunst). Somit ist gezeigt, dass der Zugang zwischen Gott und Mensch oder Mensch und Gott durchaus auch auf der virtuellen Ebene liegen kann.
Nach diesem Weg ist nun als letzter Schritt die Frage zu beantworten, ob uns unsere SocialMedia-Nutzung auch auf der geistlichen Ebene beeinflussen kann. Sicherlich kann man anmerken, dass der Zugang zu digitalen Informationen in Computernetzwerken immer durch virtuelle Kanäle geschieht. Allerdings kann, ebenso wie die digitale Welt unsere physische Selbstwahrnehmung außer Kraft setzen kann, wenn wir beim stundenlangen Daddeln die Zeit vergessen, auch unsere geistliche Realität direkt von SocialMedia-Erlebnisse geprägt werden. Es gibt Berichte von Menschen, die in virtuellen Welten wie World of Warcraft eine Totenklage und Trauerfeier für einen in der physischen Welt verstorbenen Mitspieler abgehalten haben. Andere Menschen erzählen, dass sie von einer Onlinepredigt oder einem YouTube-Video derart angesprochen waren, dass sie Gottes Nähe gespürt haben. Und in virtuellen Andachtsräumen finden immer wieder Menschen eine Schnittstelle, die etwas in Ihnen zum Klingen bringt, was weder selbst gewirkt noch materiell greifbar und somit nach unserer Definition geistlich zu nennen ist. Das Beispiel von Amen.de zeigt in der Tridirektionalität der Kommunikation, dass auf Gebete, die ein Mensch online einstellt auch eine virtuelle Verteilung und geistliche Verarbeitung folgen kann, deren Auswirkungen der Absender dann zumindest virtuell, erwartungsgemäß aber auch geistlich (und ggf in der Folge physisch) erleben kann.

Somit ist gezeigt, dass ein Mensch sowohl mit Gott als auch mit SocialMedia auf allen Kommunikationsebenen interagieren kann. Ob man diese Erfahrungen auch auf allen Ebenen tatsächlich macht, hängt freilich nicht nur von der Möglichkeit ab, sondern auch davon, ob man es zulässt.[7] Wer mit verstocktem Herzen eine Kirche betritt, wird weniger offen für geistliche Erfahrungen sein, und wer mit nüchternem Verstand ein Liebesgedicht liest, wird weniger angesprochen von der Kunst der Poesie sein. Ebenso kann man bei der SocialMedia-Nutzung entscheiden, auf welchem Ohr man hören will, welche Ebenen man auf Empfang schaltet und welche Erwartungen man an die Kommunikation hat. Wenn die Kirche vernetzte Onlineerfahrungen fördern will, muss sie zulassen, dass Menschen sich ganzheitlich auf digitale Welten einlassen. Natürlich muss sie genauso auch die Backsides beleuchten: Suchtprobleme, Selbstreduktion und ideologische Fremdbestimmung ernstnehmen. Sie sollte aber Gottes Wirken dort genau so offen erwarten, wie sie es in der stillen Selbstreflexion, beim papierbasierten Bibellesen oder in einem Vor-Ort-Gottesdienst erwartet.

[1] Die oft vorgenommene verkürzende Unterscheidung in virtuell vs. real soll bewusst konkretisiert werden, um zu verdeutlichen, dass auch Kommunikation in der virtuellen Welt einen spürbaren Einfluss auf die menschliche Existenz hat, also durchaus real ist. Daher ist die Unterscheidung in verschiedene Realitätsebenen produktiver, die diesem Abschnitt zugrunde liegen wird. Vgl.: Kopjar: Kommunikation des Evangeliums, S.31ff.

[2]Da Gottes Realität für unserer Wahrnehmung nur indirekt zugänglich ist und die Interpretation von Gottes Handeln immer durch subjektiv menschliche Interpretation gefärbt ist, bleibt Gottes Souveränität in dieser Ausführung unangetastet. Dennoch ist in der christlichen Tradition die Annahme einer generellen Möglichkeit verankert, mit Gott in Kontakt zu treten, wenn Christen sich in Gebeten an ihn wenden und darauf vertrauen, dass er daraufhin aktiv in die menschliche Realität eingreift. Ebenso bezeugt die Tauflehre, dass physische menschliche Taten eine Auswirkung auf die kommende Realität Gottes haben.

[3] Die allgemeine Mensch-Maschine-Kommunikation wird greifbarer, wenn man sie anhand von konkreten Beispielen diskutiert. Das kann ein bestimmtes Programm, eine bestimmte Online-Community oder eine bestimmte Szenerie sein. Smartphone-Kommunikation macht sie massentauglich und verortet sie im Alltag und die Mainstreamnetzwerke großer SocialMedia-Anbieter erreichen ähnlich große Zielgruppen wie die weltweiten Religionen. Die Namen wandeln sich dabei in kurzer Zeit, die kommunikativen Konzepte bleiben längerfristig erhalten. Daher soll hier SocialMedia als Phänomen betrachtet werden, ohne konkrete Netzwerke direkt zu nennen.

[4] Ob man in Gottes Realität von „physisch“ sprechen kann, darf diskutiert werden. Bei Algorithmen und Datenstrukturen von „Physis“ zu reden, dürfte den meisten zu weit gehen. Dennoch ist es hier hilfreich, die Worte beizubehalten, um die Systeme vergleichen zu können und sich gleichzeitig bewusst zu machen, dass man für die emotionale Beschreibung von Maschinen neue Begriffe wird finden müssen.

[5] SocialMedia meint hier v.a. das Gesamtkonzept, bei dem natürlich eine Vielzahl von Maschinen und anderen Menschen beteiligt ist, meist aber eine konkrete Zielperson oder Gruppe der Gegenpart einer Kommunikation ist, selbst wenn (wie auf Twitter oder bei einem Blog) eine Nachricht prinzipiell offen an alle gesendet wurde. Für diese Argumentation betrachten wir den Kommunikationspartner SocialMedia also bewusst verkürzend als eine Einheit.

[6] Bernd Michael Haese: Hinter den Spiegeln. Kirche im virtuellen Zeitalter des Internet, Bonn 2006., S.15.

[7] Der Vollständigkeit halber sei ergänzt: und von Gottes Handeln, der unabhängig vom genutzten Kanal autark Segen schenken und verwehren kann. Da alles von Menschen geschaffene auch Teil seiner Schöpfung ist, ist davon auszugehen, dass für ihn unsere SocialMedia ebenso Teil seiner Schöpfung sind und er diesen doppelten Realitätssprung problemlos kompensieren kann. Perspektivisch ist es also auch denkbar, dass Gott mit Bestandteilen der SocialMedia oder zumindest über diese mit Menschen in Kommunikation steht.

Projekte zwischen Wissenschaft, Kirche und Medienwelt