Komm, Herr, segne uns!

Gerade war ich bei einer Netzwerkveranstaltung kirchlicher Öffentlichkeitsarbeiter, bei der als Abschlusss dieses Lied von Dieter Trautwein gesungen wurde (in einer etwas peppigeren Version!).

Dabei kamen mir folgende Impressionen:

Komm, Herr, segne uns, daß wir uns nicht trennen,

Wir bleiben vereint, auch wenn wir auseinander gehen. Virtuelle Netzwerke sind im Herzen von Menschen schon 1978 Realität. Und wir haben durch Social Media nun wirklich die Möglichkeit, aktiv in Verbindung zu bleiben.

sondern überall uns zu dir bekennen.

Nachdem gestern ein bekannter Journalist es als Heldentat begreift, scheint das Christusbekenntnis ja wirklich ein großer Schritt zu sein. Klar, Todesstrafe haben wir dafür nicht zu befürchten, aber das Bewusstsein, sich im Alltag als Christ zu bekennen, für die Kirche und für Gottes Liebe einzustehen und bei Streitfragen Position für Nächstenliebe und Gerechtigkeit zu beziehen ist oft eine Herausforderung. Warum nur? Vielleicht sollten wir etwas offener und positiver darüber reden, dass wir in direkten Draht zum mächtigsten Wesen des Kosmos stehen?! Probleme? – mal kurz (im Gebet) beim Chef nachfragen!

Nie sind wir allein, stets sind wir die Deinen.

Das entlastet. Ich muss garnicht immer alles selber hinbekommen, sondern kann vertrauen, dass Gott bei mir ist und mir zur rechten Zeit die passenden Worte geben wird, um mich zu ihm zu bekennen. Im Internet redet man ja viel von Schwarmintelligenz und Massen, die die Welt verändern. Dabei sind es schon seit 2000 Jahren die (oft im Untergrund beginnenden) Ströhme christlicher Nächstenliebe, die Strukturen umwälzen und für die Schwachen eintreten. Kirche – das sind nicht die, die schrumpfen, sondern das ist die große Gemeinschaft der weltweiten Christenheit, die Teil einer Revolution der Liebe ist!

Lachen oder Weinen wird gesegnet sein.

Ja, es wird auch als Christ Leid geben und es ist nicht alles eitel Sonnenschein. Aber das, was kommen wird, wird am Ende gut und gesegnet sein, weil Gott dabei ist. Und deshalb dürfen wir auch mehr sein als ein institutionelles Leidens-Gedächtnis. Wir dürfen lachen, feiern und tanzen. Wir dürfen uns miteinander freuen und mit Gottes Blick auf das Leid der Welt sehen. Und wir dürfen die, die trauern, zum Fest des Glaubens einladen, das wir täglich feiern!

Keiner kann allein Segen sich bewahren.

Wir brauchen die menschliche Gemeinschaft, auch wenn es oft anstrengend ist, man sich über andere Christen oder „die Kirche“ aufregt oder fremd schämt. Aber ein von Gott gesegnetes Leben können wir nur als Gemeinschaft führen (ohne stille Einkehrtage grundsätzlich auszuschließen). Daher ist es gut, auch über den Tellerrand zu schauen. Ökumene, internationale Begegnungen und Offenheit für andere Christen, hilft mir meine Engstirnigkeit zu erkennen und Gottes Weite zu erleben.

Weil du reichlich gibst, müssen wir nicht sparen.

Ein Satz, der oft für Schmunzeln sorgt, wenn man vorher über knappe Finanzbudgets geredet hat. Wie schön, dass wir bei der Weitergabe von Gottes Segen tatsächlich nicht sparen müssen und dass wir dadurch mit einem offenen Herzen auf Menschen zugehen können, weil wir reichlich geben können! Diesen Gestus wünsche ich mir viel öfter in christlichen Verlautbarungen. Und auch bei neuen Methoden und Formen sollten Christen nicht sparsam auf bekanntem beharren, sondern aus der Fülle der Möglichkeiten schöpfen.

Segen kann gedeihn, wo wir alles teilen,

bei Twitter, Facebook, Instagram und dem Gemeindekaffee können News schnell die Runde machen. Teilen ist angesagt. Auch die Bohrmaschine für den Nachbarn, das gemeinsame WLAN oder Car-Sharing. Was uns von Gott anvertraut ist, können wir gemeinsam zu seiner Ehre einsetzen statt egoistisch zu horten. Und auch gute Infos dürfen wir in unserem Kommunikationsnetzwerk mit-teilen, um andere an unseren Erkenntnissen teilhaben zu lassen. Das ist kirchlich noch zu oft ein ignoriertes Lernfeld, das an wenige Experten delegiert wird, statt es fundamental als geistliche Wahrheit zu begreifen.

schlimmen Schaden heilen, lieben und verzeihn.

Das ist oft garnicht so einfach, wenn mir doch unrecht getan wude und ich gekränkt bin. Da muss ich meinen Stolz und Trotz zurücknehmen, auf das größere Bild schauen und kann in Liebe Vergebung aussprechen. Und mitunter wird mir bewusst, dass auch ich oft Schaden anrichte und auf die Vergebung angewiesen bin. Gott sagt seine Vergebung jedem zu, der zu ihm umkehrt. Dem Beispiel dürfen wir folgen – auch initiativ!

Frieden gabst du schon, Frieden muß noch werden, wie du ihn versprichst uns zum Wohl auf Erden.

Wir vertrauen schon darauf, dass Gottes Reich kommt, auch wenn wir täglich von Krieg, Gewalt, Tod und Trauer auf der Welt hören und sehen. Alles Leid dürfen wir Gott klagen, der den Krieg schon gewonnen hat, während die letzten Kämpfe um uns herum noch brodeln. Und Frieden ist das Ziel, das Gott zu unserem – aller Menschen – Wohl geplant hat.

Hilf, daß wir ihn tun, wo wir ihn erspähen –

Wir müssen nicht tatenlos zuschauen, sondern sollen aktive Friedensstifter sein. Wenn wir Gott fragen, was er angesichts einer Situation tut, kann es sein, dass er antwortet „Ich sende dich, um zu Frieden zu stiften!“.

die mit Tränen säen, werden in ihm ruhn.

Die Zusage bleibt hoffnungsvoll. Denn nicht die Tränen sind das Ziel. Nicht das Leid wird glorifiziert. Aber trotz der Rückschläge, Verletzungen und Kämpfe, werden(!) wir in Gott ruhen. Sein „Shalom“ bleibt bestehen auch im hektischen Alltag der Öffentlichkeitsarbeit und der sich schnell wandelnden Internetkommunikation.

Es bleibt der demütige Wunsch (der nicht mit einer Forderung oder einem Befehl zu verwechseln ist) in allem frommen Aktionismus: Komm, Herr, segne uns!

Das wünsche ich allen Teilnehmern der Veranstaltung, die jetzt auf dem Heimweg sind, allen, die mit uns tagtäglich aktiv kirchliche und diakonische Öffentlichkeitsarbeit gestalten und allen, die sich unter Gottes Segen stellen wollen.

Amen.

Immer noch „Nun“

Das arabische Schriftzeichen Nun ging um die Welt. Auf Facebook und Twitter, auf Postkarten und T-Shirts, bei Gebets-Flashmobs und in Diskussionen haben sich seit Sommer 2014 tausende Menschen hinter die Opfer von religiös motiviertem Terror gestellt und für Glaubensfreiheit protestiert. Auch ich habe damals mein Facebook Profilbild angepasst und den folgenden Text übernommen:

Arabisch „N“ für Nazarene, also „Nazarener/Christ“ ist das Zeichen, mit dem militante ISIS Anhänger die Häuser von Christen in Mossul markiert haben. Inzwischen mussten alle Christen Mossul verlassen.
Mein verändertes Profilbild soll zeigen: ich bin auch einer von denen, die mit diesem Jesus unterwegs sind und ich leide mit meinen Schwestern und Brüdern, die um ihres Glaubens willen verfolgt werden – im Irak, in Syrien, in Nigeria und an so vielen anderen Orten.
Und ich wünsche mir, dass sich Menschen muslimischen Glaubens von diesem barbarischen und unmenschlichen Verhalten distanzieren und es vorbehaltlos verurteilen – gerade diejenigen, die politische oder religiöse Verantwortung tragen.
Zugleich steht aber dieses „N“ auch dafür, dass NIEMAND um seines Glaubens willen verfolgt, mißhandelt, seiner Menschenrechte beraubt oder getötet werden soll.

Seit Sommer ist einige Zeit vergangen, das ganz große Medienecho ist verschwunden und auch die Profilbilder sind weitestgehend wieder echten Köpfen gewichen. Ich habe schon mehrfach nachgedacht, mein Gesicht wieder zu zeigen, weil das ja eigentlich der Sinn des Profilbildes ist und ich möchte, dass Leser meine Kommentare zuordnen können. Aber da die Situation gegen die ich protestiere in keinster Weise besser geworden ist, habe ich mich jedes Mal dagegen entschieden.

In den letzten Wochen kam mir jetzt allerdings der Gedanke, dass ich mich wunderbar hinter dem einmal gesetzten Profilbild verstecke und bei weiteren Schreckensmeldungen eher abschalte. Immer noch werden Menschen wegen ihres Glaubens verfolgt. Und als Abschluss meiner Nun-Foto-Zeit möchte ich deren Schicksal bewusst nochmal thematisieren. Ich lese von grausamen Massakern, Folter und Exekutionen aus Syrien, dem Lybanon, Ägypten, Sudan, Indien, Irak oder auch in anderer Form aus Frankreich, England, den USA und Deutschland. Egal ob es dabei um Alltags-Antisemitismus, um gefolterte Moslems in amerikanischen Gefängnissen, Selbstjustiz durch militante Abtreibungsgegnern oder Peitschenhiebe für das Aussprechen einer unbequemen Wahrheit geht. Ich fordere Glaubensfreiheit für Menschen aller Kulturen und Überzeugungen. Der Mainstream des Christentums hat in einem langen und blutigen Prozess gelernt, Liebe statt Hass zu verkünden, große Strömungen im Islam sind da scheinbar noch auf dem Weg (ich beziehe mit mit diesen Pauschalisierung nicht auf einzelne Gläubige, sondern auf das mir durch die Medien offenbarte Bild der Mehrheitsströhmungen). Auch Anhänger des Buddhismus, Hinduismus und Atheismus sind durchaus zu menschenverachtenden und gewalttätigen Repressionen in der Lage. Und für ein globales Miteinander ist es nötig, dass Extremisten auf allen Seiten lernen, einander stehen zu lassen.

Um auf die Situation verfolgter Christen hinzuweisen, informiert OpenDoors jährlich im Weltverfolgungsindex über Verfolgungssituationen.

Wenn ich nun also nicht mehr mit meinem geänderten Profilbild demonstriere trete ich immer noch für weltweite Glaubensfreiheit und Liebe statt Hass ein und gegen ein Vergessen oder Verharmlosen der bestialischen Grausamkeit, die auch heutzutage für viele Menschen bittere Realität ist.

Folge dem Stern-Pfeil

Je nach Tradition endet die Weihnachtszeit in den meisten Kirchen heute oder am kommenden Wochenende. Weihnachten? Irgendwie scheint das alles schon so lang her zu sein. Lebkuchen seit Ende August, Weihnachts-Deko seit September, Geschenke kaufen seit Oktober und Glühwein ab November. Da freut man sich, wenn am 26. Dezember endlich alles vorbei ist …
Eigentlich ist es andersrum gedacht: Weihnachten ist nicht das Ende, sondern der Anfang der Freudenzeit. Ursprünglich war die Adventszeit eine Fastenzeit (ähnlich wie vor Ostern) und ab Heiligabend wurde dann die Geburt Christi gefeiert bis (mindestens) zum 6. Januar.
Daher kommt ja auch mein traditioneller Weihnachts-Rundbrief immer erst im Januar und heute hier schonmal ein Auszug daraus für euch als Weihnachtsgruß:

„In welche Richtung willst du gehen?
Alles hat Folgen.
Forscher & Arbeiter, die nicht alles hatten,
ein Architekt und ein schwangeres Mädchen folgen
dem Stern von Bethlehem, denn
das Christkind lässt sich gerne finden!
Frohe Weihnachten 2014.“

stern-pfeil_webDie Geschichte ist schon krass:
Gelehrte Menschen aus dem Osten machen sich auf. Sie reisen aufgrund ihrer wissenschaftlichen Erkenntnisse hunderte von Kilometern, um einen neuen König zu begrüßen. Sie lassen sich von kosmischen Phänomenen leiten, bis sie ihn finden. Ob es drei waren, wissen wir nicht. Ob sie Könige oder Sterndeuter waren und was mit den Geschenken passierte, ist nebensächlich. Wichtig ist: Sie haben Jesus gesucht und gefunden. Der Stern hat ihnen den Weg gezeigt.

Dann sind da die Lohnarbeiter, die am Heiligabend zur Nachtschicht auf dem Felde verdonnert sind und in ihrem tristen Alltag eine übernatürliche Erscheinung haben, die sie dazu antreibt, sich auf die Suche nach dem Sinn des Lebens zu machen. War Alkohol im Spiel? Was war mit den Schafen? Sind sie hinterher zurück zur Arbeit gegangen oder haben sie den Job verloren? Unwichtige Fragen hinter der Erkenntnis, dass es sich lohnt, im Alltagsleben offen für göttliche Intervention zu bleiben. Auch sie haben sich auf den Weg gemacht, der ihnen gewiesen wurde.

Ebenso das junge Paar, verlobt aber noch nicht verheiratet. Auf einmal ist sie schwanger, aber nicht von ihm. Sie bleiben zusammen, gehen durch dick und dünn zur Zählung im überfüllten Bethlehem, später nach Ägypten und zurück nach Nazareth. Aufgrund eines Engels. Wie das biologisch tatsächlich war ist völlig egal. Irgendwo treffen sich Historie und Mythos. Relevant ist, dass beide den Worten Gottes vertraut haben und seinen Weg eingeschlagen haben. Maria war bereit, ihre Lebensplanung auf den Kopf stellen zu lassen und Josef war die Beziehung zu Maria und die Zusage Gottes wichtiger als soziale Anerkennung und der „normale Werdegang“.

Alle diese Personen treffen sich beim Stern an der Krippe. Da wo Gottes Licht in die Welt kommt. Dafür ist der Stern von Bethlehem ein gutes Bild. Er weist darauf hin, dass Weihnachten etwas entscheidendes passiert ist. Daher ist der Stern auch ein Pfeil, der uns darauf hinweist, worum es im Leben geht. Ich habe dieses Jahr einen Weihnachtsgruß als Pfeil-Stern gebastelt. krippe_webUnd ich habe mir die Frage gestellt, wo Gott mir die Richtung weisen möchte. Ich hab zwar keine kosmische oder innere Erscheinung gesehen und musste auch nicht nach Ägypten auswandern. Aber der Neuanfang in Erfurt ist für mich eine deutliche Führung Gottes, die er über lange Zeit vorbereitet hat. Deshalb kann ich ihm gerne folgen, weil ich ihm vertraue, dass er mich zu einem guten Ziel führt.

In welche Richtung willst DU gehen? Wo stehst du in der Stern-Geschichte? Machst du dich aufgrund rationaler Erkenntnis auf die Suche nach Gott? Oder aufgrund einer emotionalen Begegnung? Oder müsste Gott innerlich dein ganzes Leben auf den Kopf stellen, damit du aufhorchst? Probiers doch mal! Gott hat ein Interesse daran, auch dir deinen Weg zu weisen und ihn mit dir zu gehen. Nimm dir Zeit und mach dich auf den Weg. Das Tempo ist dabei zweitranging, solange die Richtung stimmt…

Zum Nachlesen die Bibeltexte: Matthäus 2 und Lukas 2

Sauna vs. Gottesdienst

Ich mag Gottesdiesnt und ich mag Sauna. Wer mit einem davon nicht so vertraut ist, darf gerne mal jemanden fragen, der sich damit auskennt und es ausprobieren 🙂

Im Laufe der letzten Jahre bin ich immer wieder Bekannten aus der Gemeinde in diversen Saunen begegnet. In zahlreichen Gesprächen kam dabei immer wieder zur Sprache, dass die Sauna durchaus ein Ort sein kann, der Entspannung, eine Auszeit vom Alltag und ein Ort der Reflexion, der Ruhe, der Erbauung und neuer Ideen/Energiequelle ist. Also eine Funktion, die auch ein guter  Gottesdienst erfüllt: Im Gottesdienst nehme ich mir bewusst Zeit, um aus dem hektischen Alltag auszubrechen, zur Ruhe zu kommen, das Heilige zu feiern und durch Selbstreflexion sowie geistlichen Input neue Impulse zu bekommen.
Natürlich kann man durch einen langweiligen Gottesdienst enttäuscht werden und auch eine zu kühle Saunalandschaft bietet nicht automatisch das perfekte Erlebnis, aber das Ziel ist zumeist ähnlich.

Wie läuft ein Sauna-Besuch ab?
Man betritt einen besonders hergerichteten Ort. Meist ruhig gelegen mit minimalistischer Dekoration, damit wenig vom eigentlichen ablenkt. Prinzipiell könnte es überall sein, aber wir bauen spezielle Räume, die durch Fliesen und Holzbänke besonders dafür ausgestattet sind, dass man mit viel Wasser in Berührung kommt, um den Körper zu säubern und Verunreinigungen auszuschwitzen.
Für einen Saunabesuch braucht man Zeit und Ruhe. Wer gehetzt durchs Leben geht, kann hier Entspannung finden, muss sich aber darauf einlassen statt immer wieder hektisch auf die Uhr zu schauen und den nächsten Termin vorzubereiten.
Statt Bürokleidung trägt man meist einen flauschigen Bademantel oder wickelt sich ein großes Saunahandtuch um. Es geht nicht um Mode sondern um funktionale und „passende Kleidung“.
Der Saunabesuch selber folgt dann einer typischen Liturgie (die je nach Ort und Zeitumfang angepasst werden kann):

  • Der Körper wird gründlich unter der Dusche gereinigt.
  • Beim Vorschwitzen im halbwarmen Terpedarium oder Dampfbad gewöhnt man sich an die Wärme.
  • Der Aufguss bietet eine besondere Erfahrung. Heißer Dampf mit wohlriechenden Duftstoffen verströhmt eine angenehme Atmosphäre. Je nach lokaler Tradition wird man still und genießt in sich gekehrt oder kommentiert die wohltuenden Wogen des wedelnden Saunameisters.
  • Nach 10-15 Minuten Hitze folgt die Abkühlung. Meist mit Schwallduschen und einem kalten Tauchbad. Je größer die Temperaturdifferenz, desto stärker der Schockeffekt, der die Kreislaufabhärtung erwirkt.
  • Ein Gang im Freigelände oder eine Pause im Ruheraum schließen sich an. Wichtig ist es, dem Körper genug Ruhezeit zu gönnen. Viele schätzen die Gelegenheit, mit anderen Saunagästen ins Gespräch zu kommen. (Anmerkung: Nach Saunameister Sascha B. sollte der Freigang eigentlich vor der Abkühlung stattfinden, um die Atemwege im aufgeheizten Körper abzukühlen. Ich finde es sorum aber meist entspannender…)
  • Um die Körperkerntemperatur wieder abzusenken, folgt ein warmes Fußbad. Dadurch vermeidet man das Nachschwitzen.
  • Typischerweise folgt ein zweiter (und ggf. dritter) Schwitzgang mit Abkühlung, Ruhe und Fußbad. Ein Aufguss kann mit einem Salz-Peeling kombiniert werden, ein anderer mit frischem Obst oder mit einer Honigeinreibung, bevor am Ende wieder eine gründliche Körperreinigung erfolgt.
  • Wer mag, bucht zusätzlich ein Solarium oder eine individuelle Massage.
  • Essen & Trinken gehören für viele zum Saunagang dazu. Auf jeden Fall sollte man genug Wasser trinken. Obst passt auch gut. Schweres Essen und Alkohol nur bedingt.

Ein Saunagang bietet so also einen festen Rahmen, den man natürlich im Einzelfall an die eigenen Bedürfnisse anpassen kann. Man trifft andere Menschen und öffnet sich für neue Gedanken. In Reflexionszeiten und Ruhezeiten kommt man ins Gespräch. Man liest etwas oder hört auf besondere Musik. Und hinterher ist man glücklich und zufrieden und kann den Aufgaben des Alltags wieder fröhlich begegnen, auch wenn man von Nicht-Saunagängern oft für diesen Tick belächelt wird…

Wie läuft ein Gottesdienst-Besuch ab?
Auch hier betritt man einen besonders hergerichteten Ort. Zumindest in protestantischer Tradition ist auch dieser eher zurückhaltend gestaltet.  Prinzipiell könnte ein Gottesdienst überall sein, aber wir bauen spezielle Räume, die durch Optik und Akkustik darauf ausgelegt sind, dass man dem erhaben Göttlichen begegnen kann. Wir reinigen uns innerlich und entledigen uns unseres seelischen Schmutzes.
Auch für einen Kirchbesuch reserviert man sich eine feste Zeit in der der Alltag Pause hat. Viele Menschen tragen besondere Kleidung, Pfarrer oft einen Talar, zumindest ist es „passende Kleidung“.
Der Gottesdienst folgt dann einer typischen Liturgie (die je nach Denomination angepasst werden kann):

  • Ein musikalisches Vorspiel läd (wie das Anfangsduschen) ein, sich zu öffnen und auf den Gotesdienst einzulassen.
  • Im Trinitarisches Votum begrüßen wir Gott und machen uns bewusst in wessen Gegenwart wir sind (Vorschwitzen).
  • Das Eröffnungsgebet und Gemeindelied geben uns Zeit, für uns selber und in bewusster Gemeinschaft vor Gott zu treten (Ruhephasen und Abkühlung)
  • Die Textlesung (1. Schwitzgang) bietet inhaltlich den ersten Input, den man durch weitere gesprochene und gesungene Gebete (Gloria, Kyrie, Halleluja als Abkühlung und Ruhephase) wirken lässt.
  • Ergänzt wird die erste Lesung oft durch eine zweite Lesung und die Predigt (2. und 3. Aufgussgang), die die gelesenen Texte mit einem weiteren Input ergänzt.
  • Das gemeinsame Glaubensbekenntnis verwurzelt uns in unserer Umgebung  (wie der Frischluftgang)
  • Weitere Lieder und Fürbitten stellen uns bewusst in Gemeinschaft (Gespräche in Ruhephasen).
  • Die Kollekte ermöglicht es, konkrete Projekte zu unterstützen (Solarium)
  • Das Abendmahl ergänzt auch eine kulinarisch-haptische Komponente (Obst beim Aufguss), der Gemeindekaffee oder ein gemeinsames Mittagessen stärken die Gemeinschaft.
  • Die Abkündigungen (Fußbad) lässt uns auf Normaltemperatur herunterkühlen, um uns wieder alltagstauglich zu machen.
  • Wer mag, kann ein individuelles Seelsorgegespräch (Massage) vereinbaren, um tiefersitzende mentale Verspannungen zu lösen.
  • Mit dem Vater Unser und Abschlusssegen (Endreinigung) gehen wir von der heiligen Zeit wieder in säkulare Zeit über.

Ein Gottesdienst bietet so also einen festen Rahmen, den man natürlich im Einzelfall an die eigenen Bedürfnisse anpassen kann. Man trifft andere Menschen und öfnet sich für neue Gedanken. In Reflexionszeiten und Ruhezeiten kommt man ins Gespräch. Man liest etwas oder hört auf besondere Musik. Und hinterher ist man glücklich und zufrieden und kann den Aufgaben des Alltags wieder fröhlich begegnen, auch wenn man von Nicht-Gottesdienstgängern oft für diesen Tick belächelt wird…

Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. (Jesus in Mt 11,29)

Am Tisch des Herrn

Gestern war ich Diener am Tisch des Herrn. Das war schön. Gleich zweimal. Das war umso besser.

Erst haben wir Gottesdienst gefeiert und ich war beim Abendmahl für den „Thekendienst“ zuständig. Also das Auffüllen der Kelche zwischen den Kreisen. Als Erklärung: Wir feiern im Christus-Treff donnerstags einmal im Monat das Abendmahl in Kreisform. Je 30-50 Leuten gruppieren sich im Altarraum, bekommen Brot und Saft und einen Segensspruch. Das ganze 3-4 mal, bis jeder dran war. Zwischendurch werden die Becher aufgefüllt und alles ordentlich gehalten. Ein kleiner Dienst im Hintergrund, den ich gerne verrichte.
Nach dem Gottesdienst hatten wir weiter Gemeinschaft bei Getränken und Snacks im gemeindeeigenen Begegnungszentrum Con:Text. Auch da war ich für Essen und Trinken verantwortlich. Zwar eher organisatorisch und weniger ausführend, aber so ergaben sich einige gute Gespräche mit den Leuten vor Ort.

Beides ganz unterschiedliche Formen von Gemeinschaft und beides wichtig.
Geistliche Gemeinschaft entsteht im eher frontalen großen Gottesdienst und im kleineren Abendmahlskreis, wo wir Gottes Liebe spürbar in uns aufnehmen. Und genauso auch in kleinen Gesprächen und Begegnungen bei Nachos und Bier. Denn jeder Ort kann zu Gottes Haus werden, wenn wir ihn feiern und ihn einbeziehen.

Beim Aufräumen hinterher musste ich an Psalm 84 denken, der genau davon spricht: Besser eine kleine Erfahrung in Gottes Nähe als viele große Events ohne ihn. Schön, wenn man das so plastisch erleben kann 🙂

Psalm 84, 2-3+11-13:
Wie lieb sind mir deine Wohnungen, HERR Zebaoth! Meine Seele verlangt und sehnt sich nach den Vorhöfen des HERRN; mein Leib und Seele freuen sich in dem lebendigen Gott. […] Denn ein Tag in deinen Vorhöfen ist besser als sonst tausend. Ich will lieber die Tür hüten in meines Gottes Hause als wohnen in der Gottlosen Hütten. Denn Gott der HERR ist Sonne und Schild; der HERR gibt Gnade und Ehre. Er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen. HERR Zebaoth, wohl dem Menschen, der sich auf dich verlässt!

Advent, Advent, eine Lichterkette blinkt…

adventskranzGestern war erster Advent. Eine Kerze am Adventskranz leuchtet. Nur eine – auch wenn schon vier da stehen. Dadurch ist es noch recht düster im Raum, aber das macht die besondere Stimmung ja gerade aus. Nächste Woche wird es dann etwas heller, danach noch heller und Weihnachten wird es richtig hell. So ist das gedacht. Eigentlich eine sehr starke mediale Aussage. Wir üben uns im Verzicht. Die Kerzen sind von vorne herein da, aber der Lichtschein steigert sich erst allmählich.

Übrigens ist der erste Advent auch gleichzeitig der Beginn eines neuen Jahres. Der finale Countdown des Kalenderjahres wird zwar bei den meisten erst Silvester angezählt, aber inhaltlich macht das Kirchenjahr viel mehr Sinn:
Wir fangen im dunklen November an und erleben, wie es im Advent hell wird, feiern Jesu Geburt, sein Wirken, seinen Tod und Auferstehung. Dann Himmelfahrt und Pfingsten die Ausgießung des Heiligen Geistes und damit die Geburtsstunde der Kirche. Im Sommer und Herbst schließlich das weltweite Wirken Gottes durch „seine Menschen“ bis hin zum Toten- oder Ewigkeitssonntag. Am Ende wird es wieder dunkler, wir denken auch an das Leid, den Tod und das, was noch zu tun ist, damit Gottes Licht alle Menschen erreicht. Und wenn die Dunkelheit uns zu umschlingen droht, fangen wir wieder mit der Hoffnung des Advents an und es wird hell. Stück für Stück.

Ich darf mich nicht über den überschwenglichen Lichterglanz vieler Städte, Menschen und Weihnachtsmärkte beklagen, die nicht mehr warten können und sofort Instant-Freude per Blink-LED-Lichterkette produzieren wollen.  Ich war ja auch mit einer Hot-Cocktail-Aktion beteiligt an so einer Aktion und hab mich gefreut, dass viele Leute uns letztes Wochenende besucht haben. Solche Events sind etwas Schönes und können Menschen guttun. Aber jetzt versuche ich, wieder auf langsam zu schalten und vom kleinen zum großen Hoffnungsschimmer gemächlich voranzuschreiten. „Alles hat seine Zeit“ – auch die kleinen Lichter.

Frohe Adventszeit!

Meine Zeit steht in deinen Händen…

Wie sieht deine Zeiteinteilung aus?

zeitplanArbeit, Essen, Schlafen. Zwischendurch Zeit für Familie, Freunde, Hobby oder Gott? Oder doch lieber Zeitung lesen, Fernsehen, DVDs, Haushalt, Romane, Puzzle, Brett- oder Rollenspiele, Sport und Kreativität? Jeder Mensch hat 24h Zeit und kann sie nach gutdünken aufteilen. Das ist manchmal gar nicht so einfach.

Wenn man sich dann auch noch mit digitalen Medien befassen soll und Facebook, Twitter, YouTube und Co. ihren zeitlichen Anteil im Tagesplan haben wollen ist oft die zeitliche Überforderung ein Argument gegen Social Media.

termineAls „guter Christ“ setzt man die Zeit oft priorisiert für geistliche Dinge ein: Gottesdienst, Hauskreis, Gebetstreff, Bibelstudiengruppe, Mitarbeit in diakonischen oder evangelistischen Projekten, um anderen Menschen zu helfen. Das können schonmal 10-20h pro Woche sein. Dadurch müssen andere Bedürfnisse kürzer treten. Die Bibel selber sagt dabei weder etwas gegen mediale Kontemplation noch gegen gemeinschaftliche Fröhlichkeit. Im Gegenteil ein wilder Lebensstil außerhalb der gutbürgerlichen Norm scheint Gott zu gefallen (z.B. Simson, Elia, Johannes der Täufer). Unsere biblischen Vorbilder sind in ihrem Lebensstil sehr viel individueller als der kirchliche Normalfall oft suggeriert.

Von Jesus lesen wir, dass er bewusst Kontakt zu Menschen mit zweifelhaftem Lebenswandel gesucht hat und sich auf ihre Partys einladen liess. Seine Nachfolger heute tun das eher selten. Um für solch experimentelle Begegnungen tatsächlich Zeit zu haben, wäre eine Beschränkung der kircheninternen Beschäftigungstherapie oft der erste Schritt. Dabei möchte ich weder Kirchenchor  noch Gemeindefußballgruppe schlecht machen, aber den Blick öffnen,  Normalität größer zu denken. Durch gute geistliche Gemeinschaft kann man im Glauben stetig wachsen. Aber nur, wer auch außerhalb der Gemeindegrenzen lebt und Menschen dort auf Augenhöhe begegnet, kann neue Sichtweisen zu alten Fragen finden und authentisch von Gottes Gnade weitersagen. Nicht als „missionarischer Plan“, sondern als gemeinschaftliches Leben und ehrlicher Austausch mit gleichwertigen Menschen. Wovon das Herz voll ist, davon fließt der Mund über (Mt 12), wenn man ihn lässt und den Tag nicht mit „wichtigen Terminen“ vollpflastert. Dieser Lebensstil gibt die Freiheit, das Leben zu genießen. Und Genuss ist eine geistliche Grundlage (wie hier dargelegt).

Das Grundproblem bleibt bestehen. Unser Tag hat immer noch nur 24 Stunden und es gibt immer noch viel mehr, was man tun könnte. Aber wer sich auf physischer Ebene für die Welt öffnet und lebt, kann sich auch in virtuellen Realitäten auf ganz unterschiedliche Menschen einlassen. Das Zeitbudget für digitale Social-Media-Kommunikation gibt es leider nicht zusätzlich. Aber wer im analogen Leben mit sozial-medialer-Lebensweise vertraut ist, kann die digitalen Kanäle als verlängerten Arm des normalen sozialen Lebens sehen. Dann spielt man nicht die „alten Werte“ gegen die „neuen Medien“ aus, sondern erkennt, dass auch traditionelle Begegnungen schon mediale Kanäle waren und auch neue Formen auf einem vorweggenommenen Wertekanon aufbauen. Und man erkennt, dass wir unsere Lebenszeit letztlich wirklich nicht selber in der Hand haben, sondern Aktion und Kontemplation, Termine und Genuss auch im digitalen Zeitalter als Geschenk aus Gottes Hand empfangen.

Nur wer genießt, kann vergeben

Heute Nacht kam mir der Gedanke:

„Nur wer genießt, kann vergeben.“

Der Satz klingt erstmal komisch, aber je mehr ich darüber nachdenke, desto wahrer finde ich ihn.

Dazu erstmal die Grundlage:

Genuß bedeutet nicht maßloses Partygelage, Völlerei oder Feiern auf Kosten anderer. Genuss bedeutet, sich an dem zu freuen, was man Gutes hat. Das kann Gottes Schöpfung sein, eine neue Jeans, ein gutes Essen oder ein Filmabend mit Freunden. Wer dabei entspannen und sich freuen kann, der genießt.

Warum manche Menschen nicht genießen:

  1. höherEs gibt Leute, die immer mehr wollen. Wer durch eigene Leistung ein Geschäft gut abgeschlossen hat, arbeitet sofort daran, das nächste noch besser abzuschliessen. Wer immer höher hinaus will, kann nie die Aussicht geniessen. Wer sich zu sehr ausstreckt, lebt am Sinn des Lebens vorbei.
  2. entspannungAndere Menschen können nicht genießen, weil etwas noch nicht perfekt ist. Die Hose zwickt, der Pulli ist zu warm oder zu kalt, das Licht zu hell oder zu dunkel und irgendetwas kann man immer noch optimieren. Das ist eigentlich nur eine Spielart von 1. – etwas kleiner gedacht. Ich optimiere mich zu tode und komme nicht oder nur selten ans Ziel.
  3. gerechtigkeitWer sich weltweites Unrecht anschaut, kann oft auch nicht wirklich genießen. Denn andere Leute arbeiten unter unwürdigen Bedingungen, damit ich meinen Lebensstandard halten kann. Natürlich ist es gut, sich darüber Gedanken zu machen und schlechte Abhängigkeiten fairer zu gestalten. Aber wenn ich als „Ausbeuter“ schon das Leben nicht genießen kann, ist das keine gute Grundlage, um mein Leben als Ziel für die Ausgebeuteten anzusetzen.
  4. Schließlich gibt es dauerhafte „Opfer“, denen so viel Leid widerfährt, dass sie nichts genießen können. Das will ich nicht per se werten. Viele Menschen leiden tatsächlich stark. Manche fokussieren aber auch immer das, was nicht optimal läuft und nehmen so ihr Leid viel stärker wahr. Wer nur über das redet, was schief läuft, wird immer etwas zu meckern finden. Gerade die Opfer der unter 3. genanten Abhängigkeit hätten da viel Grund zu klagen. Erstaunlicherweise sind Menschen in armen Ländern oft zufriedener und glücklicher als wir mit unseren Luxusproblemen.

Gott meint es gut mit uns

Sicher, ich bin Optimist und ich bin Christ. Ich lege den Fokus gerne auf das positive, sehe Möglichkeiten statt Schwierigkeiten und glaube an das Gute in der Welt. Ich bin überzeugt, dass Gott es gut mit uns meint und wir deshalb das Leben genießen dürfen.
Und eschatologisch argumentiert: Wenn Christus am Kreuz alles getan hat und der Mensch aus freier Gnade gerettet ist, dann gibt es ohnehin nichts, was ich dazu beitragen kann. Mein Job ist es also, dieses Geschenk anzunehmen und mich darüber zu freuen. Aus Dankbarkeit kann ich dann darauf reagieren, davon weitersagen und Menschen helfen, diese positive Erfahrung auch zu machen, aber das ist keine Voraussetzung für meine Freude, sondern eine Folge davon. Also kann ich auch das große Geschenk erstmal genießen und dadurch einen Lebensstil führen, der nachahmenswert ist. Keine Verbissenheit, noch mehr zu tun, keine Ausbeutung, kein Übermaß und keine Selbstkasteiung. Sondern eine positive Offenheit für die Möglichkeiten und ein dankbarer Umgang mit dem, was mir geschenkt ist.

Verstandene Vergebung kann man nur genießen!

Wenn ich diese Vergebung und das Anrecht, Kind Gottes zu sein, verstanden habe, kann ich entspannt mit der Welt und ihren Sorgen umgehen. Wenn meine Fehler vergeben sind, kann ich auch die Fehler von anderen Menschen vergeben. Und meine Vergebung an andere wird dann keine zähneknirschende Zwangstat sein, weil man das als Christ eben so tut, sondern eine Liebestat aus freiem, reinen, glücklichen Herzen.

Gerne denke ich mit dir weiter nach, ob es auch echte Vergebung ohne Genuss gibt und ob das dann gut oder schlecht ist. Aber wenn man tatsächlich verstanden hat, was Vergebung bedeutet, glaube ich, dass der Genuss der daraus folgenden Freiheit die automatische Folge davon ist. Und damit ist Genuss das Bindeglied zwischen dem Empfangen von Vergebung und der Weitergabe von Vergebung. Und weil mir das so wichtig ist, bleibe ich bei der Formulierung:

„Nur wer genießt, kann vergeben.“

Was hat Tanzen mit Theologie zu tun?

Was hat Tanzen mit Theologie zu tun? Viel!

Im europäischen Gesellschaftstanz schweben Mann und Frau gemeinsam übers Parkett. Die Führende Person (meist Herr) animiert die Geführte (meist Dame) durch gekonnte Impulse zu atemberaubenden Drehungen. Im Rock’n’Roll katapultieren sich die Partner sogar gegen die Erdanziehungskraft in luftigen Höhen.  Und selbst beim Freien und flexiblen Disco-Tanz gibt meist eine Person Bewegungen vor, auf die andere reagieren und sich gegenseitig abstimmen. Führen und geführt werden ist ein elementarer Bestandteil des Tanzens (komplett egozentrisch freier Tanz mal ausgenommen).

führenWenn ich (z.B. bei einer Tanz-Freizeit) über Führung nachdenke, merke ich, dass ich mein Gottesbild sehr gut in diesem Miteinander von Mann und Frau wiederfinde. Der Mann hat eine Raumorientierung, hört den Rhythmus und leitet seine Tanzpartnerin zu Bewegungen an, die zum vorhandenen Raum, der Musik und der Gesamtsituation passen. Die Frau ist also in dem Bild der Mensch. Sie wird nicht versklavt, nicht darauf festgelegt bestimmte Bewegung zu machen, aber wird durch sensible Impulse, Vorgaben und eine – mal stärkere mal schwächere – Leitung in Bahnen gelenkt, die für sie und die Gemeinschaft am Besten sind. Innerhalb dieses Rahmens kann sie sich frei entfalten, kann einen eigenen Stil entwickeln und den Tanz durch ihren Charakter individuell prägen. Aber sie tut gut daran, sich auf die Führung einzulassen und dem Führenden zu vertrauen.
Wenn man den Mann beim Tanzen mit Gott vergleicht, wird klar, dass Gott nicht im luftleeren Raum nach Gutdünken handelt, sondern dass auch er in einen Kontext eingebunden ist. Er überblickt, wo Platz ist, welche Bewegugnen auf die Musik passen und was er jetzt einleiten kann, um gleich eine passende Bewegung zu machen. Dabei kennt er Vorlieben und Möglichkeiten der Tanzpartnerin und versucht, sie gut dastehen zu lassen. Denn ein Tanzpartner, der sich nur selber verwirklicht und seine Partnerin blamiert, ist kein guter Tänzer. Wer aber (als Frau) spektakuläre Figuren tanzen möchte, wird schnell merken, dass man sich dafür einem Menschen anvertrauen muss. Nur so kann man schön Drehen oder sogar akrobatisch durch die Luft fliegen. Ohne Vertrauen in den Partner geht das nicht. Ebenso erlebt man auch im Glauben die besonderen Dinge nur, wenn man sich Gott anvertraut und ihn führen lässt.

beziehungTanzen ist ein Sinnbild für die Beziehung zwischen Gott und Mensch. Dass Tanzen dazu auch noch therapeutischen (Körpererfahrung, Gemeinschaft & Abgrenzung) und gesundheitlichen Wert (Muskelaufbau, Gelenkigkeit, Koordination, Gehirntraining) hat, macht es umso wertvoller. Gerade im Alter wird es ärztlich empfohlen und wer frühzeitig grundlegende Schritte und Bewegungen lernt, kann später darauf zurückgreifen.

kommunikationNicht umsonst ist der Tanz eine sehr frühe Form menschlicher Kommunikation. Biblische Belege zeigen, dass er als Ausdruck von Freude und Dankbarkeit im Volk Israel fest verankert war und auch in Jesu Gleichnissen wird gefeiert und getanzt, wenn man sich freut (z.B. Ex 15,20, 2.Sam 6,16, Lk 15,25). Eine positive Theologie wird den Lebensgenuss immer über die Abstinenz stellen. Natürlich ist ein zeitweiser Verzicht als bewusste Körperübung oder Fokussierung nicht verkehrt, aber als ganzheitlich gesundes Konzept gehören Freude und körperlicher Ausdruck zusammen. Denn wenn wir Emotionen in Bewegung umsetzen, können wir uns tiefer und ehrlicher ausdrücken als bei rein innerlicher Freude.

Meine Erfahrungen in den letzten 22 Jahren sind, dass Menschen durch den Tanz positiv geprägt werden, Traumata überwinden können, sich körperlich positiv entwickeln, ein sicheres Auftreten und positives Selbstwertgefühl entwickeln und insgesamt eine ausgeglichenere Persönlichkeit werden. Nicht  jedem liegt dabei das gleiche und es gibt durchaus auch Menschen, die zumindest dem standardisierten Paartanz den Rücken kehren, weil er ihnen mehr Probleme bereitet als er löst. Das ist OK. Für viele andere werden Beziehungen tiefer und harmonischer, berufliche Stresssituationen leichter zu ertragen und die Gottesbeziehung entspannter, weil man auch zu Fehlern und Unperfektheit stehen kann.

tanz-freizeitTheologisch gesehen ist Tanzen also sinnvoll und wertvoll für den einzelnen und die Gemeinschaft. Ob und welche Form für jemanden individuell passend ist, kann sich unterscheiden. Wer möchte, dem zeige ich erste Grundschritte in angenehmer Atmosphäre, um mal ganz stressfrei reinzuschnuppern:
Im Mai 2015 in Rotenburg (Fulda), im Oktober in Altenkirchen (Westerwald), im Februar und November im KnüllHouse (Neukirchen). Außerdem regelmäßig im Marburger Unisport und bei Lehrgängen in Rostock und Marburg. Mehr Infos: www.tanz-freizeit.de

Fairphone

„Ich hab ein neues Handy“

ist immer mal wieder zu hören. Der Akku war kaputt, das Display zerkratzt, der Prozessor zu langsam oder es hatte einfach nicht alle Funktionen, die ein Telefon heutzutage haben muss. Also wird das alte ausgesondert und ein neues muss her.
Reparieren lohnt meist nicht, Teile austauschen ist teurer und meist auch vom Hersteller nicht gewollt.

„Ich hab ein neues Fairphone.“

fairphoneEin aktuelles Smartphone (obere Mittelklasse würde ich sagen), das konzeptionell auf Fairness ausgelegt ist. Die Materialien und Arbeiter werden zu fairen Bedingungen eingekauft. Die Produktionskette ist weitestgehend transparent. Und wenn mal was defekt ist, kann der Nutzer nahezu alles selber austauschen und bekommt Ersatzteile dazu zum Selbstkostenpreis. Das Fairphone soll also repariert werden statt es wegzuwerfen.

So hab ich ein gutem Gewissen und ein gutes Smartphone. Das eigene FairphoneOS basiert auf Android 4.2, ist aber von Anfang an gerootet, lässt mich also alle Apps installieren. Ob ich z.B. die typischen GoogleApps (Mail, Maps, Drive, …) nutzen will oder lieber freie OpenSource-Software installiere kann ich selber entscheiden. So ist jedes Fairphone nach kurzer Zeit individuell.

„Ich lebe (weitestgehend) googlefrei!“

Ich habe mich entschieden, soweit es geht auf Google-Dienste zu verzichten und bin damit bisher recht zufrieden. Ein Freund sagte zwar mal „Google hat eh irgendwoher meine Daten, dann kann ich auch deren Dienste nutzen“, aber ich möchte zumindest nicht aktiv dazu beitragen, einem weltweit tätigen Monopolisten mit undurchsichtigen Strukturen und unglaublicher Marktmacht noch mächtiger zu machen. Klar suche ich auch ab und zu mit Google oder plane mal eine Reise mit maps. Aber einer App erlauben, mein Adressbuch und meine Nachrichten zu lesen und mit ihrem Server abzugleichen finde ich aus Datenschutzgründen schwierig. Das wäre bei Microsoft und Apple nicht anders. Freien Initiativen mit offenem Quellcode vertraue ich tendentiell mehr. Aber auch da denke ich weiterhin aktiv nach, was ich einer App erlaube und was nicht.

„Ich installiere bewusst!“

Meine erste App war daher auch „xprivacy“ eine Art Firewall, die jeden unnötigen Systemzugriff einer App sperren kann. Und es ist erschreckend, wie viele Apps Sachen machen wollen, die sie überhaupt nicht brauchen. Klar, wer kostenlose Software zur Verfügung stellt, muss irgendwie Geld verdienen, aber dann soll man das auch transparent sagen… Und ein heruntergeladenes Spiel muss normalerweise weder Kontakte noch Telefonfunktionen nutzen oder auf das Internet zugreifen. Ich setze im Zweifel lieber enge Richtlinien und lockere sie nachträglich, wenn etwas nicht funktioniert. Mit dieser Gatekeeper-Strategie fühle ich mich zumindest einigermaßen als Hausherr auf meinem Telefon.

„Was dich auch interessieren könnte…“

Ich will hier nicht jede App auflisten, aber ein paar Tips, was für andere interessant sein könnte:

  • F-Droid ist ein App-Store für „freie OpenSource Software“ (FOSS). Ähnlich wie beim Google Play Store kann man hier Apps suchen und installieren. Für die meisten Sachen, die ich suche, gibt es freie Software, die ich dann auch gerne installiere.
    Google-Play hab ich bewusst nicht installiert. Falls ich doch mal eine App aus dem PlayStore brauche, nutze ich den apk-Downloader (nicht von den Werbeeinblendungen verwirren lassen), um am PC die Installationsdateien runterzuladen.
  • Firefox ist der freie OpenSource-Browser, den ich auch am PC nutze und bei dem ich mit sync Lesezeichen u.ä. synchron halten kann.
  • K-9-Mail ist ein (sicheres) Email-Programm, mit dem ich meine imap-Mails auch auf dem Handy bearbeiten kann.
  • aCalendar ist eine schönere Kalender-Ansicht, leider kein eigenständiger Kalender, aber dennoch eine lohnenswerte Installation. Synchronisierbar mit meinem PC via owncloud (oder MyPhone Explorer)
  • owncloud ein dropbox-artiger Fileserver, der lokale Daten von meiner Festplatte sowie Adressen und Termine (aus Thunderbird via CalDAV-Sync und CardDAV-Snc) synchronisiert. So hab ich alle Daten dabei und online gespiegelt.
  • Kingsoft WPS Office kann doc/ppt/pdf/xls und anderes lesen und bearbeiten. Schönes kostenloses Paket.
  • SwiftKey ist eine Tastatur mit Gestensteuerung. Klar, keine FOSS, aber deutlich komfortabler als die Standardeingabe von Android. Schön finde ich, dass die Tastatur schnell lernt und kleine Ungenauigkeiten erkennt und korrigiert. Die Online-Cloud hab ich allerdings deaktiviert und erlaube der App nicht zu viel, da ein Keyboard sicherheitstechnisch  die Schwachstelle jedes Systems ist.
  • Twidere ist ein freies Twitter Tool mit dem ich auf die Schnelle Tweets lesen und posten kann (z.B. das was du rechts in der Seitenleiste siehst).
  • Threema ist ein sicherer Messenger ähnlich wie WhattsApp. Die Server stehen in der Schweiz und für knapp 2 EUR kauft man europäisches Datenschutzrecht und End-zu-End-Verschlüsselung. Den Lizenzcode kaufe ich via Website, weil ich ja den PlayStore meiden will.
  • Für andere News, Blogs und Podcasts nutze ich den Simple RSS Feedreader.
  • Für Audio und Video den freien VLC Medienplayer.
  • OsmAnd~ bietet freies weltweites Kartenmaterial und brauchbare Navigation (wenn man sich an ein paar Eigenarten gewöhnt hat) basierend auf OpenStreetMaps.
  • And Bible ist eine freie Bibelsoftware, die lizenzfreie (also meist etwas ältere) internationale Bibelübersetzungen, Karten und Kommentare als Moduldatenbank anbietet.
    Für aktuelle Übersetzungen sind freilich die Onlinedienste bibelserver.de und bibelwissenschaft.de auch auf dem Smartphone sinnvoll nutzbar.

Weitere Dienste (wie Facebook, dict.leo.org oder bahn.de) nutze ich bewusst im Browser, weil ich es unnötig finde, dafür eine App zu installieren.

Sicherlich bin ich noch nicht am Ende und lerne gerne mehr Apps kennen oder vertiefe meine Überlegungen, was man sinnvoll installieren kann und sollte und was nicht. Prinzipiell hab ich übrigens garnichts dagegen, für gute Software auch ein paar Euro auszugeben. Allerdings ist das Bezahlmodell via Playstore für mich momentan nicht handlebar, also wären InApp-Spendenmöglichkeiten oder AddOns mir deutlich lieber.

Können und sollen jetzt alle Firmen, Projekte und Gemeinden eigene Apps erstellen? Oder ist es sinnvoller, mobiltaugliche Webseiten zu entwickeln, die mit responsive Webdesign erkennen, wie groß der Bildschirm ist und automatisch sinnvolle Infos für diese Größe anzeigen? Zumindest ist es sinnvoll für jede Organisation, die Menschen begegnen möchte, das auch auf dem Smartphone zu tun.

Welche Apps nutzt du? Wie bewusst und nachhaltig kann mobile Kommunikation sein? Bedarf an Schulung oder Infos zum Thema?

Ich freu mich auf dein Feedback! Via facebook, mail, twitter, threema oder auch persönlich, wenn wir uns mal treffen 🙂

Projekte zwischen Wissenschaft, Kirche und Medienwelt