Alle Beiträge von Karsten Kopjar

Wie immersiv schaust du Serien?

Früher war es ja normal, dass im Fernsehen eine Folge pro Woche zur fixen Zeit ausgestrahlt wird. Das plant man ein, schaltet schon ein paar Minuten früher ein bzw. wenn man es versäumt, muss man sich erzählen lassen, was man verpasst hat. Mein Input richtet sich nach dem Angebot. Mittlerweile ist es durch Netflix, Mediatheken und Co üblich geworden, dass man unabhängig vom linearen Programm ganze Staffeln am Stück „binge“ sehen kann. Und die Folgen Rahmen an Anfang und Ende werden dabei immersiver, also fesselnder, spannungsreicher, die Cliffhanger machen es sehr schwer, nach einer Folge abzuschalten und Teaser vor dem Vorspann nehmen direkt gefangen. Ich erinnere mich, wie ich nachts um 1 mit Freunden unbedingt noch eine Folge „Westworld“ schauen musste, weil es unmöglich schien, so schlafen zu gehen und es um 2 nach der nächsten Folge genauso war. Selbst bei den internen Staffelfinalen von „The Expanse“ oder „Dark“ ist es nicht einfach, abzuschalten Die Serie will mit ungelösten Fragen in deinem Kopf bleiben. Für das Franchise sicher gut, für das Wohlbefinden der Zuschauer oft nicht leicht.

Die zweite Staffel „Upload“ habe ich an einem Abend durchgesehen. So wie ein langer Film mit kurzen Pinkelpausen alle 40 Minuten. Hinterher wirkt das Thema noch ein paar Tage nach und prägt meinen Alltag. Ich verbringe den Abend, das Wochenende oder eine Periode meines Lebens mit diesen Charakteren und ihren Fragen. Ich erlaube den Produzenten, meine Realität, mein Denken, meine Weltwahrnehmung zu prägen. Je immersiver eine Serie ist, desto wichtiger ist es, dass die Thematik zu meiner Lebenssituation passt. Nach einer Trennung konnte ich mit Sheriff Carter in „Eureka“ mitfiebern und als Jungakademiker hat „The Big Bang Theory“ viele meiner Lebensfragen behandelt. Als Medienwissenschaftler schaue ich gerne auch innovative deutsche Serien (wie die „Ku’damm“ Trilogie , „Tatortreiniger“, „Ijon Tichy“ oder „Liebe.Jetzt!“ ) oder lasse mich auf fremde Blickwinkel auf die Realität ein wie bei „Ich dich auch“ oder „Nix festes“. So lerne ich, mich selbst zu hinterfragen und zu überlegen, wo ich in der Story stehen würde. Bei „Bridgerton“ und „Game of Thrones“ kann ich Machart und Atmosphäre mitfühlen, habe mich aber gegen das aufsaugen entschieden, weil die Themen nicht zu meinem Leben gepasst haben. Da muss jeder auf die eigene Seele und Zeit achten und ehrlich entscheiden. „Squid Game“ war zum Beispiel nicht mein Stil, hat mich aber ethisch im letzten Drittel überrascht. „Mr. Robot“ hingegen hat mich in der zweiten Staffel verloren, weil ich versucht habe, eine Folge pro Woche zu sehen. Ganz oder gar nicht scheint für mich also zu passen.

Den sogenannten Belohnungsaufschub, wenn man Bedürfnisbefriedigung bewusst aufschiebt kann ich nicht so gut. Interessant ist daher, dass Amazon oder Sky bei einigen Serien bewusst nur eine neue Folge pro Woche als Premiere veröffentlichen. Gerade schaue ich „Star Trek: Picard“ und versuche, die Anspannung bis zum nächsten Wochenende auszuhalten. Das fällt beim Ausschalten nicht leicht. Aber ich beobachte, dass ich dann manchmal sogar 2 oder 3 Wochen warte (wenn am Wochenende anderes anliegt), um gleich mehrere Folgen am Stück sehen zu können. Ich lasse mich also fangen, entkomme der Immersion, um mich dann wieder ganz zu ergeben. Ob das gesund ist, will ich nicht bewerten. Aber es ist mein Lernweg zwischen Sucht und Selbstbestimmung. „Star Trek: Discovery“ auf Pluto mit festem Sendeplan habe ich abgebrochen (obwohl die Storyline und Einzelthemen mich ansprechen). Aber meinen Tagesablauf nach dem Sendeplan richten, war eine zu große Hürde und als ich um Weihnachten 2 Folgen verpasst hatte (es gibt bei pluto keine Mediathek Funktion) war ich raus.

Das ist jetzt eine persönliche Beobachtung, die nicht auf alle zutreffen muss, aber ich glaube, dass die Zeit des linearen TV vorbei ist, Menschen sich aber immer noch nach Gleichzeitigkeit von Erfahrungen sehnen und Mediatheken mit Premiereterminen dieses Dilemma treffend ansprechen.

Reale Virtualität

„Ist etwas real oder nur virtuell?“ fragen Menschen immer wieder. Oder sie stellen virtuelle Onlinetreffen als defizitär neben „reale“ Treffen, bei denen man sich „wirklich“ begegnet. Ich kann verstehen, was Menschen damit aussagen wollen, möchte aber eine Lanze dafür brechen, gleichberechtigt von „physischer und virtueller Realität“ zu sprechen, um nicht vorzuverurteilen, sondern je nach Kontext und Bedürfnisen verschiedene Realitätsebenen weise nutzen zu können.

Auslöser für diesen Artikel ist ein Podcast von Johannes Hartl zum Thema „Keine Angst – trotz Corona und Metaverse„. Ich möchte ausdrücklich erwähnen, dass ich den Vortrag großartig finde, weil er in besonnener Form gesellschaftliche Entwicklungen zur Aufmerksamkeitsökonomie darstellt und zur Eigenverantwortung bei der Nutzung digitaler Dienste aufruft. Also absolute Seh- bzw. Hörempfehlung. Aber auf dem Weg zu einer Hochachtung der physischen Begegnung greift Johannes Hartl zu einem üblichen Trick (oder ist es Unachtsamkeit?), dass er das körperliche als einzig ernsthafte Realität darstellt (etwa bei Minute 33). Und gerade, weil ich ihm in vielem anderen zustimmen kann, möchte ich an der Stelle sensibilisieren, warum wir einen offeneren Realitätsbegriff brauchen.

Was ist real? Natürlich ist Materielles real. Schau dir deine Hand an, die Finger, die du bewegen kannst sind real. Aber auch das Buch auf dem Schreibtisch ist real. Das Bild an der Wand ist real.
Aber was ist mit dem Buch, das du als ebook oder Hörbuch-Download liest? Es ist nicht materiell, aber der inhalt prägt dich genauso real. Das digitale Urlaubsfoto erinnert dich ganz real an den schönen Familienurlaub, auch wenn es nicht physisch an der Wand hängt, sondern dein Smartphone schmückt.

Und jetzt denk mal an deine Großmutter (oder jemanden, der dir wichtig war, aber nicht mehr lebt). Diese Person ist nicht mehr körperlich vorhanden, aber hört sie damit auf, real zu sein?
Als Erinnerung prägt sie weiterhin dein Leben. Erinnerungen bleiben und beim Austausch über vergangene Zeiten spüren wir emotionale Verbundenheit, wenn wir über gemeinsame Familienereignisse oder Jugendfreunde reden. Und das überlieferte Gulaschrezept meiner Oma beeinflusst bis heute, wie ich koche und somit auch das physische Leben von mir und meinen Freunden. So bleiben immaterielle Dinge in unserem Kopf, Fotos, Videos oder aufgeschriebenen Texten durchaus real.

Oder ganz konkret: Denk an einen roten Apfel. Stell dir vor, wie er ausschaut, wie er riecht, dreh ihn in deinem Kopf und betrachte ihn von allen Seiten. Beiß rein und stell dir vor, wie er schmeckt. Jetzt hast du in deinem Kopf eine recht genaue Vorstellung von deinem virtuellen Apfel, ohne dass er materiell existent wäre. Wenn du mir dann von deinem Apfel erzählst (oder es aufschreibst), kann ich mir deinen Apfel auch vorstellen. Vielleicht nicht exakt so, wie in deinem Kopf, aber ich bekomme eine Ahnung davon. Und wenn ich dir von meinem Apfel erzähle und jemand drittes noch von einer Orange, Birne, Banane, können wir uns gegenseitig austauschen und einen wunderbaren virtuellen Obstsalat daraus machen. Und wer künstlerisch begabt ist, kann diesen vielleicht sogar malen und durch dieses Bild anderen Lust auf Obstsalat machen. Natürlich kann der virtuelle Obstsalat nicht satt machen, aber er verändert unsere Realität, weil wir vielleicht Lust auf Obstsalat bekommen und uns gesund ernähren. Und wer sich in einem Onlineforum über Obstsalat austauscht, prägt damit mitunter auch die physische Realität von Menschen, die man nie getroffen hat und nicht persönlich kennt.

Wir Menschen sind Wesen mit Körper, Geist und Seele. Wenn ich also Luft, Wasser, Nahrung aufnehme, dann versorge ich damit den physischen Teil meiner Existenz. Genauso sollte ich meinen intellekt mit guten, wahren und schönen Informationen, Geschichten und Ideen füttern und meine spirituelle Seite mit geistlichen Begegnungen bereichern. Die geistige und geistliche Ebene sind dabei genauso realer Bestandteil unseres Seins wie die körperliche, nur eben nicht materiell. Gottesbegegnungen, Intellektuelle und Herzensbegegnungen sind mitunter sogar relevanter als nur den Leib am Leben zu halten. Und ohne virtuelle Telekommunikation würdet ihr diesen Artikel auch gar nicht lesen, weil wir uns vermutlich gerade nicht physisch begegnen. Wenn wir also über die Unterschiede zwischen den Realitätsformen reden, sollten wir diese drei Ebenen in ihrer jeweiligen Funktion und Begrenzung ernst nehmen und nicht vorschnell eine der drei Realitäten zur alleinigen Norm erheben. Und dann lasst uns gemeinsam an einer Zukunft arbeiten in der wir möglichst frei und selbstbestimmt miteinander Leben teilen und ganzheitlich kommunizieren.

BTW: Wer sich für das Thema aus wissenschaftlicher Sicht interessiert, findet in meiner Diss (von 2013) theologische und kommunikationstheoretische Grundlagen zur Frage nach realer Virtualität: “ Kommunikation des Evangeliums für die Web-2.0-Generation : virtuelle Realität als reale Virtualität“

Über sehen

Momentan wird ja viel darüber geredet, was wir sehen:
Sollen Kinder und Jugendliche echte Kriegsbilder sehen? Ist es gefährlich, junge Menschen auf TikTok und Instagram ungefiltert alles ansehen zu lassen? Schadet zu viel Digitalkonsum den Augen?

In dem Zusammenhang ist mir eine Unterscheidung zwischen drei Arten des optischen Wahrnehmens begegnet, die man anhand der englischen Entsprechungen erklären kann:

to see
Etwas unbeteiligt wahrnehmen. Sehen tun wir permanent, das meiste wird schon weggefiltert, bevor es unser Großhirn überhaupt erreicht. Aber spannend ist schon, was in unser Blickfeld kommt. In welcher Umgebung halten wir uns auf? Die schneebedeckte Bergkuppe bietet ein anderes Panorama als das abgedunkelte Kellerbüro. In der Innenstadt nehmen die Augen viel mehr Reize auf als auf dem freien Feld, dafür ist die Weitsicht sehr eingeschränkt. Du bestimmst (meist), in welcher Umgebung du dich aufhältst und was deien Augen sehen.

to look at
Etwas bewusst anschauen und wahrnehmen. Wenn ich durch die Stadt laufe sehe ich so einiges, ohne es wirklich wahrzunehmen. Entscheide ich mich, das steitende Pärchen am Straßenrand wahrzusehen? Sehe ich den Obdachlosen am Straßenrand an oder registriere ich ihn nur aus dem Augenwinkel? Was bekommt meinen Fokus? Schaust du der attraktiven Frau hinterher oder siehst du die alleinerziehende Mutter, die Hilfe an der Straßenbahn braucht? Da, wo wir sind, setzen wir aktiv Filter, was wir wahrnehmen wollen.

to watch
Etwas mit emotionaler Verbundenheit oder bewusstem Interesse verarbeiten. Wenn du im Café sitzt, schaust du den Kindern am Spielplatz zu, wie sie spielen? Den Menschen, die gemeinsam shoppen? Dem Eichhörnchen am Strauch vor dem Fenster? Oder den Studierenden am Nachbartisch? Das Leben um uns herum erzählt Geschichten. Oft bin ich in meiner eigenen Welt gefangen und nehme nichts wirklich wahr, aber wenn ich mich darauf einlasse, bin ich oft begeistert (oder erschüttert), welche Dramen sich direkt um mich herum abspielen. Und diese tiefe Wahrnehmung kann mich zu einem dankbaren oder Fürbitte-Gebet motivieren. Das, was ich optisch an mein Herz lasse, kann ich mit Gott teilen.

Mit dem Herzen sehen
Was lassen wir an unser Herz?
Wovon lassen wir uns prägen?
Wo schaltest du bewusst ab, um dein Herz zu schützen?
Wovon lässt du dein Herz für die Not anderer erweichen?
Was tut gut und erbaut? Was manipuliert und belastet?
Gut, dass wir eigenständig entscheiden können, was wir in welcher Intensität sehen!

übersehen
Und noch eine Beobachtung: Wenn ich zu viel herausfiltere, kann ich auch wichtige Dinge übersehen. Eine rote Ampel, weil ich in Gedanken war. Anzeichen, dass es einem Freund nicht gut geht, weil ich nicht wirklich zugehört habe. Potentiell negative Folgen einer langfristigen Entscheidung, weil ich sie nicht genau durchdacht habe. Es hilft, präsent zu sein und sich bewusst zu machen, wo ich gerade bin und was meine Aufmerksamkeit hat. Denn am Ende ist es das Bedürfnis eines jeden Menschen, gesehen zu werden. Und wenn wir anfangen uns gegenseitig wirklich wahrzunehmen schaffen wir Herzensgemeinschaft und werden auch selber gesehen!

If the thrill is gone, than it’s time to take it back

Der Rocktitan Meat Loaf war einer der bedeutendsten Musiker des letzten Jahrhunderts und hat seit den 1970er Jahren über 100 Millionen Tonträger seiner theatralisch opulenten Rockmusik verkauft. Als letzte Woche seine Todesnachricht durch die Nachrichten ging, habe ich bewusst nochmal das Best-of-Album durchgehört. Faszinierende Musik, die mit lauten Drums, elektrischen Gitarren und einer wuchtigen Stimme Emotionen hervorruft. Zwischen verschiedenen Emotionen kann man sich zu dieser Musik in Extase tanzen und auf angenehme Weise abreagieren. Denn bei Meat Loaf kann man (zumindest ich) nicht ruhig sitzen bleiben.

Als verspätete Homage an den Rocksänger Meat Loaf († 20.1.2022) und musiktherapeutische Analyse meiner Lebens-Situation habe ich mich intensiver mit dem Titel „Everything louder than everything else“ (Album: Bat out of Hell 2, 1993) beschäftigt. Ich empfehle, es beim Weiterlesen im Hintergrund laufen zu lassen.

Es ist ein Lied, das nicht nur musikalisch aktiviert, sondern auch inhaltlich spannende Akzente für ein selbstbestimmtes Leben in einer oft monotonen Welt setzt. Ein wenig wie Julia Engelmann (One day, baby) für Rock’n’Roller…
Meat Loaf (bzw der Produzent Jim Steinmann, der für ihn den Song geschrieben hat) tritt in den acht Minuten Power-Rock in einen Diskurs zwischen Effektivität und Lebenslust. Ich werde mir anhand der Textzeilen die Frage stellen, wie ich in meinen Vierzigern (Meat Loaf war bei der Aufnahme 46) meinen Platz zwischen der unbeschwerten Jugend und dem weisen Alter finde.

Wasted Youth!

Mit dem vorgeschalteten Sprechchor „Wasted Youth“, der später noch öfters ertönt, greift Meat Loaf die vielgeäußerte Kritik der etablierten Gesellschaft an jungen Menschen auf, sie würden ihre Jugend verschwenden mit Partys, Festivals oder anderen unproduktiven Dingen. Ich mag es nicht, den negativ konnotierten Begriff der Ankläger zu verwenden, würde lieber von „zwangloser Jugend“ reden, was auch später besser passt als von etwas verschwendetem zu sprechen. Gleichwohl ist es für die dramaturgische Spannung des Liedes wichtig, gleich zu Beginn die anklagenden Stimmen der gesellschaftlichen Vernunft wahrzunehmen gegen die der Rocksong rebelliert.

I know that I will never be politically correct
And I don’t give a damn about my lack of ettiquette
As far as I’m concerned the world could still be flat
And if the thrill is gone then it’s time to take it back

In unserer Gesellschaft wollen wir es oft allen recht machen, nicht anecken, achten auf Etiquette und politische Korrektheit. So sehr ich diesen Anspruch der inklusiven und nicht diskriminierenden Kommunikation im Umgang mit Minderheiten mag, wird daraus manchmal ein lähmendes Korsett, das Kreativität und Leidenschaft ausbremst. Wo haben wir die Leidenschaft verloren, weil wir zu vielen Regeln gefolgt sind?

Who am I? Why am I here?
Forget the questions someone get me another beer
What’s the meaning of life? What’s the meaning of it all?
You gotta learn to dance before you learn to crawl.

Gerade als Theologe beschäftige ich mich oft mit den großen Fragen. Wer bin ich? Warum bin ich hier? Warum sind Dinge wie sie sind oder wie könnte es anders sein? Diese Fragen haben ihren Wert, aber manchmal muss man einfach mal ein Bier zusammen trinken. Ich teile die Erfahrung, dass man nach einem Glas Bier (oder Wein etc) mitunter offener redet und die wirklich wichtigen Themen auf den Tisch kommen. Wichtig ist also nicht der Pegel, sondern ab und zu entspannt das Leben zu genießen, offen zu reden und zu Tanzen. Tanzen lernen, bevor man elanlos herumkrabbelt, um es allen recht zu machen.

So sign up, all you raw recruits
Throw away those designer suits
You got your weapons cocked, your targets in your sights
There’s a party raging, somewhere in the world
You gotta serve your country, gotta service your girl
You’re all enlisted in the army of the night

Jedes Jahr starten junge Berufseinsteiger voller Elan ins Leben und versauern als Anzugträger in sterilen Büros ohne wirklich zu leben. Irgendwas ist immer los, manchmal bringt man sich gesellschaftlich ein, manchmal kümmert man sich um Partnerschaft oder Familie und manchmal gehört uns die Nacht, wenn wir den inneren Rockstar wach halten. Rollen prägen uns, und wir müssen entscheiden, was unseren Charakter langfristig prägen darf!

And I ain’t in it for the power
And I ain’t in it for my health
I ain’t in it for the glory of anything at all
And I sure ain’t in it for the wealth
But I’m in it til‘ it’s over and I just can’t stop
If you want to get it done, you have to do it yourself

Jetzt wird es doch wieder philosophisch: Warum leben wir eigentlich? Ich bin nicht hier, um Macht zu haben, um lediglich gesund zu bleiben, um irgendeinem System zu huldigen oder reich zu werden, sondern ich koste jeden Moment meines Lebens aus, singt er. Warte nicht auf andere, sondern mach, was für dich dran ist.
Ich würde gerne ergänzen, dass man in sozialen Systemen nicht nur für sich selbst Verantwortung trägt. Aber wenn dieser Gedanke zu stark wird, höre ich: Du musst mit dir selbst leben können – bis zum Schluss. Also sorge dafür, dass bei aller Fürsorge deine Bedürfnisse nicht zu kurz kommen!

And I like my music like I like my life:
Everything louder than everything else

Damit sind wir bei der ersten Kernbotschaft angekommen, die über 30x wiederholt werden wird. Was ich tue, sage, denke, lebe soll lauter sein als das, was mir von außen entgegenschreit, mich klein halten oder kompatibel machen will. Der laute Rocksong setzt perfekt um, was Meat Loaf singt, schreit, fühlt. Ich möchte gehört werden und sein dürfen, wie ich bin! Kontrastiert wird dieser Ruf im Lied immer wieder durch die Kritik der „Wasted youth!“ gegen die er beharrlich ansingt.

They got a file on me that’s a mile long
And they say that they’ve got all of the proof
That I’m just another case of arrested development
I’m just another wasted youth

Wie in einer Polizeiakte haben „sie“ eine kilometerlange Beweisliste: entwicklungsgestört, Jugend verschwendet. Nicht büffeln für das perfekte Abi, den lückenlosen Lebenslauf oder das zuträglichere Praktikum, sondern ein Road-Trip oder Festival-Sommer? Einige nennen das „Vergeudete Jugend“ andere genau das richtige, solange man jung ist?…
Was zählt im Leben wirklich und von wem lässt du dir sagen, wie du leben sollst?

They say that I’m in need of some radical discipline
They say I gotta face the truth
That I’m just another case of arrested development
I’m just another wasted youth

Zugegeben, manchmal tut auch etwas Disziplin gut! Eine angefangene Ausbildung abschließen, auch wenn es nervig wird. Zu einer Beziehung stehen, auch wenn das Arbeit bedeutet. Sich auf einen festen Job einlassen statt von Tag zu Tag zu leben, hat etwas für sich. Aber es hat auch seine Grenzen, immer nur für das höhere Ziel zu ackern statt zu leben.

They say I’m wild and I’m reckless
I should be acting my age
I’m an impressionable child In a tumultuous world
And they say I’m at a difficult stage

Das Partyleben mit 20 wird ja oft toleriert, aber wenn man mit 40 noch auf Studentenpartys geht und das Leben genießt, wird das Verständnis kleiner. Man müsste doch langsam erwachsen werden. Und ja, die Prioritäten haben sich bei mir in den letzten 20 Jahren verschoben. Aber wer definiert eigentlich, was in welchem Alter „normal“ ist? Klar, wenn ein Paar Kinder bekommt, hat man danach 20 Jahre lang ein vorgezeichnetes Leben mit frühem Morgen, Urlaub in den Schulferien und Ausflügen am Wochenende. Lange Kneipenabende, wilde Tanzpartys oder Exzesse passen da nur bedingt. Man darf auch erwachsen werden. Aber wenn man mit 42 keine Kinder hat? Soll man dann leben als hätte man welche, nur weil man älter ist? Oder muss man dann mit den jungen Wilden feiern gehen (falls die trotz Bolognaprozess noch Zeit zum Feiern finden) und zumindest mental jung bleiben? Manchmal habe ich das Gefühl, in einem „komplizierten Alter“ zu sein…

But it seems to me to the contrary
Of all the crap they’re gonna put on the page
That a wasted youth is better by far
Then a wise and productive old age

Auf der anderen Seite schreit mir Meat Loaf sein Credo entgegen. Statt auf den Bericht zu schauen, was alles nicht zu passen scheint, ist in Anlehnung an den biblischen Prediger eine „zwanglose Jugend“ viel mehr wert als ein weises und produktives Alter. Produktiv sein kann ich gut, weise Gedanken machen mich aus, aber schaffe ich es, mir dabei die zwanglose Jugend zu erhalten? Ich mag den schwarz-weiß-Kontrast an der Stelle nicht, eins gegen das andere auszuspielen.
Vielleicht kann man es so sehen: Manchmal muss man vernachlässigte Positionen besonders überbetonen, um sie gleichwertig werden zu lassen. Und je reifer wir werden desto mehr verdrängen wir oft die Lebensfreude. So kann dieses Mantra uns daran erinnern, in aller produktiven Altersweisheit nicht die scheinbar vergeudete Zwanglosigkeit eines unverplanten Lebens zu vergessen. Sie ist in der zweiten Lebenshälfte sicherlich nicht alles, was zählt, aber ich möchte sie mir gerne erhalten. Vielleicht als „wise and productive wasted time“?

If you want my views of history
Then there’s something you should know
The three men I admire most are Curly, Larry, Moe

Wenn man dich fragt, wer die bedeutendsten Menschen waren, wen würdest du nennen? Vielleicht Jesus oder berühmte Theologen, Naturwissenschaftler, Vorbilder, Dichter und Denker, Erfinder und Lenker. Oder eben drei Komiker (The Three Stooges waren Slapstick-Comideans, in den USA ähnlich berühmt wie Laurel und Hardy), die die Welt zum Lachen bringen.
Auch ich finde Loriot, Heinz Ehrhardt oder Monty Python bewundernswert. Wir sollten uns mit Menschen umgeben, die uns zum Lachen bringen.

Don’t worry about the future. Sooner or later it’s the past

Zum Ende des Textkorpus wird es nochmal biblisch: Macht euch keine Sorgen um die Zukunft, sondern vertraut und genießt das Leben. Amen! Wer sich nur um die Zukunft kümmert wird irgendwann merken, dass sie Vergangenheit geworden ist, ohne dass man die Gegenwart gelebt hat.

if they say the thrill is gone then it’s time to take it back …

Hier wäre ein typischer Radiosong (mit knapp 5min schon mit Überlänge) zu Ende. Meat Loaf aber nicht. Er wiederholt in leichter Abwandlung den Aufruf an die junge Elite, sich nicht vom System vereinnamen zu lassen, weil es nicht auf Geld, Macht und reines Überleben ankommt. Kämpfe für das, was dir wertvoll ist! Und lebe so laut, dass andere es mitbekommen, dass dein Leben andere dazu bringen kann, aus ihrem Alltagstrott rauszukommen und ihre eigene Leidenschaft wiederzuentdecken. Sei lauter als der Lärm dieser Welt. Sei länger als Statistiken für den perfekten Song ausrechnen und sei ein Unikat statt Massenware.

Ich will ein lautes Unikat sein und mein Leben so leben, dass es andere zum Nachdenken, zum Genießen und zum Lachen bringt. Ich freue mich, wenn das bereits gelingt und wo ich immer wieder mal den Fokus verliere freue ich mich, wenn mich gute Freunde oder Lieder wie dieses lautstark daran erinnern, mal wieder wild zu tanzen und dem inneren Rock’n’Roll treu zu bleiben!

Wake Up Neo – Ein Überblick über das Matrix-Universum

SPOILER-Alarm zu The Matrix, Matrix Reloaded, Matrix Revolutions, Animatrix und Matrix Resurrections je ein Absatz

The Matrix (1999)

Ist eigentlich real, was wir um uns herum wahrnehmen? Haben wir die freie Wahl? Oder träumen wir und uns wird nur eingeredet, dass wir selbstbestimmt aufstehen, zur Arbeit gehen und das Leben gestalten? Seit rund 20 Jahren stellen Filme im Matrix-Universum diese und ähnliche Fragen. Was ist der freie Wille? Gibt es eine Vorsehung? Müssen wir Kämpfen und Verhandeln oder reicht Vertrauen und Lieben aus? In den Filmen scheint eine gute Mischung aus allem der Königsweg zu sein. Dabei wurden immer wieder die christlichen Anklänge betont, buddistische Gedanken herangezogen, antike Mythen und moderne Ästhetik kombiniert. Neos Reise beginnt mit einer Entscheidung zwischen Traum und Wahrheit. Morpheus vertraut der Prophezeihung, Neo findet zu sich selbst und wird durch sein Opfer und die Liebe Trinitys zum Auserwählten. Doch damit beginnt seine Reise erst.

Matrix Reloaded (2003)

Im zweiten Film wird deutlich, dass schon bald Zion, die zentrale Zufluchtsstätte der Menschen, durch die Maschinen angegriffen wird und zerstört werden soll. Wieder bereitet man sich (in der physischen Welt) auf einen großen Krieg vor und versucht gleichzeitig (in der Matrix) eine friedliche Lösung zu finden. Menschliche Entscheidungen (für oder gegen eine Beziehung, einen Einsatz oder eine Befehlsverweigerung) prägen den Verlauf. Wir lernen Programme kennen, die sich im Untergrund der Matrix eine eigene Existenz aufgebaut haben, das System über Hintertüren nutzen und zu ihren Gunsten verändern können. Gleichzeitig erzählt der Architekt, dass alle Anomalien und Hoffnungen der Menschheit lediglich vom System toleriert werden, um die Illusion der Freiheit aufrecht zu halten. Laut ihm ist Neo nicht der Retter, sondern ein Werkzeug zur Systembereinigung. Alle seine Vorgänger hätten sich für das Wohl des Volkes entschieden, doch er entscheidet sich für die Liebe einer einzelnen Person.

Matrix Revolution (2003)

Im dritten Film findet schließlich der Angriff der Maschinen statt. Alle menschliche Gegenwehr ist machtlos. Zion scheint verloren. Wenn nicht gleichzeitig Neo seine mentalen Fähigkeiten auf ein neues Level heben und die Maschinen physisch angreifenen würde. Er hat in der Matrix gelernt, dass man festgelegte Abläufe unterwandern kann. Gleichzeitig steigert der ehemalige Agent Smith seine systemsprengende Identität analog zu Neos steigender Macht. Scheinbar hatte diese Entwicklung niemand vorhergesehen. So hat Neo eine Verhandlungsposition gegenüber den Maschinen: Er ist der einzige, der Smith stoppen kann, indem er sich selbst mal wieder opfert. Als Gegenleistung fordert er Freiheit und Frieden zwischen Menschen und Maschinen. Wie genau das aussehen soll, wird nur angedeutet und könnte in Matrix Ressourections 2021 gelüftet werden.

Animatrix (2003)

Zwischen Teil 2 und 3 wurde zusätzlich die „Animatrix“ als Anime-Kurzfilmsammlung veröffentlicht. Viele haben spekuliert, in welcher Reihenfolge man diese 9 Filme und die 3 Movies sehen sollte. Klassisch würde die Animatrix zwischen Teil 2 und 3 gehören. Dramaturgisch könnte sie auch schon zwischen Teil 1 und 2 passen und so die verbundenen Teile 2+3 nicht unnötig trennen. Vor Teil 1 sollte man sie nicht schauen, weil einige Clips die Vorgeschichte spoilern würden. Ich würde daher folgende Reihenfolge empfehlen (Counterstände der AmazonPrime-Version):

Sinnvolle Seh-Reihenfolge für Neueinsteiger im Matrixuniversum:

  • The Matrix (Film 1)
  • The second Renaissance Part 1 (Schöpfung der KI bis Verbannung der Roboter) 0.00
  • The second Renaissance Part 2 (Apokalyptischer Krieg zwischen Menschen und Maschinen)
  • A detective Story (In einer Film Noir Szenerie versucht Trinity einen Detektiv zu befreien) 57.10
  • Kid’s Story (Ein Schüler flieht vor Agenten, stirbt im Glauben an Neo, um sich selbst zu befreien) 34.36
  • Final Fight of the Osiris (Ein Hovercraft entdeckt an der Erdoberfläche das Heer der Maschinen und versucht im letzten Gefecht Zion zu warnen. Direkte Vorgeschichte zu Matrix 2) 1.23.00
  • Matrix Reloaded (Film 2)
  • ggf passen hier Computerspiele: „Enter the Matrix“ (zeigt die Inhalte von Reloaded aus anderen Perspektiven) und „Path of Neo“ (Von Thomas A. Anderson bis Reloaded).
  • Beyond (Ungewöhnliche Dinge geschehen im Spukhaus, bis es umprogrammiert wird) 56.12
  • World Record (Ein Sprinter gibt alles, um sich durch Überlastung aus der Simulation zu befreien) 26.00
  • Program (Diskussion über Wahrheit und Wiedereingliederung in einer asiatischen Kampf-Simulation) 18.40
  • Matrix Revolutions (Film 3)
  • Matriculated (Menschen fangen Maschinen, um sie zu konvertieren und für sich kämpfen zu lassen) 1.07.00
  • Matrix Resurrections (Film 4)

Matrix Resurrections (2021)

Aufgrund der Trailer zu Matrix Resourrections scheint es nicht um eine neue Realitäts-Erweiterung (die gezeigte zerstörten Erde ist auch nur eine Illusion) zu gehen, wie einige Szenen in M3 angedeutet hatten, sondern die nächste Verison der Matrix nach einem Reboot zu zeigen. Der Trailer zeigt, wie Neo und Trinity sich in einer Simulation begegnen, ahnen, dass sie sich kennen, aber sich nicht erkennen. Es könnte sein, dass der Film stilistisch an den erfolgreichen ersten Teil anschließt und inhaltlich den Reboot am Ende von M3 aufgreift, ohne die Handlung der gesammten Trilogie vorauszusetzen.

**ab hier Spoiler zu Matrix Resurrections!**

Der erste Eindruck des vierten Spielfilms ist durchaus positiv. Zwar irritert die erste halbe Stunde ein wenig, zeigt aber auch die Größe der Urheber, über sich selbst und das Franchise auf der Metaebene zu schmunzeln. Tatsächlich sehen wir Thomas Anderson, der als Programmierer in einer simulierten Realität arbeitet. Allerdings ist er Chefentwickler einer dreiteiligen Computerspielreihe, die dem Inhalt der ersten drei Matrixfilme entspricht. Er wurde also als nützlich in der Maschinenwelt wieder eingegliedert und sein Gedächtnis an die Ereignisse wird ihm als seine kreative Fantasie vorgeführt. Ein Psychologe hilft ihm mit guten Worten und täglichen blauben Pillen dabei, nicht dem Irrglauben zu verfallen, es gäbe tatsächlich so eine weitere Realität. Und in einer fast slapstickhaften Szene diskutiert sein Team darüber, wie ein vierter Teil der berühmten Trilogie aussehen könnte. Also genau das, was sich viele Fans gerade fragen, wird im Film ausgesprochen. Ein interessanter Meta-Kniff, bevor Neo dann doch befreit wird, um in der Realität für die Menschen zu kämpfen.
Die Telefone sind jetzt Portale. Die Technik insgesamt schicker und smarter, aber immer noch findet man keinen Ausgang, wenn man grad einen braucht. Die Menschen leben jetzt gemeinsam mit friedlichen Maschinen in einer neuen unterirdischen Stadt mit „neuem Himmel und neuer Erde“: IO (also input-output bzw. binär für 2 und Spiegelwelt zu ZeroOne, der Maschinenstadt) Neos Mission war also erfolgreich und das Zusammenleben von Menschen und Maschinen scheint durchaus erfolgreich zu sein. Das alte „Gegeneinander“ ist vorbei, gemeinsam kommt man weiter. Dafür bekriegen sich auf der Oberfläche jetzt die smarten Maschinen untereinander und eine neue, verbesserte Version der Matrix hält die Menschen so gut beschäftigt, dass viele gar nicht entkoppelt werden wollen. In der Matrix taucht ein neuer Verräter-Freund (genannt Jude) auf, Smith versucht sich im autonomen Machtstreben mal für mal gegen die Helden und der alternde Merowinger deutet trotzig an, dass er nochmal wichtig werden wird, während Sati (das Ubahnkind aus M3) ihre Kreativität und Liebe ganz konkret für das Gute einsetzt. Neos Mission ist natürlich, Trinity zu befreien, die mittlerweile denkt, sie wäre eine brave Mutter und Ehefrau. Es braucht also etwas mehr, um sie zu überzeugen, dass sie schonmal die Wahrheit kannte. Aber mit neuen Verbündeten gelingt es schließlich und der Therapeut entpuppt sich als der neue Architekt, dessen Aufgabe es war, durch die besondere Energie von Neo und Trinity im System die Effektivität der Matrix zu steigern. Als beide entkoppelt sind, können sie scheinbar alles verändern und drohen, ein ganz neues Regiment in der Matrix aufzuziehen.
Das könnte ein Hinweis sein, dass in 2-3 Jahren weitere Sequels zu erwarten sind, auch wenn die Story an sich abgeschlossen scheint.
Ästhetisch schließt die Matrix an aktuelle Sehgewohnheiten mit deutlicher Comicästhetik an und blendet oft Szenen aus der ersten Trilogie ein, die hier als neue Realität gebrochen eingebunden sind. Als neues Element lernen wir die Simulation in der Simulation kennen, aus der ein Programm (Morpheus mit Smithanteilen) sich befreit, um später Neo als dessen Schöpfer zu befreien und ihm als elektromagnetisches Kugelgebilde hilfreich zur Seite zu stehen. Außerdem die Frage, wie wir in unserem Kopf reale Erinnerungen zu Fiktion und Fiktion zu scheinbarer Realität verarbeiten können. Ein spannender Seitenhieb auf aktuelle Verschwörungsmythen, den man freilich in beide Richtungen deuten kann. Wenn nichts mehr sicher ist, kann jede Vorstellung Fake sein.
Soweit ein erster Eindruck, für eine tiefere Analyse treffen wir uns besser mal auf ein Bier…

Der Welt den schwarzen Spiegel vorhalten…

Heute stelle ich euch eine Methode zur spirituellen Medienrezeption als Kleingruppe vor.
Seit einigen Wochen treffen wir uns mit ein paar Freunden zu einem regelmäßigen Filmabend. Alle 14 Tage schauen wir eine Folge der Netflix-Serie „Black Mirror“ in einem christlichen Kontext. Das heißt, wir sehen die Episode, reden über unsere Gedanken dazu und fragen Gott nach seinen Ideen. Die Mischung aus medienwissenschaftlichem und geistlichem Zugang macht die tiefen Einzel-Episoden besonders spannend. Konkret schaut das folgendermaßen aus:

  1. Einstiegsfrage
    Thema persönlich anreißen
  2. Folge sehen
    Ohne viele Kommentare
  3. Offener Austausch:
    Was hast du gesehen?
    Wie geht es dir damit?
    Wo hast du ähnliches schon mal erlebt?
  4. Gebetsgemeinschaft
    Sag Gott, was dich bewegt und lass dich von ihm bewegen!

So ein Abend dauert etwa 3h, die kurzweilig vergehen und hinterlässt mich meist mit spannenden Gedanken, die mich durch die Woche begleiten. Die persönliche Einstiegsfrage gibt allen die Möglichkeit, sich persönlich auf das Thema einzustellen und etwas aus dem eigenen Leben zu teilen. Der offene Austausch fängt ganz trivial mit einer inhaltlichen Nacherzählung der Folge an, führt dann meist in diverse Exkurse und tiefe theologisch-philosophische Fragen. Die Gebetszeit beginnt mit eigenen freien Worten, umfasst eine längere Zeit, in der wir still sind und auf Gott hören (und ggf Eindrücke teilen) und endet mit einem Vater Unser. Nach diesem dichten Abend, finde die die alten Worte Jesu besonders tiefgründig, weil sie oft auf die Thematik des Abends gedeutet eine ganz individuelle Aussage bekommen.

Geplant ist es, bis nächsten Sommer alle 22 Folgen der Serie durchzusehen und hier jeweils einen kurzen Absatz über unsere geistlichen Wahrnehmungen zu schreiben. Die Inhaltsangaben finden sich auf Wikipedia und anderen Portalen, daher soll hier ein Link reichen. Wer das Konzept kopieren möchte, kann natürlich auch andere Serien (Star Trek Discovery, Rick & Morty, Westworld, Wasauchimmereuchgefällt) nutzen, um miteinander den Inhalt tiefer zu erleben. Ich glaube allerdings, dass Black Mirror durch die vielseitigen gesellschaftlichen Themen und die in sich geschlossenen Folgen gut geeignet ist.

Ich fiolge der kontinuierlichen Zählung von Wikipedia:

Folge 1: Der Wille des Volkes
Wie stark beeinflussen soziale Medien deine Entscheidungen?

  • Wir sind uns bewusst, dass Medien manipulative Macht haben, aber oft nicht, wie stark sie ist. Das wird mit der Zeit eher noch stärker.
  • Impuls: Was verborgen ist, soll ans Licht kommen. Vor Menschen ist das nicht einfach, wenn Gott gut ist, muss das keine Angst machen.
  • Wir brauchen Prinzipien, um in herausfordernden Situationen weise entscheiden zu können statt nach öffentlicher Akzeptanz zu gieren.
  • Zusage: Du bist ein geliebtes Kind Gottes, ganz egal, was du tust. Dieses Bewusstsein kann helfen, auch gegen Widerstände zur eigenen Einstellung zu stehen und mit Rückgrat durchs Leben zu gehen.

Folge 2: Das Leben als Spiel
Was hast du schon in Onlinespiele investiert?

  • Es ist gut, sich für andere aufzuopfern, solange man weiß, wofür man sich einsetzt. Manchem Kaufanreiz sollte man besser widerstehen!
  • Womit ich mich berieseln lasse, das prägt meine GEdanken und Handlungen. Gut, wenn wir das eigenständig entscheiden können!
  • Gott ist wie ein Versandhandel mit unendlich großer Auswahl. Du musst nur das richtige bestellen. Der Heilige Geist ist in dem Bild eine Kaufberatung, was für unsere Situation hilfreich sein kann.
  • selbstkritische Frage: Was ist meine Show? Wo wollte ich die Welt verändern und bin ein Teil des Systems ohne eigenes Feuer geworden?

Folge 3: Das transparente Ich
Erinnere dich an eine besondere Situation der letzten Jahre. Was ist dir ganz klar vor Augen? Was nur noch schemenhaft? Wo bist du froh, dich nicht mehr (genau) zu erinnern?

  • Bei einigen Kindheitstraumata ist es gut, dass man keine Details mehr kennt oder sogar ganz vergessen kann. Nicht immer bringt eine Aufarbeitung wirklich mehr Frieden.
  • Es ist erschreckend, welches Missbrauchspotential besteht, wenn alle Privatgespräche und jeder Blick getrackt werden. Was darf der Chef, die Polizei, ein Sicherheitssystem kennen und nutzen? Was teilt man mit Freunden oder dem/der Partner:in? Führt das zu mehr Ehrlichkeit oder zu unauthentischem Leben?
  • Gott sieht alles, was wir tun und denken (Psalm 139), aber dieses Privileg sollte kein Mensch haben.
  • Bei allen technischen Möglichkeiten, etwas zu wissen, darf das gegenseitige Vertrauen nicht verloren gehen.

Folge 4: Wiedergänger
Hast du schonmal einen wichtigen Menschen verloren? Wie erinnerst du dich bzw was würdest du tun, um die Erinnerung wachzuhalten?

  • Gemeinsame Unternehmungen, Erlebnisse nacherleben & alte Fotos/Filme betrachten, hält jemanden „am Leben“
  • Es ist auch wichtig, jemanden loszulassen, der nicht mehr da ist. Wer klammert, bleibt selber stehen. Wer loslässt, kann weiterkommen.
  • Ist nicht Jesus auch gestorben und wieder lebendig aufgetreten? Er hat seinen Freunden die Möglichkeit gegeben, die neue Situation zu verstehen und sich einzulassen, war dann aber wirklich weg.
  • Wenn wir beten, dann „reden“ wir mit Gott, bekommen ggf sogar Antwort, das ist nicht weit weg von dem Algorithmus im Film.
  • Gott ist unser Schöpfer, wir sind Schöpfer von KI/Maschinen/Systemen. Welche Rechte haben wir dann? Wie werden sie uns erleben? Als allmächtigen udn liebevollen Schöpfer oder als kriegerischen Rachegott, der gerade alles zerstört?
  • Was ist Leben? Was ist Tod? Kann ein Roboter eine Seele/ein Ego haben? Kann er sich eigenständig weiterentwickeln und wie viel Freiheit geben wir einer Kopie eines realen Menschen?
  • Wem gehören solche Daten? Wer darf entscheiden, dass/ob ein digitales Duplikat erstellt wird, wenn alle Daten digital verfügbar sind?
  • Impuls: Wir sollten viel Kleinteiliger ein digitales Testament verfassen und uns zu solchen Themen äußern! Was soll mit unseren digitalen Datenspuren geschehen? löschen? einfrieren? weiterspinnen?
  • „Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden“ (Psalm 90) bedeutet: Es ist wichtig, dass wir sterblich sind und uns dessen bewusst sind. Wie wir mit dem eigenen Ende umgehen, ist damit nicht final gesagt, aber wir können versuchen, aus Gottes Sicht darauf zu schauen, um wise zu entscheiden!

LastMinute Adventskalender

Oh, ist morgen schon der 1. Dezember? Und du hast noch keinen Adventskalender für Menschen, die dir viel beudeuten? Oder du hast einen bekommen und musst dich auf die Schnelle revanchieren? Dann findest du hier die ultimative Anleitung für einen einfachen & kreativen Adventskalender:

Drucke dir das pdf-Dokument auf farbigem Papier aus und schneide die 24 Schnipsel auseinander. Dekoriere sie nach Geschmack und fädel sie einzeln auf eine Schnur. Die beschenkte Person (notfalls auch du selbst!) kann jetzt jeden Tag einen QR-Code scannen und etwas witziges, informatives, adventliches oder weihnachtliches finden. Von Adventsliedern zum Mitsingen über Punschrezepte, witzige Kurzfilme bis zum kreativen Krippenspiel oder Weihnachtscartoon ist es eine bunte Mischung digitaler Inhalte, die zum analogen Austausch einladen.

Du magst es individueller oder hast eigene Ideen? Natürlich kannst du die Inhalte auch nach persönlichen Vorlieben anpassen und mit Hilfe eines QR-Code-Generators (z.B. der hier garantiert ohne Tracking) zu beliebigen Links bzw. Texten erstellen.

Und wenn du dir dann doch etwas mehr Aufwand machen möchtest, dann legst du die Zettel mit je einer kleinen Süßigkeit in 24 kleine Beutel (z.B. Butterbrottüten aus der Drogerie) und schreibst die Zahlen der Zettel auf die Beutel. Noch mit ein paar Sternen oder Tannenzweigen verzieren bzw anmalen. Dann sieht es aus, als hättest du das ganze ewig geplant.

Und falls du weit entfernten Menschen eine digitale Freude machen möchtest, schick ihnen einfach jeden Tag einen der Links digital zu und unterhaltet euch darüber. Das schafft Verbindung trotz Distanz!

In diesem Sinne wünsche ich eine besinnliche und kommunikative Adventszeit 🙂

  1. Jeden Tag ein Adventslied zum Mitsingen: Der #singendeAdventskalender: www.ekmd.de/advent
  2. Jeden Tag ein kurzer Impuls
    zum Innehalten direkt aufs Smartphone: www.momentadvent.de
  3. The Xmas-Files untersucht Weihnachtsfilme: adventskalender.evangelisch.de
  4. Leckere Punschrezepte
    für die Adventszeit: www.youtube.com/watch?v=0qEup3neMyM
  5. digitaler Weihnachtsmarkt, ab heute geöffnet: netzgemeinde-dazwischen.de/sehnsuchtsbuden
  6. Nichtlustig Nikolaus-Cartoon: joscha.com/nichtlustig/051216
    (Bonus-Panel beachten!)
  7. Gegen den Winterspeck:
    Christmas-Dance-Workout www.youtube.com/watch?v=pzj78YA1zws
  8. Zum Bedenken:
    Fair handeln im Advent: www.fairtrade-advent.org/de
  9. Zum Schmunzeln:
    Glühwein-Cartoon: www.pinterest.de/pin/392024342560752226
  10. ChristmasShorts: Ultrakurzfilme der Bauhaus-Uni zu x-mas: www.youtube.com/watch?v=Ndv1Pq1n4dQ&list=PLAai1Tn0apnMOJXkm0iHHc5rXATUvlPrL
  11. Christmas Memes zum
    Freuen und Fremdschämen: www.boredpanda.com/christmas-memes
  12. Nichtlustig Kommerz-Cartoon: joscha.com/nichtlustig/011219
    (Bonus-Panel beachten!)
  13. Google-Maps-Reise von Naza­-
    reth nach Bethlehem: www.google.com/maps/dir/Nazareth+Village,+5079+St,+Nazareth,+Israel/Geburtskirche,+Bethlehem/@32.7002283,35.2909897,816m/am=t/data=!3m1!1e3!4m18!4m17!1m5!1m1!1s0x151c4dd276f66109:0xc2f92a36e97c5a5b!2m2!1d35.2920373!2d32.6999337!1m5!1m1!1s0x1502d87be687c8f9:0xd060c37bd524261c!2m2!1d35.2072612!2d31.7043262!3e2!6m3!1i0!2i0!3i6
  14. Noch mehr Adventslieder
    der EKM von 2020: www.youtube.com/watch?v=orEP7-3-7kQ&list=PLAai1Tn0apnO0hBmpuW-lyQ_T-zl5mfVl
  15. Der SocialMedia-Klassiker:
    Digitale Weihnachtsgeschichte: www.youtube.com/watch?v=vZrf0PbAGSk
  16. Nichtlustig Wunschzettel-Cartoon: joscha.com/nichtlustig/051202
    (Bonus-Panel beachten!)
  17. Joseph twittert seine Geschichte (von unten nach oben lesen): twitter.com/joseph_von_naza
  18. Noch mehr Adventslieder des „singenden Landesbischofs“
    der EKM, diesmal von 2019 www.youtube.com/watch?v=W6oUu8kkKBY&list=PLAai1Tn0apnNlu-G9bXMIKe3zViYlJUA7
  19. Weihnachtsquiz mit nützlichem und trivialem Wissen: www.br.de/radio/bayern1/weihnachtsquiz-102.html
  20. Nichtlustig Weihnachts-Cartoon: joscha.com/nichtlustig/091223
    (Bonus-Panel beachten!)
  21. Gehtweiter – Arthouse Clips
    zur Weihnachtsgeschichte: www.youtube.com/watch?v=tipm7QVdPnQ&list=PLAai1Tn0apnOYcXVx_96NZMcQB9cqytqG
  22. Tannenbaum-Cartoon: www.pinterest.de/pin/12736811427340226
  23. Krippenspiel mal anders:
    Bethlehem Rhapsody www.youtube.com/watch?v=IxvMkSKRWOA
  24. Die Weihnachtsgeschichte
    in Minecraft
    www.youtube.com/watch?v=d4Xd89YzOLQ

Wie gefährlich ist das Squid-Game?

Oktober 2021. Die Medien überschlagen sich. Über 111 Millionen Menschen haben die neue Netflix-Hype Serie geschaut. Wow!

November 2021. Die Medien überschlagen sich. Pädagogen laufen Sturm gegen die neue Serie, weil Schüler Teile des Spielsystems in ihren Pausenspielen adaptieren. Warnung!

Ich kann den Hype auf beiden Seiten nicht ganz verstehen. Mir ging es mit der Serie wie mit den meisten Tarantino-Filmen, „Altered Carbon“ oder „3%“. Filmisch zu gut gemacht, um sie als Medienmensch nicht zu kennen, aber soviel unsinnige Gewaltdarstellung, dass ich weiß, sie tut mir nicht gut. Dennoch habe ich „Squid Game“ in kurzer Zeit durchgeschaut und bin begeistert. In den ersten Teilen wird bewegend gezeigt, wie Menschen in Armut und Abhängigkeit leben, welche Probleme und Hoffnungslosigkeit daraus erwächst und wie leicht man bereit ist, für Geld alles zu tun. Ein Phänomen, was nicht nur im koreanischen Film, sondern auch in unserem Alltag oft zu beobachten ist. Wir haben zu wenig Geld für das, was wir dringend barauchen. Und wenn sogar Familien daran zerbrechen oder kranke Menschen nicht versorgt werden können, ist es umso verlockender, dem Glücksspiel zu verfallen, auch wenn man etwas riskieren muss.

[Achtung Spoiler ahead!]

Dass ein Großteil der Teilnehmer, die freiwillig an dem „Tintenfisch-Spiel“ teilnehmen protestiert, als sie erfahren, dass Ausscheiden mit dem Leben bezahlt wird, ist ein letztes Aufbäumen der Moral, aber die meisten kommen schon nach kurzer Zeit zurück, weil die Hoffnungslosigkeit ihnen keine Wahl lässt, als selbst ihr Leben zu riskieren. Und immerhin ist eine unüberschaubar große Summe Geld im Jackpot, die mit jedem Spiel zunimmt. Und sechs Kinderspiele zu überstehen, kann doch nicht so schwer sein…

Im übrigen zeigt die Serie sehr schön den Kontrast zwischen harmlosen Kinderspielen (Murmeln, Tauziehen, …) und mörderischen Voyeurismus-Phantasien gelangweilter Superreicher, denen normale Pferdewetten nicht mehr ausreichen. Letztlich sind also nicht nur die Mittellosen, sondern auch die Gutbetuchten in der Serie verzweifelt. Und das Spiel bringt sie zusammen.

Ab der fünften Folge kommt noch eine philosophisch-religiöse Komponente ins Spiel. Die Teilnehmenden reden im Angesicht des drohenden Todes über Ewigkeitsfragen. Wo kommen wir her, wo gehen wir hin? Was macht das Leben aus? Was könnte man mit dem Gewinn Gutes tun? Wofür lohnt es sich zu leben? Und letztlich diskutiert die Serie in all ihrer Grausamkeit immer wieder die ethische Frage: Was ist erlaubt, wenn das eigene Leben zur Disposition steht? Darf ich schummeln, lügen oder die Naivität anderer ausnutzen? Kann ich mit der Schuld leben, wenn mein Verhalten andere das Leben gekostet hat? Bin ich bereit „die andere Wange hinzuhalten“ statt meine eigene Haut zu retten? Gerade als Christen sollten wir nicht zu schnell urteilen, sondern die gezeigten Dilemma-Situationen ernst nehmen. Wie würde ich entscheiden? Wie weit würde ich gehen? Wo beeinträchtigt mein täglicher Lebenswandel das Leben anderer Menschen im globalen Wirtschaftskreislauf schon jetzt?

In den späteren Folgen wird ein Christ gezeigt, der im Angesicht des Todes anfängt zu beten und die ewige Verdammnis zu predigen. Schade, wenn das der Eindruck ist, den der Regisseur Hwang Dong-hyuk von christlicher Lebensweise hat. Zumal in einem Land wie Südkorea, das sehr aktive Mega-Churches und starke Missionsbewegungen verzeichnet. Aber oft sind Christen wohl nicht die selbstlos liebenden, sondern die verbissen verdammenden und am Ende doch ängstlich für sich kämpfenden Menschen, wenn es hart auf hart kommt. Ich bin froh, dass ich noch nie herausfinden musste, wie ich im Angesicht des Todes reagieren würde, aber in der Theorie ist meine christliche Hoffnung stärker als die Angst vor dem Tod. Das Gedankenspiel fordert mich heraus!

Neben den schönen Bildern, der immersiven Stimmung und den spannden ethischen Fragen bleibt die Serie freilich eine radikal gewaltverherrlichende! Zum einen physisch mit direkten Kopfschüssen, spritzendem Blut, freiliegenden Gedärmen und Bildern, die einfach nicht sein müssen. Zum anderen aber auch mit dem Bandenethos, des Wir gegen Die, des Mobbing und des Verachtens der scheinbar unterlegenen. Zwar gewinnt am Ende der Serie einer, der sich für die Schwachen eingesetzt hat und die Bösewichte müssen die Folgen ihrer Arroganz tragen, aber was bei unbedarften Zuschauern hängenbleibt ist mitunter das egozentrische Denken, dass alles erlaubt ist, solange es mich aufwertet und andere abwertet. Nicht ohne Grund hat die Serie keine FSK-Freigabe fürMenschen unter 16 Jahren. Meiner Ansicht nach wäre sogar FSK18 gerechtfertigt, aber ungefestigte Gemüter sollten diese Serie tatsächlich nicht unbeaufsichtigt sehen. Und das ist wohl ein Kernproblem: Bei Netflix sehen Jugendliche meist ungefiltert, was sie wollen und wenn die Medien proklamieren, dass diese Serie gerade angesagt ist, eben auch das.

Schon früher haben junge Menschen sich Conan, Chucky, Saw oder Halloween angesehen. Und eine Warnung macht Erwachsenenfilme erst richtig interessant. Daher finde ich die aktuellen Aufschreie nur mäßig hilfreich. Gut hingegen wäre, wenn Eltern konsequent mit ihrem Nachwuchs über deren Medienkonsum im Gespräch wären, um zu begleiten, was diese sehen oder wie sie das gesehene verarbeiten. Auch Lehrer, Jugendarbeiter und Freunde sollten positive Gesprächspartner sein statt diese Serie zu verteufeln, nachdem sie ohnehin schon die meisten gesehen haben. Und wenn auf Schulhöfen Kinder mit Murmeln spielen, ist das etwas Gutes. Wenn sie Schwache in ihr Team integrieren, um gemeinsam weiter zu kommen und ein Risiko in Kauf nehmen, um ihre kranken Eltern zu pflegen, ist das hoch anzurechnen. Aber wenn sie sich beim Spiel gegenseitig erniedrigen, körperlich oder psychisch verletzen, dann brauchen sie pädagogische Unterstützung.

Vielleicht sollten also christliche Jugendgruppen positiv besetzte Versionen des Squid Games anbieten, bei dem klassische Kinderspiele kompetitiv gegeneinander ausgetragen werden, aber am Ende alle sich freudig in den Armen liegen und miteinander feiern, was man zusammen erlebt hat. Oder ein Preisgeld von externen Sponsoringpartnern wird am Ende an die soziale Einrichtung gespendet, die der Gewinner bestimmen darf. Es gibt reichlich Möglichkeiten, einen Medienhype positiv aufzugreifen und das, was die Serie anklingen lässt, nachschwingen zu lassen. Statt Warnungen oder Verbote auszusprechen rate ich also: Lasst uns spielen!

Mosel-Camino

[Nennung von Namen und Marken ist keine bezahlte Werbung, sondern subjektive Einschätzung aufgrund unserer Erfahrungen]

Nachdem ich letztes Jahr von Erfurt zum Rhein gepilgert bin, habe ich mir dieses Jahr mit einem Freund den Anschluss von Koblenz nach Trier vorgenommen. Der Mosel-Camino ist ein schöner (und anspruchsvoller) Fernwanderweg mit nominell ca. 160 Km (gelaufen sind wir laut Handyaufzeichnung 201 Km). Dazu einige tägliche Höhenmeter zwischen Moseltal und Höhenlagen. Sinnvoll wäre es wohl, den Weg in kürzere Etappen (max 16-20 Km/Tag) aufzuteilen und lieber 1-2 Tage länger einzuplanen als der Outdoor-Führer aus dem Conrad-Stein-Verlag empfiehlt. Dann hat man den Kopf frei bzw Zeit, auch mal in Kirchen zu verweilen oder die schöne Natur zu genießen statt überall vorbeizuhetzen. Das Buch ist übrigens nur bedingt als Pilgerführer zu empfehlen. Es behauptet zwar Wanderführer und Pilgerführer zu sein, präsentiert aber primär historische Zahlen statt spiritueller Inhalte zu Kirchen, Klöstern und Strecken, verzichtet auf eine Liste von Pilgerstempeln und verzeichnet eher hochpreisige Unterkünfte. Echte Pilgerherbergen (5-10 EUR Spende im Massenquartier) finden sich allerdings an der Mosel auch nicht, sondern 30-40 EUR p.P. im Doppelzimmer sollte man einplanen. Dann bekommt man guten Standard mit reichhaltigem Frühstück. Das hat aber dann nicht so viel mit dem ursprünglichen Pilgergedanken (mit wenig Geld mehrere Monate bis nach Spanien laufen) zu tun, sondern ist eher ein 2 Wochen Aktivurlaub. Interessant wäre eine antikapitalistische Variante, den ganzen Weg über mit Schlafsack in Schutzhütten zu übernachten und sich an vorhandenen Wasserbecken frisch zu machen.
Die Strecken scheinen mir auch nicht so sehr an historischen Wegen oder „energieeffizient“ markiert zu werden, sondern aufgrund touristischer Kriterien. So sind einige Alternativrouten direkt an der Mosel im Buch von 2021 nicht mehr enthalten (angeblich weil die Fahrradfahrer sich über zu viele Pilger auf dem gemeinsamen Wegstrecken beschwert hatten) und einige Bergtouren könnte man deutlich einfacher begehen. Da empfehle ich jedem Wanderer, seine eigene Route zu wählen. Von der Via Regia und dem Elisabethpfad bin ich da aber etwas mehr Pilger-Unterstützung gewohnt als an der Mosel. Entsprechend würde ich meine Reise diesmal auch nicht als Pilgerreise, sondern als Wanderurlaub bezeichnen (auch wenn es geistliche Momente und Pilgerbegegnungen gab). Schön war, dass nach dem coronabedingten Lockdown Hotels und Gastronomie wieder öffnen konnten und so andere Pilger unterwegs waren. Es gab also immer wieder persönliche Begegnungen, wie man es sich beim Pilgern wünscht.

Als Grundlage für eine Planung des Moselcamino kann ich empfehlen: http://mosel-camino.info/
Wie bei jeder Tour sollte man nur das Nötigste mitnehmen. 2 Klamottensets (Merinowolle oder schnelltrocknende Synthetik), Hohe Wanderschuhe und leichte Abendschuhe, kleiner Kulturbeutel und minimales Technikset (Handy, Ladegerät, Powerbank, weil der Empfang dort oft erstaulich schlecht ist, was Akkuleistung zieht!). Oft kann man sich vom Frühstück noch ein Brötchen für den Weg mitnehmen oder beim Bäcker besorgen. Ein Apfel und Müsliriegel, evt Banane oder Tomate zwischendurch reichen dann, um über den Tag zu kommen. Ich mag meine 2l Trinkblase, die ich täglich mit Leitungswasser auffülle und eine kleine Flasche, in der ich abends ColdBrewCoffee (Turkish Style) für den nächsten Tag ansetze, um unterwegs Kaffee trinken zu können. Nach Ankunft tut mir ein halber Liter Wasser mit Minaral-Vitamin-Tabletten gut und abends ein guter Moselwein lokaler Erzeuger.

Unsere Tourdaten:

Koblenz Hbf – Stolzenfels Zubringer über den Rheinburgenweg (ca 10Km) Es lohnt sich, hier mit einer Übernachtung zu starten, wenn man eine längere Anreise hat.
ÜN: „FeWo-Stolzenfels“ (war bei uns ausgebucht) ist gut gelegen am offiziellen Wegstart. Hotel zur Kripp war OK, aber ca 1,5Km ab vom Weg.

Koblenz-St. – Alken 17,6 Km (Real haben wir mit Zubringerwegen 22,5 Km zurückgelegt) neben der Autobahnrastanlage kann man erstaunlich gut pausieren.
ÜN: Pilgerherberge am Bleidenberg (war bei uns ausgebucht).

Alken – Kloster Maria Engelport 26 Km ÜN im Kloster lohnt sich.
Die Strecke ist allerdings zu weit! Bis Treis-Karden schafft man es (waren schon 25 Km, die weiteren 8 haben wir im Taxi abgekürzt). Wer im Kloster übernachten will, sollte ggf die erste ÜN nach Löf oder Hatzenport schieben oder eine extra ÜN nähe Burg Eltz einplanen, um nicht zu spät am Kloster anzukommen.

Kloster Engelport – Bullay 20 Km ist vom Kloster aus machbar. Von TK aus wieder viel zu weit vorgegeben! Interessanter Brautrock-Brunnen.
ÜN im Moselinchen ist nett und unkompliziert

Bullay – Traben-Trarbach 23,7 Km (real 27Km). Wir hatten geplant, mit einer Fährüberfahrt nach Pünderich die geplante Route abzukürzen, aber die Fähre war ohne Vorankündigung auf der Webseite außer Betrieb. Alternativroute nördlich der Schleife am Moselweg ist auch schön, später macht bei Sonnenschein der „Heiße Stein“ seinem Namen alle Ehre und über den Mont Real läuft es sich entspannt schattig (aber nicht mit wenig Höhenmetern).
ÜN in der Pilgerherberge Alte Lateinschule (war bei uns ausgebucht) ist wohl sehr empfehlenswert. Wir haben bei Pension Bartz etwas weiter außerhalb mit modernen Zimmern und kleinem Pool im Garten gute Erfahrungen gemacht.

Traben-Trarbach – Klausen 23,7 Km (real 27,2 Km) auch hier zu weit und ab Monzel würde ich die „alte Alternativroute“ nördlich der letzten 2 Berge empfehlen.
ÜN: nette Pilgerherberge in Klausen direkt am Dorfladen, sehr zu empfehlen! Aufgrund der Streckenaufteilung aber vielleicht doch eher in Monzel bleiben?!

Klausen – Klüsserath 10,5 Km (real 13Km) war kurz und entspannt, lässt Zeit zum Nachdenken und für Begegnungen
ÜN: Privatzimmer im Weingut Herres inkl Essen und Weinprobe in persönlicher Atmosphäre sind sehr zu empfehlen

Klüsserath – Schweich 14 Km (real 16,7)
ÜN: Pension Schiff war ausgebucht (von anderen empfohlen), Pension Wallerath direkt am Weg war gut.

Schweich – Trier 20,2 Km (real 25 Km je nach Stadtroute), sieht erst flach aus, hat aber einige heftige Anstiege und zieht sich am Ende länger als man denkt. Am Anfang ist eine Alternativroute bis Quint an der Mosel angenehm zu laufen. In Trier lohnt es sich noch ein paar Stunden oder sogar einen ganzen Tag einzuplanen, um auszuschlafen und wieder in der Zivilisation anzukommen
ÜN in der neu renovierten Jugendherberge war gut, setzt aber eine kostenpflichtige Mitgliedschaft aller Gäste voraus.


Am Ende ist ein Pilgerweg das, was man draus macht. Wir hatten fast täglich gute Begegnungen mit Menschen, die auch unterwegs sind und Fragen haben. So kann man sich gegenseitig bereichern, wenn man offen ist und ins Gespräch kommt. Daher würde ich auch immer zu kurzen Etappen und freien Zeiten raten, um Zeit für sich, andere Menschen und Gottesbegegnugnen zu haben.

Mehr Fotos gibts bei Facebook!

„Rumo und die Wunder im Dunkeln“ als Passionsweg

Kurz vorneweg: Ich bin kein Literaturwissenschaftler und habe Walter Moers nicht in aller Tiefe studiert. Aber ich bin tief bewegt von den (Hör)Büchern, die ich von ihm gelesen habe. Darüber möchte ich medientheologisch nachdenken und freu mich über weiterführenden Austausch dazu!

Rumo ist nach „Käpt`n Blaubär“ und der „Stadt der träumenden Bücher“ der dritte Zamonienroman, den ich als Hörbuch genossen habe (die anderen werden folgen). Was der Autor sich dabei gedacht hat, weiß ich nicht, aber ich möchte (allen, die sich darauf einlassen können) eine Deutung von Rumo als (christliche) Passionsgeschichte anbieten. Vielleicht eignet sich dieses Buch ja als Lektüre in der vorösterlichen Zeit mit dem Finale am Osterwochenende, um die bekannten Ereignisse mal in ganz neuem Licht zu reflektieren?!


Spoiler-Alarm: Wer hier weiterliest wird Details aus Verlauf und Ende des Buches erfahren. Wer es vorher unbedarft lesen will, sollte jetzt aufhören und in 26 Stunden hier weiterlesen!


Ganz kurz zusammengefasst geht es in dem Buch um einen Wolpertinger (hundeartige Wesensform, die auf zwei Beinen geht), der als Welpe von Zyklonen entführt wird, sich nach langem Leid blutig befreien kann, umherschweift, Gleichartige findet, für die große Liebe ein Wagnis auf sich nimmt und am Ende ganz Zamonien rettet und selbst gerettet wird.
In diesem Buch geht es äußerst grausam zu. Leiden und Sterben ist an der Tagesordnung und mehrfach überkam mich Abscheu vor so einem „Splatterroman“. Dennoch hat mich der Wortwitz, die Spannung der verwobenen Geschichten und die Hoffnung auf einen guten Ausgang gefesselt. Ein ähnliches Gefühl habe ich immer bei Mel Gibsons Bibelverfilmung „Die Passion Christi“ (die ich jahrelang als Karfreitagsritual gesehen habe): Unsagbares Leid wird schonungslos offen dargestellt, schreckt ab und rührt an zugleich. Auch das Lesen der biblischen Passionstexte in der Karwoche löst bei vielen bereits dieses Gefühl aus und mir kam instinktiv die Idee, die beiden Narrative zu vergleichen.
Im folgenden parallelisiere ich die Stationen Rumos mit dem Leidensweg Jesu; wohlwissend, dass es bei ersterem um reine Fiktion (wenn auch sehr gute) und bei letzerem um (im Kern) historisch gesicherte Ereignisse handelt (tiefere historisch-kritische Auseinandersetzungen gerne an anderer Stelle). Ich tue das angelehnt an einen Passionsweg anhand verschiedener Stationen aus dem Leidensweg Rumos/Jesu:

Galiläa: Lernen und Leiderfahrung als vorbereitende Zeit

  • Rumo wird aus seiner vertrauten Heimat entführt und sein Leben bedroht
    vs. Säuglingsmord des Herodes, Flucht nach Ägypten
  • Leidenszeit auf dem Teufelsfelsen, die für den späteren Weg vorbereitet
    vs. Versuchungen durch den Teufel in der Wüste
  • Smeik wird Mentor und Wegbereiter für Rumo, Erweckung der Instinkte
    vs. Johannes der Täufer bereitet Jesus den Weg, Taufe Jesu als Beginn der Wikungszeit
  • Erkenntnis von besonderen Reflexen und Sensorik
    vs. erste Wunder (Wasser zu Wein) und Nathanaelberufung (ich wusste von dir, bevor ich dich getroffen habe)
  • Kampf gegen körperlose Schatten
    vs. Dämonen austreiben, leeres Haus nicht unbewohnt lassen

Einzug nach Jerusalem

  • Rumo scheint unbesiegbar, auf Erfolgskurs
    vs. Jesus hat große Gefolgsschar, die ihn zum König machen will
  • Ankunft in Wolperting, Erfolge & Duelle mit Rolv und Ushan
    vs. Einzug in Jerusalem, Streit mit Religiösen, Wutrede und Tempelreinigung

Getsemane

  • Rumo hat ein Schwert, in das zwei Geister eingeschmiedet sind, die ihm als innere Stimme (teils widersprüchliche) Ratschläge geben, was zu tun ist
    vs. Jesu inniges Gebet und hadern zwischen gewaltsamer Machtergreifung und demütigem Gehorsam

Verurteilung

  • während Rumo unterwegs ist, wird Wolperting überfallen und alle seine Freunde entführt. Er entscheidet sich, ihnen in die Untenwelt zu folgen, um ihren Tod zu verhindern
    vs. von außen wird Jesu Hinrichtung beschlossen, aus innerem Antrieb geht er bereitwillig den Weg, um die Menschheit vor dem ewigen Tod zu bewahren

Kreuzweg

  • schwerer Leidensweg durch die dunklen Höhlen zur Stadt „Hel“, Rumo scheitert fast, bekommt Unterstützung
    vs.
    Jesuswird gegeißelt und muss sein Kreuz durch die Stadt tragen, bricht zusammen, Simon hilft ihm tragen

Golgata

  • Protagonistenwechsel: Rala wird in der „kupfernen Jungfrau“ auf die schrecklichst mögliche Art zu Tode gefoltert und gibt nach langem Todeskampf mit einem lauten Schrei auf. Sie stirbt unter den Augen ihres Peinigers.
    vs. Jesus wird gegeißelt, ans Kreuz genagelt (leidvollste Hinrichtungsmethode der Römer), verspottet und stirbt mit einem Schrei unter den Augen seiner Peiniger.

Auferstehung

  • Rala liegt Tod in ihrem Sarg. Durch drei „unvorhandene Winzlinge“ (die niemand sehen kann, die aber sehr wohl vorhanden sind) und ihre Möglichkeiten wird die körperlich tote Rala wiederbelebt.
    vs. Jesu Tod wird attestiert. Er wird im Höhlengrab bestattet und durch Gottes Eingreifen wieder zum Leben erweckt. Keiner hat gesehen oder weiß genau wie, aber der Effekt ist sichtbar.

Weiteres

  • Der Endkampf im Theater ähnelt den epischen Schlachten der Offenbarung am Ende der Zeiten
  • Die Selbstzerstörung TikToks als letzte Aktion erinnert an das „wilde Wüten Satans“, der bereits besiegt noch viele mit in den Tod reißen will
  • Die einstürzende Höhle erinnert an das Erdbeben zur Todesstunde Jesu, was den Weg zum Allerheiligsten im Tempel (= zu Gott?) frei macht (also den Weg zur Hölle (Hel) versperrt?

Osterfreude

  • Ganz am Ende schafft es Rumo endlich, Rala seine Liebe zu gestehen und erfährt, dass sie ihn schon die ganze Zeit geliebt hat (Name eingeritzt). Seine Aktion (Schatulle & Rettung der Wolpertinger) war gar nicht nötig, um ihre Liebe zu verdienen, war aber für seinen Weg ein wichtiger Baustein
    vs. Am Ende unserer geistlichen Reise erkennen wir, dass es gar nicht auf unsere Taten ankam, sondern Gottes Liebe zu uns immer schon da war. Unsere Werke können für uns und die Welt wichtig sein, sind aber nicht Bedingung, um sich Gottes Liebe zu verdienen. Unsere Namen sind bereits im Buch des Lebens verzeichnet.


Ergänzend
In den Gesprächen über den Beitrag kamen einige spannende Aspekte auf, die beide Narrative nochmal schärfen und Teilweise die Übereinstimmungen stärken, teilweise aber auch eklatante Unterschiede deutlich machen. So hilft das Gedankenspiel, die Stoffe nochmal neu und klarer wahrzunehmen…

  • Ich gehe nicht davon aus, dass diese Übertragung bewusst inszeniert ist, wenngleich es ein durchaus übliches Stilmittel Moers ist, bekannte Narrative aufzugreifen und auch andere Literatur gerne auf die Bibel als Vorlage für Heldenreisen jeder Coleur zurückgreift.
  • Wie Wikipedia aufzeigt, kann man auch Anschlüsse an germanische und griechische Mythen in Rumo finden.
  • Zentrales Motiv vom Tod Jesu ist, dass er sich selbst aus freien Stücken für die Menschen opfert. Der Tod Ralas wird ihr von außen aufgezwungen. Sie wehrt sich nach Kräften, weil ihr Opfer keine Erlösung verspricht, sondern den sarkastischen Spieltrieb einer Tötungsmaschine befriedigen soll. Das Wesen TikTaks hier soll nicht als Gottesbild gesehen werden!
  • Die Übertragung der Personen kommen bei genauerer Betrachtung schnell an Grenzen. So ist Johannes der Täufer in der Bibel ein Asket und Gerichtsprediger, Smeik aber eine genießerische Lebemade und Glücksspieler. Die Funktion des Adjutanten erfüllen sie aber beide. Interesant aber, dass Smeik in Ralas Blutbahn tatsächlich bereit ist, sein Leben für ihre Rettung zu riskieren, was man christologisch deuten könnte.
  • Rumo bleibt sympatisch gebrochener Held, weil er zwar in der Lage ist, alle möglichen Gefahren zu besiegen, aber bis zum Ende nicht über seine Gefühle reden kann. Jesus wird hingegen als suveräner Kommunikator auch in Liebesdingen dargestellt.