SocialMedia Kompetenz

An der EH Tabor in Marburg habe ich ein Modul „SocialMedia-Kompetenz“ unterrichtet, bei dem wir die Hintergründe hinter Instagram, TikTok und Co untersucht haben. In praktischen Blöcken haben die Studis eigene Kurzvideos erzeugt, haben Posts aus verschiedenen Blickwinkeln (z.B. Verkündigung, Werbung, Journalismus) gescribbelt und hybride Kommunikationsstratgien kennengelernt.

Einige TN waren sehr offen für digitale Experimente, andere haben die skeptische Sicht stärker gemacht, dass die direkte Mensch-Mensch-Gemeinschaft wichtig ist und man sich besser nicht zu stark digital vernetzen sollte. Beide Aspekte sind wichtig und wenn wir digitale Tools nutzen ist es relevant, die Hintergründe zu kennen, was mit unseren Daten passiert. Denn dann wird man meist weniger freigiebig mit privaten Informationen umgehen und kann trotzdem mit gutem Gewissen öffentlich kommunizieren.

Neben Medienrecht und Datenschutz waren auch Glaubenskommunikation, Gamingkultur und VirtualReality-Anwendung wichtige Themen, um ganzheitlich zu überlegen, wie aktuell digitale Kommunikation stattfindet und wo Chancen und Risiken liegen. Wir haben uns zwei innovative Gemeindemodelle angeschaut und eine Hybrid-Veranstaltung konkret mit gestaltet. Wir haben Texte gelesen, Videos gesehen, diskutiert und eigene Erfahrungen gemacht. Dabei war klar, SocialMedia ist mehr als kurze Filmchen in globalen Plattformen, auch wenn das für viele der etablierte Standard ist.

Und am Ende haben wir einen Blick in die Zukunft gewagt: Wie wird sich die Gesellschaft weiterentwickeln? Wie werden wir in 10 Jahren kommunizieren? Welche Tools und Schnittstellen wird es geben, wie wird Gemeinde sich verändern und welche gesellschaftlichen Prozesse können wir aktiv gestalten statt nur in Schockstarre zu verfallen? Denn bei allem KI-Hype und dystopischen Szenarien bleiben wir Akteure der Zukunft und können gesellschaftliche Werte hochhalten. Manchmal muss man sich auf den Marktplatz begeben, um Menschen zu erreichen, manchmal bewusst Alternativen anbieten oder wieder zu Stille, Rückzug und Langeweile einladen, um den kreativen Geist freizusetzen.

Für mich war eine spannende Erkenntnis, dass bei allem technologischen Wandel das klassische 4-Augen-Gespräch immer noch hoch im Kurs steht und durch digitale Umbrüche eher noch an Wert gewinnen wird. Denn wenn digital alles künstlich erzeugt werden kann, ist die physische Begegnung die einzige validierbare Kommunikation.

Und die offene Frage in die Zukunft gerichtet war, ob wir für schrittweise bewusst werdende KI eine Art Schöpfergott sein können, so wie wir davon ausgehen, von einem Schöpfer geschaffen zu sein. Falls ja, was für ein Gott wären wir dann und wie gehen wir mit unserer Schöpfung um? Oder werden wir mit KI im gleichen Kosmos existieren und deshalb eher als Mitgeschöpf auf gleicher Ebene wahrgenommen werden, wenn KI anfängt unseren Schöpfer auch als ihren Schöpfer zu sehen? Oder wird eine sich selber immer weiter optimierende KI am Ende sich selbst zu einerm Gott entwickeln und die Erde so umgestalten, dass menschliche Bedürfnisse nicht mehr relevant sind und uns letztlich auslöschen. Das sind Szenarien, die wir durch heutige Reglementierung von KI-Forschung beeinflussen könnten, auch wenn ich bei Firmen und Regierungen bisher wenig langfristige Perspektive dazu erkennen kann. Daher braucht es Kirche und Zivilgesellschaft. Du und ich als reflektierte multimediale Vermittler für die gemeinsame Gute Sache: Social & Media & Kompetenz.


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