{"id":787,"date":"2020-01-15T17:45:24","date_gmt":"2020-01-15T15:45:24","guid":{"rendered":"http:\/\/medientheologe.de\/cms\/?p=787"},"modified":"2021-12-17T19:42:41","modified_gmt":"2021-12-17T17:42:41","slug":"kirchliche-medienkompetenz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/medientheologe.de\/cms\/?p=787","title":{"rendered":"Kirchliche Medienkompetenz"},"content":{"rendered":"<p>Neulich wurde ich gefragt: <strong>&#8222;Was sollte sich in Sachen kirchliche Medienkompetenz in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren entwickeln?&#8220;<\/strong> Daraufhin habe ich folgendes geantwortet:<\/p>\n<p>Wir erleben, dass digitale Kommunikation in der Gesellschaft fest verankert ist. Menschen treffen sich weiterhin Face-to-Face, aber zwischen den Treffen bleiben sie medial in Kontakt. Und der virtuelle Austausch nimmt immer mehr Lebenszeit ein und pr\u00e4gt dadurch sehr stark, was Menschen denken, glauben und tun. Auf diese Form von Sozialleben sind wir als Kirche weitestgehend nicht gut vorbereitet.<br \/>\nEs w\u00e4re wichtig, dass wir schon in der Ausbildung von Pfarrerinnen und Diakonen, Gemeindep\u00e4dagogen und Jugendreferentinnen wert darauf legen, sie ganzheitlich &#8211; also auch digital &#8211; zu bilden. Das bedeutet einmal, dass sie praktisch mit aktuellen Tools umgehen k\u00f6nnen, sie ethisch bewerten und einordnen, welche Folgen ein Einsatz sowohl positiv als auch negativ hat, aber auch, dass sie die Kompetenz entwickeln, sich selber in neue Szenarien einzuarbeiten und f\u00fcr bestehende Problemfelder digitale L\u00f6sungen mitzudenken. Denn der Medienkanon wird sich alle paar Jahre ver\u00e4ndern und nur die bisherigen und die aktuellen Medien zu kennen wird auf Dauer im Job nicht kompetent machen.<br \/>\nAber nur Menschen, die mit einem weisen \u00dcberblick digitale M\u00f6glichkeiten f\u00fcr den Gemeindealltag nutzbar machen, k\u00f6nnen Gemeindemitglieder wirklich kompetent begleiten. Wie gehe ich mit Seelsorgeanfragen auf WhatsApp um? Welche Fotos kann ich bei Instagram ohne Genehmigung einstellen und welche Folgen hat es, wenn ich Jugendliche ermutige, ihre K\u00fcnste \u00fcber TikTok zu teilen. Chancen und Risiken kennen, abw\u00e4gen und Menschen beraten kann nur, wer selbst souver\u00e4n mit Medien umgeht. Weil nicht jeder Hauptamtliche alles wissen kann, braucht es Experten in Kirchen\u00e4mtern, die schulen, beraten und in konkreten F\u00e4llen ansprechbar sind. Aber eine digitale Basisausbildung wird in Zukunft \u00e4hnlich wichtig sein, wie eine saubere Handschrift in den letzten 100 Jahren war.<br \/>\nUnd das betrifft letztlich nicht nur Hauptamtliche, sondern auch Ehrenamtliche und Laien, weil mittlerweile jeder mit Medien umgeht und Medien produziert. Wer Kinderfotos ver\u00f6ffentlicht, sollte vorher \u00fcber Bildrechte Minderj\u00e4hriger nachdenken (wobei die Antwort durchaus unterschiedlich ausfallen darf!) und wer den eigenen (oder Fremden) Nachwuchs vor YouTube abstellt, um Zeit f\u00fcr andere Dinge zu haben, sollte zumindest im Blick haben, dass weniger kindgerechte Inhalte nur 2 Klicks entfernt warten. Medien sind keine Babysitter, sondern Tools, die man in der Erziehung von Kindern durchaus nutzen darf, ohne dadurch die Beziehungszeit zu k\u00fcrzen.<br \/>\nWenn also digitale Medien sowohl privat, als auch im Gemeindealltag, in der wissenschaftlichen, organisatorischen und \u00f6ffentlichen Kommunikation unser Leben zu gro\u00dfen Teilen pr\u00e4gen, sollten wir sie auch in der Aus- und Weiterbildung entsprechend stark ber\u00fccksichtigen. Es ist gut, wenn Pfarrpersonen theologisch immer wieder auf dem aktuellen Stand bleiben, sich methodisch weiterentwickeln und philosophisch immer tiefere Erkenntnisse gewinnen. Gleichzeitig brauchen sie ein Wissen \u00fcber zeitgem\u00e4\u00dfe mediale Formen, um diese Kompetenzen f\u00fcr sich und ihre Aufgaben anzuwenden. Das wird am Ende auch die Form und Qualit\u00e4t der Gottesdienste, der Konfirmandenarbeit und der Selbstorganisation beeinflussen und vielleicht sogar helfen, die steigende Burnoutgefahr zu mindern, weil ein weiser Umgang mit neuen Medien auch die Kompetenz umfasst, sich Ruhepausen und R\u00fcckzugsorte zu schaffen und eben nicht pausenlos erreichbar zu sein.<\/p>\n<p>Gerade bin ich dabei, ein Modul zu gestalten, mit dem wir Studierende an der Ev. Hochschule Tabor an &#8222;Kunst, Kultur und Medien&#8220; heranf\u00fchren. In f\u00fcnf Bl\u00f6cken werden wir ein Semester lang dar\u00fcber nachdenken, wie diese drei die Gemeindearbeit bereichern k\u00f6nnen.\u00a0 Ich bin gespannt, ob es in den n\u00e4chsten Jahren \u00e4hnliche Formate auch an anderen Ausbildungsst\u00e4tten geben wird!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neulich wurde ich gefragt: &#8222;Was sollte sich in Sachen kirchliche Medienkompetenz in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren entwickeln?&#8220; Daraufhin habe ich folgendes geantwortet: Wir erleben, dass digitale Kommunikation in der Gesellschaft fest verankert ist. Menschen treffen sich weiterhin Face-to-Face, aber zwischen den Treffen bleiben sie medial in Kontakt. 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