{"id":705,"date":"2019-03-14T00:55:50","date_gmt":"2019-03-13T22:55:50","guid":{"rendered":"http:\/\/medientheologe.de\/cms\/?p=705"},"modified":"2021-12-17T19:44:23","modified_gmt":"2021-12-17T17:44:23","slug":"halleluja-bin-ich-valerie-oder-der-priester","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/medientheologe.de\/cms\/?p=705","title":{"rendered":"Halleluja &#8211; Bin ich Valerie oder der Priester?"},"content":{"rendered":"<p>Als 2016 das Projekt &#8222;<a href=\"https:\/\/valerieundderpriester.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Valerie und der Priester<\/a>&#8220; online ging, war es ein viel beachteter Blog. Viele meinten: Endlich \u00f6ffnet sich die (katholische) Kirche, l\u00e4sst jemanden hinter die Kulissen blicken und kritische Fragen stellen. Andere freuten sich, \u00fcber die missionarische Chance, mit Skeptikern \u00fcber Glaubensdinge zu sprechen. Ein Jahr lang hat die atheistisch-feministische Journalistin Valerie Sch\u00f6nian den katholischen Priester Franziskus von Boeselager in seinem Alltag\u00a0 begleitet. Sie hat Kirchen betreten, Messen beobachtet, Alten- und Krankenbesuche erlebt. Beide haben sich auf Augenh\u00f6he wahrgenommen, zusammen gefeiert, sich offen und ehrlich ausgetauscht und gemeinsame Erfahrungen gemacht. Und die Erkenntnis: Trotz grunds\u00e4tzlich unterschiedlicher Meinungen zu bestimmten Themen (Frauenordination, Homo-Ehe, Obrigkeitsgehorsamkeit) kann man sich akzeptieren, verstehen und m\u00f6gen. Auch wenn das Jahr mit Frusterlebnissen und Kontroversen gespickt war, haben beide eine Sensibilit\u00e4t f\u00fcr die Lebenswelt des anderen erlangt und zumindest einen Perspektivwechsel versucht. 2018 ist &#8222;Halleluja : wie ich versuchte, die katholische Kirche zu verstehen&#8220; (Valerie Sch\u00f6nian, Piper Verlag 2018) als reflektierter R\u00fcckblick auf das Projekt erschienen.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte nicht spoilern, ob sie am Ende heiraten, einer die andere bekehrt (oder umgekehrt) oder die Kirche in ihren Grundwerten ersch\u00fcttert wird, aber definitiv ist bei der Lekt\u00fcre etwas in mir in Bewegung gekommen. Ich nehme den Protagonisten ab, dass sie sich ernsthaft umeinander bem\u00fchen und kann ihre inneren Prozesse nachvollziehen.<\/p>\n<p>Das Buch beschreibt den Weg dieses Jahres in sieben Abschnitten von anf\u00e4nglichem Unverst\u00e4ndnis, einer pers\u00f6nlichen Ann\u00e4herung, frustrierter Abgrenzung und Erfahrungen, die das eigene Handeln und Glauben hinterfragen. Wie wichtig ist eine \u00fcbernommene Tradition (religi\u00f6s oder a-religi\u00f6s)? Wo f\u00e4ngt Gebet an und wieviel &#8222;Geist&#8220; wird emotional und gruppensozial erzeugt? Was w\u00fcrde ich denken, wenn ich anders aufgewachsen w\u00e4re? Was w\u00fcrde sich an meinem Alltag \u00e4ndern, wenn ich davon ausginge, dass es Gott (nicht) gibt?<\/p>\n<p>Wenn ich meinen Platz in dem Buch suche, stehe ich zwischen den beiden Protagonisten. Als Christ und studierter (evangelischer) Theologe bin ich eher auf der Seite des Priesters. Freiheitliche Gedanken, Grundeinstellungen und der ungeordnete Lebensstil \u00e4hneln wohl eher der Berliner Partykultur als dem Dorfpfarramt. Und in vielen Fragen springe ich, kann beide Seiten verstehen, wei\u00df manchmal selber nicht, wie ich mich klar positionieren soll. F\u00fcr die einen bin ich konservativ, in anderen Kreisen mit der gleichen Meinung liberal. Klar mag ich die Kirche als Gemeinschaft der Christen, aber ein solch blinder Gehorsam, wie es Franziskus zeigt, geht mir zu weit. In vielen Punkten bin ich froh (bei aller \u00f6kumenischer Offenheit), dem evangelischen Spektrum anzugeh\u00f6ren, wo die Kritik an der eigenen Institution (als &#8222;Protestant&#8220;) quasi immanent ist. Und doch sch\u00e4tze ich dieses tiefe Gott-Vertrauen, das ich bei Franziskus heraussp\u00fcre. Ich versuche gn\u00e4dig zu sein, wenn Menschen Fehler machen oder an Strukturen festhalten, die einer gesunden Entwicklung im Weg stehen. Und gleichzeitig kann ich mit einigen modernen Spielarten der freiheitlichen Gesellschaft nicht viel anfangen und verteidige Traditionen, wo sie mir hilfreich erscheinen.<\/p>\n<p>Das nehme ich aus dem Buch mit: Glaubensdinge kritisch anschauen ohne das reflektierte Vertrauen aufzugeben. Ich kann bei heiklen Fragen immer eine kleine Valerie in meinem Kopf haben, die mit rationalem Klargeist sagt &#8222;Warum denn?&#8220; und gleichzeitig einen kleinen Franziskus, der sagt &#8222;Gut, dass es so ist!&#8220;. Und beide d\u00fcrfen sein.<br \/>\nAuf jeden Fall hat mir das Buch wieder neu Lust gemacht, echte Atheisten kennenzulernen und tiefer zu bohren, was sie denken, f\u00fchlen, glauben. Nicht, um sie zu bekehren, sondern um sie zu verstehen und mit ihnen zwischen beiden Welten zu pendeln. Danke f\u00fcr diesen Ansto\u00df!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als 2016 das Projekt &#8222;Valerie und der Priester&#8220; online ging, war es ein viel beachteter Blog. 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