{"id":613,"date":"2018-01-06T20:29:43","date_gmt":"2018-01-06T18:29:43","guid":{"rendered":"http:\/\/medientheologe.de\/cms\/?p=613"},"modified":"2023-07-24T18:08:47","modified_gmt":"2023-07-24T16:08:47","slug":"filmtipp-jumanji-willkommen-im-dschungel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/medientheologe.de\/cms\/?p=613","title":{"rendered":"Filmtipp: Jumanji &#8211; Willkommen im Dschungel"},"content":{"rendered":"<p>Zwischen den Jahren war ich mit Freunden im Kino und positiv \u00fcberrascht von einem eigentlich recht platten Fantasy-Sequal. Wer erinnert sich noch an Jumanji aus dem Jahr 1995? Zwei Kinder spielen ein Spiel, das auf magische Weise selber steuert, Menschen einsaugt oder Dschungeltiere auswirft und droht die ganze Stadt zu verw\u00fcsten, wenn es nicht zu Ende gespielt wird. Technisch f\u00fcr die damalige Zeit gut gemacht, aber inhaltlich doch recht willk\u00fchrlich und kein besonderer Tiefgang. Deshalb hab ich mich mit dem Film auch nie n\u00e4her auseinandergesetzt. Was der aktuelle Film bei mir ausgel\u00f6st hat, m\u00f6chte ich hier kurz skizzieren:<\/p>\n<ol>\n<li>Ich bin mir bewust, dass es kein philosophischer ScienceFiction-Stoff ist, der herleiten m\u00f6chte, wie der Realit\u00e4tswechsel zwischen der Filmrealit\u00e4t und der Spielwelt geschieht, daher kann ich mich darauf einlassen, dass es nunmal so ist. In gewisser Weise ist es ein Gedankenexperiment, eine gemeinsame Fiktion oder im urspr\u00fcnglichen Wortsinne eine &#8222;kollektive Virtualit\u00e4t&#8220;. Wir befinden uns die meiste Zeit des Filmes also in einem virtuellen Dschungel, der funktioniert wie ein Computerspiel.<\/li>\n<li>Diese Spielwelt erzeugt bei mir schonmal Retrogef\u00fchle (vgl. klassische Adventure-Games wie Indiana Jones, Maniac Mansion etc). Es gibt NPC, die wichtige Infos geben, zu mehr Interaktion aber nicht in der Lage sind. Die Charakt\u00e4re haben individuelle F\u00e4higkeiten und k\u00f6nnen nur als Gruppe das Spiel gewinnen. Immer wenn eine Aufgabe gemeistert wurde, wird der Weg ins n\u00e4hste Level freigeschaltet. Auch hier: keine wissenschaftliche Detailtreue, aber viele Revivalmomente, wie das erlernen der Moves und der &#8222;Steuerung&#8220;, die zumindest zum Schmunzeln bringen.<\/li>\n<li>Das Setting ist spannend gew\u00e4hlt, denn diesmal spielen das Spiel vier Teenager, die im Alltag niemals gemeinsam agieren w\u00fcrden. So m\u00fcssen sie im Spiel auch erst lernen, sich gegenseitig ernst zu nehmen und nicht gegeneinander sondern gemeinsam zu spielen. Ich mag ja kollaborative Spiele und w\u00fcnsche mir, dass immer mehr Menschen verstehen, dass man auch im Leben miteinander weiterkommt als mit egozentrischen Alleing\u00e4ngen. Auch wenn das am Anfang etwas \u00dcberwindung kostet.<\/li>\n<li>Die Spieler m\u00fcssen sich mit ihren St\u00e4rken und Schw\u00e4chen auseinandersetzen. Zum einen mit denen, die sie im Alltag haben (oder zu haben meinen), zum anderen mit denen, die ihre Charakt\u00e4re im Spiel mitbringen. Und hier wird es richtig gut, weil sie St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck herausfinden, dass die vermeintlichen Looser bestimmte Dinge k\u00f6nnen, die die sonstigen Alphatiere eben nicht k\u00f6nnen. Hervorgerufen wird diese Erkenntnis dadurch, dass die Charakt\u00e4re die nat\u00fcrlichen Ausgangspunkte (K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe, Muskelkraft, Aussehen, Wissen, &#8230;) quasi umkehren. Der kr\u00e4ftige Footballspieler muss also anerkennen, dass der schm\u00e4chtige Nerd auf einmal Expeditionsleiter ist und dieser sich mit seiner Leiterrolle erst identifizieren. Das Selfigirl ist auf einmal Kartograph und das sch\u00fcchterne Mauerbl\u00fcmchen Kampfkunst-Vamp. Hier wird die Frage aufgeworfen, was einen Menschen ausmacht. Wer bin ich? Was steckt in mir? Ganz unabh\u00e4ngig, ob ich in einem Zauberspiel lande oder nur das echte Leben spiele&#8230;<\/li>\n<li>Gleichzietig bringen die Spieler aber auch ihre nat\u00fcrlichen F\u00e4higkeiten mit und lernen im Laufe des Films, dass auch ohne die Superkr\u00e4fte des Spielcharakters die anderen Personen durchaus was auf dem Kasten haben (das sie teilweise selber erst entdecken m\u00fcssen). Das ist ganz wichtig, damit der Transfereffekt am Ende funktioniert und wird durch den gesamten Verlauf stringent vorangetrieben.<\/li>\n<li>Sch\u00f6n ist dabei, dass der p\u00e4dagogische Lerneffekt nicht im Zentrum steht, sondern sich in eine lockere, kurzweilige und witzige Handlungskette einf\u00fcgt. Nat\u00fcrlich k\u00f6nnte man als Gamer an dieser Stelle etwas mehr Tiefe erwarten, aber gerade die offenkundig platten R\u00e4tsel sind es ja, die solchen Spielen vor 30 Jahren ihren Charme gegeben haben. Also \u00fcberzeugt auch hier die Oberfl\u00e4chlichkeit.<\/li>\n<li>Am Ende gewinnen die Superhelden nat\u00fcrlich knapp das Spiel in einem packenden Endkampf und kommen zur\u00fcck in ihre bekannte Realit\u00e4t. Auf einmal sind die Superkr\u00e4fte verflogen, das Aussehen ist wieder normal, aber zur\u00fcck bleibt ein gest\u00e4rktes Selbstbewusstsein und die Erkenntnis, eigentlich ein Held zu sein und einiges drauf zu haben. Und dadurch (ganz im Sinne der klassischen Heldenreise, die jeder Protagonist f\u00fcr sich aber verschachtelt durchmacht) gewinnen sie an Lebensqualit\u00e4t im Alltag und sind obendrein noch Freunde geworden.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Der Film schafft also das, was ein guter Unterhaltungsfilm tun soll. Er regt den Geist an, sich vorzustellen, was m\u00f6glich w\u00e4re, welche F\u00e4higkeiten man nutzen k\u00f6nnnte und dadurch bestehende gesellschaftliche Barrieren zu durchbrechen. Jeder Mensch ist vom Sch\u00f6pfer mit Gaben und F\u00e4higkeiten ausgestattet und nur gemeinsam k\u00f6nnen wir das Spiel des Lebens sinnvoll durchspielen.<br \/>\nVielleicht lag es auch daran, dass ich endlich mal wieder entspannt einen nicht beruflich relevanten Film geschaut habe und mich mit Freunden gut am\u00fcsiert habe. Aber bei mir kam der Film so gut an, dass ich danach das Original nochmal angeschaut habe. Tats\u00e4chlich war ich davon dann recht entt\u00e4uscht, weil zwar der Selbstwert-Aspekt dort auch vorkommt, aber viel eindimensionaler, leistungsorientierter und dem Zeitgeist geschauldet nat\u00fcrlich die ganzen sch\u00f6nen 80er-Jahre-Adventure-Referenzen fehlen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwischen den Jahren war ich mit Freunden im Kino und positiv \u00fcberrascht von einem eigentlich recht platten Fantasy-Sequal. Wer erinnert sich noch an Jumanji aus dem Jahr 1995? 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