{"id":549,"date":"2017-04-15T13:00:10","date_gmt":"2017-04-15T11:00:10","guid":{"rendered":"http:\/\/medientheologe.de\/cms\/?p=549"},"modified":"2021-12-17T19:46:03","modified_gmt":"2021-12-17T17:46:03","slug":"die-sache-mit-dem-kreuz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/medientheologe.de\/cms\/?p=549","title":{"rendered":"Die Sache mit dem Kreuz&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Gestern war Karfreitag, ein stiller Feiertag an dem wir dem Tode Jesu Christi gedenken. Ein trauriges Ereignis. Entsprechend habe ich den Tag ruhig gestaltet, habe einen <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/permalink.php?story_fbid=1316280521788098&amp;id=127867140629448\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kreuzweg in einer Baptistenkirche um die Ecke<\/a> besucht, wo man in knapp einer Stunde 7 Stationen des Leidens Jesu meditierend nacherleben kann. Sp\u00e4ter war ich in einem <a href=\"http:\/\/www.cpj.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Karfreitags-Gottesdienst <\/a>und habe abends noch einen Passionsfilm geschaut und den Abend in eigener Meditation ausklingen lassen.<\/p>\n<p>Ich finde, der Karfreitag eignet sich besonders, um aus der Normalit\u00e4t auszubrechen und sinnlich zu erleben, was wir in jedem Gottesdienst besingen. Der Sch\u00f6pfergott stirbt am Kreuz, damit wir leben k\u00f6nnen. Ein Kreuzweg kann das bieten, weil man sich &#8222;auf den Weg&#8220; macht\u00a0 und etwas nacherlebt. Auch wenn medial erlebter Schmerz und Dem\u00fctigung immer nur Anleihen sein k\u00f6nnen. Deshalb mute ich mir auch<a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/title\/tt0335345\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> Mel Gibsons Passion Christi <\/a>als Film zu. Ein harter Film voller Blut, Hass und Gewalt. Aber auch voller Liebe und Hingabe. Er erz\u00e4hlt die Passions-Geschichte ab Jesu Gebet in Getsemaneh bis zur Sterbestunde. Knappe 20 Stunden erz\u00e4hlte Zeit auf 2 Stunden grausam-martialischen Film reduziert; gespickt mit R\u00fcckblenden auf die ganz andere Lehre Jesu vorher: Die Bergpredigt, die Fu\u00dfwaschung, die Ehebrecherin, das letzte Abendmahl &#8211; Jesus lehrt Liebe, Vergebung, G\u00fcte und gelebte Demut. Er ist Menschen zugwandt und tut niemandem etwas zu leide. Dennoch erz\u00fcrnt er die religi\u00f6se Oberschicht gegen sich, weil er nicht nach ihren Regeln spielt und stattdessen Menschen in einen echten Kontakt zu Gott bringen m\u00f6chte, der Gerechtigkeit und Barmherzigkeit hervorruft.<\/p>\n<p>Der Film ist hart, aber vermutlich sehr nah an dem, was Jesus an dem Tag durchgemacht hat. Ich verstehe, dass nicht jeder einen so grausamen Film sehen mag. Gerade f\u00fcr Kinder ist er nicht geeignet und auch Erwachsene d\u00fcrfen an einigen Stellen die Augen schlie\u00dfen ohne sich sch\u00e4men zu m\u00fcssen. Ich mag an dem Film gerade, dass er so eine Abscheu ausl\u00f6st. Man merkt, dass da etwas nicht stimmt, dass es zu viel, zu krass, zu grausam ist. Weil Jesus sehr wahrscheinlich genau das gef\u00fchlt hat. Stop, genug, reicht jetzt. Die Kreuzigung war kein Spaziergang, sondern tats\u00e4chlich die grausamste Art der R\u00f6mer, Menschen hinzurichten. Das hat Mel Gibson sehr gut erkannt und umgesetzt.<\/p>\n<p>2004, als der Film neu im Kino lief, gab es Kontroversen, ob die Juden zu schlecht wegkommen und dar\u00fcber hinaus zu der Frage, wer eigentlich Jesus ans Kreuz gebracht hat.<br \/>\nIn einer Karfreitagspredigt hab ich damals gesagt: Die Juden haben Jesus angeklagt und seinen Tod gefordert, die R\u00f6mer haben den Befehl zur Hinrichtung gegeben. Jesus hat die ganze Zeit geschwiegen (je nach Evangelium hat er einzelne Worte oder S\u00e4tze gesagt, aber keine ernsthafte Verteidigung). Er h\u00e4tte es in der Hand gehabt, Pilatus zu \u00fcberzeugen und freigesprochen zu werden, das hat er nicht genutzt und damit letztlich seinen Tod selber zu verantworten. Jesus hat sich selber ans Kreuz gebracht!? Warum hat er das gemacht? Weil er als inkarnierter Gott die Trennung zwischen Menschen und Gott aufheben und Gemeinschaft wieder m\u00f6glich machen wollte. Weil er die S\u00fcnde s\u00fchnen und Schuld vergeben wollte. Weil er wusste, dass wir Menschen es nicht aus eigener Kraft schaffen, mit Gott in Gemeinschaft zu leben. Das sieht man im Film, wo weder die Juden, noch die R\u00f6mer, aber auch nicht die J\u00fcnger besonders gut wegkommen. Und auch heute sind wir Menschen immer noch weit weg davon, Gottes Ma\u00dfst\u00e4be von Liebe &amp; Vergebung selber zu leben.<\/p>\n<p>Wir singen Lieder wie &#8222;Ich seh das Kreuz, und nichts anderes muss ich sehen. Ich seh das Kreuz, komm und glaube ruft es mich.&#8220; als locker flockige Lobpreissongs in fr\u00f6hlicher Auferstehungshaltung und haben doch so wenig verstanden, was das Kreuz bedeutet. Jesus ist eben nicht lebendig vom Kreuz heruntergekommen, um seine Macht zu demonstrieren, er hat auch nicht seine Gefangennahme und Gei\u00dfelung abgebrochen, sondern er hat das Leid ausgehalten. Wir sollten nicht vor dem Kreuz weglaufen, weil wir ja schon wissen, dass Ostern folgen wird. Nat\u00fcrlich leben wir \u00fcber 300 Tage im Jahr aus der Osterfreude heraus, aber daf\u00fcr m\u00fcssen wir auch die andere Seite ernst nehmen, ruhig werden und mit Jesus durch das Leid gehen. Bei der Taufe werden wir in sein Leid, in seinen Tod hinein getauft, um gemeinsam mit ihm auferstehen zu k\u00f6nnen. (Passenderweise war die Grabesstation beim Kreuzweg im baptistischen Taufbecken gestaltet, sodass man tats\u00e4chlich durch Jesu Grab hindurchgehen konnte.) Und so bleibt der Abend des Karfreitags und der Samstag f\u00fcr mich eine ruhige Zeit, in der ich garnicht tanzen und feiern m\u00f6chte. An dem auch keine fr\u00f6hlichen Lieder oder ausgelassenen Feste passen. Die Gemeinschaft und die Freude passen am Sonntag wieder. Dann umso mehr. Darauf freue ich mich.<\/p>\n<p>Da passt dann auch die fr\u00f6hliche Coda des erw\u00e4hnten Liedes wieder: &#8222;Wir werden auferstehen und ewig leben, weil du f\u00fcr uns starbst. Wir werden auferstehen und ewig leben, weil du in uns lebst. Ich seh das Kreuz!&#8220; Ja, die Auferstehungsfreude wird kommen, aber jetzt m\u00f6chte ich trauernd stehendbleiben und dem Kreuz nicht ausweichen, es in Ehrfurcht wirken lassen, ein St\u00fcck tiefer verstehen, was da geschehen ist.<\/p>\n<p>Passend dazu: &#8222;<a href=\"http:\/\/medientheologe.de\/cms\/?p=559\">Der Herr ist auferstanden!<\/a>&#8222;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern war Karfreitag, ein stiller Feiertag an dem wir dem Tode Jesu Christi gedenken. Ein trauriges Ereignis. Entsprechend habe ich den Tag ruhig gestaltet, habe einen Kreuzweg in einer Baptistenkirche um die Ecke besucht, wo man in knapp einer Stunde 7 Stationen des Leidens Jesu meditierend nacherleben kann. 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