{"id":523,"date":"2017-01-17T10:45:42","date_gmt":"2017-01-17T08:45:42","guid":{"rendered":"http:\/\/medientheologe.de\/cms\/?p=523"},"modified":"2021-12-17T19:46:43","modified_gmt":"2021-12-17T17:46:43","slug":"on-the-internet-nobody-knows-youre-a-god","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/medientheologe.de\/cms\/?p=523","title":{"rendered":"On the Internet nobody knows, you\u2019re a god!?"},"content":{"rendered":"<p>Wie verhalten sich Menschen online? St\u00e4rkt die intensive Hand-Auge-Koordination das Denken und Verstehen komplexer Zusammenh\u00e4nge oder vertr\u00f6deln wir vor stumpfen Klick-Spielen unsere Zeit, weil wir in Selbstzweifel getrieben werden und nach Best\u00e4tigung hungern? Urspr\u00fcnglich erschienen im Herbst 2016 in einem Beitrag f\u00fcr den theologischen Sammelband <a href=\"http:\/\/www.ebv-berlin.de\/Band-7-VielfaeltigeVernetzung\">\u201eVielf\u00e4ltige Vernetzung\u201c<\/a> zum Thema der KMU V und der daraus resultierenden Folgen. Hier ein zweiter Ausschnitt daraus f\u00fcrs Web leicht umformuliert (dennoch etwas l\u00e4nger)\u2026<\/p>\n<hr \/>\n<p>Im Original hei\u00dft der Satz \u201eOn the Internet, nobody knows you&#8217;re a dog\u201d (Im Internet wei\u00df niemand, dass du eigentlich ein Hund bist.) und stammt aus einem <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/On_the_Internet,_nobody_knows_you're_a_dog\">Cartoon von Peter Steiner<\/a>.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><\/a>In der fr\u00fchen Phase des Internets sollte er ausdr\u00fccken, dass man seine Identit\u00e4t online bewusst verf\u00e4lschend darstellen kann. Mittlerweile ist diese Sichtweise relativiert worden. Die meisten Menschen haben erkannt, dass auch in der Kohlenstoffwelt Kleider Leute machen und dass man sich sehr wohl dem Anlass entsprechend sehr einseitig pr\u00e4sentiert oder sogar falsche Fakten vorspielen kann.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\"><\/a> In sozialen Netzwerken des Internets besteht ebenso die von vielen Leuten genutzte M\u00f6glichkeit, sich selbst ein wenig aufzupolieren oder nur bestimmte Fakten zu nennen und traurige bzw. langweilige Bereiche auszublenden. Wenn man hingegen online mit den Schattenseiten des eigenen Daseins konfrontiert wird, bricht das Kartenhaus leicht zusammen, man geht im Shitstorm unter oder verliert das Selbstwertgef\u00fchl, das n\u00f6tig ist, um sich selber dauerhaft als Marke online zu pr\u00e4sentieren. Allerdings scheinen gerade junge Menschen auf Instagram und Snapchat immer st\u00e4rker einer Sucht nach Perfektion und Selbstoptimierung zu verfallen und durch die sch\u00f6pferischen M\u00f6glichkeiten der virtuellen Welten wie SecondLife, The Sims oder Minecraft gewisse Allmachtsphantasien zu entwickeln.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-525 aligncenter\" src=\"http:\/\/medientheologe.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/dogma_rpten-300x169.jpg\" alt=\"DOG:MA I AM:GOD\" width=\"327\" height=\"184\" srcset=\"https:\/\/medientheologe.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/dogma_rpten-300x169.jpg 300w, https:\/\/medientheologe.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/dogma_rpten-600x337.jpg 600w, https:\/\/medientheologe.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/dogma_rpten.jpg 605w\" sizes=\"auto, (max-width: 327px) 100vw, 327px\" \/>DOGMA \u2013 I AM GOD. Spielerischer Spiegeleffekt, gefunden bei der Internetkonferenz re:publica 2016 in Berlin.<\/p>\n<p>Das Dogma dieser Generation ist: \u201eIch bin Gott!\u201c Alles ist mir m\u00f6glich, alles sollte erlaubt sein, und wer eine Nutzung einschr\u00e4nkt vergeht sich an meiner k\u00fcnstlerischen Freiheit.<\/p>\n<p>Jeder will f\u00fcr sich herrschen und sch\u00f6pfen. Das eigene Profil, der eigene YouTube-Kanal und die eigene Minecraft-Map zeigen, was ICH alles kann. Auf der anderen Seite gibt es zahlreiche kooperative Onlinespiele, bei denen man eben nicht als Einzelspieler, sondern in Gruppen (Clan, Gilde, Team, \u2026) zum Erfolg kommt. Ebenso funktionieren viele Arbeitsprozesse der Arbeit4.0 nur partizipativ.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\"><\/a> Man ist Teil eines Kollektivs, bringt einen Teil ein und sieht das Gesamtwerk wachsen. Und im schlimmsten Falle wird man sogar Opfer des Systems, wenn man nicht richtig funktioniert, nicht die richtige Leistung bringt oder krankheitsbedingt ausf\u00e4llt und ohne jegliche Emotion durch eine andere Arbeitskraft ersetzt wird.<\/p>\n<p>Das digitale Ich ist also im Netz zun\u00e4chst virtuell pr\u00e4sent: als autarker Sch\u00f6pfer, als wichtiger Teamplayer, als austauschbares Rad im Getriebe. Im Internet f\u00e4ngt man als kleines Rad an. Niemand wei\u00df, dass man eigentlich das Potential eines Sch\u00f6pfers hat, man muss sich beweisen. Durch Eigenleistung kann man sich einen Status erarbeiten, durch Partnerschaften und Allianzen kann man an Bedeutung gewinnen und durch hohes Engagement im richtigen Team letztlich \u2013 wenn alles gut geht \u2013 die kreative Leistung erbringen, zu der man im Stande ist.<\/p>\n<p>Das christliche Menschenbild baut darauf auf, dass der Mensch als Abbild Gottes tats\u00e4chlich mit sch\u00f6pferischer Kraft ausgestattet ist (Vgl. Genesis 2)<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\"><\/a>. Er ist nur wenig geringer als die Wesen in Gottes Realit\u00e4t (Vgl. Psalm 8,6)<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\"><\/a> geschaffen. Wir sind seine geliebten Kinder, durch die er in der Welt wirken will, die ihn nicht kennt. (Vgl. 1.Joh. 3,1)<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\"> <\/a>Abseits von egozentrischen Gottphantasien kann also ein christlicher Ansatz den Menschen bef\u00e4higen, digitale Vernetzung zu nutzen, um sein Potential anzuwenden, und die Welt \u2013 online wie offline \u2013 zu einem g\u00f6ttlicheren Ort zu machen. Menschen k\u00f6nnen ein wenig Gott an die Stellen bringen, die sonst von selbsts\u00fcchtigem Machtstreben gepr\u00e4gt sind, indem sie die Liebe leben, von denen das Evangelium redet. Menschen k\u00f6nnen als Vernetzte aktive N\u00e4chstenliebe statt Selfisucht leben, flauschen statt shitstormen, andere unterst\u00fctzen statt sich abzugrenzen, und verstehen statt zu l\u00e4stern. Das ist nicht immer einfach, oft bedeutet es harte Arbeit. Aber die Kirche wird dann als geistliche Gemeinschaft ernst genommen, wenn ihre Mitglieder von der Masse unterscheidbar leben. Wenn Christenmenschen gegen den Trend soziale Netzwerke wirklich \u201esozial\u201c (<a href=\"http:\/\/www.duden.de\/rechtschreibung\/sozial\">= dem Gemeinwohl dienend<\/a>) nutzen, erm\u00f6glicht das gleichzeitig ein Wachsen \u00fcber den Tellerrand hinaus. Und letztlich offenbart jedes Onlineprofil viel vom tats\u00e4chlichen Charakter. Wie man sich online geb\u00e4rdet zeigt, wer sich hinter der physischen Fassade verbirgt. Und wie eine Kirche sich in digitalen Welten einbringt, zeigt wie stark sie von Gottes Botschaft durchdrungen ist.<\/p>\n<p>Im Internet wei\u00df niemand, dass ich ein Gott bin. Im Internet haben Kirchen auch keinen moralischen Vorsprung. Eher werden sie als moralisierende, altmodische Machtinstitutionen gesehen und anhand ihrer aktuellen Skandale \u2013 Missbrauch, Protzerei, Spaltungen und Lieblosigkeit \u2013 bewertet. Wie w\u00e4re es, wenn immer mehr Menschen, Werke und Vertreter der Institutionen ein positives Gegenbild vermitteln w\u00fcrden? Ein Vernetzen im Namen der Liebe, der Gerechtigkeit und der Menschlichkeit? Dann w\u00fcrde man nicht nur mit Menschen aus der eigenen Konfession Allianzen bilden, nicht nur binnenkirchliche Vernetzung hochhalten, sondern mit allen Menschen guten Willens gemeinsam daran arbeiten, die Onlinewelt zu einem Ort zu machen, an dem Gottes Liebe sp\u00fcrbar ist. Und die Menschen vor den Bildschirmen k\u00f6nnten online erfahren, wie Gottes Liebe aussehen kann und das in ihren physischen Netzwerken weitergeben. So k\u00f6nnte digitale Vernetzung kirchliche Gemeinschaft in allen Dimensionen st\u00e4rken.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie verhalten sich Menschen online? St\u00e4rkt die intensive Hand-Auge-Koordination das Denken und Verstehen komplexer Zusammenh\u00e4nge oder vertr\u00f6deln wir vor stumpfen Klick-Spielen unsere Zeit, weil wir in Selbstzweifel getrieben werden und nach Best\u00e4tigung hungern? 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