{"id":519,"date":"2017-01-06T09:08:40","date_gmt":"2017-01-06T07:08:40","guid":{"rendered":"http:\/\/medientheologe.de\/cms\/?p=519"},"modified":"2021-12-17T19:46:49","modified_gmt":"2021-12-17T17:46:49","slug":"drei-dimensionen-menschlicher-kommunikation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/medientheologe.de\/cms\/?p=519","title":{"rendered":"Drei Dimensionen menschlicher Kommunikation"},"content":{"rendered":"<p>Wirkt Gott in SocialMedia? Kann man online geisltiche Erfahrungen machen? Weil ich bei Vortr\u00e4gen oft Fragen zu dem Thema bekomme, habe ich mal ein paar Dinge zusammengeschrieben. Urspr\u00fcnglich erschienen im Herbst 2016 in einem Beitrag f\u00fcr den theologischen Sammelband <a href=\"http:\/\/www.ebv-berlin.de\/Band-7-VielfaeltigeVernetzung\">&#8222;Vielf\u00e4ltige Vernetzung&#8220;<\/a> zum Thema der KMU V und der daraus resultierenden Folgen f\u00fcr kirchliche Vernetzung. Hier jetzt ein Ausschnitt daraus f\u00fcrs Web leicht umformuliert (dennoch etwas l\u00e4nger)&#8230;<\/p>\n<hr \/>\n<p>Kommunikation in der virtuellen Realit\u00e4t<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><\/a> folgt \u00e4hnlichen Gesetzen wie in der physischen Realit\u00e4t <a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>. Ebenso kann Kommunikation in der geistlichen Realit\u00e4t \u2013 also die authentische Kommunikation des Individuums mit der Gottheit \u2013 als dritter Kanal betrachtet werden. Jeder Kanal hat spezifische Nutzwirkungen und am Ende bleibt die inhaltliche Frage, auf welche Form der Kommunikation man sich in welchem Szenario einlassen will.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-520 aligncenter\" src=\"http:\/\/medientheologe.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/3Ebenen-Farbe-300x166.jpg\" alt=\"\" width=\"422\" height=\"234\" srcset=\"https:\/\/medientheologe.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/3Ebenen-Farbe-300x166.jpg 300w, https:\/\/medientheologe.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/3Ebenen-Farbe-768x424.jpg 768w, https:\/\/medientheologe.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/3Ebenen-Farbe-1024x566.jpg 1024w, https:\/\/medientheologe.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/3Ebenen-Farbe-600x332.jpg 600w, https:\/\/medientheologe.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/3Ebenen-Farbe-672x372.jpg 672w, https:\/\/medientheologe.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/3Ebenen-Farbe-1038x576.jpg 1038w, https:\/\/medientheologe.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/3Ebenen-Farbe.jpg 1176w\" sizes=\"auto, (max-width: 422px) 100vw, 422px\" \/><\/p>\n<p>Wenn es nun im zwischenmenschlichen Bereich diese drei Realit\u00e4tsebenen gibt (physisch, virtuell, geistlich), die alle drei in dem Sinne real sind, dass sie unsere Wirklichkeit beeinflussen, wird deutlich, dass wir in der Kommunikation mit anderen Menschen interaktive Erfahrungen auf allen drei Ebenen machen k\u00f6nnen. \u00c4hnlich wie die vier Seiten Seiten einer Nachricht nach Schulz von Thun (Sach, emotional, Apell, Selbstoffenbarung) k\u00f6nnen wir auch auf diesen drei Kan\u00e4len parallel kommunizieren.<\/p>\n<p>Als Erweiterung der zwischenmenschlichen Kommunikation treten viele Menschen auch mit einer nicht fassbaren Gestalt in Kontakt, die sie Gott nennen. Gott hat nach christlicher \u00dcberlieferung in der Sch\u00f6pfung sehr konkret in unsere Realit\u00e4t eingegriffen und ist \u2013 als Sch\u00f6pfergott der neuen Kreatur \u2013 immer noch dazu in der Lage, unsere physische Realit\u00e4t zu ver\u00e4ndern. Ebenso bezeugen viele biblische Ereignisse und menschliche Lebensberichte, dass Gott sie geistlich angesprochen hat bzw. dass sie sich durch geistliche Kommunikation mit ihm verbunden haben. <a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n<p><em>Beispiel: Wir k\u00f6nnen ein Gebet in einer Kirche live ins Internet streamen und so gleichzeitig geistlich mit Gott im Gespr\u00e4ch sein, diese Kommunikation physisch in einer Kirche verorten und in den virtuellen Raum einspeisen. Auf allen drei Ebenen kann das Gebet wahrgenommen werden (von Gott, von den Menschen um uns herum, von den Internetzuschauern) und kann es Reaktionen darauf geben. Die erwartete Reaktion auf ein Gebet ist zum Beispiel auf der geistlichen Ebene, dass Gott die Bitte erh\u00f6ren m\u00f6ge oder meinen Blick f\u00fcr seine Perspektive \u00f6ffnen m\u00f6ge. Unabh\u00e4ngig davon, ob und wie diese Reaktion eintritt und\/oder mir bewusst wird, kann mein Gebet Menschen vor Ort bewegen und ihr Herz ver\u00e4ndern. Gleichzeitig k\u00f6nnen sie mein Gebet mit ihrem \u201eAmen\u201c bekr\u00e4ftigen, durch ihr Verhalten oder weitere Gespr\u00e4che mit mir interagieren, mich best\u00e4rken oder durch gelangweiltes G\u00e4hnen dazu bewegen, schneller zum Schluss zu kommen. Ebenso real k\u00f6nnen allerdings auch Menschen angesprochen sein, die sich nicht im gleichen Raum aufhalten und nur auf der virtuellen Ebene erreicht werden. F\u00fcr sie kann das Gebet ebenso real sein, sie k\u00f6nnen eigene geistliche Erfahrungen machen und auch sie k\u00f6nnen \u2013 bei vorhandenem R\u00fcckkanal \u2013 ein Feedback senden. Bei zeitversetzter Onlineausstrahlung kann eine Reaktion so auch sp\u00e4ter stattfinden.<\/em><\/p>\n<p>Analog zu dieser vertikalen Gott-Mensch-Kommunikation kann man die Kommunikation von Menschen mit Maschinen beschreiben. Der Mensch als Sch\u00f6pfer eines Computerprogrammes gibt dem Programm grunds\u00e4tzliche Regeln, l\u00e4sst es im vorgegebenen Rahmen mit konkreten Eingaben eigenst\u00e4ndig ablaufen und ist f\u00fcr \u00c4nderungsabl\u00e4ufe, Wartung und Neuorientierung weiterhin auf Empfang. Gerade mit Blick auf k\u00fcnstliche Intelligenz lassen Programmierer ihren Sch\u00f6pfungen aber immer mehr Freiheit und reagieren auf Kontaktaufnahmen der Maschine, sodass die Mensch-Maschine-Kommunikation eine \u00e4hnlich gelagerte interaktive vertikale Kommunikationsstruktur aufweist. Die Programmierung intelligenter Ger\u00e4te wird dabei immer \u00f6fter nicht nur durch virtuelle Programmierbefehle, sondern auch durch Gesten und physische Verhaltensweisen gesteuert. Im Gesamtbild der Mensch-Maschine-Kommunikation ist insbesondere der SocialMedia-Bereich interessant, in dem mehrere Menschen in einer Community vernetzt und so Mensch-Computer-Mensch-Kommunikation erm\u00f6glicht wird. Hier bestimmt ein Algorithmus, welche Informationen einem Nutzer angezeigt werden. Der Sender einer Information bleibt also Herr \u00fcber die Maschine, die aber in eigener Entscheidung mit diesen Eingaben umgeht und somit beeinflusst, wie die Kommunikation von anderen Menschen wahrgenommen wird. Wir erleben also eine Situation des machtlosen Sch\u00f6pfers, der sich entschieden hat, seiner Sch\u00f6pfung bestimmte Freiheiten zuzugestehen und nun nicht mehr in alle Teilbereiche eingreifen kann, dennoch aber das geschaffene Gesamtsystem weiterhin aktiv nutzen kann. <a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n<p><em>Beispiel: Ein Mann lernt online eine Frau kennen. Sie tauschen einige Textnachrichten aus, finden sich interessant, sehen sich auf Fotos, diskutieren \u00fcber Themen, die sie interessieren und verabreden sich schlie\u00dflich auf einen Kaffee. F\u00fcr den Mann hat diese Kommunikation im Kopf begonnen. Er hat ein Ziel verfolgt, sich auf einen Prozess eingelassen und ist einen virtuellen Weg gegangen. Gleichzeitig hat aber vermutlich dieser Weg auch k\u00f6rperliche Reaktionen bei ihm ausgel\u00f6st. Erh\u00f6hter Herzschlag, verst\u00e4rkte Aufmerksamkeit, starke Zeitinvestition und einhergehende Vernachl\u00e4ssigung der Alltagsaufgaben. Vielleicht schl\u00e4ft er nicht mehr gut, vielleicht vers\u00e4umt er wichtige Offline-Termine, vielleicht wirkt er auch besonders aufgeschlossen und lebendig auf seine Mitmenschen. Er hat bisher lediglich eine virtuelle Kommunikation get\u00e4tigt, ist jedoch physisch davon sehr beeinflusst und hat vermutlich bei der Frau \u00e4hnliche physische Reaktionen hervorgerufen. Ebenso haben die beiden durch die Anh\u00e4ufung von massenweise Metadaten auch die Verfassung des SocialMedia-Netzwerks in dem sie sich austauschen ver\u00e4ndert.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\"><strong>[4]<\/strong><\/a> BigData soll nicht als mitf\u00fchlendes Wesen dargestellt werden, ist jedoch in seiner Existenz ein sich ver\u00e4nderndes Gebilde, das durch den Input und daraus resultierende Interpretationen Schl\u00fcsse zieht, die wiederum die beiden Nutzer in ihrer physischen und virtuellen Realit\u00e4t entscheidend pr\u00e4gen.<\/em><\/p>\n<p>Die meisten Theisten sind sich darin einig, dass Gott mit uns auf der geistlichen Ebene interagieren kann. Ob und wie genau menschliches Gebet einen Einfluss auf den Willen Gottes hat, sei dahingestellt. Aber da Gott au\u00dferhalb unserer Raumzeit existiert, ist diese Realit\u00e4tsebene daf\u00fcr pr\u00e4destiniert, mit Gott zu kommunizieren. Ebenso kann man auch verst\u00e4ndlich herleiten, dass der Sch\u00f6pfer von Himmel und Erde einen Einfluss auf unsere physische Realit\u00e4t hat \u2013 zumindest einseitig. Betrachtet man den Missionsbefehl und Jesu Worte \u00fcber das Weltgericht, scheint es auch eine Schnittstelle zu geben, wie unser physisches Handeln einen Einfluss auf Gottes Realit\u00e4t hat. Gott und Mensch stehen also zumindest auf geistlicher und physischer Ebene in bidirektionaler Kommunikation.<\/p>\n<p>Ebenso verh\u00e4lt es sich mit der Kommunikation zwischen Mensch und \u201edem Internet\u201c oder SocialMedia.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> Der prim\u00e4re Kanal f\u00fcr diese Kommunikation ist der virtuelle, weil wir \u00fcber Eingabeger\u00e4te etwas nicht physisch Geschaffenes in das System einspeisen, das keine Entsprechung in der Kohlenstoffwelt hat und auch beim Betrachter nur als virtuelle Information auf dem Monitor oder \u00e4hnlichen Ausgabeger\u00e4ten erscheint. Gleichzeitig betonen Suchthilfestellen immer wieder, dass eine zu starke Nutzung von Internetdiensten durchaus auch physische Folgen haben kann: Schlafentzug, Hunger, Durst, fehlende Hygiene oder Vernachl\u00e4ssigung beruflicher Pflichten f\u00fchren dazu, dass das physische Leben durch virtuelle Kommunikation gesch\u00e4digt wird. Andersherum gibt es immer wieder Menschen, die durch geschickte Investitionen in virtuelle Welten oder als ProGamer viel Geld verdienen oder mit Dienstleistungen im virtuellen Bereich ihr physisches Leben verbessern k\u00f6nnen. Es liegt also auf der Hand, dass die Kommunikation zwischen Mensch und SocialMedia zumindest virtuell und physisch in beide Richtungen abl\u00e4uft.<\/p>\n<p>Bei Vortr\u00e4gen erlebe ich oft, dass Zuh\u00f6rer bis dahin mitgehen k\u00f6nnen, aber an der Stelle einhaken und meinen, das w\u00fcrde doch gen\u00fcgen. Dass Gott auch virtuell erfahrbar ist oder dass man \u00fcber die geistliche Ebene auf die SocialMedia-Sph\u00e4re zugreifen kann, scheint ihnen zu fremd zu sein. Daher m\u00f6chte ich diese beiden Punkte nun separat betrachten. Dabei ist mir wichtig zu sagen, dass ich nicht alte Modelle abl\u00f6sen m\u00f6chte und auch nicht Menschen dazu dr\u00e4ngen m\u00f6chte, alle m\u00f6glichen Kan\u00e4le auch zu nutzen, sondern dass es hier lediglich darum geht, prinzipielle M\u00f6glichkeiten aufzuzeigen.<br \/>\nZuerst die Frage, ob ein Mensch mit Gott auf virtuellen Wegen kommunizieren kann. Dazu ist es hilfreich, den Begriff der Virtualit\u00e4t genauer zu untersuchen. Von lat. virtus kommend bezeichnet etwas Virtuelles ein durch \u201eManneskraft\u201c oder gegendert \u201emenschliche Kreativit\u00e4t\u201c gewirktes Etwas. Dabei ist weder ein technisches Grundsystem noch eine Abwertung gegen\u00fcber der Materie vorgegeben. Virtuell ist jeder Gedanke, den ein Mensch denkt, jeder Wunsch, Traum, jedes Objekt der Vorstellungskraft. In erster Stufe gibt es dabei Virtuelles in uns (Gedanken), in zweiter Stufe geteilte Virtualit\u00e4t (ein gemaltes Bild oder eine aufgeschriebene Geschichte) und in dritter Stufe vernetzte Virtualit\u00e4t (geteilte Fiktion, die wir gemeinsam weiterentwickeln).<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> Wenn wir nun jeden k\u00fcnstlerischen Gedanken und jede Inspiration als Virtualit\u00e4t begreifen und gleichzeitig daran festhalten, dass gro\u00dfe Kunst von Gott inspiriert sein kann, wird automatisch der virtuelle Kanal auch ein Zugangsweg zu Gott. Gott kann unsere Gedanken inspirieren und wir k\u00f6nnen mit der Kunst, die wir schaffen, darauf antworten. Die Kunst kann sicherlich auch physisch (ein gemaltes Bild) oder geistlich (eine Predigt) sein, aber ebenso auch in virtuellen Systemen der dritten Stufe stehen bleiben (vernetzte Onlinekunst). Somit ist gezeigt, dass der Zugang zwischen Gott und Mensch oder Mensch und Gott durchaus auch auf der virtuellen Ebene liegen kann.<br \/>\nNach diesem Weg ist nun als letzter Schritt die Frage zu beantworten, ob uns unsere SocialMedia-Nutzung auch auf der geistlichen Ebene beeinflussen kann. Sicherlich kann man anmerken, dass der Zugang zu digitalen Informationen in Computernetzwerken immer durch virtuelle Kan\u00e4le geschieht. Allerdings kann, ebenso wie die digitale Welt unsere physische Selbstwahrnehmung au\u00dfer Kraft setzen kann, wenn wir beim stundenlangen Daddeln die Zeit vergessen, auch unsere geistliche Realit\u00e4t direkt von SocialMedia-Erlebnisse gepr\u00e4gt werden. Es gibt Berichte von Menschen, die in virtuellen Welten wie World of Warcraft eine Totenklage und Trauerfeier f\u00fcr einen in der physischen Welt verstorbenen Mitspieler abgehalten haben. Andere Menschen erz\u00e4hlen, dass sie von einer Onlinepredigt oder einem YouTube-Video derart angesprochen waren, dass sie Gottes N\u00e4he gesp\u00fcrt haben. Und in virtuellen Andachtsr\u00e4umen finden immer wieder Menschen eine Schnittstelle, die etwas in Ihnen zum Klingen bringt, was weder selbst gewirkt noch materiell greifbar und somit nach unserer Definition geistlich zu nennen ist. Das Beispiel von <a href=\"http:\/\/www.amen.de\">Amen.de<\/a> zeigt in der Tridirektionalit\u00e4t der Kommunikation, dass auf Gebete, die ein Mensch online einstellt auch eine virtuelle Verteilung und geistliche Verarbeitung folgen kann, deren Auswirkungen der Absender dann zumindest virtuell, erwartungsgem\u00e4\u00df aber auch geistlich (und ggf in der Folge physisch) erleben kann.<\/p>\n<p>Somit ist gezeigt, dass ein Mensch sowohl mit Gott als auch mit SocialMedia auf allen Kommunikationsebenen interagieren kann. Ob man diese Erfahrungen auch auf allen Ebenen tats\u00e4chlich macht, h\u00e4ngt freilich nicht nur von der M\u00f6glichkeit ab, sondern auch davon, ob man es zul\u00e4sst.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> Wer mit verstocktem Herzen eine Kirche betritt, wird weniger offen f\u00fcr geistliche Erfahrungen sein, und wer mit n\u00fcchternem Verstand ein Liebesgedicht liest, wird weniger angesprochen von der Kunst der Poesie sein. Ebenso kann man bei der SocialMedia-Nutzung entscheiden, auf welchem Ohr man h\u00f6ren will, welche Ebenen man auf Empfang schaltet und welche Erwartungen man an die Kommunikation hat. Wenn die Kirche vernetzte Onlineerfahrungen f\u00f6rdern will, muss sie zulassen, dass Menschen sich ganzheitlich auf digitale Welten einlassen. Nat\u00fcrlich muss sie genauso auch die Backsides beleuchten: Suchtprobleme, Selbstreduktion und ideologische Fremdbestimmung ernstnehmen. Sie sollte aber Gottes Wirken dort genau so offen erwarten, wie sie es in der stillen Selbstreflexion, beim papierbasierten Bibellesen oder in einem Vor-Ort-Gottesdienst erwartet.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Die oft vorgenommene verk\u00fcrzende Unterscheidung in virtuell vs. real soll bewusst konkretisiert werden, um zu verdeutlichen, dass auch Kommunikation in der virtuellen Welt einen sp\u00fcrbaren Einfluss auf die menschliche Existenz hat, also durchaus real ist. Daher ist die Unterscheidung in verschiedene Realit\u00e4tsebenen produktiver, die diesem Abschnitt zugrunde liegen wird. Vgl.: Kopjar: Kommunikation des Evangeliums, S.31ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a>Da Gottes Realit\u00e4t f\u00fcr unserer Wahrnehmung nur indirekt zug\u00e4nglich ist und die Interpretation von Gottes Handeln immer durch subjektiv menschliche Interpretation gef\u00e4rbt ist, bleibt Gottes Souver\u00e4nit\u00e4t in dieser Ausf\u00fchrung unangetastet. Dennoch ist in der christlichen Tradition die Annahme einer generellen M\u00f6glichkeit verankert, mit Gott in Kontakt zu treten, wenn Christen sich in Gebeten an ihn wenden und darauf vertrauen, dass er daraufhin aktiv in die menschliche Realit\u00e4t eingreift. Ebenso bezeugt die Tauflehre, dass physische menschliche Taten eine Auswirkung auf die kommende Realit\u00e4t Gottes haben.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Die allgemeine Mensch-Maschine-Kommunikation wird greifbarer, wenn man sie anhand von konkreten Beispielen diskutiert. Das kann ein bestimmtes Programm, eine bestimmte Online-Community oder eine bestimmte Szenerie sein. Smartphone-Kommunikation macht sie massentauglich und verortet sie im Alltag und die Mainstreamnetzwerke gro\u00dfer SocialMedia-Anbieter erreichen \u00e4hnlich gro\u00dfe Zielgruppen wie die weltweiten Religionen. Die Namen wandeln sich dabei in kurzer Zeit, die kommunikativen Konzepte bleiben l\u00e4ngerfristig erhalten. Daher soll hier SocialMedia als Ph\u00e4nomen betrachtet werden, ohne konkrete Netzwerke direkt zu nennen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Ob man in Gottes Realit\u00e4t von \u201ephysisch\u201c sprechen kann, darf diskutiert werden. Bei Algorithmen und Datenstrukturen von \u201ePhysis\u201c zu reden, d\u00fcrfte den meisten zu weit gehen. Dennoch ist es hier hilfreich, die Worte beizubehalten, um die Systeme vergleichen zu k\u00f6nnen und sich gleichzeitig bewusst zu machen, dass man f\u00fcr die emotionale Beschreibung von Maschinen neue Begriffe wird finden m\u00fcssen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> SocialMedia meint hier v.a. das Gesamtkonzept, bei dem nat\u00fcrlich eine Vielzahl von Maschinen und anderen Menschen beteiligt ist, meist aber eine konkrete Zielperson oder Gruppe der Gegenpart einer Kommunikation ist, selbst wenn (wie auf Twitter oder bei einem Blog) eine Nachricht prinzipiell offen an alle gesendet wurde. F\u00fcr diese Argumentation betrachten wir den Kommunikationspartner SocialMedia also bewusst verk\u00fcrzend als eine Einheit.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Bernd Michael Haese: Hinter den Spiegeln. Kirche im virtuellen Zeitalter des Internet, Bonn 2006., S.15.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Der Vollst\u00e4ndigkeit halber sei erg\u00e4nzt: und von Gottes Handeln, der unabh\u00e4ngig vom genutzten Kanal autark Segen schenken und verwehren kann. Da alles von Menschen geschaffene auch Teil seiner Sch\u00f6pfung ist, ist davon auszugehen, dass f\u00fcr ihn unsere SocialMedia ebenso Teil seiner Sch\u00f6pfung sind und er diesen doppelten Realit\u00e4tssprung problemlos kompensieren kann. Perspektivisch ist es also auch denkbar, dass Gott mit Bestandteilen der SocialMedia oder zumindest \u00fcber diese mit Menschen in Kommunikation steht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wirkt Gott in SocialMedia? Kann man online geisltiche Erfahrungen machen? Weil ich bei Vortr\u00e4gen oft Fragen zu dem Thema bekomme, habe ich mal ein paar Dinge zusammengeschrieben. 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