{"id":470,"date":"2016-01-21T12:56:50","date_gmt":"2016-01-21T10:56:50","guid":{"rendered":"http:\/\/medientheologe.de\/cms\/?p=470"},"modified":"2023-07-04T20:32:42","modified_gmt":"2023-07-04T18:32:42","slug":"pub-theology-buchrezension","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/medientheologe.de\/cms\/?p=470","title":{"rendered":"Pub Theology &#8211; Buchrezension"},"content":{"rendered":"<p>Vor kurzem hab ich ein Buch gelesen, das ich schon l\u00e4nger im Schrank stehen hatte. Und es scheint aktuell sehr gut in meine gedankliche Situation zu passen: Bryan Berghoef \u2013 Pub Theology.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-471 size-medium\" src=\"http:\/\/medientheologe.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/pubtheology-210x300.jpg\" alt=\"pubtheology\" width=\"210\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/medientheologe.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/pubtheology-210x300.jpg 210w, https:\/\/medientheologe.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/pubtheology.jpg 589w\" sizes=\"auto, (max-width: 210px) 100vw, 210px\" \/>Ein amerikanischer Pfarrer aus streng reformierter Tradition beschreibt darin seinen Glaubensweg von einem dogmengl\u00e4ubigen Mitl\u00e4ufer \u00fcber die \u00d6ffnung f\u00fcr andere Christen im Studium bis zu einer grunds\u00e4tzlichen Offenheit, alle Menschen in Glaubensfragen komplett stehenzulassen.<br \/>\nDas ist auch gleich der Punkt, wo er mir etwas zu weit geht. Er vertritt einen sehr universalistischen Ansatz (auf James Fowler: \u201eStages of Faith\u201c, NewYork 1995 aufbauend), der alle philosophischen Quellen gleichwertig betrachtet. Ich bin ja auch sehr offen daf\u00fcr, von unterschiedlichen spirituellen Str\u00f6mungen zu lernen und verschiedene Welterkl\u00e4rungsmuster stehen zu lassen. Aber ich bleibe dabei (aktuell) etwas tiefer in der christlichen Tradition verwurzelt, weil sie als Gottesoffenbarung f\u00fcr mich eigentlich nur dann Sinn macht, wenn man ihr einen gewissen G\u00fcltigkeitsanspruch zuspricht. Bei aller berechtigter Kritik an Gegebenheiten der Kirchengeschichte und aller Offenheit f\u00fcr andere Methoden.<\/p>\n<p>Bis auf diese f\u00fcr meinen Geschmack etwas zu starke \u00d6ffnung nach allen Seiten finde ich das Buch als Ganzes allerdings sehr spannend und hilfreich, um \u00fcber die aktuelle Gemeindesituation nachzudenken. Die Grundlage, dass man keine Dogmen auswendig lernen sollte, sondern sich nur aufgrund eigener Glaubenserfahrung oder \u2013Erkenntnis f\u00fcr eine spirituelle Weltsicht entscheiden kann, ist mir als Baptist ja nicht neu. Ebenso freue ich mich \u00fcber die Impulse, im Studium auch andere Fr\u00f6mmigkeitsstile kennenzulernen, offen zu sein, sich auszuprobieren, St\u00e4rken und Schw\u00e4chen kennen zu lernen und so das Fundament des eigenen Glaubens zu festigen. Auch das durfte ich \u00fcber 10 Jahre lang erfahren und finde es gerade in meinem aktuellen Job bei der evangelischen Kirche immer noch spannend, zwischen evangelischen, katholischen und freikirchlichen Events zu pendeln und mit ganz unterschiedlichen Menschen im Gespr\u00e4ch zu sein.<\/p>\n<p>Der Kerngedanke des Buches liegt dann freilich in der Pr\u00e4sentation der \u201ePub Theology\u201c, eines interreligi\u00f6s offenen Kneipengespr\u00e4chskreises, den der reformierte Pfarrer aus Michigan ins Leben gerufen hat. Er sagt, \u201ebeer, conversations and God\u201c sind drei Dinge, die er liebt und die er deshalb zusammen bringen wollte. Also fand er eine lokale Kleinbrauerei, die ihm jeden Donnerstag einen Tisch reservierte und lud Menschen aus Gemeinden und Freidenkerclubs ein, mit ihm zu diskutieren. Er sagt, er m\u00f6chte Menschen nicht missionieren, bekehren oder belehren, sondern offen und auf Augenh\u00f6he mit ihnen ins Gespr\u00e4ch kommen. Er bereitet zwar Startup-Fragen f\u00fcr jeden Abend vor, aber nur, um ein Gespr\u00e4ch anzukurbeln und nicht mit einem bestimmten Ziel oder Ergebnis verbunden. Diese Offenheit ist f\u00fcr ihn der Schl\u00fcssel, warum sich Skeptiker und auch von Kirche entt\u00e4uschte Christen bei diesen Abenden so wohl f\u00fchlen. F\u00fcr Atheisten ist es eine M\u00f6glichkeit, Vorurteile gegen\u00fcber vermeintlich \u201enaiven Christen\u201c abzubauen. Christen aus traditionellen Gemeinden finden hier die Offenheit, kritische Fragen zu stellen statt sich vom Glauben abzuwenden.<\/p>\n<p>Genau diese Offenheit fehlt heute vielen Gemeinden. Es gibt konservative Kreise, wo man schon schief angeschaut wird, wenn man skeptische Gedanken \u00fcberhaupt zul\u00e4sst und liberale Gemeinden, in denen klar ist, dass jeder Denken und Glauben kann, was er m\u00f6chte. Beides ist als Extremform meiner Ansicht nach nicht zielf\u00fchrend. Aber offen und ehrlich \u00fcber alle Themen zu reden, alle Denkrichtungen ernst zu nehmen und dennoch auch eine eigene Meinung zu vertreten, ist eine Kunst, die ich nicht allzu oft antreffe. Ich kenne solche Situationen allerdings von meiner Arbeit an diversen Cocktailbars. Wenn man nach Mitternacht mit Menschen ins Gespr\u00e4ch kommt, die ihren dritten Cocktail bestellen und sie herausfinden, dass man neben der Arbeit als Barkeeper auch Theologe ist, kommen sehr schnell zentrale Glaubensfragen auf. Oft von Menschen, die sonst niemanden kennen, mit dem sie \u00fcber solche Themen reden k\u00f6nnen.<br \/>\nWarum also nicht gleich einen offenen Gespr\u00e4chskreis ins Leben rufen, der philosophische Gespr\u00e4che auf Augenh\u00f6he und ohne vorgefasstes Ergebnis anbietet? Und ob das dann beim Kaffee, Bier oder Cocktail passt, darf man individuell entscheiden. Ein solcher Treffpunkt und so eine offene Einstellung w\u00fcrden jeder (gr\u00f6\u00dferen) Gemeinde gut tun. Das k\u00f6nnte den Glauben der eigenen Mitglieder festigen und Skeptiker f\u00fcr christliche Gemeinschaft interessieren.<\/p>\n<p>In diesem Sinne, auf viele gute Gespr\u00e4che, Prost!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<pre>Hinweis: Ich habe \"<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/B008EMC2BG\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Pub Theology<\/a>\" von 2012 (162 Seiten) gelesen.<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/B008EMC2BG?keywords=pub%20theology&amp;qid=1453294958&amp;ref_=sr_1_1&amp;sr=8-1\">\n<\/a>\nMittlerweile gibt es eine Neuauflage \"<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/B00C1JVISQ\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Pub theology 101<\/a>\" als E-book von 2013, die fast doppelt so viele Seiten hat. Ob da mehr drinsteht oder der Inhalt aktueller ist, kann ich nicht sagen.<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/B00C1JVISQ?keywords=pub%20theology&amp;qid=1453294958&amp;ref_=sr_1_3&amp;sr=8-3\">\n\n<\/a>Wer B\u00fccher kauft, darf gerne den lokalen Buchhandel unterst\u00fctzen :-)<\/pre>\n<pre><\/pre>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor kurzem hab ich ein Buch gelesen, das ich schon l\u00e4nger im Schrank stehen hatte. Und es scheint aktuell sehr gut in meine gedankliche Situation zu passen: Bryan Berghoef \u2013 Pub Theology. 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