{"id":352,"date":"2014-12-29T20:32:59","date_gmt":"2014-12-29T18:32:59","guid":{"rendered":"http:\/\/medientheologe.de\/cms\/?p=352"},"modified":"2023-07-04T20:53:41","modified_gmt":"2023-07-04T18:53:41","slug":"sauna-vs-gottesdienst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/medientheologe.de\/cms\/?p=352","title":{"rendered":"Sauna vs. Gottesdienst"},"content":{"rendered":"<p>Ich mag Gottesdiesnt und ich mag Sauna. Wer mit einem davon nicht so vertraut ist, darf gerne mal jemanden fragen, der sich damit auskennt und es ausprobieren \ud83d\ude42<\/p>\n<p>Im Laufe der letzten Jahre bin ich immer wieder Bekannten aus der Gemeinde in diversen Saunen begegnet. In zahlreichen Gespr\u00e4chen kam dabei immer wieder zur Sprache, dass die Sauna durchaus ein Ort sein kann, der Entspannung, eine Auszeit vom Alltag und ein Ort der Reflexion, der Ruhe, der Erbauung und neuer Ideen\/Energiequelle ist. Also eine Funktion, die auch ein guter&nbsp; Gottesdienst erf\u00fcllt: Im Gottesdienst nehme ich mir bewusst Zeit, um aus dem hektischen Alltag auszubrechen, zur Ruhe zu kommen, das Heilige zu feiern und durch Selbstreflexion sowie geistlichen Input neue Impulse zu bekommen.<br \/>\nNat\u00fcrlich kann man durch einen langweiligen Gottesdienst entt\u00e4uscht werden und auch eine zu k\u00fchle Saunalandschaft bietet nicht automatisch das perfekte Erlebnis, aber das Ziel ist zumeist \u00e4hnlich.<\/p>\n<p><strong>Wie l\u00e4uft ein Sauna-Besuch ab?<\/strong><br \/>\nMan betritt einen besonders hergerichteten Ort. Meist ruhig gelegen mit minimalistischer Dekoration, damit wenig vom eigentlichen ablenkt. Prinzipiell k\u00f6nnte es \u00fcberall sein, aber wir bauen spezielle R\u00e4ume, die durch Fliesen und Holzb\u00e4nke besonders daf\u00fcr ausgestattet sind, dass man mit viel Wasser in Ber\u00fchrung kommt, um den K\u00f6rper zu s\u00e4ubern und Verunreinigungen auszuschwitzen.<br \/>\nF\u00fcr einen Saunabesuch braucht man Zeit und Ruhe. Wer gehetzt durchs Leben geht, kann hier Entspannung finden, muss sich aber darauf einlassen statt immer wieder hektisch auf die Uhr zu schauen und den n\u00e4chsten Termin vorzubereiten.<br \/>\nStatt B\u00fcrokleidung tr\u00e4gt man meist einen flauschigen Bademantel oder wickelt sich ein gro\u00dfes Saunahandtuch um. Es geht nicht um Mode sondern um funktionale und &#8222;passende Kleidung&#8220;.<br \/>\nDer Saunabesuch selber folgt dann einer typischen Liturgie (die je nach Ort und Zeitumfang angepasst werden kann):<\/p>\n<ul>\n<li>Der K\u00f6rper wird gr\u00fcndlich unter der Dusche gereinigt.<\/li>\n<li>Beim Vorschwitzen im halbwarmen Terpedarium oder Dampfbad gew\u00f6hnt man sich an die W\u00e4rme.<\/li>\n<li>Der Aufguss bietet eine besondere Erfahrung. Hei\u00dfer Dampf mit wohlriechenden Duftstoffen verstr\u00f6hmt eine angenehme Atmosph\u00e4re. Je nach lokaler Tradition wird man still und genie\u00dft in sich gekehrt oder kommentiert die wohltuenden Wogen des wedelnden Saunameisters.<\/li>\n<li>Nach 10-15 Minuten Hitze folgt die Abk\u00fchlung. Meist mit Schwallduschen und einem kalten Tauchbad. Je gr\u00f6\u00dfer die Temperaturdifferenz, desto st\u00e4rker der Schockeffekt, der die Kreislaufabh\u00e4rtung erwirkt.<\/li>\n<li>Ein Gang im Freigel\u00e4nde oder eine Pause im Ruheraum schlie\u00dfen sich an. Wichtig ist es, dem K\u00f6rper genug Ruhezeit zu g\u00f6nnen. Viele sch\u00e4tzen die Gelegenheit, mit anderen Saunag\u00e4sten ins Gespr\u00e4ch zu kommen. (Anmerkung: Nach Saunameister Sascha B. sollte der Freigang eigentlich vor der Abk\u00fchlung stattfinden, um die Atemwege im aufgeheizten K\u00f6rper abzuk\u00fchlen. Ich finde es sorum aber meist entspannender&#8230;)<\/li>\n<li>Um die K\u00f6rperkerntemperatur wieder abzusenken, folgt ein warmes Fu\u00dfbad. Dadurch vermeidet man das Nachschwitzen.<\/li>\n<li>Typischerweise folgt ein zweiter (und ggf. dritter) Schwitzgang mit Abk\u00fchlung, Ruhe und Fu\u00dfbad. Ein Aufguss kann mit einem Salz-Peeling kombiniert werden, ein anderer mit frischem Obst oder mit einer Honigeinreibung, bevor am Ende wieder eine gr\u00fcndliche K\u00f6rperreinigung erfolgt.<\/li>\n<li>Wer mag, bucht zus\u00e4tzlich ein Solarium oder eine individuelle Massage.<\/li>\n<li>Essen &amp; Trinken geh\u00f6ren f\u00fcr viele zum Saunagang dazu. Auf jeden Fall sollte man genug Wasser trinken. Obst passt auch gut. Schweres Essen und Alkohol nur bedingt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ein Saunagang bietet so also einen festen Rahmen, den man nat\u00fcrlich im Einzelfall an die eigenen Bed\u00fcrfnisse anpassen kann. Man trifft andere Menschen und \u00f6ffnet sich f\u00fcr neue Gedanken. In Reflexionszeiten und Ruhezeiten kommt man ins Gespr\u00e4ch. Man liest etwas oder h\u00f6rt auf besondere Musik. Und hinterher ist man gl\u00fccklich und zufrieden und kann den Aufgaben des Alltags wieder fr\u00f6hlich begegnen, auch wenn man von Nicht-Saunag\u00e4ngern oft f\u00fcr diesen Tick bel\u00e4chelt wird&#8230;<\/p>\n<p><strong>Wie l\u00e4uft ein Gottesdienst-Besuch ab?<\/strong><br \/>\nAuch hier betritt man einen besonders hergerichteten Ort. Zumindest in protestantischer Tradition ist auch dieser eher zur\u00fcckhaltend gestaltet.&nbsp; Prinzipiell k\u00f6nnte ein Gottesdienst \u00fcberall sein, aber wir bauen spezielle R\u00e4ume, die durch Optik und Akkustik darauf ausgelegt sind, dass man dem erhaben G\u00f6ttlichen begegnen kann. Wir reinigen uns innerlich und entledigen uns unseres seelischen Schmutzes.<br \/>\nAuch f\u00fcr einen Kirchbesuch reserviert man sich eine feste Zeit in der der Alltag Pause hat. Viele Menschen tragen besondere Kleidung, Pfarrer oft einen Talar, zumindest ist es &#8222;passende Kleidung&#8220;.<br \/>\nDer Gottesdienst folgt dann einer typischen Liturgie (die je nach Denomination angepasst werden kann):<\/p>\n<ul>\n<li>Ein musikalisches Vorspiel l\u00e4d (wie das Anfangsduschen) ein, sich zu \u00f6ffnen und auf den Gotesdienst einzulassen.<\/li>\n<li>Im Trinitarisches Votum begr\u00fc\u00dfen wir Gott und machen uns bewusst in wessen Gegenwart wir sind (Vorschwitzen).<\/li>\n<li>Das Er\u00f6ffnungsgebet und Gemeindelied geben uns Zeit, f\u00fcr uns selber und in bewusster Gemeinschaft vor Gott zu treten (Ruhephasen und Abk\u00fchlung)<\/li>\n<li>Die Textlesung (1. Schwitzgang) bietet inhaltlich den ersten Input, den man durch weitere gesprochene und gesungene Gebete (Gloria, Kyrie, Halleluja als Abk\u00fchlung und Ruhephase) wirken l\u00e4sst.<\/li>\n<li>Erg\u00e4nzt wird die erste Lesung oft durch eine zweite Lesung und die Predigt (2. und 3. Aufgussgang), die die gelesenen Texte mit einem weiteren Input erg\u00e4nzt.<\/li>\n<li>Das gemeinsame Glaubensbekenntnis verwurzelt uns in unserer Umgebung&nbsp; (wie der Frischluftgang)<\/li>\n<li>Weitere Lieder und F\u00fcrbitten stellen uns bewusst in Gemeinschaft (Gespr\u00e4che in Ruhephasen).<\/li>\n<li>Die Kollekte erm\u00f6glicht es, konkrete Projekte zu unterst\u00fctzen (Solarium)<\/li>\n<li>Das Abendmahl erg\u00e4nzt auch eine kulinarisch-haptische Komponente (Obst beim Aufguss), der Gemeindekaffee oder ein gemeinsames Mittagessen st\u00e4rken die Gemeinschaft.<\/li>\n<li>Die Abk\u00fcndigungen (Fu\u00dfbad) l\u00e4sst uns auf Normaltemperatur herunterk\u00fchlen, um uns wieder alltagstauglich zu machen.<\/li>\n<li>Wer mag, kann ein individuelles Seelsorgegespr\u00e4ch (Massage) vereinbaren, um tiefersitzende mentale Verspannungen zu l\u00f6sen.<\/li>\n<li>Mit dem Vater Unser und Abschlusssegen (Endreinigung) gehen wir von der heiligen Zeit wieder in s\u00e4kulare Zeit \u00fcber.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ein Gottesdienst bietet so also einen festen Rahmen, den man nat\u00fcrlich im Einzelfall an die eigenen Bed\u00fcrfnisse anpassen kann. Man trifft andere Menschen und \u00f6fnet sich f\u00fcr neue Gedanken. In Reflexionszeiten und Ruhezeiten kommt man ins Gespr\u00e4ch. Man liest etwas oder h\u00f6rt auf besondere Musik. Und hinterher ist man gl\u00fccklich und zufrieden und kann den Aufgaben des Alltags wieder fr\u00f6hlich begegnen, auch wenn man von Nicht-Gottesdienstg\u00e4ngern oft f\u00fcr diesen Tick bel\u00e4chelt wird&#8230;<\/p>\n<div id=\"pageMain\">\n<div class=\"content\">\n<div class=\"text block clearfix\">\n<div id=\"s1page1\" class=\"col1 first ltr\" lang=\"de\">\n<div class=\"chapter\">\n<blockquote>\n<div id=\"s1ref40011029\" class=\"v40011029 verse\">Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftm\u00fctig und von Herzen dem\u00fctig; so werdet ihr <span class=\"highlight\">Ruhe<\/span> finden f\u00fcr eure Seelen. (Jesus in <span class=\"verseNumber\"><a id=\"s1ref40011029link\" href=\"http:\/\/bibelserver.de\/text\/LUT\/Matth%C3%A4us11%2C29\">Mt 11,29<\/a><\/span>)<\/div>\n<\/blockquote>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich mag Gottesdiesnt und ich mag Sauna. Wer mit einem davon nicht so vertraut ist, darf gerne mal jemanden fragen, der sich damit auskennt und es ausprobieren \ud83d\ude42 Im Laufe der letzten Jahre bin ich immer wieder Bekannten aus der Gemeinde in diversen Saunen begegnet. 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