{"id":350,"date":"2014-11-17T19:39:34","date_gmt":"2014-11-17T17:39:34","guid":{"rendered":"http:\/\/medientheologe.de\/cms\/?p=350"},"modified":"2023-07-04T21:34:54","modified_gmt":"2023-07-04T19:34:54","slug":"nur-wer-geniesst-kann-vergeben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/medientheologe.de\/cms\/?p=350","title":{"rendered":"Nur wer genie\u00dft, kann vergeben"},"content":{"rendered":"<p>Heute Nacht kam mir der Gedanke:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Nur wer genie\u00dft, kann vergeben.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Der Satz klingt erstmal komisch, aber je mehr ich dar\u00fcber nachdenke, desto wahrer finde ich ihn.<\/p>\n<h2>Dazu erstmal die Grundlage:<\/h2>\n<p>Genu\u00df bedeutet nicht ma\u00dfloses Partygelage, V\u00f6llerei oder Feiern auf Kosten anderer. Genuss bedeutet, sich an dem zu freuen, was man Gutes hat. Das kann Gottes Sch\u00f6pfung sein, eine neue Jeans, ein gutes Essen oder ein Filmabend mit Freunden. Wer dabei entspannen und sich freuen kann, der genie\u00dft.<\/p>\n<h2>Warum manche Menschen nicht genie\u00dfen:<\/h2>\n<ol>\n<li><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-362\" src=\"http:\/\/medientheologe.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/h\u00f6her.jpg\" alt=\"h\u00f6her\" width=\"90\" height=\"86\">Es gibt Leute, die immer mehr wollen. Wer durch eigene Leistung ein Gesch\u00e4ft gut abgeschlossen hat, arbeitet sofort daran, das n\u00e4chste noch besser abzuschliessen. Wer immer h\u00f6her hinaus will, kann nie die Aussicht geniessen. Wer sich zu sehr ausstreckt, lebt am Sinn des Lebens vorbei.<\/li>\n<li><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright  wp-image-363\" src=\"http:\/\/medientheologe.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/entspannung.jpg\" alt=\"entspannung\" width=\"85\" height=\"80\" srcset=\"https:\/\/medientheologe.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/entspannung.jpg 404w, https:\/\/medientheologe.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/entspannung-300x281.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 85px) 100vw, 85px\" \/>Andere Menschen k\u00f6nnen nicht genie\u00dfen, weil etwas noch nicht perfekt ist. Die Hose zwickt, der Pulli ist zu warm oder zu kalt, das Licht zu hell oder zu dunkel und irgendetwas kann man immer noch optimieren. Das ist eigentlich nur eine Spielart von 1. &#8211; etwas kleiner gedacht. Ich optimiere mich zu tode und komme nicht oder nur selten ans Ziel.<\/li>\n<li><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright  wp-image-364\" src=\"http:\/\/medientheologe.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/gerechtigkeit.jpg\" alt=\"gerechtigkeit\" width=\"94\" height=\"93\" srcset=\"https:\/\/medientheologe.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/gerechtigkeit.jpg 298w, https:\/\/medientheologe.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/gerechtigkeit-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 94px) 100vw, 94px\" \/>Wer sich weltweites Unrecht anschaut, kann oft auch nicht wirklich genie\u00dfen. Denn andere Leute arbeiten unter unw\u00fcrdigen Bedingungen, damit ich meinen Lebensstandard halten kann. Nat\u00fcrlich ist es gut, sich dar\u00fcber Gedanken zu machen und schlechte Abh\u00e4ngigkeiten fairer zu gestalten. Aber wenn ich als &#8222;Ausbeuter&#8220; schon das Leben nicht genie\u00dfen kann, ist das keine gute Grundlage, um mein Leben als Ziel f\u00fcr die Ausgebeuteten anzusetzen.<\/li>\n<li><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/1\/14\/Smiley_green_alien_sick.svg\/90px-Smiley_green_alien_sick.svg.png\" alt=\"\" width=\"90\" height=\"120\">Schlie\u00dflich gibt es dauerhafte &#8222;Opfer&#8220;, denen so viel Leid widerf\u00e4hrt, dass sie nichts genie\u00dfen k\u00f6nnen. Das will ich nicht per se werten. Viele Menschen leiden tats\u00e4chlich stark. Manche fokussieren aber auch immer das, was nicht optimal l\u00e4uft und nehmen so ihr Leid viel st\u00e4rker wahr. Wer nur \u00fcber das redet, was schief l\u00e4uft, wird immer etwas zu meckern finden. Gerade die Opfer der unter 3. genanten Abh\u00e4ngigkeit h\u00e4tten da viel Grund zu klagen. Erstaunlicherweise sind Menschen in armen L\u00e4ndern oft zufriedener und gl\u00fccklicher als wir mit unseren Luxusproblemen.<\/li>\n<\/ol>\n<h2>Gott meint es gut mit uns<\/h2>\n<p>Sicher, ich bin Optimist und ich bin Christ. Ich lege den Fokus gerne auf das positive, sehe M\u00f6glichkeiten statt Schwierigkeiten und glaube an das Gute in der Welt. Ich bin \u00fcberzeugt, dass Gott es gut mit uns meint und wir deshalb das Leben genie\u00dfen d\u00fcrfen.<br \/>\nUnd eschatologisch argumentiert: Wenn Christus am Kreuz alles getan hat und der Mensch aus freier Gnade gerettet ist, dann gibt es ohnehin nichts, was ich dazu beitragen kann. Mein Job ist es also, dieses Geschenk anzunehmen und mich dar\u00fcber zu freuen. Aus Dankbarkeit kann ich dann darauf reagieren, davon weitersagen und Menschen helfen, diese positive Erfahrung auch zu machen, aber das ist keine Voraussetzung f\u00fcr meine Freude, sondern eine Folge davon. Also kann ich auch das gro\u00dfe Geschenk erstmal genie\u00dfen und dadurch einen Lebensstil f\u00fchren, der nachahmenswert ist. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/d\/d5\/Face-angel.svg\/200px-Face-angel.svg.png?uselang=de\" alt=\"\" width=\"189\" height=\"189\">Keine Verbissenheit, noch mehr zu tun, keine Ausbeutung, kein \u00dcberma\u00df und keine Selbstkasteiung. Sondern eine positive Offenheit f\u00fcr die M\u00f6glichkeiten und ein dankbarer Umgang mit dem, was mir geschenkt ist.<\/p>\n<h2>Verstandene Vergebung kann man nur genie\u00dfen!<\/h2>\n<p>Wenn ich diese Vergebung und das Anrecht, Kind Gottes zu sein, verstanden habe, kann ich entspannt mit der Welt und ihren Sorgen umgehen. Wenn meine Fehler vergeben sind, kann ich auch die Fehler von anderen Menschen vergeben. Und meine Vergebung an andere wird dann keine z\u00e4hneknirschende Zwangstat sein, weil man das als Christ eben so tut, sondern eine Liebestat aus freiem, reinen, gl\u00fccklichen Herzen.<\/p>\n<p>Gerne denke ich mit dir weiter nach, ob es auch echte Vergebung ohne Genuss gibt und ob das dann gut oder schlecht ist. Aber wenn man tats\u00e4chlich verstanden hat, was Vergebung bedeutet, glaube ich, dass der Genuss der daraus folgenden Freiheit die automatische Folge davon ist. Und damit ist Genuss das Bindeglied zwischen dem Empfangen von Vergebung und der Weitergabe von Vergebung. Und weil mir das so wichtig ist, bleibe ich bei der Formulierung:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Nur wer genie\u00dft, kann vergeben.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute Nacht kam mir der Gedanke: &#8222;Nur wer genie\u00dft, kann vergeben.&#8220; Der Satz klingt erstmal komisch, aber je mehr ich dar\u00fcber nachdenke, desto wahrer finde ich ihn. 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