{"id":1188,"date":"2023-06-12T17:27:45","date_gmt":"2023-06-12T15:27:45","guid":{"rendered":"https:\/\/medientheologe.de\/cms\/?p=1188"},"modified":"2023-06-12T17:38:54","modified_gmt":"2023-06-12T15:38:54","slug":"kann-ki-gottesdienst-feiern-gedanken-zu-einem-experiment-beim-kirchentag-2023","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/medientheologe.de\/cms\/?p=1188","title":{"rendered":"Kann KI Gottesdienst feiern? Gedanken zu einem Experiment beim Kirchentag 2023"},"content":{"rendered":"\n<p>Beim Kirchentag in N\u00fcrnberg wurde erstmalig ein experimenteller KI-Gottesdienst gefeiert (<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.kirchentag.de\/programm\/pgd\/programmsuche#session\/380352101\/V.DIG-003\" target=\"_blank\">hier komplett nacherlebbar<\/a>, hier ein <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.instagram.com\/p\/CtZOL4uNFTi\/\" target=\"_blank\">kurzer Einblick in 70 Sekunden<\/a> als Reel). <br>Nach Einf\u00fchrung ins Konzept und Ermutigung sich trotz aller Skepsis drauf einzulassen waren 45min Zeit f\u00fcr eine Liturgie, die zu 98% von der KI gestaltet war.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Theologe Jonas Simmerlein hat GPT3 die Aufgabe gegeben, einen Gottesdienst zum Thema des Kirchentags zu gestalten. Provokanter Titel: &#8222;Alexa, starte den Gottesdienst! &#8211; Ein KI-Gottesdienst von und aus der Maschine&#8220; (obwohl Alexa hier gar kein Thema war).<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/medientheologe.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/ki-predigt-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"274\" src=\"https:\/\/medientheologe.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/ki-predigt-1024x274.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1191\" srcset=\"https:\/\/medientheologe.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/ki-predigt-1024x274.jpg 1024w, https:\/\/medientheologe.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/ki-predigt-300x80.jpg 300w, https:\/\/medientheologe.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/ki-predigt-768x205.jpg 768w, https:\/\/medientheologe.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/ki-predigt-1536x411.jpg 1536w, https:\/\/medientheologe.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/ki-predigt-2048x547.jpg 2048w, https:\/\/medientheologe.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/ki-predigt-1320x353.jpg 1320w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Predigt durch einen Avatar<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die KI hat daraufhin einen Bibeltext zum Thema &#8222;Jetzt ist die Zeit&#8220; vorgeschlagen und einen liturgischen Rahmen inklusive Gebete und Predigt ausgegeben.<br>Diese Texte wurden dann wiederum maschinell erstellten Avataren &#8222;in den Mund gelegt&#8220;. Die menschlich wirkenden Gesichter haben in erstaunlich realistischer Weise Lippen bewegt, die Texte akkustisch allerdings sehr monoton ohne inhaltliche Gewichtung gelesen.<br>Musikalisch wurden klassische Kirchenlieder durch eine dritte KI &#8222;verjazzt&#8220;, also neu und ungewohnt interpretiert, ohne dass Texte gesungen wurden oder zum Mitsingen motiviert wurde.<br>Die Gemeinde war beim Vater Unser und Glaubensbekenntnis aufgefordert mitzusprechen, ansonsten aber passiv beteiligt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/medientheologe.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/ki-reflexion-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"353\" src=\"https:\/\/medientheologe.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/ki-reflexion-1024x353.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1192\" srcset=\"https:\/\/medientheologe.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/ki-reflexion-1024x353.jpg 1024w, https:\/\/medientheologe.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/ki-reflexion-300x103.jpg 300w, https:\/\/medientheologe.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/ki-reflexion-768x264.jpg 768w, https:\/\/medientheologe.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/ki-reflexion-1536x529.jpg 1536w, https:\/\/medientheologe.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/ki-reflexion-2048x705.jpg 2048w, https:\/\/medientheologe.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/ki-reflexion-1320x455.jpg 1320w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Reflexion nach dem Gottesdienst<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Im folgenden Podium wurde das gerade erlebte von verschiedenen Medienexperten analysiert und eingeordnet. Wo stehen wir im Bereich der Robotik und an der Schwelle zum Transhumanismus? Was ist technisch m\u00f6gich und was wollen wir f\u00f6rdern\/regulieren? Wo sehen wir praktisch theologisch aktuell noch Schw\u00e4chen und wie kann man bei zuk\u00fcnftigen Experimenten da nachbessern? Die Kommentare waren eher skeptisch bzw. kritisch gegen\u00fcber der \u00dcbergabe von personaler Kommunikation an Nicht-Personen. Schlussendlich wurde das Experimen aber mit tosendem Applaus bedacht und gew\u00fcrdigt, dass wir gemeinsam Teil eines spannenden Prozesses waren, der sicherlich noch viel theologische Folgeforschung n\u00f6tig hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich selber bin ja sehr offen, neue mediale Formen zu nutzen und kann mir auch gut vorstellen, sich entwickelnde Maschinen in theologische und geistliche Prozesse einzubinden. Allerdings bin ich skeptisch, wie stark wir Maschinen dabei vermenschlichen sollten. Wie in der Kom\u00f6die &#8222;Superintelligenz&#8220; (2020) kann KI sicherlich durch menschliche Erscheinung pers\u00f6nlicher wirken und anschlussf\u00e4higer kommunizieren, aber es scheint mir eine Anma\u00dfung, wenn eine Maschine uns &#8222;Br\u00fcder und Schwestern&#8220; nennt, vom gemeinsamen Glauben spricht oder einen Glauben bekennt, den sie nach konkreter Selbstaussage als &#8222;generativer vortrainierter Transformator&#8220; (GPT) nicht haben kann. So werden die Worte zu Worth\u00fclsen, zu Lippenbekenntnissen und die Rolle als Liturgin und Prediger zur Anma\u00dfung. Die franz\u00f6sische Serie &#8222;Transferts&#8220; tematisierte bereits 2017 die manipulative Kraft solch menschlich wirkender KI-Beicht-Bots. Sicherlich gibt es auch menschliche Pfarrpersonen, die auf der Kanzel einen Glauben heucheln, den sie pers\u00f6nlich nicht teilen, aber ein besserer Einsatz der KI w\u00e4re aus meiner Sicht eine echte Assistenzfunktion. Warum nicht klar kenntlich machen, welche Teile von KI stammen und diese ggf von Pr\u00e4dikannten lesen lassen (wenn man dem Pfarrpersonenmngel begegnen m\u00f6che) oder eine daf\u00fcr produzierte Video-Predigt an mehreren Orten ausspielen statt von KI aus einem nicht definierten Pool von weltweiten Texten verschiedenster Str\u00f6mungen etwas generieren zu lassen, was man dann unreflektiert einer Gemeinde zumutet?!<br>Wer sich in neue Themen einarbeitet nutzt ja ohnehin schon Google, Wikipedia oder wissenschaftliche Bibelkommentare, um sich das Wissen von anderen zunutze zu machen. Es spricht also nichts dagegen, auch GPT um Hilfe zu bitten (au\u00dfer der fehlenden Quellenangaben, aber daran l\u00e4sst sich sicherlich arbeiten). Aber die inhaltliche Hoheit sollte eine qualifizierte Person haben, die durch Ausbildng und Lebenserfahrung bef\u00e4higt wurde, gezielt in einen spezifischen Kontext hineinzupredigen. Das kann in Zukunft sicherlich auch eine KI leisten, aber nicht die universalgelehrte GPT, sondern das m\u00fcsste eine bewusst gef\u00e4rbte KI sein. In dem Sinne bin ich gespannt auf die n\u00e4chste Generation individuell anpassbarer KI-Zug\u00e4nge und einem definierbaren Set an Prompts, um die Ergebnisse an die Bed\u00fcrfnisse der Zielgruppe anzupassen. Ich glaube nicht, dass KI dazu nie in der Lage sein wird, aber das genaue Definieren der Promts, um ein exakt stimmiges Ergebnis zu bekommen, stufe ich als hochkomplex ein. An der Stelle werden wir definitiv ernsthafte Studien in Digitaler Theologie brauchen, um Hardware und Software besser zu verstehen und den Einsatz transparent und angeleitet weiter zu erproben.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/medientheologe.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/ki-erwartung-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"333\" src=\"https:\/\/medientheologe.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/ki-erwartung-1024x333.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1193\" srcset=\"https:\/\/medientheologe.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/ki-erwartung-1024x333.jpg 1024w, https:\/\/medientheologe.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/ki-erwartung-300x98.jpg 300w, https:\/\/medientheologe.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/ki-erwartung-768x250.jpg 768w, https:\/\/medientheologe.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/ki-erwartung-1536x500.jpg 1536w, https:\/\/medientheologe.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/ki-erwartung-2048x667.jpg 2048w, https:\/\/medientheologe.de\/cms\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/ki-erwartung-1320x430.jpg 1320w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Kommentare zur Erwartung vor dem Gottesdienst<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Performanz KI-Gottesdienstes braucht mitunter auch angepasste Gottesdienstr\u00e4ume. Wenn die KI auf einer Leinwand erscheint, die Kreuz und Altar verdeckt, wirkt es eher, als w\u00fcrden wir die Maschine anbeten als durch sie zu Gott hin geleitet zu werden. Vielleicht ist ein Hochformat-Monitor in der Gr\u00f6\u00dfe einer Person passender oder eine Leinwand, die sich stimmig ins Raumkonzept einpasst. Auch die Frage nach dem Musikstil, der Mitsingbarkeit oder dem Gottesdienstformat kann an der Stelle nochmal durchdacht werden. Gottesdienste k\u00f6nnen sehr unterschiedlich aussehen. Welche Form eignet sich besonders f\u00fcr die Anleitung durch KI? Zum Beispiel die dezentral mit Stationen organisierte Thomasmesse oder auch rein liturgische Andachten ohne frei formulierte Texte k\u00f6nnen durch (besser intonisierende) Avatare gut angeleitet werden. Einen pers\u00f6nlichen Zuspruch k\u00f6nnen sich Gl\u00e4ubige vielleicht auch gegenseitig geben, um die Apersonalit\u00e4t der KI zu umgehen. Und schlie\u00dflich w\u00e4ren weiterf\u00fchrende meditative Erfahrungsr\u00e4ume wie im Instagram-Experiment &#8222;<a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/ai_dream_of_god\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">AI dream of God<\/a>&#8220;  eine M\u00f6glichkeit jenseits der vollst\u00e4ndigen Planung spirituelle R\u00e4ume zu \u00f6ffnen im Vertrauen, dass Menschen und Gott ins Gespr\u00e4ch kommen k\u00f6nnen.<br>Die Frage, ob eine weiter entwikelte, selbstbwusste KI einen eigenen Gottesglauben entwickln kann und wird, sei erstmal ausgeklammert. In der schwedischen ScienceFiction-Serie &#8222;Real Humans&#8220; (2012) wurde das plastisch diskutiert. Doch das w\u00fcrde an dieser Stelle zu weit f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin gespannt auf weitere Experimente, Diskurse und gemeinsame geistliche Erfahrungen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beim Kirchentag in N\u00fcrnberg wurde erstmalig ein experimenteller KI-Gottesdienst gefeiert (hier komplett nacherlebbar, hier ein kurzer Einblick in 70 Sekunden als Reel). Nach Einf\u00fchrung ins Konzept und Ermutigung sich trotz aller Skepsis drauf einzulassen waren 45min Zeit f\u00fcr eine Liturgie, die zu 98% von der KI gestaltet war. 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