{"id":1138,"date":"2023-01-24T00:10:33","date_gmt":"2023-01-23T22:10:33","guid":{"rendered":"https:\/\/medientheologe.de\/cms\/?p=1138"},"modified":"2023-01-24T19:41:39","modified_gmt":"2023-01-24T17:41:39","slug":"umgang-mit-veraenderung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/medientheologe.de\/cms\/?p=1138","title":{"rendered":"Umgang mit Ver\u00e4nderung"},"content":{"rendered":"\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>&#8222;Was es schon gab bevor wir 15 werden, war schon immer so und ist offensichtlich v\u00f6llig veraltet. Was neu dazu kommt, wenn wir zwischen 15 und 35 sind, ist bahnbrechend revolution\u00e4r und wird die Welt retten. Und alles, was entwickelt wird, nachdem wir 35 geworden sind, ist neumodischer Quatsch, der die Gesellschaft ruinieren wird.&#8220;<\/p>\n<cite>(sinngem\u00e4\u00df zitiert nach <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.goodreads.com\/quotes\/39828-i-ve-come-up-with-a-set-of-rules-that-describe\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.goodreads.com\/quotes\/39828-i-ve-come-up-with-a-set-of-rules-that-describe\" target=\"_blank\">Douglas Adams, Lachs im Zweifel<\/a>)<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Ein Zitat, das mir schon \u00f6fters begegnet ist. Wie gehen wir mit Neuentwicklungen in der Gesellschaft, Meinungen, Trends und Medien um? Oft bin ich erschrocken, wie gut es auch auf mein Leben passt: Als junger Wilder zwischen Gymnasium und Promotion habe ich mich zu Gen\u00fcge an althergebrachten Traditionen, Zeitpl\u00e4nen und Lebenstheorien abgearbeitet. Ich wollte die Welt revolutionieren, habe ernsthaft gro\u00dfe Pl\u00e4ne gesponnen und oft die \u00e4ltere Generation verachtet, die keinen Blick f\u00fcr die neuen wegweisenden Ideen (das fr\u00fche Internet, digiteles Wissen, mobile Arbeitsweisen) hatte. Heute schau ich mir die &#8222;jungen Wilden&#8220; an, erkenne, wie naiv und unreflektiert sie oft sind (und ich ich damals war) und bel\u00e4chele, wie sie mich daf\u00fcr bel\u00e4cheln, an meinen f\u00fcr sie alten Werten und Traditionen festzuhalten (z.B. Webdienste ohne kommerzielles Tracking, Textsmilies oder Musik besitzen statt zu streamen). <\/p>\n\n\n\n<p>Es kommt dabei nicht auf die exakten Zahlen 15 und 35 an (, auch wenn sie bei mir erstaunlich gut passen). Je nach Lebenssituation laufen solche Prozesse auch zeitversetzt ab. Es gibt im Leben aber oft diese drei Phasen: Wir wachsen mit einer Normalit\u00e4t auf, die wir erlernen, anerkennen und irgendwann kritisch hinterfragen. Warum kann man es denn nicht neu und anders machen? Dann bekommen wir Eigenst\u00e4ndigkeit und machen es einfach anders. Und zwar oft radikal und prinzipiell. Die neuen Ideen sind ja vielleicht wirklich teilweise brauchbar, setzen sich durch und werden neue Normalit\u00e4t. Wir kultivieren sie, festigen sie und freuen uns, dass das Leben endlich ein wenig besser geworden ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann kommt der spannende Punkt, wo es neue neue Ideen gibt. Wieder will jemand gegen das Alte aufbegehren, was wir doch &#8222;gerade erst&#8220; m\u00fchsam gegen das Etablierte eingef\u00fchrt hatten. Und dabei werden unsere guten Ideen, m\u00fchsamen Diskurse und weisen Kompromisse gar nicht mehr gew\u00fcrdigt, sondern als altes Eisen ignoriert. Das verletzt nat\u00fcrlich das eigene Ego und f\u00fchrt nicht selten zu Verstockung als Schutz vor Identit\u00e4tsverlust.<\/p>\n\n\n\n<p>So war es als die Newsgroups (bzw. Foren und sp\u00e4ter StudiVZ) von Facebook abgel\u00f6st wurden und als Instagram neuer Platzhirsch in digitaler Kommunikation wurde. So war es auch vorher schon als &#8222;das Internet&#8220; dem Rundfunk und dieser den etablierten Printmedien den Rang abgelaufen hat. Und auch in Zukunft wird es neue Mainstream-Kommunikationsmittel geben, die &#8222;dein Lieblingsmedium&#8220; \u00fcberfl\u00fcssig machen oder deinen Way of Life hinterfragen. Parallel wird es vermutlich sogar mehrere neue Trends, Moden, Theorien und Welterkl\u00e4rungsmuster geben, die jeweils althergebrachtes \u00fcber den Haufen werfen und verletzte Alt-Innovatoren erzeugen. <\/p>\n\n\n\n<p>Manchmal erlebe ich mich noch als den Reformer, anderenorts bereits als Bewahrer. Wichtig ist mir als reflektiertem Medienmenschen, dass ich fair mit den jeweils anderen Meinungen umgehe, ohne meine Erkenntnis zu verleugnen. Das bedeutet, dass ich erstmal zuh\u00f6re, was fr\u00fchere Generationen dazu gebracht hat, etwas so zu machen wie ich es vorgefunden habe. Dann kann ich meine Wahrnehmung als eine Station im Wandel der Zeit begreifen. Ich nehme aktuelle Neuentwicklungen als positive M\u00f6glichkeiten ernst und pr\u00fcfe gleichzeitig kritisch, wo auch Gefahren liegen. Und ich gestehe nachfolgenden Generationen zu, dass sie eigene neue Herangehensweisen finden, die sich komplett von meinen unterscheiden k\u00f6nnen, ohne dass sie mich damit in Frage stellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Klar, ich w\u00fcnsche mir, dass &#8222;die Alten&#8220; mir ihre Lebensweise gut erkl\u00e4ren und mich in meiner Andersartigkeit akzeptieren. Gleichzeitig w\u00fcnsche ich mir, dass &#8222;die Jungen&#8220; sich interessieren und von meiner Erkenntnis lernen wollen, bevor ich sie ihr eigenes Ding machen lasse. Wenn ich mir bewusst werde, wo auch ich beide Rollen inne habe, kann ich entspannter auf die jeweils anderen schauen ohne Entwicklungen zu blockieren und ohne meine Meinung zur\u00fcckzuhalten. Das w\u00fcnsche ich mir am meisten von allen Seiten. So k\u00f6nnen wir uns als Gesellschaft gegenseitig unterst\u00fctzen und achtsam miteinander umgehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Was es schon gab bevor wir 15 werden, war schon immer so und ist offensichtlich v\u00f6llig veraltet. Was neu dazu kommt, wenn wir zwischen 15 und 35 sind, ist bahnbrechend revolution\u00e4r und wird die Welt retten. 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