{"id":1096,"date":"2022-05-02T13:40:11","date_gmt":"2022-05-02T11:40:11","guid":{"rendered":"https:\/\/medientheologe.de\/cms\/?p=1096"},"modified":"2022-05-02T13:40:11","modified_gmt":"2022-05-02T11:40:11","slug":"wie-immersiv-schaust-du-serien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/medientheologe.de\/cms\/?p=1096","title":{"rendered":"Wie immersiv schaust du Serien?"},"content":{"rendered":"\n<p>Fr\u00fcher war es ja normal, dass im Fernsehen eine Folge pro Woche zur fixen Zeit ausgestrahlt wird. Das plant man ein, schaltet schon ein paar Minuten fr\u00fcher ein bzw. wenn man es vers\u00e4umt, muss man sich erz\u00e4hlen lassen, was man verpasst hat. Mein Input richtet sich nach dem Angebot. Mittlerweile ist es durch Netflix, Mediatheken und Co \u00fcblich geworden, dass man unabh\u00e4ngig vom linearen Programm ganze Staffeln am St\u00fcck &#8222;binge&#8220;  sehen kann. Und die Folgen Rahmen an Anfang und Ende werden dabei immersiver, also fesselnder, spannungsreicher, die Cliffhanger machen es sehr schwer, nach einer Folge abzuschalten und Teaser vor dem Vorspann nehmen direkt gefangen. Ich erinnere mich, wie ich nachts um 1 mit Freunden unbedingt noch eine Folge &#8222;Westworld&#8220; schauen musste, weil es unm\u00f6glich schien, so schlafen zu gehen und es um 2 nach der n\u00e4chsten Folge genauso war. Selbst bei den internen Staffelfinalen von &#8222;The Expanse&#8220; oder &#8222;Dark&#8220; ist es nicht einfach, abzuschalten Die Serie will mit ungel\u00f6sten Fragen in deinem Kopf bleiben. F\u00fcr das Franchise sicher gut, f\u00fcr das Wohlbefinden der Zuschauer oft nicht leicht. <\/p>\n\n\n\n<p>Die zweite Staffel &#8222;Upload&#8220; habe ich an einem Abend durchgesehen. So wie ein langer Film mit kurzen Pinkelpausen alle 40 Minuten. Hinterher wirkt das Thema noch ein paar Tage nach und pr\u00e4gt meinen Alltag. Ich verbringe den Abend, das Wochenende oder eine Periode meines Lebens mit diesen Charakteren und ihren Fragen. Ich erlaube den Produzenten, meine Realit\u00e4t, mein Denken, meine Weltwahrnehmung zu pr\u00e4gen. Je immersiver eine Serie ist, desto wichtiger ist es, dass die Thematik zu meiner Lebenssituation passt. Nach einer Trennung konnte ich mit Sheriff Carter in &#8222;Eureka&#8220; mitfiebern und als Jungakademiker hat &#8222;The Big Bang Theory&#8220; viele meiner Lebensfragen behandelt. Als Medienwissenschaftler schaue ich gerne auch innovative deutsche Serien (wie die &#8222;Ku&#8217;damm&#8220; Trilogie , &#8222;Tatortreiniger&#8220;, &#8222;Ijon Tichy&#8220; oder &#8222;Liebe.Jetzt!&#8220; ) oder lasse mich auf fremde Blickwinkel auf die Realit\u00e4t ein wie bei &#8222;Ich dich auch&#8220; oder &#8222;Nix festes&#8220;. So lerne ich, mich selbst zu hinterfragen und zu \u00fcberlegen, wo ich in der Story stehen w\u00fcrde. Bei &#8222;Bridgerton&#8220; und &#8222;Game of Thrones&#8220; kann ich Machart und Atmosph\u00e4re mitf\u00fchlen, habe mich aber gegen das aufsaugen entschieden, weil die Themen nicht zu meinem Leben gepasst haben. Da muss jeder auf die eigene Seele und Zeit achten und ehrlich entscheiden. &#8222;Squid Game&#8220; war zum Beispiel nicht mein Stil, hat mich aber ethisch im letzten Drittel \u00fcberrascht. &#8222;Mr. Robot&#8220; hingegen hat mich in der zweiten Staffel verloren, weil ich versucht habe, eine Folge pro Woche zu sehen. Ganz oder gar nicht scheint f\u00fcr mich also zu passen. <\/p>\n\n\n\n<p>Den sogenannten Belohnungsaufschub, wenn man Bed\u00fcrfnisbefriedigung bewusst aufschiebt kann ich nicht so gut.  Interessant ist daher, dass Amazon oder Sky bei einigen Serien bewusst nur eine neue Folge pro Woche als Premiere ver\u00f6ffentlichen. Gerade schaue ich &#8222;Star Trek: Picard&#8220; und versuche, die Anspannung bis zum n\u00e4chsten Wochenende auszuhalten. Das f\u00e4llt beim Ausschalten nicht leicht. Aber ich beobachte, dass ich dann manchmal sogar 2 oder 3 Wochen warte (wenn am Wochenende anderes anliegt), um gleich mehrere Folgen am St\u00fcck sehen zu k\u00f6nnen. Ich lasse mich also fangen, entkomme der Immersion, um mich dann wieder ganz zu ergeben. Ob das gesund ist, will ich nicht bewerten. Aber es ist mein Lernweg zwischen Sucht und Selbstbestimmung. &#8222;Star Trek: Discovery&#8220; auf Pluto mit festem Sendeplan habe ich abgebrochen (obwohl die Storyline und Einzelthemen mich ansprechen). Aber meinen Tagesablauf nach dem Sendeplan richten, war eine zu gro\u00dfe H\u00fcrde und als ich um Weihnachten 2 Folgen verpasst hatte (es gibt bei pluto keine Mediathek Funktion) war ich raus. <\/p>\n\n\n\n<p>Das ist jetzt eine pers\u00f6nliche Beobachtung, die nicht auf alle zutreffen muss, aber ich glaube, dass die Zeit des linearen TV vorbei ist, Menschen sich aber immer noch nach Gleichzeitigkeit von Erfahrungen sehnen und Mediatheken mit Premiereterminen dieses Dilemma treffend ansprechen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fr\u00fcher war es ja normal, dass im Fernsehen eine Folge pro Woche zur fixen Zeit ausgestrahlt wird. Das plant man ein, schaltet schon ein paar Minuten fr\u00fcher ein bzw. wenn man es vers\u00e4umt, muss man sich erz\u00e4hlen lassen, was man verpasst hat. Mein Input richtet sich nach dem Angebot. 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