Archiv der Kategorie: Kreatives

Fairphone

„Ich hab ein neues Handy“

ist immer mal wieder zu hören. Der Akku war kaputt, das Display zerkratzt, der Prozessor zu langsam oder es hatte einfach nicht alle Funktionen, die ein Telefon heutzutage haben muss. Also wird das alte ausgesondert und ein neues muss her.
Reparieren lohnt meist nicht, Teile austauschen ist teurer und meist auch vom Hersteller nicht gewollt.

„Ich hab ein neues Fairphone.“

fairphoneEin aktuelles Smartphone (obere Mittelklasse würde ich sagen), das konzeptionell auf Fairness ausgelegt ist. Die Materialien und Arbeiter werden zu fairen Bedingungen eingekauft. Die Produktionskette ist weitestgehend transparent. Und wenn mal was defekt ist, kann der Nutzer nahezu alles selber austauschen und bekommt Ersatzteile dazu zum Selbstkostenpreis. Das Fairphone soll also repariert werden statt es wegzuwerfen.

So hab ich ein gutem Gewissen und ein gutes Smartphone. Das eigene FairphoneOS basiert auf Android 4.2, ist aber von Anfang an gerootet, lässt mich also alle Apps installieren. Ob ich z.B. die typischen GoogleApps (Mail, Maps, Drive, …) nutzen will oder lieber freie OpenSource-Software installiere kann ich selber entscheiden. So ist jedes Fairphone nach kurzer Zeit individuell.

„Ich lebe (weitestgehend) googlefrei!“

Ich habe mich entschieden, soweit es geht auf Google-Dienste zu verzichten und bin damit bisher recht zufrieden. Ein Freund sagte zwar mal „Google hat eh irgendwoher meine Daten, dann kann ich auch deren Dienste nutzen“, aber ich möchte zumindest nicht aktiv dazu beitragen, einem weltweit tätigen Monopolisten mit undurchsichtigen Strukturen und unglaublicher Marktmacht noch mächtiger zu machen. Klar suche ich auch ab und zu mit Google oder plane mal eine Reise mit maps. Aber einer App erlauben, mein Adressbuch und meine Nachrichten zu lesen und mit ihrem Server abzugleichen finde ich aus Datenschutzgründen schwierig. Das wäre bei Microsoft und Apple nicht anders. Freien Initiativen mit offenem Quellcode vertraue ich tendentiell mehr. Aber auch da denke ich weiterhin aktiv nach, was ich einer App erlaube und was nicht.

„Ich installiere bewusst!“

Meine erste App war daher auch „xprivacy“ eine Art Firewall, die jeden unnötigen Systemzugriff einer App sperren kann. Und es ist erschreckend, wie viele Apps Sachen machen wollen, die sie überhaupt nicht brauchen. Klar, wer kostenlose Software zur Verfügung stellt, muss irgendwie Geld verdienen, aber dann soll man das auch transparent sagen… Und ein heruntergeladenes Spiel muss normalerweise weder Kontakte noch Telefonfunktionen nutzen oder auf das Internet zugreifen. Ich setze im Zweifel lieber enge Richtlinien und lockere sie nachträglich, wenn etwas nicht funktioniert. Mit dieser Gatekeeper-Strategie fühle ich mich zumindest einigermaßen als Hausherr auf meinem Telefon.

„Was dich auch interessieren könnte…“

Ich will hier nicht jede App auflisten, aber ein paar Tips, was für andere interessant sein könnte:

  • F-Droid ist ein App-Store für „freie OpenSource Software“ (FOSS). Ähnlich wie beim Google Play Store kann man hier Apps suchen und installieren. Für die meisten Sachen, die ich suche, gibt es freie Software, die ich dann auch gerne installiere.
    Google-Play hab ich bewusst nicht installiert. Falls ich doch mal eine App aus dem PlayStore brauche, nutze ich den apk-Downloader (nicht von den Werbeeinblendungen verwirren lassen), um am PC die Installationsdateien runterzuladen.
  • Firefox ist der freie OpenSource-Browser, den ich auch am PC nutze und bei dem ich mit sync Lesezeichen u.ä. synchron halten kann.
  • K-9-Mail ist ein (sicheres) Email-Programm, mit dem ich meine imap-Mails auch auf dem Handy bearbeiten kann.
  • aCalendar ist eine schönere Kalender-Ansicht, leider kein eigenständiger Kalender, aber dennoch eine lohnenswerte Installation. Synchronisierbar mit meinem PC via owncloud (oder MyPhone Explorer)
  • owncloud ein dropbox-artiger Fileserver, der lokale Daten von meiner Festplatte sowie Adressen und Termine (aus Thunderbird via CalDAV-Sync und CardDAV-Snc) synchronisiert. So hab ich alle Daten dabei und online gespiegelt.
  • Kingsoft WPS Office kann doc/ppt/pdf/xls und anderes lesen und bearbeiten. Schönes kostenloses Paket.
  • SwiftKey ist eine Tastatur mit Gestensteuerung. Klar, keine FOSS, aber deutlich komfortabler als die Standardeingabe von Android. Schön finde ich, dass die Tastatur schnell lernt und kleine Ungenauigkeiten erkennt und korrigiert. Die Online-Cloud hab ich allerdings deaktiviert und erlaube der App nicht zu viel, da ein Keyboard sicherheitstechnisch  die Schwachstelle jedes Systems ist.
  • Twidere ist ein freies Twitter Tool mit dem ich auf die Schnelle Tweets lesen und posten kann (z.B. das was du rechts in der Seitenleiste siehst).
  • Threema ist ein sicherer Messenger ähnlich wie WhattsApp. Die Server stehen in der Schweiz und für knapp 2 EUR kauft man europäisches Datenschutzrecht und End-zu-End-Verschlüsselung. Den Lizenzcode kaufe ich via Website, weil ich ja den PlayStore meiden will.
  • Für andere News, Blogs und Podcasts nutze ich den Simple RSS Feedreader.
  • Für Audio und Video den freien VLC Medienplayer.
  • OsmAnd~ bietet freies weltweites Kartenmaterial und brauchbare Navigation (wenn man sich an ein paar Eigenarten gewöhnt hat) basierend auf OpenStreetMaps.
  • And Bible ist eine freie Bibelsoftware, die lizenzfreie (also meist etwas ältere) internationale Bibelübersetzungen, Karten und Kommentare als Moduldatenbank anbietet.
    Für aktuelle Übersetzungen sind freilich die Onlinedienste bibelserver.de und bibelwissenschaft.de auch auf dem Smartphone sinnvoll nutzbar.

Weitere Dienste (wie Facebook, dict.leo.org oder bahn.de) nutze ich bewusst im Browser, weil ich es unnötig finde, dafür eine App zu installieren.

Sicherlich bin ich noch nicht am Ende und lerne gerne mehr Apps kennen oder vertiefe meine Überlegungen, was man sinnvoll installieren kann und sollte und was nicht. Prinzipiell hab ich übrigens garnichts dagegen, für gute Software auch ein paar Euro auszugeben. Allerdings ist das Bezahlmodell via Playstore für mich momentan nicht handlebar, also wären InApp-Spendenmöglichkeiten oder AddOns mir deutlich lieber.

Können und sollen jetzt alle Firmen, Projekte und Gemeinden eigene Apps erstellen? Oder ist es sinnvoller, mobiltaugliche Webseiten zu entwickeln, die mit responsive Webdesign erkennen, wie groß der Bildschirm ist und automatisch sinnvolle Infos für diese Größe anzeigen? Zumindest ist es sinnvoll für jede Organisation, die Menschen begegnen möchte, das auch auf dem Smartphone zu tun.

Welche Apps nutzt du? Wie bewusst und nachhaltig kann mobile Kommunikation sein? Bedarf an Schulung oder Infos zum Thema?

Ich freu mich auf dein Feedback! Via facebook, mail, twitter, threema oder auch persönlich, wenn wir uns mal treffen 🙂

Gott – gefällt mir!

Pünktlich zur Buchmesse in Frankfurt ist es erschienen. Das Buch, in dem ich das komplexe Thema meiner Dissertation für normale Menschen aufgeschrieben habe. Natürlich etwas praktischer und ohne langes Methodenkapitel und theologischen Überbau. Lebensnah behandelt es die Frage, wie man Social Media ganz praktisch in der Gemeindearbeit einbinden kann.

Dabei ist Social Media weit gefächert und beinhaltet sowohl die klassischen Medien Facebook, YouTube und Co wie auch crossmediale Ideen für Kinder- Jugend- und Gemeindearbeit. Ideen, wie man ein Stadtfest evangelistisch nutzen kann und rechtliche Fragen zu dem, was meist schon irgendwie gemacht wird bringen so manches Aha-Erlebnis. Dabei bleibt das Buch leicht zu lesen, weil es spielerisch die Geschichte einer (fiktiven) Familie erzählt. Es ist ein Lesebuch mit kleinen Handbucheinschüben (Leseprobe).  Die knapp 100 Seiten kann man bequem an einem verregneten Herbst-Wochenende lesen oder als gemeinsame Gemeindelektüre auf mehrere Wochen aufteilen.

Passend als Geschenk für sich selber, Freunde, (zukünftige) Pastoren/Pfarrer und Gemeinde-Mitarbeiter. So kann man z.B. auch als Mitarbeiter-Präsent zu Weihnachten was unterhaltsames und gleichzeitig informatives verschenken und dazu beitragen, dass Menschen physische und virtuelle Gemeinschaft nicht nur als  Gegensatz, sodnern auch als mögliche Ergänzung wahrnehmen und sich produktiv mit beiden Welten auseinandersetzen 🙂

Und als Ergänzung für Gemeinden, die ganze Sache machen wollen, habe ich eine Seminarreihe konzipiert. Je nach Stand kann sie zwischen einem Abend, einem Wochenende und zehn Wochen Mitarbeiter und Gemeindemitglieder informieren, schulen und ermutigen, sich auf neue Medien einzulassen ohne bisherige Formate vorschnell zu verwerfen.

Dir gefällt das Buch? Schreib gerne eine positive Rezension auf Amazon oder einem anderen Portal. Das ermutigt Leute oft zum Kauf!
Du hast Verbesserungsvorschläge oder Fragen: Schreib mir eine Mail, dann helfe ich dir gerne weiter oder bedenke deine Argumente 🙂

 

Komparserie und Psalm 23

Ein Erfahrungsbericht und eine Psalmmeditation in einem. Ein Experiment:

„Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.“

Gerade ist Marbrug Kulisse für einen Filmdreh. „Besser spät als nie“ lautet der Arbeitstitel und der Inhalt ist schnell erzählt. Eine Frau anfang 40 aus Berlin besucht ihre Tochter in der Unistadt Marburg und nimmt kurzerhand selber das damals abgebrochene Studium wieder auf. Das gibt natürlich Probleme mit ihrem Mann in Berlin und interessante Begegnungen mit Marburger Studenten, Dozenten und anderen Mitmenschen.

„Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.“

Der Großteil des Films sind in der Metropole Berlin entstanden. Diese und nächste Woche wird aber im Außendreh die romantische Kulisse der Kleinstadt Marburg eingafangen. Denn ein paar Bilder der typischen Wahrzeichen und jeder, der schonmal hier war fühlt sich heimisch im Film.

„Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.“

Ich durfte heute etwas tiefer in die Organisation und Abläufe der Komparserie reinschnuppern und bin beeindruckt mit wie viel Liebe zum Detail dort eigentlich unwichtig scheinende Kleinigkeiten umgesetzt werden. Nicht nur, dass für eine kurze Szene in der Mensa 100 Komparsen (also Kleinstdarsteller, die zwar keinen Text haben aber einfache Handlungen vollziehen können) für einen halben Tag angeheuert werden, auch Tabletts mit passend vorbereitetem Essen wurden vorbereitet: Wer in der Szene gerade aufsteht, bekommt nur Reste auf dem Teller, wer noch etwas sitzt einen halbvollen und wer in der Szene gerade zum Tisch kommt  einen ganz vollen. Jeweils farblich und inhaltlich variiert und liebevoll angerichtet von der Requisite. Und am Anfang war das Essen sogar noch warm.

„Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.“

Nachdem ein Schnitzel 2h lang mit gefühlten 20 Proben und Aufnahmen in mehreren Perspektiven von der Kasse zum Tisch getragen wurde, um im Hintergrund der Hauptdarstellerin ein „echtes Mensaflair“ zu arrangieren, war es natürlich kalt, als es dann als ebenso sorgfältig gesetzte Hintergundhandlung verzehrt werden durfte. Natürlich auch nur in kleinen Happen, weil auch diese Szene ja 5-10x gedreht werden muss. Getränke wurden zwischendurch aufgefült, um ein gleichmäßiges Bild der Szene zu zeigen, Speisen zumindest bei den Hauptdarstellern auch. Alle anderen drehen die Frikadelle so, dass sie von vorne noch ganz und frisch ausschaut.

„Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.“

Die Regieassistenz dirigiert 100 Amateure und sorgt dafür, dass jeder zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. So können Kameramann und Regiesseur passende Bilder schießen und es schaut aus, als wäre es ein belebter Mittag zu Semesterstart. Dass es ein früher Morgen in den Semesterferien war, wird man dem Film nicht ansehen. Dass für eine bessere Perspektive auf das Schloss zwischen zwei Szenen die Tische 90° gedreht wurden auch nicht. Das sind die kleinen Tricks, die bei fiktionalen Produktionen gang und gebe sind. Das Ziel ist, ein Film der im Zuschauer eine Wirkung auslöst und eine Geschichte erzählt, die an ein gutes Ende kommen soll. Dabei sind Details der Produktion unrelevant, solange am Ende ein authentisches Bild entsteht.

„Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang“

Ich glaube, Gottes handeln an der Welt, kann man mit einem Filmset vergleichen. Er ist der Regisseur, der einen Plan hat, aber er lässt den Darstellern einen gewissen Freiraum, innerhalb des Plans zu agieren. Und drumherum sind ganz viele Menschen, die bewusst oder unbewusst nach seiner Leitung rumwuseln und so dafür sorgen, dass am Ende ein gutes Bild entsteht. Mit dem Unterschied, dass wir gleichzeitig Hauptdarsteller unseres Films und Nebendarsteller, Komparse oder Statist im Leben von zahlreichen anderen Menschen sind. Wie viel Freiheit man dabei hat und wie stark das Drehbuch bereits vorher feststeht, darüber streiten sich Theologen seit Jahrhunderten. Ich glaube, bei Gott muss sich das garnicht widersprechen. Psalm 23 spricht davon, dass Gott uns führt, leitet, gute Pläne für uns hat und uns Gutes und Schwieriges erleben lässt. Und am Ende entscheidet der Psalmist doch selber, wo er bleiben will.

„…und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.“

Wir können uns entscheiden, ohne dabei Gottes großen Plan zu durchkreuzen. Beim Film ist viel vorgeplant. Aber wie die Komparsen aussehen, sich geben und welchen Flair sie dem Film geben, sieht das Team doch erst vor Ort. Da kann dann die Kostümabteilung aus den mitgebrachten Klamotten auswählen oder Kostüme für den Dreh aushändigen. Auch der Typ der Darsteller ist natürlich vorher geplant. Wenn 30 Studierende und 5 ältere Semester für eine Bibliotheksszene gebraucht werden, fragt man solche Kriterien ab. Aber das Wesen selbst eines Komparsen gibt dem Film immer auch etwas persönliches mit.

Ich bin gepannt, den Film 2015 im Fernsehen zu sehen. Und ich bin gespannt, am Ende des Lebens bei Gott zu sehen, welcher Lebensfilm aus meinen täglichen Entscheidungen entstanden ist. Egal, wie viel ich tatsächlich selber beigetragen habe und wo er bereits vorher wusste, was ich aus der gegebenen Szene machen würde. Denn ER ist mein gute Hirte und Regisseur meines Lebens 🙂

spielerisch URLs kürzen

Das Web 2.0 lebt von Vernetzung. Für Links in Kurznachrichten und Kommentaren fehlt aber manchmal der Platz für endlos lange URLs wie z.B.:
http://www.stern.de/digital/ueberwachung/einzigartiges-experiment-we-are-watching-you-wie-viel-ueberwachung-vertraegt-ein-mensch-2124442.html

Um auf solche Links hinzuweisen, gibt es daher URL-Shortener, die aus der langen Adresse eine kurze machen:
http://bit.ly/1xtLliQ oder http://ow.ly/C40ju

Wie bei jedem Online-Formular gibt es leider manchmal Missbrauch durch automatisierte Skripte („Bots“), die den Dienst nutzen, der eigentlich für echte Menschen gedacht ist. game2Als Schutz dagegen wird typischerweise ReCAPTCHA genutzt, um sicherzustellen, dass der Antragsteller ein Mensch ist.
Viel schöner finde ich die Mini-Spiele von ow.ly, die pfiffig den gleichen Zweck erfüllen, aber deutlich weniger nerven.

game3Teilweise habe ich einfach so mal ein paar URLs gekürzt, um zu spielen. Es befriedigt meinen Ordnungsdrang, Dinge zuzuordnen und zu sortieren. So mag ich das. Das technisch nötige Ziel wird erreicht und dabei dem Nutzer noch ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert 🙂

BTW: Dass bei URL-Shortenern meist auch Klickstatistiken erstellt werden ist klar. Ob das gut oder schlecht ist, hängt vom Kontext ab. Auch gibt es natürlich bei unseriösen Links auch Sicherheitsrisikos. Als Gegenmaßnahme gibt es daher Dienste wie longurl.org, die Kurz-URLS wieder lang machen. Wer nicht immer Spielen oder Captchan möchte, kann sich ein Nutzerkonto erstellen. Und für sensible Daten, richtet man sich sowieso besser einen Dienst auf dem einem eigenen Server ein.

Jogibär – zielgruppenorientierter Medieneinsatz

Am Wochenende durfte ich das Kinder-Spielplatz-Projekt „Jogibär“ in Düsseldorf kennen lernen. Aufbauend auf der New Yorker Idee  „Metro Ministries“ von Bill Wilson sollen auch in Düsseldorf Kinder viel Spaß und positive Gemeinschaft erleben.

bär_webEinmal im Monat gestaltet das Mitarbeiterteam einen Gottesdienst für Kinder am Samstagnachmittag auf einem Spielplatz. Eingeladen wird im Vorfeld persönlich in den angrenzenden Häusern. Familien sollen die Mitarbeiter kennen lernen, um ihnen vertrauen zu können und zu wissen, dass die Kinder dort in guten Händen sind. Ein buntes Programm aus kindgerechten Spielen, Songs, einer biblischen Botschaft und leckeren Süßigkeiten bzw. Preisen zieht regelmäßig bis zu 100 Kinder an. Dabei ist der Jogibär ein besonderer Star, der mit den Kindern tanzt oder einfach geknuddelt werden kann.

schilder_webEingängige Lieder mit einfachen deutschen Texten werden mit den Kindern geübt und gesungen. Verbunden mit passenden Bewegungen lernt so jedes Kind, dass es wertvoll und geliebt ist und in Frieden mit anderen Menschen leben kann. Für eine OpenAir-Veranstaltung mit Kindern ist dabei weder ein Gesangbuch noch eine Medieninstallation wirklich passend. Die meisten Kinder singen die Texte auswendig mit, aber um sie leichter zu lernen, werden sie auf großen Pappen aufgemalt. So kann man sie bei Bedarf leicht mitlesen. Gerade auch die Eltern, die teilweise auf den Spielplatz kommen und bei einer Tasse Kaffee mit zuhören.

schwert_webDie Botschaft (diesmal „Denke nach, bevor du sprichst“ nach Prediger 5,2) wird neben kurzen Erzählungen von persönlichen und biblischen Geschichten auch durch Objekte visualisiert. So können sich die Kinder gut merken, worum es geht. Ein Schwert zum Beispiel ist ein sehr mächtiges Werkzeug und kann je nach Einsatz Menschen verletzen oder auch Menschen beschützen und ihnen helfen. So ist das auch mit unseren Worten – sie können verletzen oder helfen, je nachdem, was wir sagen. Also sollten wir gut überlegen, ob wir anderen Menschen hilfreiche Dinge sagen oder sie beleidigen und damit verletzen.

bilder_webAm Ende bekommt jedes Kind noch den Merkvers auf einer kleinen Karte zum Mitnehmen. Praktische Gegenstände, gedruckte und gemalte Plakate und Spruchkarten sind also ganz lebensnahe Medien, die hier genutzt werden. Außerdem die persönliche Begegnung im Gespräch, bei Spiel und Spaß, Hausbesuchen und gemeinsam Fußballspielen. Und nicht zuletzt die liebevolle Umarmung des großen Bären oder eines Mitarbeiters. So transportiert die Veranstaltung ganz ohne „moderne Massenmedien“ gute Gedanken passend an eine Zielgruppe vor dem Smartphone- und Interneteinstieg. Klar gibt es auch eine Website und Facebook-Seite mit Informationen für Erwachsene, aber für die Kinder zählt noch ganz die haptische Erfahrungswelt.

logoMein Resümee des Wochenendes: Es ist gut, viele Methoden und Tools zu kennen und kontextsensitiv auszuwählen, was wo passt 🙂

YouTube – Du bist das Fernsehen!

Wikipedia: „Doing the ALS Ice Bucket Challenge (14927191426)“ von slgckgc

Egal, was für eine Challenge. Via YouTube gehen Videos um die Welt. Ursprünglich trank man eine Flasche Bier auf Ex. Dann sprang man in ein öffentliches Gewässer. Gegen ALS schüttet man sich Eiswasser über den Kopf und  für Verfolgte zündet man eine Kerze an. Videos nehmen uns mit hinein in die Mutproben und Bekenntnisse der heutigen Zeit.

Auch persönliche Videotagebücher, private Kurzreportagen, Tutorials oder Missgeschicke werden so einen Millionenpublikum zugänglich. Für Menschen, die mit 3 Fernsehprogrammen aufgewachsen sind, die von Medienorganisationen mit Inhalt bespielt wurden, ist das revolutionär. Für Digital Natives ist es ganz normal. Wenn ich etwas sagen möchte, sage ich es. Und welches Medium dafür passt, das wähle ich eben aus. Und seitdem jedes Smartphone mit brauchbaren Kameras ausgerüstet ist, braucht man auch kein TV-Team, um einfache Clips zu erstellen (dass viele große YT-Kanäle durchaus von einem professionellen Team redaktionell gestaltet werden, sei nur am Rande erwähnt).

An der Evangelischen Hochschule Tabor haben wir Anfang des Jahres über „Videokunst als homiletische Ausrucksform“ nachgedacht. Dazu habe ich einige Playlists mit lustigen und spannenden Videos angelegt. Sicherlich nicht vollständig, aber sie wachsen kontinuierlich weiter, wenn ich was passendes finde (oder du mir gute Links schickst!). Genau richtig für trübe Herbstnachmittage zwischen Grillwetter und Lebkuchenstimmung.

yt-playlists

  • Best of YouTube“ behandelt ein paar Phänomene, die viral sehr erfolgreich waren (unter anderem Y-TITTY, The Fox und Teens react to…).
  • Metaclips“ enthält Videos, die das System YouTube analysieren (v.a. von Prof. Michael Wesch).
  • In „Medienproduktion“ finden sich Tipps für angehende Filmemacher (auch im RSA-Style).
  • Medienkunst“ führt dich zu Videos mit tieferer Message (animiert und crossmedial).
  • christliche Clips“ zeigt ganz unterschiedliche Videos mit geistlichem Bezug (ohne sie inhaltlich zu werten) 🙂

Viel Spaß beim Schauen.
Und vielleicht lass dich inspirieren und dreh dein eigenes Video. Egal ob Katze, Predigt oder Musikvideo, sag der Welt, was dir wichtig ist, denn You Tube! (frei übersetzt: du bist das Fernsehen!)

 

Rockbox – Pimp your MP3-Player

Egal ob auf langen Zugfahrten, bei Rock’n’Roll-Kursen, Gottesdiensten oder Veranstaltungen: ein mobiles Musikabspielgerät brauch ich oft. Und bisher war ich nie wirklich zufrieden. Meist war das Display zu klein, die Software hatte nur wenig Funktionen und ich vermisste eine Möglichkeit, die Geschwindigkeit der Musik anzupassen (pitch oder timestrech).

rockbox-logoAm Computer ist es schon lange normal, dass man Schriftgröße und Funktionsumfang den eigenen Vorlieben anpassen kann und digitale Musikgeräte sind ja letztlich auch kleine Computer. Warum also da immer nur Standard.

sandiscclipzipDankenswerterweise hab ich von einem Freund einen entscheidenden Tipp bekommen, der mich momentan voll zufriedens tellt. Für viele Geräte kann man (zusätzlich zur vorinstallierten Software) die OpenSource-Fírmware „Rockbox“ installieren. Rockbox bietet unterschiedliche Skins & Themes, wie man es von Mobiltelefonen kennt, einen deutlich größeren Funktionsumfang (Mediendatenbank, Playlist-Optimierung, Geschwindigkeit und Pitch) und vor allem kleinere Schrift und somit mehr Platz auf dem Display. Es ist somit optimiert für Menschen mit guten Augen (aber auch für Blinde und sehschwache Menschen gibt es Styles oder sogar Sprachsteuerung), und legt Funktionalität als Maßstab an. Sogar Spiele kann man installieren. doomWarum ich Minesweeper, Schach oder Doom auf meinem MP3-Player spielen soll, hab ich zwar noch nicht verstanden, aber – Proof of Concept – schön dass es gehen würde…

Für Rockbox hab ich mir tatsächlich eine neue Hardware gekauft (auf der Website ist eine Liste, auf welchen Geräten RockBox läuft). In meinem Fall ein „San Disc Sansa Clip Zip“. Ein kleines Gerät mit Clip, um es leicht am Körper zu tragen und 1,3″ Display. Mit der Originalsoftware wird schon das Wort „Einstellungen“ abgeschnitten. Mit der Kombi aus SanDisc und Rockbox bin ich aktuell sehr zufrieden. Gute Hardware und gute Software im perfekten Zusammenspiel. Dateien speichere ich via USB auf der MicroSD-Karte oder dem internen Speicher und hab so bis zu 48GB Musik immer dabei. So kann ich mich wieder mehr auf die inhaltliche Arbeit konzentrieren, weil die Technik einfach und intuitiv läuft 🙂

vergleich

Und deshalb beschäftige ich mich auch nicht mit dem GameBoy-Emulator, dem integrierten Kalender oder experimentellen Videowiedergaben auf 1,3 Zoll, sondern freue mich über den Segen der Technik, der OpenSource-Bewegung und der Kreativität. Denn gute Technik sollte uns nicht  durch immerwährende Updates und Optimierung von der Arbeit abhalten. Sie sollte dazu da sein, Menschen kreativ und produktiv zu machen und freizusetzen.

 

Gamification About Squares

www.aboutsquares.com
Der Weg ist intuitiv…

Kürzlich habe ich das Browsergame www.gameaboutsquares.com entdeckt, das mich schnell gefesselt hat. Es geht dabei um Quadrate.  Mehr nicht. Schnell erklärt, schnell geladen, aber langer Knobelspass. Und um ehrlich zu sein, bei Level 35 hab ich irgendwann aufgegeben…

Ich schreibe aber nicht darüber, um entscheidende Tipps für den „Endgegner“ zu bekommen, sondern, weil ich das konsequent minimalistische Konzept bemerkenswert finde. Es gibt auf der Startseite kein Menü, keine Auswahl, keine Hilfedatei und keine wortgewandte Erklärung.

Das erste Level besteht aus einem roten Quadrat mit einem Pfeil. Spontan klicke ich darauf und – wie erwartet – bewegt sich das Quadrat in diese Richtung. Wenn ich den roten Kreis erreiche, ist das Level gelöst. Das war ja einfach.

Der Weg ist klar...
Auch das ist klar…

Bei Level 2 kommt ein blaues Quadrat und ein blauer Kreis dazu. Später können die Quadrate die Richtung ändern und sich verschieben. Aber mehr als vier Farben und vier Richtungen werden es nie.

Das Spiel kommt komplett ohne Spielregel aus. Zwischen jedem Level gibt es einen Joke, der teilweise auf das Spiel bezogen ist, teilweise auch einfach nur bei Laune halten soll. Der Spaß steht im Vordergrund. Dieses Prinzip steht stellvertretend für einen Ansatz, den man Gamification nennt. Spielend lernen. Wenn Kinder zwar keine 20 Englisch-Vokabeln pro Woche behalten, aber 150 Pokemon-Namen inklusive Abhängigkeiten in 2 Tagen auswendig können, zeigt das, welche Motivation von einem guten Spielsystem ausgehen kann. Jetzt sind weder Pokemon noch Quadrate das primäre Ziel von typischen Lehreinheiten, aber wer verstanden hat, dass Menschen spielerisch viel leichter (und lieber) lernen als durch lange Texte, komplizierte Vorträge oder gar Druck und Stress, der kann seinen Inhalt in einfache Aufgaben verpacken, die man spielerisch erledigen kann.

eigentlich ganz einfach...
eigentlich ganz einfach…

Klar sind komplexe wissenschaftlichen Themen oft zu vielschichtig für einfache Spiele, aber in jedem Thema steckt eine einfache Wahrheit, die man spielerisch verstehen kann. Und mentale Kombinationen aus mehreren Spielergebnissen sind im Zweifel immer noch leichter als rein theoretisch erworbenes Wissen zu behalten.

Intuitiver Wissenserwerb ist im Web-2.0 dank durchdachter Steuerung möglich und nötig, um den Überfluss an Textinformationen bearbeiten zu können. Menschen müssen Fakten schnell beurteilen. Dabei sollte man gerade im Internet immer harte Kernkriterien im Hinterkopf haben, um Falschmeldungen, ironsiche Berichte, manipulierte Grafiken oder bösartige Bedrohungen sofort zu erkennen und korrekt zu behandeln.

4-jährige können statistisch gesehen Smartphones genausogut bedienen wie 45-jährige. Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte und wer mit Icons kommuniziert, spart Denkleistung bei den Lesern. So bleibt Kapazität, um inhaltlich und kreativ zu denken. Das ist die Aufgabe der Zukunft: alltägliche Aufgaben so spielerisch zu erledigen, dass wir uns den wirklich spannenden Fragen widmen können. Egal ob es dann um kirchlich-religiöse Kommunikation, Wissenschaft oder Kunst geht, dürfen wir „werden wie die Kinder“, um himmlisch zu kommunizieren.

Führen und Folgen

„Beim Tanzen führt der Mann, egal, wie das sonst bei euch zu Hause ausschaut!“

Das erzähle ich bei meinen Tanz-Freizeiten immer.
Denn wenn der Mann bei Walzer und ChaChaCha die Kontrolle hat, kann die Frau sich ganz darauf einlassen, sich zu präsentieren, schön zu drehen und (im vorgegebenen Rahmen) ausgelassen die Musik zu interpretieren.

Langsamer Walzer, Bild von commons.wikimedia.org

Die Frau muss dafür lernen, Kontrolle abzugeben, die Führung des Partners zu „lesen“ und sich einem anderen Menschen anzuvertrauen. Auch, wenn sie meint, besser zu wissen, was grad dran wäre oder der Mann nicht so taktsicher ist. Der Mann hat allerdings auch eine schwierige Aufgabe. Er muss seine eigenen Füße koordinieren und gleichzeitig immer etwas vorausdenken. Er hört auf die Musik, überblickt die Raumposition und interpretiert mit den gemeinsamen Figuren das Lied. Er sorgt im Optimalfall dafür, dass das Paar seine Stärken umsetzen kann und die Schwächen elegant überspielt werden. Und er sorgt (wenn alles klappt) dafür, dass die Frau eine gute Figur macht.
Nicht mit eiserner Hand, sondern mit zärtlichen Impulsen, die die Frau in die Lage versetzen, selber ihre Schritte so zu setzen, wie es in der Situation passt. Da gehören dann auch Solo-Teile und Improvisationen dazu, in der die Führung zur Freiheit führt. Und dennoch behält der Mann das Gesamtbild im Auge und leitet so durch das ganze Lied.

Lindy Hop, Bild von commons.wikimedia.org

Gerade war ich bei einem Trainingslager, bei dem ich Lindy Hop tanzen gelernt habe. Auch bei diesem entspannt-lockeren Swing-Tanz der 30er-Jahre wird geführt. Allerdings nicht unbedingt immer vom Mann. Ähnlich wie im argentinischen Tango redet man vom „Leader“ und „Follower“, also die führende und die folgende Person. So hatte ich die Gelegenheit, mich führen zu lassen. Und ich hab gemerkt, dass es gar nicht so einfach ist, die eigene Planung auszuschalten und sich darauf einzulassen, was der andere macht. In dem Fall war es der Tanzlehrer, der wirklich gut führen konnte und das Lied deutlich besser interpretieren konnte als ich Lindy-Hop-Anfänger. So hab ich mich darauf eingelassen und festgestellt, dass es funktioniert. Ich hab nicht nur für meine eigenen Führungspositionen gelernt, wie ich die passenden Impulse für Drehungen, Platzwechsel und Akrobatiken setze, sondern die Erfahrung gemacht, dass Vertrauen in einen „Leader“ durchaus entspannend sein kann.

Als Theologe kenne ich das Konzept. Gott ist der perfekte Tanzpartner. Er führt uns, ist dabei perfekt taktsicher und überblickt das Lied so gut, dass er uns optimal anleiten kann. Er gönnt uns auch Soloteile und liebt es, unsere Improvisation in seinen Tanzstil einzubauen. Er freut sich, an unserer Freiheit und lässt uns doch nie aus seiner Hand fallen. So können wir wilde Tanzakrobatiken und romantische Kuschelschritte mit ihm wagen und wissen uns gut aufgehoben.

„Michelangelo - Creation of Adam“ von Michelangelo - See below.. Lizenziert unter Public domain über Wikimedia Commons - http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Michelangelo_-_Creation_of_Adam.jpg#mediaviewer/File:Michelangelo_-_Creation_of_Adam.jpg
Gottes Führung (Ausschnitt aus Michelangelo: Creation of Adam)

Für eine Frau ist Gott in der Hinsicht sicherlich der Traum-Partner, dem sie gut folgen kann. Und für einen Mann ist es die Gelegenheit, auch mal die Fürungsrolle abgeben zu dürfen und sich vertrauensvoll zurückzulehnen.

Ich kann jedem nur empfehlen, sich darauf einzulassen. Vor allem im geistlichen Leben. Versuch da zu führen, wo du dich auskennst und überlasse die Führung einem starken „Leader“, wo du nicht alles überblicken kannst. Du verlierst keine Freiheit, sondern gewinnst Sicherheit in der du weiterhin deinen eigenen Stil einbringen kannst.
Und: Tanz mal wieder, das ist immer ein guter Rat 🙂