Archiv der Kategorie: Nerdiges

Kleine Basteleien und großes Spielzeug, um das Leben einfacher zu machen oder zumindest extrem witzig :-)

spielerisch URLs kürzen

Das Web 2.0 lebt von Vernetzung. Für Links in Kurznachrichten und Kommentaren fehlt aber manchmal der Platz für endlos lange URLs wie z.B.:
http://www.stern.de/digital/ueberwachung/einzigartiges-experiment-we-are-watching-you-wie-viel-ueberwachung-vertraegt-ein-mensch-2124442.html

Um auf solche Links hinzuweisen, gibt es daher URL-Shortener, die aus der langen Adresse eine kurze machen:
http://bit.ly/1xtLliQ oder http://ow.ly/C40ju

Wie bei jedem Online-Formular gibt es leider manchmal Missbrauch durch automatisierte Skripte („Bots“), die den Dienst nutzen, der eigentlich für echte Menschen gedacht ist. game2Als Schutz dagegen wird typischerweise ReCAPTCHA genutzt, um sicherzustellen, dass der Antragsteller ein Mensch ist.
Viel schöner finde ich die Mini-Spiele von ow.ly, die pfiffig den gleichen Zweck erfüllen, aber deutlich weniger nerven.

game3Teilweise habe ich einfach so mal ein paar URLs gekürzt, um zu spielen. Es befriedigt meinen Ordnungsdrang, Dinge zuzuordnen und zu sortieren. So mag ich das. Das technisch nötige Ziel wird erreicht und dabei dem Nutzer noch ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert 🙂

BTW: Dass bei URL-Shortenern meist auch Klickstatistiken erstellt werden ist klar. Ob das gut oder schlecht ist, hängt vom Kontext ab. Auch gibt es natürlich bei unseriösen Links auch Sicherheitsrisikos. Als Gegenmaßnahme gibt es daher Dienste wie longurl.org, die Kurz-URLS wieder lang machen. Wer nicht immer Spielen oder Captchan möchte, kann sich ein Nutzerkonto erstellen. Und für sensible Daten, richtet man sich sowieso besser einen Dienst auf dem einem eigenen Server ein.

Früher war Facebook – Eine Retrospektive

(Ursprünglich erschienen in TEC 1/2014)

Wir schreiben das Jahr 2050. Nach den globalen Bildungsstandards werden Grundschüler weltweit einheitlich bereits ab 4 Jahren in intuitiver Programmierung, Web-Design und den modularen Systemen der sogenannten „Digi-Pulte“ geschult. Natürlich zweisprachig auf Englisch und Chinesisch. In den kulturell hochstehenden Provinzen wird in weiterführenden Klassen zusätzlich zum üblichen Lernstoff immer noch ein historisches Themengebiet wie „Schreiben mit der Hand“, „bildschirmlose Bücher“ oder „akustische Musikinstrumente“ gelehrt, um zu einem besseren Verständnis zwischen den Generation beizutragen. Für die älteren Mitbürger, die vor der digitalen Wende aufgewachsen sind, waren diese aufwändigen Übungen damals normaler Alltag. So demonstriert die 75 jährige Lehrerin mit faszinierender Konzentration, wie sie in einem Bücher-Raum völlig ohne die Hilfe eines Digi-Pultes eine geforderte Information finden kann. Zwar braucht sie für die Aufgabe, die ihre Schüler am Digi-Pult in wenigen Sekunden erledigt haben, fast 10 min, aber begeistert von der historischen Aufführung sind die Kinder dennoch und verlinken die interaktive Lehreinheit mit ihrem persönlichen Wissensspeicher.

Die Schüler scannen die archaischen Exponate wie papierbasierte Terminverwaltung und stromlose Bildergalerien und vernetzen die persönlich gelernten Informationen mit denen der zentralen Wissensdatenbank. So können sie bei späteren Fragestellungen zu diesen Themen auf beides zugreifen. Die Lehrerin legt Wert darauf, dass die Schüler nicht nur die zentrale Datenbank für semantische Suchanfragen nutzen, sondern eigene Lernerfahrungen aus ihrem persönlichen und selbst verwalteten Wissensspeicher damit verknüpfen. Auch wenn die Lehrerin aufgrund der Persönlichkeitsrechte diese Datenbank nicht einsehen kann, freut sie sich, wenn regelmäßig das Volumen der Datenbasis steigt und für die Heranwachsenden somit individuelle Erfahrungen als Gegenpol zum allgemeinen Wissen bereit stehen.

Aus dem zentralen Info-Pool und den persönlichen Informationsspeichern seiner Eltern und Großeltern hat ein Schüler ein Referat vorbereitet, mit dem er seiner Klasse Informationen über frühe soziale Netzwerke weitergibt. Er redet von Freundschaftsbüchern, in denen man mit Stiften seine Hobbies und Vorlieben eintrug, von Papierlisten mit Kontaktinformationen und der langen Suche nach Telefonnummern oder Adressen, wenn ein Kontakt umgezogen war. Seine Mutter – so sagt er – habe seinen Vater dann aber in einer dieser ersten Internetportale kennen gelernt. „Facebook?“ fragt ein Mitschüler. „Nein, noch älter und auf ein Land beschränkt.“ Später seien sie dann aber zu Facebook gewechselt, weil sie nach dem Umzug vieler Freunde auch international in Kontakt bleiben wollten. Und da sei Facebook dann die erste Möglichkeit gewesen, trotz räumlicher Entfernung eine emotionale Nähe zu spüren. Dabei waren es anfangs lediglich Texte, Fotos und Videos, die man austauschen konnte. Und doch fühlte man die Verbundenheit, konnte mit alten Kontakten in Verbindung bleiben und über gemeinsame Schnittmengen neue Kontakte finden. „Das ist doch klar, das macht doch jeder schon im Kindergarten!“ wirft ein anderer ein. Aber das sei wohl erst eine recht junge Entwicklung fährt der Referatsschüler fort. Früher sei noch eine Altersbeschränkung eingebaut gewesen, um Kinder unter 13 zu schützen, weil sie in der Schule noch keine vollständige Medienkompetenzschulung gehabt hätten. Und das neue Facebook sei auch vielen Erwachsenen nicht ganz geheuer gewesen, weil sie wohl viel zu viel Zeit gebraucht hätten, um dort an Informationen zu kommen und ihre reguläre Arbeit vernachlässigt hätten.

Der Schüler stellt dar, wie seine Großeltern sich damals gestritten hatten, ob die Vorteile der freien Meinungsäußerung wichtig wären oder die damaligen Sicherheitsbedenken einen Boykott rechtfertigten. Oma hatte wohl immer schon gerne viel über sich erzählt und so eine Art persönliche Ergänzungsdatenbank angelegt und Opa hatte sie dafür getadelt, weil es noch keinerlei Datenschutz für die sensiblen Daten ihrer eigenen Erfahrungen gegeben hatte. Regierungen, Firmen und Hacker konnten ungehindert alle Aktionen mitlesen und auswerten. Erst die persönlichen Serverkonzepte aufgrund der frühen Diaspora-Netzwerke mit dezentraler Datenbasis hätten es möglich gemacht, persönliche Daten vor dem Zugriff von außen zu schützen und damit letztlich zum Durchbruch der Vernetzten Anwendungen bei weiten Teilen der Gesellschaft beigetragen. Vorher seien meist die Betreiber aus finanziellen Interessen an den persönlichen Daten interessiert gewesen. „Da gab es auch noch keine allgemeine Netzsteuer, um die Infrastruktur ohne Werbung und Datenhandel zu finanzieren…“ wirft ein Naseweis ein. „Und es war ein langer Weg, bis alle Bürger eingesehen haben, warum das sinnvoll ist.“ kontert der Referent. Aber laut seiner Eltern wäre erst durch diese globale, staats- und firmenunabhängige Infrastruktur ein wirklich freies Internet möglich gewesen. Das sei dann das Ende von Facebook und den damit verbundenen großen Firmen gewesen, die ihr Geld mit den Daten der Nutzer verdienten und innerhalb weniger Jahre habe sich als Nachfolger des freien Wikipedia-Ansatzes die zentrale Wissensdatenbank gebildet. Damals war wohl der Werbeslogan: „Globales Wissen zentral speichern, persönliche Erfahrung selbst zuordnen.“ Und so sei das Konzept, dass persönliche Informationen, Erfahrungen und Deutungen in eigenen Web-Servern vom Nutzer selbst verwaltet werden letztlich nur durch die Datenskandale der jungen Netzwerke aufgekommen. „Also muss man Facebook danken, dass sie damals die Daten unserer Großeltern verkauft und durch dubiose Spiele Süchte und Finanzprobleme ausgelöst haben?“ wird er ein letztes Mal unterbrochen und kann dem Einwurf prinzipiell zustimmen. Natürlich wäre das damals nicht in Ordnung gewesen, aber nur durch den globalen Skandal, dass Firmen und sogar der Staat die Daten der Nutzer ausspioniert und missbraucht haben, sei das Bewusstsein für den Wert persönlicher Information entstanden, was heute jedem Kind beigebracht wird. Allerdings seien die Schritte vom Skandal zur Eigenständigkeit kein leichter Weg gewesen. Viel komfortabler sei es gewesen, einem Netzwerk naiv zu vertrauen als selber über die Art der Datenspeicherung Bescheid zu wissen. „Und ein eigener Webserver war damals immerhin so etwas besonderes, wie ein privates Flugmobil heute.“ ergänzt die Lehrerin. Und sie muss es wissen. Schließlich hatte sie damals die ersten statischen Internetseiten, den Wandel zu nutzerorientierten Web-2.0-Anwendungen, die Einführung der semantischen Suchfunktionen des Web3 und die Revolution hin zu persönlicher Datenspeicherung selber miterlebt. Welche Rolle sie im Kampf gegen die staatliche Kontrolle aller Netzdaten gespielt hatte, darüber möchte sie nicht reden. Aber sie schaut so geheimnisvoll, dass den Schülern klar ist, dass in ihrem privaten Erfahrungsspeicher sicher einige brisante Informationen lagern. Und wieder einmal sind sie froh, dass sich das kommerziell orientierte Internet der Jahrtausendwende in ein tatsächlich freies Informationsnetz mit zentraler Wissensdatenbank und dezentral gespeicherten Nutzerdatenbanken gewandelt hat. Gerne zahlen sie für diese Infrastruktur einen kleinen Beitrag und sind dafür sicher, ihre eigene Meinung auch online vernetzt mit den weltweiten Freunden teilen zu können, ohne dass sie dafür vom System gesperrt werden könnten.

Rockbox – Pimp your MP3-Player

Egal ob auf langen Zugfahrten, bei Rock’n’Roll-Kursen, Gottesdiensten oder Veranstaltungen: ein mobiles Musikabspielgerät brauch ich oft. Und bisher war ich nie wirklich zufrieden. Meist war das Display zu klein, die Software hatte nur wenig Funktionen und ich vermisste eine Möglichkeit, die Geschwindigkeit der Musik anzupassen (pitch oder timestrech).

rockbox-logoAm Computer ist es schon lange normal, dass man Schriftgröße und Funktionsumfang den eigenen Vorlieben anpassen kann und digitale Musikgeräte sind ja letztlich auch kleine Computer. Warum also da immer nur Standard.

sandiscclipzipDankenswerterweise hab ich von einem Freund einen entscheidenden Tipp bekommen, der mich momentan voll zufriedens tellt. Für viele Geräte kann man (zusätzlich zur vorinstallierten Software) die OpenSource-Fírmware „Rockbox“ installieren. Rockbox bietet unterschiedliche Skins & Themes, wie man es von Mobiltelefonen kennt, einen deutlich größeren Funktionsumfang (Mediendatenbank, Playlist-Optimierung, Geschwindigkeit und Pitch) und vor allem kleinere Schrift und somit mehr Platz auf dem Display. Es ist somit optimiert für Menschen mit guten Augen (aber auch für Blinde und sehschwache Menschen gibt es Styles oder sogar Sprachsteuerung), und legt Funktionalität als Maßstab an. Sogar Spiele kann man installieren. doomWarum ich Minesweeper, Schach oder Doom auf meinem MP3-Player spielen soll, hab ich zwar noch nicht verstanden, aber – Proof of Concept – schön dass es gehen würde…

Für Rockbox hab ich mir tatsächlich eine neue Hardware gekauft (auf der Website ist eine Liste, auf welchen Geräten RockBox läuft). In meinem Fall ein „San Disc Sansa Clip Zip“. Ein kleines Gerät mit Clip, um es leicht am Körper zu tragen und 1,3″ Display. Mit der Originalsoftware wird schon das Wort „Einstellungen“ abgeschnitten. Mit der Kombi aus SanDisc und Rockbox bin ich aktuell sehr zufrieden. Gute Hardware und gute Software im perfekten Zusammenspiel. Dateien speichere ich via USB auf der MicroSD-Karte oder dem internen Speicher und hab so bis zu 48GB Musik immer dabei. So kann ich mich wieder mehr auf die inhaltliche Arbeit konzentrieren, weil die Technik einfach und intuitiv läuft 🙂

vergleich

Und deshalb beschäftige ich mich auch nicht mit dem GameBoy-Emulator, dem integrierten Kalender oder experimentellen Videowiedergaben auf 1,3 Zoll, sondern freue mich über den Segen der Technik, der OpenSource-Bewegung und der Kreativität. Denn gute Technik sollte uns nicht  durch immerwährende Updates und Optimierung von der Arbeit abhalten. Sie sollte dazu da sein, Menschen kreativ und produktiv zu machen und freizusetzen.

 

Von allen Seiten…

Neulich beim WM schauen am PC war ich in der ZDF-Mediathek unterwegs. Es ist schon beeindruckend, wie man nicht nur das Live-Spektakel, sondern auch Zusatzinfos und weitere Kameraperspektiven digital nach Hause geliefert bekommt. Und für die Highlights gibt es schon während des Spiels die MultiAngle-Auswahl: selber zwischen den 19 Kameras im Stadion hin und her schalten.

WM2014_MultiAngleViewSo bleibt nichts verborgen. Jedes Foul und jede Glanztat wird perfekt sichtbar, wann immer der Zuschauer es möchte. Die Spieler können sich nicht mehr verstecken und jede Schwalbe wird knallhart aufgedeckt. Das erinnert mich an einen alten Text:

„Herr, du erforschest mich und kennest mich. Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne. Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege. Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, HERR, nicht schon wüsstest. Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.“ (Psalm 139, 1-5)
Bei Gott ist unser Leben transparent wie im Fußballstadion. Nicht nur 19 Kameras beobachten uns, sondern Gott kennt uns durch und durch. Diese Größe und Allmacht ist zu hoch, um sie zu begreifen, heißt es im Psalm. Gott kennt uns schon im Mutterleib, bevor das erste medizinische Bild von uns geschossen wird. Und er kennt uns am Totenbett, wenn die letzten Fotos im Familienkreis gemacht werden. Er beobachtet jeden Moment unseres Lebens und weiß sogar, warum wir etwas tun.
Da machen Schwalben und die Vortäuschung falscher Tatsachen nicht viel Sinn. Besser ist es, von Anfang an ehrlich zu spielen – nach Gottes Regeln eben. Denn er weiß, wo wir mit fairen Mitteln um den Sieg kämpfen und wo wir nur unseren Vorteil suchen, ohne die Regeln einzuhalten.
Wichtig ist: Gott ist keine menschliche Instanz, die uns zum eigenen Vorteil überwacht und die Privatsphäre auflöst. Denn das wäre selbst wieder unfair. Gott ist größer, seine Gedanken unzählbar:
„Wie schwer sind für mich, Gott, deine Gedanken! Wie ist ihre Summe so groß! Wollte ich sie zählen, so wären sie mehr als der Sand: Am Ende bin ich noch immer bei dir.“ (Vers 17-18)
Aber Gott überwacht uns nicht zur Unterhaltung, wie wir die Fußballer. Auch nicht aus Spionagezweck, wie die NSA. Gott ist für uns. So endet der Psalm:
„Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich’s meine.Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege.“ (Vers 23-24)
Das ist ganz gewiss keine Bitte an die NSA, doch bitte noch etwas mehr zu schnüffeln. Und auch keine Aufforderung an die FIFA, noch mehr Kameras aufzustellen, um auch die Zuschauer auf dem Weg zur Toilette beobachten zu können. Es ist ein Wunsch an Gottes Gerechtigkeit. Schau mir ins Herz, Gott, und korrigiere meine Absichten.
David Luiz Moreira MarinhoDas hat auch David Luiz erkannt. Der brasilianische Profifußballer weiß, dass Gottes Führung ausreicht. Er gibt auf dem Platz alles und verlässt sich darüberhinaus auf Gottes Planung.
Und letztlich zählt in seinem Leben nicht so sehr, was die 19 Kameras auf dem Platz filmen, sondern was in seinem Herzen passiert. Gerade auch, wenn er mal nicht erfolgreich ist oder garnicht mitspielt.
So seh ich das auch. Und ich schau mir gerne nochmal die Highlights der Spiele aus allen Perspektiven an. Auch wenn das nichts mit meinem Seelenheil zu tun hat, ist es doch ein cooles Spielzeug und eine technische Glanzleistung. Vielelicht hat das Public Viewing der nächsten WM dann Haupt- und Seitenleinwände, um parallel auch die vielen schönen Extras anzuzeigen 🙂