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Frohe Weihnachten im Januar

„Frohe Weihnachten“ haben wir uns gewünscht, weil man hofft, sich an den Feiertagen mal nicht zu streiten, keine Sorgen zu wälzen und mit fröhlichem Herzen genießen zu können. Eigentlich schade, dass man sich das nur für drei Tage wünscht…

Ich lasse mich ja in den letzten Jahren immer wieder gerne auf den Rhythmus des Kirchenjahres ein und erlebe dadurch eine gewisse Entschleunigung und Akzentuierung der Zeit. Wenn man ernst nimmt, dass Weihnachten noch nicht mit den ersten Lebkuchen am letzten August-Wochenende anfängt, sondern ein Herbst mit Erntedank und Reformationstag sowie der Buß- und Bettag und Ewigkeitssonntag einladen, sich erstmal mit den schweren Seiten des Lebens zu befassen, kann danach die Vorfreude im Advent langsam wachsen. Auch da: Es geht nicht darum, alles festliche schon am 1. Advent zu verballern und durch ausreichend Glühwein dann bis 26.12. am Leben zu erhalten, sondern die kleinen Schritte wertschätzen: Dekorieren, Backen, Geschenke einpacken. Einzelne Feiern, auch mal Glühwein, Zeit mit netten Menschen. Vielleicht sogar mal die Adventszeit als Fastenzeit ausprobieren (wie sie ursprünglich gedacht war) und dann zum Weihnachtsfest so richtig zu schlemmen, sich zu freuen und zu feiern, dass Gott Mensch wird.

Natürlich ist das mehr ein theoretisches Konzept und ich bin weit weg davon, es im hektischen Alltag perfekt umzusetzen, aber es hilft mir, es zumindest zu denken und in Teilen zu leben. Und was ich meistens schaffe ist: Die Weihnachtsfreude in die „Weihnachtszeit“ hinein zu retten, die ja Heiligabend anfängt und bis in den Januar reingeht. Zwischen den Jahren über das Weihnachtswunder nachdenken und überlegen, wie ich im Angesicht dessen das eigene Leben gestalten will, erdet mich. Und das Bewusstsein, dass nicht nur irdische Belange zählen, hält mich geistlich wach, denn das Leben ist mehr als materieller Besitz und mehr als „Friede auf Erden“, so schön der Wunsch auch ist. Friede im Herzen wäre schonmal ein Anfang und ein ganzheitliches Ruhen, Rein-Werden und im Einklang sein könnte das höhere Ziel sein (vgl. Richard Rohr: „Ganz da – einfach und kontemplativ leben“).

In diesem Sinne wünsche ich euch allen auch weiterhin eine „Frohe Weihnachtszeit“ (inkl Epiphanias noch bis 27. Januar!), also genug Zeit, um sich auch ohne Glitzerkitsch weihnachtlich zu fühlen.

Advent, Advent, eine Lichterkette blinkt…

adventskranzGestern war erster Advent. Eine Kerze am Adventskranz leuchtet. Nur eine – auch wenn schon vier da stehen. Dadurch ist es noch recht düster im Raum, aber das macht die besondere Stimmung ja gerade aus. Nächste Woche wird es dann etwas heller, danach noch heller und Weihnachten wird es richtig hell. So ist das gedacht. Eigentlich eine sehr starke mediale Aussage. Wir üben uns im Verzicht. Die Kerzen sind von vorne herein da, aber der Lichtschein steigert sich erst allmählich.

Übrigens ist der erste Advent auch gleichzeitig der Beginn eines neuen Jahres. Der finale Countdown des Kalenderjahres wird zwar bei den meisten erst Silvester angezählt, aber inhaltlich macht das Kirchenjahr viel mehr Sinn:
Wir fangen im dunklen November an und erleben, wie es im Advent hell wird, feiern Jesu Geburt, sein Wirken, seinen Tod und Auferstehung. Dann Himmelfahrt und Pfingsten die Ausgießung des Heiligen Geistes und damit die Geburtsstunde der Kirche. Im Sommer und Herbst schließlich das weltweite Wirken Gottes durch „seine Menschen“ bis hin zum Toten- oder Ewigkeitssonntag. Am Ende wird es wieder dunkler, wir denken auch an das Leid, den Tod und das, was noch zu tun ist, damit Gottes Licht alle Menschen erreicht. Und wenn die Dunkelheit uns zu umschlingen droht, fangen wir wieder mit der Hoffnung des Advents an und es wird hell. Stück für Stück.

Ich darf mich nicht über den überschwenglichen Lichterglanz vieler Städte, Menschen und Weihnachtsmärkte beklagen, die nicht mehr warten können und sofort Instant-Freude per Blink-LED-Lichterkette produzieren wollen.  Ich war ja auch mit einer Hot-Cocktail-Aktion beteiligt an so einer Aktion und hab mich gefreut, dass viele Leute uns letztes Wochenende besucht haben. Solche Events sind etwas Schönes und können Menschen guttun. Aber jetzt versuche ich, wieder auf langsam zu schalten und vom kleinen zum großen Hoffnungsschimmer gemächlich voranzuschreiten. „Alles hat seine Zeit“ – auch die kleinen Lichter.

Frohe Adventszeit!