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Fairphone

„Ich hab ein neues Handy“

ist immer mal wieder zu hören. Der Akku war kaputt, das Display zerkratzt, der Prozessor zu langsam oder es hatte einfach nicht alle Funktionen, die ein Telefon heutzutage haben muss. Also wird das alte ausgesondert und ein neues muss her.
Reparieren lohnt meist nicht, Teile austauschen ist teurer und meist auch vom Hersteller nicht gewollt.

„Ich hab ein neues Fairphone.“

fairphoneEin aktuelles Smartphone (obere Mittelklasse würde ich sagen), das konzeptionell auf Fairness ausgelegt ist. Die Materialien und Arbeiter werden zu fairen Bedingungen eingekauft. Die Produktionskette ist weitestgehend transparent. Und wenn mal was defekt ist, kann der Nutzer nahezu alles selber austauschen und bekommt Ersatzteile dazu zum Selbstkostenpreis. Das Fairphone soll also repariert werden statt es wegzuwerfen.

So hab ich ein gutem Gewissen und ein gutes Smartphone. Das eigene FairphoneOS basiert auf Android 4.2, ist aber von Anfang an gerootet, lässt mich also alle Apps installieren. Ob ich z.B. die typischen GoogleApps (Mail, Maps, Drive, …) nutzen will oder lieber freie OpenSource-Software installiere kann ich selber entscheiden. So ist jedes Fairphone nach kurzer Zeit individuell.

„Ich lebe (weitestgehend) googlefrei!“

Ich habe mich entschieden, soweit es geht auf Google-Dienste zu verzichten und bin damit bisher recht zufrieden. Ein Freund sagte zwar mal „Google hat eh irgendwoher meine Daten, dann kann ich auch deren Dienste nutzen“, aber ich möchte zumindest nicht aktiv dazu beitragen, einem weltweit tätigen Monopolisten mit undurchsichtigen Strukturen und unglaublicher Marktmacht noch mächtiger zu machen. Klar suche ich auch ab und zu mit Google oder plane mal eine Reise mit maps. Aber einer App erlauben, mein Adressbuch und meine Nachrichten zu lesen und mit ihrem Server abzugleichen finde ich aus Datenschutzgründen schwierig. Das wäre bei Microsoft und Apple nicht anders. Freien Initiativen mit offenem Quellcode vertraue ich tendentiell mehr. Aber auch da denke ich weiterhin aktiv nach, was ich einer App erlaube und was nicht.

„Ich installiere bewusst!“

Meine erste App war daher auch „xprivacy“ eine Art Firewall, die jeden unnötigen Systemzugriff einer App sperren kann. Und es ist erschreckend, wie viele Apps Sachen machen wollen, die sie überhaupt nicht brauchen. Klar, wer kostenlose Software zur Verfügung stellt, muss irgendwie Geld verdienen, aber dann soll man das auch transparent sagen… Und ein heruntergeladenes Spiel muss normalerweise weder Kontakte noch Telefonfunktionen nutzen oder auf das Internet zugreifen. Ich setze im Zweifel lieber enge Richtlinien und lockere sie nachträglich, wenn etwas nicht funktioniert. Mit dieser Gatekeeper-Strategie fühle ich mich zumindest einigermaßen als Hausherr auf meinem Telefon.

„Was dich auch interessieren könnte…“

Ich will hier nicht jede App auflisten, aber ein paar Tips, was für andere interessant sein könnte:

  • F-Droid ist ein App-Store für „freie OpenSource Software“ (FOSS). Ähnlich wie beim Google Play Store kann man hier Apps suchen und installieren. Für die meisten Sachen, die ich suche, gibt es freie Software, die ich dann auch gerne installiere.
    Google-Play hab ich bewusst nicht installiert. Falls ich doch mal eine App aus dem PlayStore brauche, nutze ich den apk-Downloader (nicht von den Werbeeinblendungen verwirren lassen), um am PC die Installationsdateien runterzuladen.
  • Firefox ist der freie OpenSource-Browser, den ich auch am PC nutze und bei dem ich mit sync Lesezeichen u.ä. synchron halten kann.
  • K-9-Mail ist ein (sicheres) Email-Programm, mit dem ich meine imap-Mails auch auf dem Handy bearbeiten kann.
  • aCalendar ist eine schönere Kalender-Ansicht, leider kein eigenständiger Kalender, aber dennoch eine lohnenswerte Installation. Synchronisierbar mit meinem PC via owncloud (oder MyPhone Explorer)
  • owncloud ein dropbox-artiger Fileserver, der lokale Daten von meiner Festplatte sowie Adressen und Termine (aus Thunderbird via CalDAV-Sync und CardDAV-Snc) synchronisiert. So hab ich alle Daten dabei und online gespiegelt.
  • Kingsoft WPS Office kann doc/ppt/pdf/xls und anderes lesen und bearbeiten. Schönes kostenloses Paket.
  • SwiftKey ist eine Tastatur mit Gestensteuerung. Klar, keine FOSS, aber deutlich komfortabler als die Standardeingabe von Android. Schön finde ich, dass die Tastatur schnell lernt und kleine Ungenauigkeiten erkennt und korrigiert. Die Online-Cloud hab ich allerdings deaktiviert und erlaube der App nicht zu viel, da ein Keyboard sicherheitstechnisch  die Schwachstelle jedes Systems ist.
  • Twidere ist ein freies Twitter Tool mit dem ich auf die Schnelle Tweets lesen und posten kann (z.B. das was du rechts in der Seitenleiste siehst).
  • Threema ist ein sicherer Messenger ähnlich wie WhattsApp. Die Server stehen in der Schweiz und für knapp 2 EUR kauft man europäisches Datenschutzrecht und End-zu-End-Verschlüsselung. Den Lizenzcode kaufe ich via Website, weil ich ja den PlayStore meiden will.
  • Für andere News, Blogs und Podcasts nutze ich den Simple RSS Feedreader.
  • Für Audio und Video den freien VLC Medienplayer.
  • OsmAnd~ bietet freies weltweites Kartenmaterial und brauchbare Navigation (wenn man sich an ein paar Eigenarten gewöhnt hat) basierend auf OpenStreetMaps.
  • And Bible ist eine freie Bibelsoftware, die lizenzfreie (also meist etwas ältere) internationale Bibelübersetzungen, Karten und Kommentare als Moduldatenbank anbietet.
    Für aktuelle Übersetzungen sind freilich die Onlinedienste bibelserver.de und bibelwissenschaft.de auch auf dem Smartphone sinnvoll nutzbar.

Weitere Dienste (wie Facebook, dict.leo.org oder bahn.de) nutze ich bewusst im Browser, weil ich es unnötig finde, dafür eine App zu installieren.

Sicherlich bin ich noch nicht am Ende und lerne gerne mehr Apps kennen oder vertiefe meine Überlegungen, was man sinnvoll installieren kann und sollte und was nicht. Prinzipiell hab ich übrigens garnichts dagegen, für gute Software auch ein paar Euro auszugeben. Allerdings ist das Bezahlmodell via Playstore für mich momentan nicht handlebar, also wären InApp-Spendenmöglichkeiten oder AddOns mir deutlich lieber.

Können und sollen jetzt alle Firmen, Projekte und Gemeinden eigene Apps erstellen? Oder ist es sinnvoller, mobiltaugliche Webseiten zu entwickeln, die mit responsive Webdesign erkennen, wie groß der Bildschirm ist und automatisch sinnvolle Infos für diese Größe anzeigen? Zumindest ist es sinnvoll für jede Organisation, die Menschen begegnen möchte, das auch auf dem Smartphone zu tun.

Welche Apps nutzt du? Wie bewusst und nachhaltig kann mobile Kommunikation sein? Bedarf an Schulung oder Infos zum Thema?

Ich freu mich auf dein Feedback! Via facebook, mail, twitter, threema oder auch persönlich, wenn wir uns mal treffen 🙂