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Sauna vs. Gottesdienst

Ich mag Gottesdiesnt und ich mag Sauna. Wer mit einem davon nicht so vertraut ist, darf gerne mal jemanden fragen, der sich damit auskennt und es ausprobieren 🙂

Im Laufe der letzten Jahre bin ich immer wieder Bekannten aus der Gemeinde in diversen Saunen begegnet. In zahlreichen Gesprächen kam dabei immer wieder zur Sprache, dass die Sauna durchaus ein Ort sein kann, der Entspannung, eine Auszeit vom Alltag und ein Ort der Reflexion, der Ruhe, der Erbauung und neuer Ideen/Energiequelle ist. Also eine Funktion, die auch ein guter  Gottesdienst erfüllt: Im Gottesdienst nehme ich mir bewusst Zeit, um aus dem hektischen Alltag auszubrechen, zur Ruhe zu kommen, das Heilige zu feiern und durch Selbstreflexion sowie geistlichen Input neue Impulse zu bekommen.
Natürlich kann man durch einen langweiligen Gottesdienst enttäuscht werden und auch eine zu kühle Saunalandschaft bietet nicht automatisch das perfekte Erlebnis, aber das Ziel ist zumeist ähnlich.

Wie läuft ein Sauna-Besuch ab?
Man betritt einen besonders hergerichteten Ort. Meist ruhig gelegen mit minimalistischer Dekoration, damit wenig vom eigentlichen ablenkt. Prinzipiell könnte es überall sein, aber wir bauen spezielle Räume, die durch Fliesen und Holzbänke besonders dafür ausgestattet sind, dass man mit viel Wasser in Berührung kommt, um den Körper zu säubern und Verunreinigungen auszuschwitzen.
Für einen Saunabesuch braucht man Zeit und Ruhe. Wer gehetzt durchs Leben geht, kann hier Entspannung finden, muss sich aber darauf einlassen statt immer wieder hektisch auf die Uhr zu schauen und den nächsten Termin vorzubereiten.
Statt Bürokleidung trägt man meist einen flauschigen Bademantel oder wickelt sich ein großes Saunahandtuch um. Es geht nicht um Mode sondern um funktionale und „passende Kleidung“.
Der Saunabesuch selber folgt dann einer typischen Liturgie (die je nach Ort und Zeitumfang angepasst werden kann):

  • Der Körper wird gründlich unter der Dusche gereinigt.
  • Beim Vorschwitzen im halbwarmen Terpedarium oder Dampfbad gewöhnt man sich an die Wärme.
  • Der Aufguss bietet eine besondere Erfahrung. Heißer Dampf mit wohlriechenden Duftstoffen verströhmt eine angenehme Atmosphäre. Je nach lokaler Tradition wird man still und genießt in sich gekehrt oder kommentiert die wohltuenden Wogen des wedelnden Saunameisters.
  • Nach 10-15 Minuten Hitze folgt die Abkühlung. Meist mit Schwallduschen und einem kalten Tauchbad. Je größer die Temperaturdifferenz, desto stärker der Schockeffekt, der die Kreislaufabhärtung erwirkt.
  • Ein Gang im Freigelände oder eine Pause im Ruheraum schließen sich an. Wichtig ist es, dem Körper genug Ruhezeit zu gönnen. Viele schätzen die Gelegenheit, mit anderen Saunagästen ins Gespräch zu kommen. (Anmerkung: Nach Saunameister Sascha B. sollte der Freigang eigentlich vor der Abkühlung stattfinden, um die Atemwege im aufgeheizten Körper abzukühlen. Ich finde es sorum aber meist entspannender…)
  • Um die Körperkerntemperatur wieder abzusenken, folgt ein warmes Fußbad. Dadurch vermeidet man das Nachschwitzen.
  • Typischerweise folgt ein zweiter (und ggf. dritter) Schwitzgang mit Abkühlung, Ruhe und Fußbad. Ein Aufguss kann mit einem Salz-Peeling kombiniert werden, ein anderer mit frischem Obst oder mit einer Honigeinreibung, bevor am Ende wieder eine gründliche Körperreinigung erfolgt.
  • Wer mag, bucht zusätzlich ein Solarium oder eine individuelle Massage.
  • Essen & Trinken gehören für viele zum Saunagang dazu. Auf jeden Fall sollte man genug Wasser trinken. Obst passt auch gut. Schweres Essen und Alkohol nur bedingt.

Ein Saunagang bietet so also einen festen Rahmen, den man natürlich im Einzelfall an die eigenen Bedürfnisse anpassen kann. Man trifft andere Menschen und öffnet sich für neue Gedanken. In Reflexionszeiten und Ruhezeiten kommt man ins Gespräch. Man liest etwas oder hört auf besondere Musik. Und hinterher ist man glücklich und zufrieden und kann den Aufgaben des Alltags wieder fröhlich begegnen, auch wenn man von Nicht-Saunagängern oft für diesen Tick belächelt wird…

Wie läuft ein Gottesdienst-Besuch ab?
Auch hier betritt man einen besonders hergerichteten Ort. Zumindest in protestantischer Tradition ist auch dieser eher zurückhaltend gestaltet.  Prinzipiell könnte ein Gottesdienst überall sein, aber wir bauen spezielle Räume, die durch Optik und Akkustik darauf ausgelegt sind, dass man dem erhaben Göttlichen begegnen kann. Wir reinigen uns innerlich und entledigen uns unseres seelischen Schmutzes.
Auch für einen Kirchbesuch reserviert man sich eine feste Zeit in der der Alltag Pause hat. Viele Menschen tragen besondere Kleidung, Pfarrer oft einen Talar, zumindest ist es „passende Kleidung“.
Der Gottesdienst folgt dann einer typischen Liturgie (die je nach Denomination angepasst werden kann):

  • Ein musikalisches Vorspiel läd (wie das Anfangsduschen) ein, sich zu öffnen und auf den Gotesdienst einzulassen.
  • Im Trinitarisches Votum begrüßen wir Gott und machen uns bewusst in wessen Gegenwart wir sind (Vorschwitzen).
  • Das Eröffnungsgebet und Gemeindelied geben uns Zeit, für uns selber und in bewusster Gemeinschaft vor Gott zu treten (Ruhephasen und Abkühlung)
  • Die Textlesung (1. Schwitzgang) bietet inhaltlich den ersten Input, den man durch weitere gesprochene und gesungene Gebete (Gloria, Kyrie, Halleluja als Abkühlung und Ruhephase) wirken lässt.
  • Ergänzt wird die erste Lesung oft durch eine zweite Lesung und die Predigt (2. und 3. Aufgussgang), die die gelesenen Texte mit einem weiteren Input ergänzt.
  • Das gemeinsame Glaubensbekenntnis verwurzelt uns in unserer Umgebung  (wie der Frischluftgang)
  • Weitere Lieder und Fürbitten stellen uns bewusst in Gemeinschaft (Gespräche in Ruhephasen).
  • Die Kollekte ermöglicht es, konkrete Projekte zu unterstützen (Solarium)
  • Das Abendmahl ergänzt auch eine kulinarisch-haptische Komponente (Obst beim Aufguss), der Gemeindekaffee oder ein gemeinsames Mittagessen stärken die Gemeinschaft.
  • Die Abkündigungen (Fußbad) lässt uns auf Normaltemperatur herunterkühlen, um uns wieder alltagstauglich zu machen.
  • Wer mag, kann ein individuelles Seelsorgegespräch (Massage) vereinbaren, um tiefersitzende mentale Verspannungen zu lösen.
  • Mit dem Vater Unser und Abschlusssegen (Endreinigung) gehen wir von der heiligen Zeit wieder in säkulare Zeit über.

Ein Gottesdienst bietet so also einen festen Rahmen, den man natürlich im Einzelfall an die eigenen Bedürfnisse anpassen kann. Man trifft andere Menschen und öfnet sich für neue Gedanken. In Reflexionszeiten und Ruhezeiten kommt man ins Gespräch. Man liest etwas oder hört auf besondere Musik. Und hinterher ist man glücklich und zufrieden und kann den Aufgaben des Alltags wieder fröhlich begegnen, auch wenn man von Nicht-Gottesdienstgängern oft für diesen Tick belächelt wird…

Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. (Jesus in Mt 11,29)

Am Tisch des Herrn

Gestern war ich Diener am Tisch des Herrn. Das war schön. Gleich zweimal. Das war umso besser.

Erst haben wir Gottesdienst gefeiert und ich war beim Abendmahl für den „Thekendienst“ zuständig. Also das Auffüllen der Kelche zwischen den Kreisen. Als Erklärung: Wir feiern im Christus-Treff donnerstags einmal im Monat das Abendmahl in Kreisform. Je 30-50 Leuten gruppieren sich im Altarraum, bekommen Brot und Saft und einen Segensspruch. Das ganze 3-4 mal, bis jeder dran war. Zwischendurch werden die Becher aufgefüllt und alles ordentlich gehalten. Ein kleiner Dienst im Hintergrund, den ich gerne verrichte.
Nach dem Gottesdienst hatten wir weiter Gemeinschaft bei Getränken und Snacks im gemeindeeigenen Begegnungszentrum Con:Text. Auch da war ich für Essen und Trinken verantwortlich. Zwar eher organisatorisch und weniger ausführend, aber so ergaben sich einige gute Gespräche mit den Leuten vor Ort.

Beides ganz unterschiedliche Formen von Gemeinschaft und beides wichtig.
Geistliche Gemeinschaft entsteht im eher frontalen großen Gottesdienst und im kleineren Abendmahlskreis, wo wir Gottes Liebe spürbar in uns aufnehmen. Und genauso auch in kleinen Gesprächen und Begegnungen bei Nachos und Bier. Denn jeder Ort kann zu Gottes Haus werden, wenn wir ihn feiern und ihn einbeziehen.

Beim Aufräumen hinterher musste ich an Psalm 84 denken, der genau davon spricht: Besser eine kleine Erfahrung in Gottes Nähe als viele große Events ohne ihn. Schön, wenn man das so plastisch erleben kann 🙂

Psalm 84, 2-3+11-13:
Wie lieb sind mir deine Wohnungen, HERR Zebaoth! Meine Seele verlangt und sehnt sich nach den Vorhöfen des HERRN; mein Leib und Seele freuen sich in dem lebendigen Gott. […] Denn ein Tag in deinen Vorhöfen ist besser als sonst tausend. Ich will lieber die Tür hüten in meines Gottes Hause als wohnen in der Gottlosen Hütten. Denn Gott der HERR ist Sonne und Schild; der HERR gibt Gnade und Ehre. Er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen. HERR Zebaoth, wohl dem Menschen, der sich auf dich verlässt!

Ende der Gemeindegrenzen?

Ich bin „evangelischer Christ mit baptistischen Wurzeln und ökumenischer Offenheit“. So stelle ich mich bei Tagungen gerne vor, wenn es darum geht, in welche konfessionelle Schublade man sich gegenseitig einordnet.

Das ist natürlich nicht ganz so plakativ und einordbnebar, wie „Lutheraner“, „römisch katholisch“ oder „Charismatiker“. Aber es trifft meinen geistlichen Standpunkt ganz gut. Denn wenn ich etwas erkannt habe, dann dass ich sehr vielen Glaubenstraditionen etwas abgewinnen kann, ohne mich voll und ganz in eine Traditionslinie einzuordnen.

Baptisten – eine Evangelische Freikirche

Geboren in einer baptistischen Familie, wurde ich als Kind gesegnet und lernte freikirchliche Lebensweisen kennen. Als Jugendlicher entschloss ich mich zur Glaubestaufe und bin seitdem gerne waschechter Baptist. Auch wenn ich als Jugendlicher von der alltagsnahen Spiritualität der Jesus Freaks sehr angetan war und immer schon Freunde in unterschiedlichen Kontexten hatte.

Erst auf einer Amerikareise wurde mir bewusst, dass der Baptismus mit dem in der Schule kaum einer etwas anfangen konnte, dort fester Bestandteil der Alltagskultur ist, auch wenn dort jede Denomination irgendwie gleichwertig zu sein scheint.

Philipps-Universität Marburg

Im Theologie-Studium an der Philipps-Universität lernte ich kritische Wissenschaft kennen und auch meine eigene Herkunft zu hinterfragen. Ich erkannte den Wert, ersthafter Liturgie, hatte viele gute Gespräche mit katholischen Geschwistern und der Christus-Treff – eine ökumenische Gemeinschaft – wurde mein geistliches Zuhause, ohne dass ich dem Baptismus den Rücken kehren musste.

Christus Treff Marburg

Seitdem ich freiberuflich für ganz unterschiedliche Auftraggeber unterwegs bin, darf ich immer wieder unterschiedliche Gemeinden kennen lernen. Meist freue ich mich, wie bunt Gottes Reich auf Erden ist und wie vielseitig Gottesdienstformen und Gemeindestrukturen funktionieren. Nicht alles muss ich gut finden und für mich übernehmen. Aber egal ob pfingstlerische Emotionalität, reformierte Nüchternheit, ob traditioneller Ritus oder dekonstruktivistische Postmodernität, solange der dreieinige Gott das Zentrum des Glaubens bleibt, freue ich mich über christliche Gemeinschaft und gegenseitigen Austausch.

Ökumenische Rundschau

Gerade habe ich einen Artikel für die „Ökumenische Rundschau“ (4/14) geschrieben und freue mich, auch dadurch im Kontakt mit unterschiedlichen Glaubensrichtungen zu kommen. Denn Gott ist ja kein Baptistengott, auch kein katholischer oder gar ein Privatgott für jeden einzelnen. Sondern wir sind gemeinsam eine Gemeinschaft der Heiligen.  Und wenn es um theologische Streitthemen geht, kann man sich in Liebe positionieren, ohne Menschen mit anderer Erkenntnis vorschnell zu verurteilen.

Meine Hoffnung ist, dass die Kirche der Zukunft Stärken aus jeder Richtung ernstnehmen wird, um gemeinsam daran zu arbeiten, die Welt ein wenig schöner zu machen.

Wer bist du und was ist deine geistliche Geschichte?
Ich bin gespannt darauf, noch viele ökumenische Erfahrungen zu machen und dadurch auch Gott immer besser kennen zu lernen 🙂

Formen von Gemeinschaft

Oft werde ich gefragt, wie meine unterschiedlichen Betätigungsfelder zusammen passen. Ganz einfach: Es geht mir darum, Gemeinschaft zu stärken.

Physische Gemeinschaft

(c) privat
Physische Gemeinschaft am Strand

Wenn ich sportlichen Rock’n’Roll und klassischen Gesellschaftstanz unterrichte und Menschen bei Wochenend-Freizeiten zum Schwitzen und Entspannen bringe, kommt man sich näher. Man erlebt etwas, findet Freunde. Ebenso bei Cocktailabenden, Hochzeiten, Feiern und anderen Events, wo Menschen sich begegnen. Überall da, wo positive Gemeinschaft gelebt wird, bin ich gerne dabei und helfe durch meine Erfahrungen, das Gute zu etwas Besonderem zu machen.

Virtuelle Gemeinschaft

(c) Andreas Kutter via Foto-Community
Virtuelle Gemeinschaft im Internet

Auch wenn sich Menschen im Internet austauschen findet Gemeinschaft statt. Sicher eine andere Form mit reduzierter Kanalvielfalt. Fehlende Gestik, Mimik und Haptik reduzieren die zwischenmenschlichen Schwingungen. Daher sind digitale Begegnungen oft stringenter und nutzen die vorhandenen Möglichkeiten (Text, Fotos, Audio, Videostreaming) besonders bewusst, um über weite Strecken hinweg persönliche Gemeinschaft zu erleben. Egal ob ein Gottesdiesnt, ein Konzert, privater Austausch oder Geschäftskommunikation, einmalige Events, Kampagnen oder regelmäßige Beiträge. Ich mag es, wenn das menschliche durch maschinelle Kanäle hindurch erhalten bleibt. Denn auch ohne körperliche Anwesenheit kann dann echte Gemeinschaft entstehen.

Spirituelle Gemeinschaft

Christus-Treff Marburg
geistliche Gemeinschaft im Gottesdienst

Wenn Menschen Gott begegnen und geistlich auftanken ist das immer ein intimer und persönlicher Moment. Das kann ganz alleine („im stillen Kämmerlein“) passieren oder gemeinsam mit anderen Menschen. Oft im Gottesdienst gemeinsam an einem Ort, aber auch darüber hinaus mit Christinnen und Christen aller Zeiten und an allen Orten. Geistliche Gemeinschaft ist schon vom Prinzip her ortsunabhängig, von daher mag ich es besonders, neben kreativen Vor-Ort-Konzepten auch neue digitale Medien und virtuelle Vernetzung in Gottesdienste zu integrieren. So kann man zeitgemäß feiern und den Kontakt zu Menschen und zu Gott ganzheitlich erleben.

Buch-Cover: "Gott - gefällt mir!"
Buch: „Gott – gefällt mir!“

Ganzheitliche Gemeinschaft

In diesem Sinne bin ich also ein Gemeinschaftsmensch. Ich mag es, alle drei Ebenen zusammen zu denken und Menschen zu motivieren, sie auch kombiniert umzusetzen. Wie ist das bei dir?

  • Bist du eher der Face-To-Face-Typ? Dann denk mal drüber nach, wo du weit entfernte Menschen mit Social Media noch besser erreichen kannst.
  • Bist du eher der Online-Nerd? Dann überleg mal, ob es in deiner Nachbarschaft Personen gibt, die du mal wieder besuchen könntest.
  • Bist du eher rationaler Humanist? Dann versuch mal, dich auf Gott einzulassen. Egal ob online oder offline. Im Stau oder im Wald. Er hat uns für Gemeinschaft geschaffen und antwortet, wenn wir mit ihm reden. Manchmal durch ganz konkrete Situationen, machmal durch Ereignisse, Menschen oder Gefühle.
  • Bist du verantwortlich für Events, Gemeinde- oder Firmenkommunikation? Dann lass uns ins Gespräch kommen. Gerne berate ich, schule Mitarbeiter oder zeige in Impulsvorträgen Ideen auf, wie man mit dem, was man schon macht, noch effektiver Menschen in Gemeinschaft führen kann 🙂