Archiv der Kategorie: Theologie

…wissenschaftlich von Gott reden

Formen von Gemeinschaft

Oft werde ich gefragt, wie meine unterschiedlichen Betätigungsfelder zusammen passen. Ganz einfach: Es geht mir darum, Gemeinschaft zu stärken.

Physische Gemeinschaft

(c) privat
Physische Gemeinschaft am Strand

Wenn ich sportlichen Rock’n’Roll und klassischen Gesellschaftstanz unterrichte und Menschen bei Wochenend-Freizeiten zum Schwitzen und Entspannen bringe, kommt man sich näher. Man erlebt etwas, findet Freunde. Ebenso bei Cocktailabenden, Hochzeiten, Feiern und anderen Events, wo Menschen sich begegnen. Überall da, wo positive Gemeinschaft gelebt wird, bin ich gerne dabei und helfe durch meine Erfahrungen, das Gute zu etwas Besonderem zu machen.

Virtuelle Gemeinschaft

(c) Andreas Kutter via Foto-Community
Virtuelle Gemeinschaft im Internet

Auch wenn sich Menschen im Internet austauschen findet Gemeinschaft statt. Sicher eine andere Form mit reduzierter Kanalvielfalt. Fehlende Gestik, Mimik und Haptik reduzieren die zwischenmenschlichen Schwingungen. Daher sind digitale Begegnungen oft stringenter und nutzen die vorhandenen Möglichkeiten (Text, Fotos, Audio, Videostreaming) besonders bewusst, um über weite Strecken hinweg persönliche Gemeinschaft zu erleben. Egal ob ein Gottesdiesnt, ein Konzert, privater Austausch oder Geschäftskommunikation, einmalige Events, Kampagnen oder regelmäßige Beiträge. Ich mag es, wenn das menschliche durch maschinelle Kanäle hindurch erhalten bleibt. Denn auch ohne körperliche Anwesenheit kann dann echte Gemeinschaft entstehen.

Spirituelle Gemeinschaft

Christus-Treff Marburg
geistliche Gemeinschaft im Gottesdienst

Wenn Menschen Gott begegnen und geistlich auftanken ist das immer ein intimer und persönlicher Moment. Das kann ganz alleine („im stillen Kämmerlein“) passieren oder gemeinsam mit anderen Menschen. Oft im Gottesdienst gemeinsam an einem Ort, aber auch darüber hinaus mit Christinnen und Christen aller Zeiten und an allen Orten. Geistliche Gemeinschaft ist schon vom Prinzip her ortsunabhängig, von daher mag ich es besonders, neben kreativen Vor-Ort-Konzepten auch neue digitale Medien und virtuelle Vernetzung in Gottesdienste zu integrieren. So kann man zeitgemäß feiern und den Kontakt zu Menschen und zu Gott ganzheitlich erleben.

Buch-Cover: "Gott - gefällt mir!"
Buch: „Gott – gefällt mir!“

Ganzheitliche Gemeinschaft

In diesem Sinne bin ich also ein Gemeinschaftsmensch. Ich mag es, alle drei Ebenen zusammen zu denken und Menschen zu motivieren, sie auch kombiniert umzusetzen. Wie ist das bei dir?

  • Bist du eher der Face-To-Face-Typ? Dann denk mal drüber nach, wo du weit entfernte Menschen mit Social Media noch besser erreichen kannst.
  • Bist du eher der Online-Nerd? Dann überleg mal, ob es in deiner Nachbarschaft Personen gibt, die du mal wieder besuchen könntest.
  • Bist du eher rationaler Humanist? Dann versuch mal, dich auf Gott einzulassen. Egal ob online oder offline. Im Stau oder im Wald. Er hat uns für Gemeinschaft geschaffen und antwortet, wenn wir mit ihm reden. Manchmal durch ganz konkrete Situationen, machmal durch Ereignisse, Menschen oder Gefühle.
  • Bist du verantwortlich für Events, Gemeinde- oder Firmenkommunikation? Dann lass uns ins Gespräch kommen. Gerne berate ich, schule Mitarbeiter oder zeige in Impulsvorträgen Ideen auf, wie man mit dem, was man schon macht, noch effektiver Menschen in Gemeinschaft führen kann 🙂

Führen und Folgen

„Beim Tanzen führt der Mann, egal, wie das sonst bei euch zu Hause ausschaut!“

Das erzähle ich bei meinen Tanz-Freizeiten immer.
Denn wenn der Mann bei Walzer und ChaChaCha die Kontrolle hat, kann die Frau sich ganz darauf einlassen, sich zu präsentieren, schön zu drehen und (im vorgegebenen Rahmen) ausgelassen die Musik zu interpretieren.

Langsamer Walzer, Bild von commons.wikimedia.org

Die Frau muss dafür lernen, Kontrolle abzugeben, die Führung des Partners zu „lesen“ und sich einem anderen Menschen anzuvertrauen. Auch, wenn sie meint, besser zu wissen, was grad dran wäre oder der Mann nicht so taktsicher ist. Der Mann hat allerdings auch eine schwierige Aufgabe. Er muss seine eigenen Füße koordinieren und gleichzeitig immer etwas vorausdenken. Er hört auf die Musik, überblickt die Raumposition und interpretiert mit den gemeinsamen Figuren das Lied. Er sorgt im Optimalfall dafür, dass das Paar seine Stärken umsetzen kann und die Schwächen elegant überspielt werden. Und er sorgt (wenn alles klappt) dafür, dass die Frau eine gute Figur macht.
Nicht mit eiserner Hand, sondern mit zärtlichen Impulsen, die die Frau in die Lage versetzen, selber ihre Schritte so zu setzen, wie es in der Situation passt. Da gehören dann auch Solo-Teile und Improvisationen dazu, in der die Führung zur Freiheit führt. Und dennoch behält der Mann das Gesamtbild im Auge und leitet so durch das ganze Lied.

Lindy Hop, Bild von commons.wikimedia.org

Gerade war ich bei einem Trainingslager, bei dem ich Lindy Hop tanzen gelernt habe. Auch bei diesem entspannt-lockeren Swing-Tanz der 30er-Jahre wird geführt. Allerdings nicht unbedingt immer vom Mann. Ähnlich wie im argentinischen Tango redet man vom „Leader“ und „Follower“, also die führende und die folgende Person. So hatte ich die Gelegenheit, mich führen zu lassen. Und ich hab gemerkt, dass es gar nicht so einfach ist, die eigene Planung auszuschalten und sich darauf einzulassen, was der andere macht. In dem Fall war es der Tanzlehrer, der wirklich gut führen konnte und das Lied deutlich besser interpretieren konnte als ich Lindy-Hop-Anfänger. So hab ich mich darauf eingelassen und festgestellt, dass es funktioniert. Ich hab nicht nur für meine eigenen Führungspositionen gelernt, wie ich die passenden Impulse für Drehungen, Platzwechsel und Akrobatiken setze, sondern die Erfahrung gemacht, dass Vertrauen in einen „Leader“ durchaus entspannend sein kann.

Als Theologe kenne ich das Konzept. Gott ist der perfekte Tanzpartner. Er führt uns, ist dabei perfekt taktsicher und überblickt das Lied so gut, dass er uns optimal anleiten kann. Er gönnt uns auch Soloteile und liebt es, unsere Improvisation in seinen Tanzstil einzubauen. Er freut sich, an unserer Freiheit und lässt uns doch nie aus seiner Hand fallen. So können wir wilde Tanzakrobatiken und romantische Kuschelschritte mit ihm wagen und wissen uns gut aufgehoben.

„Michelangelo - Creation of Adam“ von Michelangelo - See below.. Lizenziert unter Public domain über Wikimedia Commons - http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Michelangelo_-_Creation_of_Adam.jpg#mediaviewer/File:Michelangelo_-_Creation_of_Adam.jpg
Gottes Führung (Ausschnitt aus Michelangelo: Creation of Adam)

Für eine Frau ist Gott in der Hinsicht sicherlich der Traum-Partner, dem sie gut folgen kann. Und für einen Mann ist es die Gelegenheit, auch mal die Fürungsrolle abgeben zu dürfen und sich vertrauensvoll zurückzulehnen.

Ich kann jedem nur empfehlen, sich darauf einzulassen. Vor allem im geistlichen Leben. Versuch da zu führen, wo du dich auskennst und überlasse die Führung einem starken „Leader“, wo du nicht alles überblicken kannst. Du verlierst keine Freiheit, sondern gewinnst Sicherheit in der du weiterhin deinen eigenen Stil einbringen kannst.
Und: Tanz mal wieder, das ist immer ein guter Rat 🙂

Iconic Church

Seit den 90er Jahren reden Geisteswissenschaftler aller Fachbereiche vermehrt vom Iconic Turn. Sie meinen damit, dass Icons/Grafiken immer stärker unsere Wahrnehmung prägen. Wo vorher Texte die Welt erklärt haben, treten jetzt Bilder ins Zentrum. Egal ob es um die Bedienung von ComputeScripture Iconrn und Smartphones geht, um Symbole auf Schildern oder um Internetseiten. Dass Fotos als Blickfang wirken, ist schon lange bekannt. Mittlerweile wird das Bild aber durch Netzwerke wie instagram immer öfter zum Hauptbestandteil der Nachricht.

Gerade habe ich einen Text darüber für die EKD-Synode im November geschrieben. Das inspiriert mich, auch hier nochmal weiterzudenken.

Die intensive Bildkommunikation beeinflusst auch, was Menschen erwarten, wenn sie Vorträge oder Shows sehen. Die Aufmerksamkeitsspanne sinkt, immer öfter muss man gerade junge Zuhörer „aufwecken“ oder medial „bei der Stange halten“. Und selbst im Gottesdienst ist ein adequater Medieneinsatz unerlässlich. Dabei ist allerdings zu beachten, dass die Medien auch schnell zu viel Aufmerksamkeit bekommen und vom eigentlichen Inhalt ablenken können. Wenn eine Theaterszene oder ein Filmausschnitt die Predigt vorbereitet, können die Worte tiefer wirken. Wenn sich am Ende aber niemand an den Predigttext erinnert, sondern der mediale Effekt memoriert wird, ging der Schuss nach hinten los.

Was macht das mit dem Evangelium? Ich wage mal zu behaupten, dass Predigten, die diesen Paradigmenwechsel ernst nehmen, näher dran sind an den Gleichnisreden Jesu. Nicht mehr so verkopft, wie die Wort-Theologie der Reformationskirchen, sondern einfach und lebensnah. Kurze Redeblöcke mit leicht zu merkenden Kernsätzen. So konnten schon vor 2000 Jahren Menschen das „Reich Gottes“ in Geschichten aus ihrer Erfahrungswelt lebendig erfahren.

Vielleicht sind passende Bilder heute nicht mehr aus der Landwirtschaft und dem Hausbau, sondern aus dem Sport, der Disko, dem Internet. Das Thema bleibt sicherlich Gottes Liebe und Gnade. Aber womit man sie vergleicht, darf sich nach der Zielgruppe richten. Auch ob man Bilder auf Papier malt, virtuell in Köpfen entstehen lässt oder digitale Medien nutzt, kann variieren. Wer alle Methoden beherrscht, kann sich je nach Szenario das passende Medium aussuchen. Die Wende hin zu Bildern heißt ja nicht, dass die Schrift oder Sprache völlig untergeht. Was bleiben wird ist ein Medienmix. Da, wo man mit Worten etwas exakter ausdrücken kann, werden sie weiter genutzt werden. Da wo Bilder Emotionen verdeutlichen können, macht es Sinn, diese einzusetzen. Und eine Mischung aus Grafiken und Texten mit alltagsrelevanten Beispielen wird meist den besten Effekt erziehlen. Egal ob von der Kanzel gesprochen, auf Facebook gepostet oder als Video bei YouTube.