Archiv der Kategorie: Social Media

über digitale soziale Netzwerk-Medien

Komm, Herr, segne uns!

Gerade war ich bei einer Netzwerkveranstaltung kirchlicher Öffentlichkeitsarbeiter, bei der als Abschlusss dieses Lied von Dieter Trautwein gesungen wurde (in einer etwas peppigeren Version!).

Dabei kamen mir folgende Impressionen:

Komm, Herr, segne uns, daß wir uns nicht trennen,

Wir bleiben vereint, auch wenn wir auseinander gehen. Virtuelle Netzwerke sind im Herzen von Menschen schon 1978 Realität. Und wir haben durch Social Media nun wirklich die Möglichkeit, aktiv in Verbindung zu bleiben.

sondern überall uns zu dir bekennen.

Nachdem gestern ein bekannter Journalist es als Heldentat begreift, scheint das Christusbekenntnis ja wirklich ein großer Schritt zu sein. Klar, Todesstrafe haben wir dafür nicht zu befürchten, aber das Bewusstsein, sich im Alltag als Christ zu bekennen, für die Kirche und für Gottes Liebe einzustehen und bei Streitfragen Position für Nächstenliebe und Gerechtigkeit zu beziehen ist oft eine Herausforderung. Warum nur? Vielleicht sollten wir etwas offener und positiver darüber reden, dass wir in direkten Draht zum mächtigsten Wesen des Kosmos stehen?! Probleme? – mal kurz (im Gebet) beim Chef nachfragen!

Nie sind wir allein, stets sind wir die Deinen.

Das entlastet. Ich muss garnicht immer alles selber hinbekommen, sondern kann vertrauen, dass Gott bei mir ist und mir zur rechten Zeit die passenden Worte geben wird, um mich zu ihm zu bekennen. Im Internet redet man ja viel von Schwarmintelligenz und Massen, die die Welt verändern. Dabei sind es schon seit 2000 Jahren die (oft im Untergrund beginnenden) Ströhme christlicher Nächstenliebe, die Strukturen umwälzen und für die Schwachen eintreten. Kirche – das sind nicht die, die schrumpfen, sondern das ist die große Gemeinschaft der weltweiten Christenheit, die Teil einer Revolution der Liebe ist!

Lachen oder Weinen wird gesegnet sein.

Ja, es wird auch als Christ Leid geben und es ist nicht alles eitel Sonnenschein. Aber das, was kommen wird, wird am Ende gut und gesegnet sein, weil Gott dabei ist. Und deshalb dürfen wir auch mehr sein als ein institutionelles Leidens-Gedächtnis. Wir dürfen lachen, feiern und tanzen. Wir dürfen uns miteinander freuen und mit Gottes Blick auf das Leid der Welt sehen. Und wir dürfen die, die trauern, zum Fest des Glaubens einladen, das wir täglich feiern!

Keiner kann allein Segen sich bewahren.

Wir brauchen die menschliche Gemeinschaft, auch wenn es oft anstrengend ist, man sich über andere Christen oder „die Kirche“ aufregt oder fremd schämt. Aber ein von Gott gesegnetes Leben können wir nur als Gemeinschaft führen (ohne stille Einkehrtage grundsätzlich auszuschließen). Daher ist es gut, auch über den Tellerrand zu schauen. Ökumene, internationale Begegnungen und Offenheit für andere Christen, hilft mir meine Engstirnigkeit zu erkennen und Gottes Weite zu erleben.

Weil du reichlich gibst, müssen wir nicht sparen.

Ein Satz, der oft für Schmunzeln sorgt, wenn man vorher über knappe Finanzbudgets geredet hat. Wie schön, dass wir bei der Weitergabe von Gottes Segen tatsächlich nicht sparen müssen und dass wir dadurch mit einem offenen Herzen auf Menschen zugehen können, weil wir reichlich geben können! Diesen Gestus wünsche ich mir viel öfter in christlichen Verlautbarungen. Und auch bei neuen Methoden und Formen sollten Christen nicht sparsam auf bekanntem beharren, sondern aus der Fülle der Möglichkeiten schöpfen.

Segen kann gedeihn, wo wir alles teilen,

bei Twitter, Facebook, Instagram und dem Gemeindekaffee können News schnell die Runde machen. Teilen ist angesagt. Auch die Bohrmaschine für den Nachbarn, das gemeinsame WLAN oder Car-Sharing. Was uns von Gott anvertraut ist, können wir gemeinsam zu seiner Ehre einsetzen statt egoistisch zu horten. Und auch gute Infos dürfen wir in unserem Kommunikationsnetzwerk mit-teilen, um andere an unseren Erkenntnissen teilhaben zu lassen. Das ist kirchlich noch zu oft ein ignoriertes Lernfeld, das an wenige Experten delegiert wird, statt es fundamental als geistliche Wahrheit zu begreifen.

schlimmen Schaden heilen, lieben und verzeihn.

Das ist oft garnicht so einfach, wenn mir doch unrecht getan wude und ich gekränkt bin. Da muss ich meinen Stolz und Trotz zurücknehmen, auf das größere Bild schauen und kann in Liebe Vergebung aussprechen. Und mitunter wird mir bewusst, dass auch ich oft Schaden anrichte und auf die Vergebung angewiesen bin. Gott sagt seine Vergebung jedem zu, der zu ihm umkehrt. Dem Beispiel dürfen wir folgen – auch initiativ!

Frieden gabst du schon, Frieden muß noch werden, wie du ihn versprichst uns zum Wohl auf Erden.

Wir vertrauen schon darauf, dass Gottes Reich kommt, auch wenn wir täglich von Krieg, Gewalt, Tod und Trauer auf der Welt hören und sehen. Alles Leid dürfen wir Gott klagen, der den Krieg schon gewonnen hat, während die letzten Kämpfe um uns herum noch brodeln. Und Frieden ist das Ziel, das Gott zu unserem – aller Menschen – Wohl geplant hat.

Hilf, daß wir ihn tun, wo wir ihn erspähen –

Wir müssen nicht tatenlos zuschauen, sondern sollen aktive Friedensstifter sein. Wenn wir Gott fragen, was er angesichts einer Situation tut, kann es sein, dass er antwortet „Ich sende dich, um zu Frieden zu stiften!“.

die mit Tränen säen, werden in ihm ruhn.

Die Zusage bleibt hoffnungsvoll. Denn nicht die Tränen sind das Ziel. Nicht das Leid wird glorifiziert. Aber trotz der Rückschläge, Verletzungen und Kämpfe, werden(!) wir in Gott ruhen. Sein „Shalom“ bleibt bestehen auch im hektischen Alltag der Öffentlichkeitsarbeit und der sich schnell wandelnden Internetkommunikation.

Es bleibt der demütige Wunsch (der nicht mit einer Forderung oder einem Befehl zu verwechseln ist) in allem frommen Aktionismus: Komm, Herr, segne uns!

Das wünsche ich allen Teilnehmern der Veranstaltung, die jetzt auf dem Heimweg sind, allen, die mit uns tagtäglich aktiv kirchliche und diakonische Öffentlichkeitsarbeit gestalten und allen, die sich unter Gottes Segen stellen wollen.

Amen.

Meine Zeit steht in deinen Händen…

Wie sieht deine Zeiteinteilung aus?

zeitplanArbeit, Essen, Schlafen. Zwischendurch Zeit für Familie, Freunde, Hobby oder Gott? Oder doch lieber Zeitung lesen, Fernsehen, DVDs, Haushalt, Romane, Puzzle, Brett- oder Rollenspiele, Sport und Kreativität? Jeder Mensch hat 24h Zeit und kann sie nach gutdünken aufteilen. Das ist manchmal gar nicht so einfach.

Wenn man sich dann auch noch mit digitalen Medien befassen soll und Facebook, Twitter, YouTube und Co. ihren zeitlichen Anteil im Tagesplan haben wollen ist oft die zeitliche Überforderung ein Argument gegen Social Media.

termineAls „guter Christ“ setzt man die Zeit oft priorisiert für geistliche Dinge ein: Gottesdienst, Hauskreis, Gebetstreff, Bibelstudiengruppe, Mitarbeit in diakonischen oder evangelistischen Projekten, um anderen Menschen zu helfen. Das können schonmal 10-20h pro Woche sein. Dadurch müssen andere Bedürfnisse kürzer treten. Die Bibel selber sagt dabei weder etwas gegen mediale Kontemplation noch gegen gemeinschaftliche Fröhlichkeit. Im Gegenteil ein wilder Lebensstil außerhalb der gutbürgerlichen Norm scheint Gott zu gefallen (z.B. Simson, Elia, Johannes der Täufer). Unsere biblischen Vorbilder sind in ihrem Lebensstil sehr viel individueller als der kirchliche Normalfall oft suggeriert.

Von Jesus lesen wir, dass er bewusst Kontakt zu Menschen mit zweifelhaftem Lebenswandel gesucht hat und sich auf ihre Partys einladen liess. Seine Nachfolger heute tun das eher selten. Um für solch experimentelle Begegnungen tatsächlich Zeit zu haben, wäre eine Beschränkung der kircheninternen Beschäftigungstherapie oft der erste Schritt. Dabei möchte ich weder Kirchenchor  noch Gemeindefußballgruppe schlecht machen, aber den Blick öffnen,  Normalität größer zu denken. Durch gute geistliche Gemeinschaft kann man im Glauben stetig wachsen. Aber nur, wer auch außerhalb der Gemeindegrenzen lebt und Menschen dort auf Augenhöhe begegnet, kann neue Sichtweisen zu alten Fragen finden und authentisch von Gottes Gnade weitersagen. Nicht als „missionarischer Plan“, sondern als gemeinschaftliches Leben und ehrlicher Austausch mit gleichwertigen Menschen. Wovon das Herz voll ist, davon fließt der Mund über (Mt 12), wenn man ihn lässt und den Tag nicht mit „wichtigen Terminen“ vollpflastert. Dieser Lebensstil gibt die Freiheit, das Leben zu genießen. Und Genuss ist eine geistliche Grundlage (wie hier dargelegt).

Das Grundproblem bleibt bestehen. Unser Tag hat immer noch nur 24 Stunden und es gibt immer noch viel mehr, was man tun könnte. Aber wer sich auf physischer Ebene für die Welt öffnet und lebt, kann sich auch in virtuellen Realitäten auf ganz unterschiedliche Menschen einlassen. Das Zeitbudget für digitale Social-Media-Kommunikation gibt es leider nicht zusätzlich. Aber wer im analogen Leben mit sozial-medialer-Lebensweise vertraut ist, kann die digitalen Kanäle als verlängerten Arm des normalen sozialen Lebens sehen. Dann spielt man nicht die „alten Werte“ gegen die „neuen Medien“ aus, sondern erkennt, dass auch traditionelle Begegnungen schon mediale Kanäle waren und auch neue Formen auf einem vorweggenommenen Wertekanon aufbauen. Und man erkennt, dass wir unsere Lebenszeit letztlich wirklich nicht selber in der Hand haben, sondern Aktion und Kontemplation, Termine und Genuss auch im digitalen Zeitalter als Geschenk aus Gottes Hand empfangen.

Fairphone

„Ich hab ein neues Handy“

ist immer mal wieder zu hören. Der Akku war kaputt, das Display zerkratzt, der Prozessor zu langsam oder es hatte einfach nicht alle Funktionen, die ein Telefon heutzutage haben muss. Also wird das alte ausgesondert und ein neues muss her.
Reparieren lohnt meist nicht, Teile austauschen ist teurer und meist auch vom Hersteller nicht gewollt.

„Ich hab ein neues Fairphone.“

fairphoneEin aktuelles Smartphone (obere Mittelklasse würde ich sagen), das konzeptionell auf Fairness ausgelegt ist. Die Materialien und Arbeiter werden zu fairen Bedingungen eingekauft. Die Produktionskette ist weitestgehend transparent. Und wenn mal was defekt ist, kann der Nutzer nahezu alles selber austauschen und bekommt Ersatzteile dazu zum Selbstkostenpreis. Das Fairphone soll also repariert werden statt es wegzuwerfen.

So hab ich ein gutem Gewissen und ein gutes Smartphone. Das eigene FairphoneOS basiert auf Android 4.2, ist aber von Anfang an gerootet, lässt mich also alle Apps installieren. Ob ich z.B. die typischen GoogleApps (Mail, Maps, Drive, …) nutzen will oder lieber freie OpenSource-Software installiere kann ich selber entscheiden. So ist jedes Fairphone nach kurzer Zeit individuell.

„Ich lebe (weitestgehend) googlefrei!“

Ich habe mich entschieden, soweit es geht auf Google-Dienste zu verzichten und bin damit bisher recht zufrieden. Ein Freund sagte zwar mal „Google hat eh irgendwoher meine Daten, dann kann ich auch deren Dienste nutzen“, aber ich möchte zumindest nicht aktiv dazu beitragen, einem weltweit tätigen Monopolisten mit undurchsichtigen Strukturen und unglaublicher Marktmacht noch mächtiger zu machen. Klar suche ich auch ab und zu mit Google oder plane mal eine Reise mit maps. Aber einer App erlauben, mein Adressbuch und meine Nachrichten zu lesen und mit ihrem Server abzugleichen finde ich aus Datenschutzgründen schwierig. Das wäre bei Microsoft und Apple nicht anders. Freien Initiativen mit offenem Quellcode vertraue ich tendentiell mehr. Aber auch da denke ich weiterhin aktiv nach, was ich einer App erlaube und was nicht.

„Ich installiere bewusst!“

Meine erste App war daher auch „xprivacy“ eine Art Firewall, die jeden unnötigen Systemzugriff einer App sperren kann. Und es ist erschreckend, wie viele Apps Sachen machen wollen, die sie überhaupt nicht brauchen. Klar, wer kostenlose Software zur Verfügung stellt, muss irgendwie Geld verdienen, aber dann soll man das auch transparent sagen… Und ein heruntergeladenes Spiel muss normalerweise weder Kontakte noch Telefonfunktionen nutzen oder auf das Internet zugreifen. Ich setze im Zweifel lieber enge Richtlinien und lockere sie nachträglich, wenn etwas nicht funktioniert. Mit dieser Gatekeeper-Strategie fühle ich mich zumindest einigermaßen als Hausherr auf meinem Telefon.

„Was dich auch interessieren könnte…“

Ich will hier nicht jede App auflisten, aber ein paar Tips, was für andere interessant sein könnte:

  • F-Droid ist ein App-Store für „freie OpenSource Software“ (FOSS). Ähnlich wie beim Google Play Store kann man hier Apps suchen und installieren. Für die meisten Sachen, die ich suche, gibt es freie Software, die ich dann auch gerne installiere.
    Google-Play hab ich bewusst nicht installiert. Falls ich doch mal eine App aus dem PlayStore brauche, nutze ich den apk-Downloader (nicht von den Werbeeinblendungen verwirren lassen), um am PC die Installationsdateien runterzuladen.
  • Firefox ist der freie OpenSource-Browser, den ich auch am PC nutze und bei dem ich mit sync Lesezeichen u.ä. synchron halten kann.
  • K-9-Mail ist ein (sicheres) Email-Programm, mit dem ich meine imap-Mails auch auf dem Handy bearbeiten kann.
  • aCalendar ist eine schönere Kalender-Ansicht, leider kein eigenständiger Kalender, aber dennoch eine lohnenswerte Installation. Synchronisierbar mit meinem PC via owncloud (oder MyPhone Explorer)
  • owncloud ein dropbox-artiger Fileserver, der lokale Daten von meiner Festplatte sowie Adressen und Termine (aus Thunderbird via CalDAV-Sync und CardDAV-Snc) synchronisiert. So hab ich alle Daten dabei und online gespiegelt.
  • Kingsoft WPS Office kann doc/ppt/pdf/xls und anderes lesen und bearbeiten. Schönes kostenloses Paket.
  • SwiftKey ist eine Tastatur mit Gestensteuerung. Klar, keine FOSS, aber deutlich komfortabler als die Standardeingabe von Android. Schön finde ich, dass die Tastatur schnell lernt und kleine Ungenauigkeiten erkennt und korrigiert. Die Online-Cloud hab ich allerdings deaktiviert und erlaube der App nicht zu viel, da ein Keyboard sicherheitstechnisch  die Schwachstelle jedes Systems ist.
  • Twidere ist ein freies Twitter Tool mit dem ich auf die Schnelle Tweets lesen und posten kann (z.B. das was du rechts in der Seitenleiste siehst).
  • Threema ist ein sicherer Messenger ähnlich wie WhattsApp. Die Server stehen in der Schweiz und für knapp 2 EUR kauft man europäisches Datenschutzrecht und End-zu-End-Verschlüsselung. Den Lizenzcode kaufe ich via Website, weil ich ja den PlayStore meiden will.
  • Für andere News, Blogs und Podcasts nutze ich den Simple RSS Feedreader.
  • Für Audio und Video den freien VLC Medienplayer.
  • OsmAnd~ bietet freies weltweites Kartenmaterial und brauchbare Navigation (wenn man sich an ein paar Eigenarten gewöhnt hat) basierend auf OpenStreetMaps.
  • And Bible ist eine freie Bibelsoftware, die lizenzfreie (also meist etwas ältere) internationale Bibelübersetzungen, Karten und Kommentare als Moduldatenbank anbietet.
    Für aktuelle Übersetzungen sind freilich die Onlinedienste bibelserver.de und bibelwissenschaft.de auch auf dem Smartphone sinnvoll nutzbar.

Weitere Dienste (wie Facebook, dict.leo.org oder bahn.de) nutze ich bewusst im Browser, weil ich es unnötig finde, dafür eine App zu installieren.

Sicherlich bin ich noch nicht am Ende und lerne gerne mehr Apps kennen oder vertiefe meine Überlegungen, was man sinnvoll installieren kann und sollte und was nicht. Prinzipiell hab ich übrigens garnichts dagegen, für gute Software auch ein paar Euro auszugeben. Allerdings ist das Bezahlmodell via Playstore für mich momentan nicht handlebar, also wären InApp-Spendenmöglichkeiten oder AddOns mir deutlich lieber.

Können und sollen jetzt alle Firmen, Projekte und Gemeinden eigene Apps erstellen? Oder ist es sinnvoller, mobiltaugliche Webseiten zu entwickeln, die mit responsive Webdesign erkennen, wie groß der Bildschirm ist und automatisch sinnvolle Infos für diese Größe anzeigen? Zumindest ist es sinnvoll für jede Organisation, die Menschen begegnen möchte, das auch auf dem Smartphone zu tun.

Welche Apps nutzt du? Wie bewusst und nachhaltig kann mobile Kommunikation sein? Bedarf an Schulung oder Infos zum Thema?

Ich freu mich auf dein Feedback! Via facebook, mail, twitter, threema oder auch persönlich, wenn wir uns mal treffen 🙂

Kommunikation des Evangeliums in der digitalen Gesellschaft

Die EKD hat für die Synode 2014 im November ein Lesebuch erstellt. In Kapitel 4.2 mit ein paar Gedanken zu Bild vs. Text von mir. Heute kam es per Post an und ist gleichzeitig für alle als pdf und Website online verfügbar gemacht.

Was ich bisher überflogen habe, scheint gut, bedacht und weiterführend zu sein.  Die kurzen und informativen Texte zeigen auf, was die digitale Gesellschaft schon tut und wie sich Kirche und Christen in Relation dazu verhalten – oder verhalten sollten. Ermutigend, kritisch und mit Fokus auf ethischen und geistlichen Fragen, die das evangelische Bild des Inernets prägen. So bringt das Buch als erstes Ziel die Teilnehmer der Synode auf einen Wissensstand, um sich darüber austauschen zu können. Gleichzeitig zeigt es Wege auf, in welche Richtung sich kichliche Medienarbeit entwickeln kann.

Die Inhalte allen Menschen zur Verfügung zu stellen ist ein sehr guter Schritt, weil eine Synode ja nur stellvertretend diskutiert und Entscheidungen trifft. Über das Thema nachdenken darf und soll jeder Christ, jeder Mensch.

Also los: Lest, denkt und diskutiert! Denn das ist das „Priestertum aller Gläubigen“ in der digitalen Praxis. Sich selber eine Meinung bilden und mit anderen – digital und auch Face-to-Face – ins Gespräch kommen.
Ich freu mich drauf 🙂

BTW: Wem die Textinformationen reichen, der kann den Inhalt einfach und gut verlinkt auf der Website lesen, wer schönes Design mag, sollte das pdf wählen. In Marburg kann ich auch gerne mein Exemplar verleihen, denn den als solides Ringbuch gestalteten Reader kann man gut und zügig auf Papier lesen…

Gott – gefällt mir!

Pünktlich zur Buchmesse in Frankfurt ist es erschienen. Das Buch, in dem ich das komplexe Thema meiner Dissertation für normale Menschen aufgeschrieben habe. Natürlich etwas praktischer und ohne langes Methodenkapitel und theologischen Überbau. Lebensnah behandelt es die Frage, wie man Social Media ganz praktisch in der Gemeindearbeit einbinden kann.

Dabei ist Social Media weit gefächert und beinhaltet sowohl die klassischen Medien Facebook, YouTube und Co wie auch crossmediale Ideen für Kinder- Jugend- und Gemeindearbeit. Ideen, wie man ein Stadtfest evangelistisch nutzen kann und rechtliche Fragen zu dem, was meist schon irgendwie gemacht wird bringen so manches Aha-Erlebnis. Dabei bleibt das Buch leicht zu lesen, weil es spielerisch die Geschichte einer (fiktiven) Familie erzählt. Es ist ein Lesebuch mit kleinen Handbucheinschüben (Leseprobe).  Die knapp 100 Seiten kann man bequem an einem verregneten Herbst-Wochenende lesen oder als gemeinsame Gemeindelektüre auf mehrere Wochen aufteilen.

Passend als Geschenk für sich selber, Freunde, (zukünftige) Pastoren/Pfarrer und Gemeinde-Mitarbeiter. So kann man z.B. auch als Mitarbeiter-Präsent zu Weihnachten was unterhaltsames und gleichzeitig informatives verschenken und dazu beitragen, dass Menschen physische und virtuelle Gemeinschaft nicht nur als  Gegensatz, sodnern auch als mögliche Ergänzung wahrnehmen und sich produktiv mit beiden Welten auseinandersetzen 🙂

Und als Ergänzung für Gemeinden, die ganze Sache machen wollen, habe ich eine Seminarreihe konzipiert. Je nach Stand kann sie zwischen einem Abend, einem Wochenende und zehn Wochen Mitarbeiter und Gemeindemitglieder informieren, schulen und ermutigen, sich auf neue Medien einzulassen ohne bisherige Formate vorschnell zu verwerfen.

Dir gefällt das Buch? Schreib gerne eine positive Rezension auf Amazon oder einem anderen Portal. Das ermutigt Leute oft zum Kauf!
Du hast Verbesserungsvorschläge oder Fragen: Schreib mir eine Mail, dann helfe ich dir gerne weiter oder bedenke deine Argumente 🙂

 

spielerisch URLs kürzen

Das Web 2.0 lebt von Vernetzung. Für Links in Kurznachrichten und Kommentaren fehlt aber manchmal der Platz für endlos lange URLs wie z.B.:
http://www.stern.de/digital/ueberwachung/einzigartiges-experiment-we-are-watching-you-wie-viel-ueberwachung-vertraegt-ein-mensch-2124442.html

Um auf solche Links hinzuweisen, gibt es daher URL-Shortener, die aus der langen Adresse eine kurze machen:
http://bit.ly/1xtLliQ oder http://ow.ly/C40ju

Wie bei jedem Online-Formular gibt es leider manchmal Missbrauch durch automatisierte Skripte („Bots“), die den Dienst nutzen, der eigentlich für echte Menschen gedacht ist. game2Als Schutz dagegen wird typischerweise ReCAPTCHA genutzt, um sicherzustellen, dass der Antragsteller ein Mensch ist.
Viel schöner finde ich die Mini-Spiele von ow.ly, die pfiffig den gleichen Zweck erfüllen, aber deutlich weniger nerven.

game3Teilweise habe ich einfach so mal ein paar URLs gekürzt, um zu spielen. Es befriedigt meinen Ordnungsdrang, Dinge zuzuordnen und zu sortieren. So mag ich das. Das technisch nötige Ziel wird erreicht und dabei dem Nutzer noch ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert 🙂

BTW: Dass bei URL-Shortenern meist auch Klickstatistiken erstellt werden ist klar. Ob das gut oder schlecht ist, hängt vom Kontext ab. Auch gibt es natürlich bei unseriösen Links auch Sicherheitsrisikos. Als Gegenmaßnahme gibt es daher Dienste wie longurl.org, die Kurz-URLS wieder lang machen. Wer nicht immer Spielen oder Captchan möchte, kann sich ein Nutzerkonto erstellen. Und für sensible Daten, richtet man sich sowieso besser einen Dienst auf dem einem eigenen Server ein.

YouTube – Du bist das Fernsehen!

Wikipedia: „Doing the ALS Ice Bucket Challenge (14927191426)“ von slgckgc

Egal, was für eine Challenge. Via YouTube gehen Videos um die Welt. Ursprünglich trank man eine Flasche Bier auf Ex. Dann sprang man in ein öffentliches Gewässer. Gegen ALS schüttet man sich Eiswasser über den Kopf und  für Verfolgte zündet man eine Kerze an. Videos nehmen uns mit hinein in die Mutproben und Bekenntnisse der heutigen Zeit.

Auch persönliche Videotagebücher, private Kurzreportagen, Tutorials oder Missgeschicke werden so einen Millionenpublikum zugänglich. Für Menschen, die mit 3 Fernsehprogrammen aufgewachsen sind, die von Medienorganisationen mit Inhalt bespielt wurden, ist das revolutionär. Für Digital Natives ist es ganz normal. Wenn ich etwas sagen möchte, sage ich es. Und welches Medium dafür passt, das wähle ich eben aus. Und seitdem jedes Smartphone mit brauchbaren Kameras ausgerüstet ist, braucht man auch kein TV-Team, um einfache Clips zu erstellen (dass viele große YT-Kanäle durchaus von einem professionellen Team redaktionell gestaltet werden, sei nur am Rande erwähnt).

An der Evangelischen Hochschule Tabor haben wir Anfang des Jahres über „Videokunst als homiletische Ausrucksform“ nachgedacht. Dazu habe ich einige Playlists mit lustigen und spannenden Videos angelegt. Sicherlich nicht vollständig, aber sie wachsen kontinuierlich weiter, wenn ich was passendes finde (oder du mir gute Links schickst!). Genau richtig für trübe Herbstnachmittage zwischen Grillwetter und Lebkuchenstimmung.

yt-playlists

  • Best of YouTube“ behandelt ein paar Phänomene, die viral sehr erfolgreich waren (unter anderem Y-TITTY, The Fox und Teens react to…).
  • Metaclips“ enthält Videos, die das System YouTube analysieren (v.a. von Prof. Michael Wesch).
  • In „Medienproduktion“ finden sich Tipps für angehende Filmemacher (auch im RSA-Style).
  • Medienkunst“ führt dich zu Videos mit tieferer Message (animiert und crossmedial).
  • christliche Clips“ zeigt ganz unterschiedliche Videos mit geistlichem Bezug (ohne sie inhaltlich zu werten) 🙂

Viel Spaß beim Schauen.
Und vielleicht lass dich inspirieren und dreh dein eigenes Video. Egal ob Katze, Predigt oder Musikvideo, sag der Welt, was dir wichtig ist, denn You Tube! (frei übersetzt: du bist das Fernsehen!)

 

Online oder Offline? Wie wollen wir leben?

Neulich war ich 10 Tage im Urlaub. Da stellt sich natürlich die Frage, ob und wie man unterwegs ins Internet kommt. Gibt es eine Auslands-Flat vom Handy-Provider? Will man auch für den Laptop ein Paket erwerben oder reicht es, ab und zu freie W-LANs zu finden (und wie sicher sind die dann)?
wifi Ich hab die Zeit genutzt, um meine Online-Kommunikation einfach mal auf ein Minimum zu reduzieren. Mails nur überfliegen und Debatten auf Facebook, Twitter, und derBlogosphäre einfach mal laufen lassen. Eine Woche tatsächlich abschalten. Dafür konnte ich die Sonne genießen, Zeit mit den Menschen vor Ort verbringen, reden, zuhören, genießen, lesen, schlafen, sein.

Wir sind vermutlich die einzige Generation der Weltgeschichte, die wählen kann, ob sie online oder offline ist. Noch vor 30 Jahren war ein normaler Mensch permanent offline, ohne sich daran zu stören. Ab und zu konnte man einen Brief schreiben oder telefonieren. Ansonsten hatte man Kontakte nur, wenn man sich traf.
Der Trend zum mobilen Web, Tracking und ständiger Vernetzung (egal, ob man das positiv oder negativ bewertet) lässt vermuten, dass in 30 Jahren kaum ein Mensch ohne digital vernetztes Device existieren wird. Ob es dann ein tragbares Telefon , eine Multimedia-Armbanduhr oder ein verpflichtend implantierter Chip im Kopf sein wird hängt von der prognostizierten Zukunftssituation ab (die wir natürlich durch unser Verhalten heute  entscheidend mit beeinflussen!). Aber wir werden vernetzt sein mit der Welt. Wikipedia und Google sind schon jetzt ständige Begleiter, private und öffentliche Kommunikation via Messenger, Forum oder Network sind die Post-Its der jungen Generation und Tools wie GoogleMaps, Chefkoch.de, Kamera und mobiler Büroarbeitsplatz nötig, um den Alltag zu gestalten.

Das Abschalten (Wer erinnert sich noch an Peter Lustig?) wird immer seltener, weil man dann ja nicht mehr ereichbar ist und keinen Zugriff mehr hat. Dafür opfern wir mitunter Freizeit, Erholung, Stille und im Sinne der Datenschutzdebatte ggf. sogar Freiheit und Privatheit. Also sollten wir uns fragen: Wie wollen wir in Zukunft leben?

In meinem Artikel „virtuelle Heimat“ in  Zeitgeist2 habe ich dargestellt, dass das traditionelle Heimatgefühl in unserer Zeit oft verloren geht und wir uns alternative soziale Rahmen aufbauen, um diesen Schutzraum digital nachzuempfinden. So können wir die virtuelle Vernetzung positiv nutzen, um die Veränderungen der globalisierten Gesellschaft aufzufangen. Ein spannendes Beispiel, wie dadurch sogar physische Gemeinschaft gestärkt werden kann ist die „Social Street“ mit vielen Nachahmern in Italien und der Schweiz.

Und Gott? Die geistliche Komponente eines ganzheitlichen Lebens ist ja weder nur physisch, noch rein virtuell, sondern primär spirituell erfahrbar. Und damit bietet Religion ein immer erreichbares Netzwerk, das die beiden anderen Realitätsebenen umfasst und übersteigt. Gottesdienst können wir in einer Kirche feiern, aber Gebet endet nicht, wenn wir allein auf der einsamen Insel sitzen. Online-Portale helfen uns Gottes Wort zu verstehen, aber auch im Wald ist sein Reden wahrnehmbar.

Wir können uns also daran erinnern, ab und zu mal abzuschalten, um zur Ruhe zu kommen. Wir können in den Online-Phasen bewusst gestalten, wie viel Zeit wir mit nahen und entfernten Menschen verbringen. Und wir können uns geistlich auf Gott einlassen, egal in welcher Phase wir uns gerade befinden.

„Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.“ (Psalm 139,5)

Gott befasst sich mit uns. Er ist erreichbar. Im Urlaub und im Alltag. Wie das praktisch aussehen kann, darüber rede ich gerne in Schulungen und Seminaren. Und die Erfahrungen mache ich gerne in ganz unterschiedlichen Gottesdiensten. Meist offline, aber prinzipiell auch online. Jesus hat soziale Netzwerke gegründet und ganzheitliche Gemeinschaft gelebt (dazu ein andermal mehr). Das sollten wir auch tun, wenn unser ganzes Leben Gottesdienst sein will. Online und offline – crossmedial.

Früher war Facebook – Eine Retrospektive

(Ursprünglich erschienen in TEC 1/2014)

Wir schreiben das Jahr 2050. Nach den globalen Bildungsstandards werden Grundschüler weltweit einheitlich bereits ab 4 Jahren in intuitiver Programmierung, Web-Design und den modularen Systemen der sogenannten „Digi-Pulte“ geschult. Natürlich zweisprachig auf Englisch und Chinesisch. In den kulturell hochstehenden Provinzen wird in weiterführenden Klassen zusätzlich zum üblichen Lernstoff immer noch ein historisches Themengebiet wie „Schreiben mit der Hand“, „bildschirmlose Bücher“ oder „akustische Musikinstrumente“ gelehrt, um zu einem besseren Verständnis zwischen den Generation beizutragen. Für die älteren Mitbürger, die vor der digitalen Wende aufgewachsen sind, waren diese aufwändigen Übungen damals normaler Alltag. So demonstriert die 75 jährige Lehrerin mit faszinierender Konzentration, wie sie in einem Bücher-Raum völlig ohne die Hilfe eines Digi-Pultes eine geforderte Information finden kann. Zwar braucht sie für die Aufgabe, die ihre Schüler am Digi-Pult in wenigen Sekunden erledigt haben, fast 10 min, aber begeistert von der historischen Aufführung sind die Kinder dennoch und verlinken die interaktive Lehreinheit mit ihrem persönlichen Wissensspeicher.

Die Schüler scannen die archaischen Exponate wie papierbasierte Terminverwaltung und stromlose Bildergalerien und vernetzen die persönlich gelernten Informationen mit denen der zentralen Wissensdatenbank. So können sie bei späteren Fragestellungen zu diesen Themen auf beides zugreifen. Die Lehrerin legt Wert darauf, dass die Schüler nicht nur die zentrale Datenbank für semantische Suchanfragen nutzen, sondern eigene Lernerfahrungen aus ihrem persönlichen und selbst verwalteten Wissensspeicher damit verknüpfen. Auch wenn die Lehrerin aufgrund der Persönlichkeitsrechte diese Datenbank nicht einsehen kann, freut sie sich, wenn regelmäßig das Volumen der Datenbasis steigt und für die Heranwachsenden somit individuelle Erfahrungen als Gegenpol zum allgemeinen Wissen bereit stehen.

Aus dem zentralen Info-Pool und den persönlichen Informationsspeichern seiner Eltern und Großeltern hat ein Schüler ein Referat vorbereitet, mit dem er seiner Klasse Informationen über frühe soziale Netzwerke weitergibt. Er redet von Freundschaftsbüchern, in denen man mit Stiften seine Hobbies und Vorlieben eintrug, von Papierlisten mit Kontaktinformationen und der langen Suche nach Telefonnummern oder Adressen, wenn ein Kontakt umgezogen war. Seine Mutter – so sagt er – habe seinen Vater dann aber in einer dieser ersten Internetportale kennen gelernt. „Facebook?“ fragt ein Mitschüler. „Nein, noch älter und auf ein Land beschränkt.“ Später seien sie dann aber zu Facebook gewechselt, weil sie nach dem Umzug vieler Freunde auch international in Kontakt bleiben wollten. Und da sei Facebook dann die erste Möglichkeit gewesen, trotz räumlicher Entfernung eine emotionale Nähe zu spüren. Dabei waren es anfangs lediglich Texte, Fotos und Videos, die man austauschen konnte. Und doch fühlte man die Verbundenheit, konnte mit alten Kontakten in Verbindung bleiben und über gemeinsame Schnittmengen neue Kontakte finden. „Das ist doch klar, das macht doch jeder schon im Kindergarten!“ wirft ein anderer ein. Aber das sei wohl erst eine recht junge Entwicklung fährt der Referatsschüler fort. Früher sei noch eine Altersbeschränkung eingebaut gewesen, um Kinder unter 13 zu schützen, weil sie in der Schule noch keine vollständige Medienkompetenzschulung gehabt hätten. Und das neue Facebook sei auch vielen Erwachsenen nicht ganz geheuer gewesen, weil sie wohl viel zu viel Zeit gebraucht hätten, um dort an Informationen zu kommen und ihre reguläre Arbeit vernachlässigt hätten.

Der Schüler stellt dar, wie seine Großeltern sich damals gestritten hatten, ob die Vorteile der freien Meinungsäußerung wichtig wären oder die damaligen Sicherheitsbedenken einen Boykott rechtfertigten. Oma hatte wohl immer schon gerne viel über sich erzählt und so eine Art persönliche Ergänzungsdatenbank angelegt und Opa hatte sie dafür getadelt, weil es noch keinerlei Datenschutz für die sensiblen Daten ihrer eigenen Erfahrungen gegeben hatte. Regierungen, Firmen und Hacker konnten ungehindert alle Aktionen mitlesen und auswerten. Erst die persönlichen Serverkonzepte aufgrund der frühen Diaspora-Netzwerke mit dezentraler Datenbasis hätten es möglich gemacht, persönliche Daten vor dem Zugriff von außen zu schützen und damit letztlich zum Durchbruch der Vernetzten Anwendungen bei weiten Teilen der Gesellschaft beigetragen. Vorher seien meist die Betreiber aus finanziellen Interessen an den persönlichen Daten interessiert gewesen. „Da gab es auch noch keine allgemeine Netzsteuer, um die Infrastruktur ohne Werbung und Datenhandel zu finanzieren…“ wirft ein Naseweis ein. „Und es war ein langer Weg, bis alle Bürger eingesehen haben, warum das sinnvoll ist.“ kontert der Referent. Aber laut seiner Eltern wäre erst durch diese globale, staats- und firmenunabhängige Infrastruktur ein wirklich freies Internet möglich gewesen. Das sei dann das Ende von Facebook und den damit verbundenen großen Firmen gewesen, die ihr Geld mit den Daten der Nutzer verdienten und innerhalb weniger Jahre habe sich als Nachfolger des freien Wikipedia-Ansatzes die zentrale Wissensdatenbank gebildet. Damals war wohl der Werbeslogan: „Globales Wissen zentral speichern, persönliche Erfahrung selbst zuordnen.“ Und so sei das Konzept, dass persönliche Informationen, Erfahrungen und Deutungen in eigenen Web-Servern vom Nutzer selbst verwaltet werden letztlich nur durch die Datenskandale der jungen Netzwerke aufgekommen. „Also muss man Facebook danken, dass sie damals die Daten unserer Großeltern verkauft und durch dubiose Spiele Süchte und Finanzprobleme ausgelöst haben?“ wird er ein letztes Mal unterbrochen und kann dem Einwurf prinzipiell zustimmen. Natürlich wäre das damals nicht in Ordnung gewesen, aber nur durch den globalen Skandal, dass Firmen und sogar der Staat die Daten der Nutzer ausspioniert und missbraucht haben, sei das Bewusstsein für den Wert persönlicher Information entstanden, was heute jedem Kind beigebracht wird. Allerdings seien die Schritte vom Skandal zur Eigenständigkeit kein leichter Weg gewesen. Viel komfortabler sei es gewesen, einem Netzwerk naiv zu vertrauen als selber über die Art der Datenspeicherung Bescheid zu wissen. „Und ein eigener Webserver war damals immerhin so etwas besonderes, wie ein privates Flugmobil heute.“ ergänzt die Lehrerin. Und sie muss es wissen. Schließlich hatte sie damals die ersten statischen Internetseiten, den Wandel zu nutzerorientierten Web-2.0-Anwendungen, die Einführung der semantischen Suchfunktionen des Web3 und die Revolution hin zu persönlicher Datenspeicherung selber miterlebt. Welche Rolle sie im Kampf gegen die staatliche Kontrolle aller Netzdaten gespielt hatte, darüber möchte sie nicht reden. Aber sie schaut so geheimnisvoll, dass den Schülern klar ist, dass in ihrem privaten Erfahrungsspeicher sicher einige brisante Informationen lagern. Und wieder einmal sind sie froh, dass sich das kommerziell orientierte Internet der Jahrtausendwende in ein tatsächlich freies Informationsnetz mit zentraler Wissensdatenbank und dezentral gespeicherten Nutzerdatenbanken gewandelt hat. Gerne zahlen sie für diese Infrastruktur einen kleinen Beitrag und sind dafür sicher, ihre eigene Meinung auch online vernetzt mit den weltweiten Freunden teilen zu können, ohne dass sie dafür vom System gesperrt werden könnten.

Gamification About Squares

www.aboutsquares.com
Der Weg ist intuitiv…

Kürzlich habe ich das Browsergame www.gameaboutsquares.com entdeckt, das mich schnell gefesselt hat. Es geht dabei um Quadrate.  Mehr nicht. Schnell erklärt, schnell geladen, aber langer Knobelspass. Und um ehrlich zu sein, bei Level 35 hab ich irgendwann aufgegeben…

Ich schreibe aber nicht darüber, um entscheidende Tipps für den „Endgegner“ zu bekommen, sondern, weil ich das konsequent minimalistische Konzept bemerkenswert finde. Es gibt auf der Startseite kein Menü, keine Auswahl, keine Hilfedatei und keine wortgewandte Erklärung.

Das erste Level besteht aus einem roten Quadrat mit einem Pfeil. Spontan klicke ich darauf und – wie erwartet – bewegt sich das Quadrat in diese Richtung. Wenn ich den roten Kreis erreiche, ist das Level gelöst. Das war ja einfach.

Der Weg ist klar...
Auch das ist klar…

Bei Level 2 kommt ein blaues Quadrat und ein blauer Kreis dazu. Später können die Quadrate die Richtung ändern und sich verschieben. Aber mehr als vier Farben und vier Richtungen werden es nie.

Das Spiel kommt komplett ohne Spielregel aus. Zwischen jedem Level gibt es einen Joke, der teilweise auf das Spiel bezogen ist, teilweise auch einfach nur bei Laune halten soll. Der Spaß steht im Vordergrund. Dieses Prinzip steht stellvertretend für einen Ansatz, den man Gamification nennt. Spielend lernen. Wenn Kinder zwar keine 20 Englisch-Vokabeln pro Woche behalten, aber 150 Pokemon-Namen inklusive Abhängigkeiten in 2 Tagen auswendig können, zeigt das, welche Motivation von einem guten Spielsystem ausgehen kann. Jetzt sind weder Pokemon noch Quadrate das primäre Ziel von typischen Lehreinheiten, aber wer verstanden hat, dass Menschen spielerisch viel leichter (und lieber) lernen als durch lange Texte, komplizierte Vorträge oder gar Druck und Stress, der kann seinen Inhalt in einfache Aufgaben verpacken, die man spielerisch erledigen kann.

eigentlich ganz einfach...
eigentlich ganz einfach…

Klar sind komplexe wissenschaftlichen Themen oft zu vielschichtig für einfache Spiele, aber in jedem Thema steckt eine einfache Wahrheit, die man spielerisch verstehen kann. Und mentale Kombinationen aus mehreren Spielergebnissen sind im Zweifel immer noch leichter als rein theoretisch erworbenes Wissen zu behalten.

Intuitiver Wissenserwerb ist im Web-2.0 dank durchdachter Steuerung möglich und nötig, um den Überfluss an Textinformationen bearbeiten zu können. Menschen müssen Fakten schnell beurteilen. Dabei sollte man gerade im Internet immer harte Kernkriterien im Hinterkopf haben, um Falschmeldungen, ironsiche Berichte, manipulierte Grafiken oder bösartige Bedrohungen sofort zu erkennen und korrekt zu behandeln.

4-jährige können statistisch gesehen Smartphones genausogut bedienen wie 45-jährige. Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte und wer mit Icons kommuniziert, spart Denkleistung bei den Lesern. So bleibt Kapazität, um inhaltlich und kreativ zu denken. Das ist die Aufgabe der Zukunft: alltägliche Aufgaben so spielerisch zu erledigen, dass wir uns den wirklich spannenden Fragen widmen können. Egal ob es dann um kirchlich-religiöse Kommunikation, Wissenschaft oder Kunst geht, dürfen wir „werden wie die Kinder“, um himmlisch zu kommunizieren.