Archiv der Kategorie: Social Media

über digitale soziale Netzwerk-Medien

Kommunikation des Evangeliums in der digitalen Gesellschaft

Die EKD hat für die Synode 2014 im November ein Lesebuch erstellt. In Kapitel 4.2 mit ein paar Gedanken zu Bild vs. Text von mir. Heute kam es per Post an und ist gleichzeitig für alle als pdf und Website online verfügbar gemacht.

Was ich bisher überflogen habe, scheint gut, bedacht und weiterführend zu sein.  Die kurzen und informativen Texte zeigen auf, was die digitale Gesellschaft schon tut und wie sich Kirche und Christen in Relation dazu verhalten – oder verhalten sollten. Ermutigend, kritisch und mit Fokus auf ethischen und geistlichen Fragen, die das evangelische Bild des Inernets prägen. So bringt das Buch als erstes Ziel die Teilnehmer der Synode auf einen Wissensstand, um sich darüber austauschen zu können. Gleichzeitig zeigt es Wege auf, in welche Richtung sich kichliche Medienarbeit entwickeln kann.

Die Inhalte allen Menschen zur Verfügung zu stellen ist ein sehr guter Schritt, weil eine Synode ja nur stellvertretend diskutiert und Entscheidungen trifft. Über das Thema nachdenken darf und soll jeder Christ, jeder Mensch.

Also los: Lest, denkt und diskutiert! Denn das ist das „Priestertum aller Gläubigen“ in der digitalen Praxis. Sich selber eine Meinung bilden und mit anderen – digital und auch Face-to-Face – ins Gespräch kommen.
Ich freu mich drauf 🙂

BTW: Wem die Textinformationen reichen, der kann den Inhalt einfach und gut verlinkt auf der Website lesen, wer schönes Design mag, sollte das pdf wählen. In Marburg kann ich auch gerne mein Exemplar verleihen, denn den als solides Ringbuch gestalteten Reader kann man gut und zügig auf Papier lesen…

Gott – gefällt mir!

Pünktlich zur Buchmesse in Frankfurt ist es erschienen. Das Buch, in dem ich das komplexe Thema meiner Dissertation für normale Menschen aufgeschrieben habe. Natürlich etwas praktischer und ohne langes Methodenkapitel und theologischen Überbau. Lebensnah behandelt es die Frage, wie man Social Media ganz praktisch in der Gemeindearbeit einbinden kann.

Dabei ist Social Media weit gefächert und beinhaltet sowohl die klassischen Medien Facebook, YouTube und Co wie auch crossmediale Ideen für Kinder- Jugend- und Gemeindearbeit. Ideen, wie man ein Stadtfest evangelistisch nutzen kann und rechtliche Fragen zu dem, was meist schon irgendwie gemacht wird bringen so manches Aha-Erlebnis. Dabei bleibt das Buch leicht zu lesen, weil es spielerisch die Geschichte einer (fiktiven) Familie erzählt. Es ist ein Lesebuch mit kleinen Handbucheinschüben (Leseprobe).  Die knapp 100 Seiten kann man bequem an einem verregneten Herbst-Wochenende lesen oder als gemeinsame Gemeindelektüre auf mehrere Wochen aufteilen.

Passend als Geschenk für sich selber, Freunde, (zukünftige) Pastoren/Pfarrer und Gemeinde-Mitarbeiter. So kann man z.B. auch als Mitarbeiter-Präsent zu Weihnachten was unterhaltsames und gleichzeitig informatives verschenken und dazu beitragen, dass Menschen physische und virtuelle Gemeinschaft nicht nur als  Gegensatz, sodnern auch als mögliche Ergänzung wahrnehmen und sich produktiv mit beiden Welten auseinandersetzen 🙂

Und als Ergänzung für Gemeinden, die ganze Sache machen wollen, habe ich eine Seminarreihe konzipiert. Je nach Stand kann sie zwischen einem Abend, einem Wochenende und zehn Wochen Mitarbeiter und Gemeindemitglieder informieren, schulen und ermutigen, sich auf neue Medien einzulassen ohne bisherige Formate vorschnell zu verwerfen.

Dir gefällt das Buch? Schreib gerne eine positive Rezension auf Amazon oder einem anderen Portal. Das ermutigt Leute oft zum Kauf!
Du hast Verbesserungsvorschläge oder Fragen: Schreib mir eine Mail, dann helfe ich dir gerne weiter oder bedenke deine Argumente 🙂

 

spielerisch URLs kürzen

Das Web 2.0 lebt von Vernetzung. Für Links in Kurznachrichten und Kommentaren fehlt aber manchmal der Platz für endlos lange URLs wie z.B.:
http://www.stern.de/digital/ueberwachung/einzigartiges-experiment-we-are-watching-you-wie-viel-ueberwachung-vertraegt-ein-mensch-2124442.html

Um auf solche Links hinzuweisen, gibt es daher URL-Shortener, die aus der langen Adresse eine kurze machen:
http://bit.ly/1xtLliQ oder http://ow.ly/C40ju

Wie bei jedem Online-Formular gibt es leider manchmal Missbrauch durch automatisierte Skripte („Bots“), die den Dienst nutzen, der eigentlich für echte Menschen gedacht ist. game2Als Schutz dagegen wird typischerweise ReCAPTCHA genutzt, um sicherzustellen, dass der Antragsteller ein Mensch ist.
Viel schöner finde ich die Mini-Spiele von ow.ly, die pfiffig den gleichen Zweck erfüllen, aber deutlich weniger nerven.

game3Teilweise habe ich einfach so mal ein paar URLs gekürzt, um zu spielen. Es befriedigt meinen Ordnungsdrang, Dinge zuzuordnen und zu sortieren. So mag ich das. Das technisch nötige Ziel wird erreicht und dabei dem Nutzer noch ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert 🙂

BTW: Dass bei URL-Shortenern meist auch Klickstatistiken erstellt werden ist klar. Ob das gut oder schlecht ist, hängt vom Kontext ab. Auch gibt es natürlich bei unseriösen Links auch Sicherheitsrisikos. Als Gegenmaßnahme gibt es daher Dienste wie longurl.org, die Kurz-URLS wieder lang machen. Wer nicht immer Spielen oder Captchan möchte, kann sich ein Nutzerkonto erstellen. Und für sensible Daten, richtet man sich sowieso besser einen Dienst auf dem einem eigenen Server ein.

YouTube – Du bist das Fernsehen!

Wikipedia: „Doing the ALS Ice Bucket Challenge (14927191426)“ von slgckgc

Egal, was für eine Challenge. Via YouTube gehen Videos um die Welt. Ursprünglich trank man eine Flasche Bier auf Ex. Dann sprang man in ein öffentliches Gewässer. Gegen ALS schüttet man sich Eiswasser über den Kopf und  für Verfolgte zündet man eine Kerze an. Videos nehmen uns mit hinein in die Mutproben und Bekenntnisse der heutigen Zeit.

Auch persönliche Videotagebücher, private Kurzreportagen, Tutorials oder Missgeschicke werden so einen Millionenpublikum zugänglich. Für Menschen, die mit 3 Fernsehprogrammen aufgewachsen sind, die von Medienorganisationen mit Inhalt bespielt wurden, ist das revolutionär. Für Digital Natives ist es ganz normal. Wenn ich etwas sagen möchte, sage ich es. Und welches Medium dafür passt, das wähle ich eben aus. Und seitdem jedes Smartphone mit brauchbaren Kameras ausgerüstet ist, braucht man auch kein TV-Team, um einfache Clips zu erstellen (dass viele große YT-Kanäle durchaus von einem professionellen Team redaktionell gestaltet werden, sei nur am Rande erwähnt).

An der Evangelischen Hochschule Tabor haben wir Anfang des Jahres über „Videokunst als homiletische Ausrucksform“ nachgedacht. Dazu habe ich einige Playlists mit lustigen und spannenden Videos angelegt. Sicherlich nicht vollständig, aber sie wachsen kontinuierlich weiter, wenn ich was passendes finde (oder du mir gute Links schickst!). Genau richtig für trübe Herbstnachmittage zwischen Grillwetter und Lebkuchenstimmung.

yt-playlists

  • Best of YouTube“ behandelt ein paar Phänomene, die viral sehr erfolgreich waren (unter anderem Y-TITTY, The Fox und Teens react to…).
  • Metaclips“ enthält Videos, die das System YouTube analysieren (v.a. von Prof. Michael Wesch).
  • In „Medienproduktion“ finden sich Tipps für angehende Filmemacher (auch im RSA-Style).
  • Medienkunst“ führt dich zu Videos mit tieferer Message (animiert und crossmedial).
  • christliche Clips“ zeigt ganz unterschiedliche Videos mit geistlichem Bezug (ohne sie inhaltlich zu werten) 🙂

Viel Spaß beim Schauen.
Und vielleicht lass dich inspirieren und dreh dein eigenes Video. Egal ob Katze, Predigt oder Musikvideo, sag der Welt, was dir wichtig ist, denn You Tube! (frei übersetzt: du bist das Fernsehen!)

 

Online oder Offline? Wie wollen wir leben?

Neulich war ich 10 Tage im Urlaub. Da stellt sich natürlich die Frage, ob und wie man unterwegs ins Internet kommt. Gibt es eine Auslands-Flat vom Handy-Provider? Will man auch für den Laptop ein Paket erwerben oder reicht es, ab und zu freie W-LANs zu finden (und wie sicher sind die dann)?
wifi Ich hab die Zeit genutzt, um meine Online-Kommunikation einfach mal auf ein Minimum zu reduzieren. Mails nur überfliegen und Debatten auf Facebook, Twitter, und derBlogosphäre einfach mal laufen lassen. Eine Woche tatsächlich abschalten. Dafür konnte ich die Sonne genießen, Zeit mit den Menschen vor Ort verbringen, reden, zuhören, genießen, lesen, schlafen, sein.

Wir sind vermutlich die einzige Generation der Weltgeschichte, die wählen kann, ob sie online oder offline ist. Noch vor 30 Jahren war ein normaler Mensch permanent offline, ohne sich daran zu stören. Ab und zu konnte man einen Brief schreiben oder telefonieren. Ansonsten hatte man Kontakte nur, wenn man sich traf.
Der Trend zum mobilen Web, Tracking und ständiger Vernetzung (egal, ob man das positiv oder negativ bewertet) lässt vermuten, dass in 30 Jahren kaum ein Mensch ohne digital vernetztes Device existieren wird. Ob es dann ein tragbares Telefon , eine Multimedia-Armbanduhr oder ein verpflichtend implantierter Chip im Kopf sein wird hängt von der prognostizierten Zukunftssituation ab (die wir natürlich durch unser Verhalten heute  entscheidend mit beeinflussen!). Aber wir werden vernetzt sein mit der Welt. Wikipedia und Google sind schon jetzt ständige Begleiter, private und öffentliche Kommunikation via Messenger, Forum oder Network sind die Post-Its der jungen Generation und Tools wie GoogleMaps, Chefkoch.de, Kamera und mobiler Büroarbeitsplatz nötig, um den Alltag zu gestalten.

Das Abschalten (Wer erinnert sich noch an Peter Lustig?) wird immer seltener, weil man dann ja nicht mehr ereichbar ist und keinen Zugriff mehr hat. Dafür opfern wir mitunter Freizeit, Erholung, Stille und im Sinne der Datenschutzdebatte ggf. sogar Freiheit und Privatheit. Also sollten wir uns fragen: Wie wollen wir in Zukunft leben?

In meinem Artikel „virtuelle Heimat“ in  Zeitgeist2 habe ich dargestellt, dass das traditionelle Heimatgefühl in unserer Zeit oft verloren geht und wir uns alternative soziale Rahmen aufbauen, um diesen Schutzraum digital nachzuempfinden. So können wir die virtuelle Vernetzung positiv nutzen, um die Veränderungen der globalisierten Gesellschaft aufzufangen. Ein spannendes Beispiel, wie dadurch sogar physische Gemeinschaft gestärkt werden kann ist die „Social Street“ mit vielen Nachahmern in Italien und der Schweiz.

Und Gott? Die geistliche Komponente eines ganzheitlichen Lebens ist ja weder nur physisch, noch rein virtuell, sondern primär spirituell erfahrbar. Und damit bietet Religion ein immer erreichbares Netzwerk, das die beiden anderen Realitätsebenen umfasst und übersteigt. Gottesdienst können wir in einer Kirche feiern, aber Gebet endet nicht, wenn wir allein auf der einsamen Insel sitzen. Online-Portale helfen uns Gottes Wort zu verstehen, aber auch im Wald ist sein Reden wahrnehmbar.

Wir können uns also daran erinnern, ab und zu mal abzuschalten, um zur Ruhe zu kommen. Wir können in den Online-Phasen bewusst gestalten, wie viel Zeit wir mit nahen und entfernten Menschen verbringen. Und wir können uns geistlich auf Gott einlassen, egal in welcher Phase wir uns gerade befinden.

„Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.“ (Psalm 139,5)

Gott befasst sich mit uns. Er ist erreichbar. Im Urlaub und im Alltag. Wie das praktisch aussehen kann, darüber rede ich gerne in Schulungen und Seminaren. Und die Erfahrungen mache ich gerne in ganz unterschiedlichen Gottesdiensten. Meist offline, aber prinzipiell auch online. Jesus hat soziale Netzwerke gegründet und ganzheitliche Gemeinschaft gelebt (dazu ein andermal mehr). Das sollten wir auch tun, wenn unser ganzes Leben Gottesdienst sein will. Online und offline – crossmedial.

Früher war Facebook – Eine Retrospektive

(Ursprünglich erschienen in TEC 1/2014)

Wir schreiben das Jahr 2050. Nach den globalen Bildungsstandards werden Grundschüler weltweit einheitlich bereits ab 4 Jahren in intuitiver Programmierung, Web-Design und den modularen Systemen der sogenannten „Digi-Pulte“ geschult. Natürlich zweisprachig auf Englisch und Chinesisch. In den kulturell hochstehenden Provinzen wird in weiterführenden Klassen zusätzlich zum üblichen Lernstoff immer noch ein historisches Themengebiet wie „Schreiben mit der Hand“, „bildschirmlose Bücher“ oder „akustische Musikinstrumente“ gelehrt, um zu einem besseren Verständnis zwischen den Generation beizutragen. Für die älteren Mitbürger, die vor der digitalen Wende aufgewachsen sind, waren diese aufwändigen Übungen damals normaler Alltag. So demonstriert die 75 jährige Lehrerin mit faszinierender Konzentration, wie sie in einem Bücher-Raum völlig ohne die Hilfe eines Digi-Pultes eine geforderte Information finden kann. Zwar braucht sie für die Aufgabe, die ihre Schüler am Digi-Pult in wenigen Sekunden erledigt haben, fast 10 min, aber begeistert von der historischen Aufführung sind die Kinder dennoch und verlinken die interaktive Lehreinheit mit ihrem persönlichen Wissensspeicher.

Die Schüler scannen die archaischen Exponate wie papierbasierte Terminverwaltung und stromlose Bildergalerien und vernetzen die persönlich gelernten Informationen mit denen der zentralen Wissensdatenbank. So können sie bei späteren Fragestellungen zu diesen Themen auf beides zugreifen. Die Lehrerin legt Wert darauf, dass die Schüler nicht nur die zentrale Datenbank für semantische Suchanfragen nutzen, sondern eigene Lernerfahrungen aus ihrem persönlichen und selbst verwalteten Wissensspeicher damit verknüpfen. Auch wenn die Lehrerin aufgrund der Persönlichkeitsrechte diese Datenbank nicht einsehen kann, freut sie sich, wenn regelmäßig das Volumen der Datenbasis steigt und für die Heranwachsenden somit individuelle Erfahrungen als Gegenpol zum allgemeinen Wissen bereit stehen.

Aus dem zentralen Info-Pool und den persönlichen Informationsspeichern seiner Eltern und Großeltern hat ein Schüler ein Referat vorbereitet, mit dem er seiner Klasse Informationen über frühe soziale Netzwerke weitergibt. Er redet von Freundschaftsbüchern, in denen man mit Stiften seine Hobbies und Vorlieben eintrug, von Papierlisten mit Kontaktinformationen und der langen Suche nach Telefonnummern oder Adressen, wenn ein Kontakt umgezogen war. Seine Mutter – so sagt er – habe seinen Vater dann aber in einer dieser ersten Internetportale kennen gelernt. „Facebook?“ fragt ein Mitschüler. „Nein, noch älter und auf ein Land beschränkt.“ Später seien sie dann aber zu Facebook gewechselt, weil sie nach dem Umzug vieler Freunde auch international in Kontakt bleiben wollten. Und da sei Facebook dann die erste Möglichkeit gewesen, trotz räumlicher Entfernung eine emotionale Nähe zu spüren. Dabei waren es anfangs lediglich Texte, Fotos und Videos, die man austauschen konnte. Und doch fühlte man die Verbundenheit, konnte mit alten Kontakten in Verbindung bleiben und über gemeinsame Schnittmengen neue Kontakte finden. „Das ist doch klar, das macht doch jeder schon im Kindergarten!“ wirft ein anderer ein. Aber das sei wohl erst eine recht junge Entwicklung fährt der Referatsschüler fort. Früher sei noch eine Altersbeschränkung eingebaut gewesen, um Kinder unter 13 zu schützen, weil sie in der Schule noch keine vollständige Medienkompetenzschulung gehabt hätten. Und das neue Facebook sei auch vielen Erwachsenen nicht ganz geheuer gewesen, weil sie wohl viel zu viel Zeit gebraucht hätten, um dort an Informationen zu kommen und ihre reguläre Arbeit vernachlässigt hätten.

Der Schüler stellt dar, wie seine Großeltern sich damals gestritten hatten, ob die Vorteile der freien Meinungsäußerung wichtig wären oder die damaligen Sicherheitsbedenken einen Boykott rechtfertigten. Oma hatte wohl immer schon gerne viel über sich erzählt und so eine Art persönliche Ergänzungsdatenbank angelegt und Opa hatte sie dafür getadelt, weil es noch keinerlei Datenschutz für die sensiblen Daten ihrer eigenen Erfahrungen gegeben hatte. Regierungen, Firmen und Hacker konnten ungehindert alle Aktionen mitlesen und auswerten. Erst die persönlichen Serverkonzepte aufgrund der frühen Diaspora-Netzwerke mit dezentraler Datenbasis hätten es möglich gemacht, persönliche Daten vor dem Zugriff von außen zu schützen und damit letztlich zum Durchbruch der Vernetzten Anwendungen bei weiten Teilen der Gesellschaft beigetragen. Vorher seien meist die Betreiber aus finanziellen Interessen an den persönlichen Daten interessiert gewesen. „Da gab es auch noch keine allgemeine Netzsteuer, um die Infrastruktur ohne Werbung und Datenhandel zu finanzieren…“ wirft ein Naseweis ein. „Und es war ein langer Weg, bis alle Bürger eingesehen haben, warum das sinnvoll ist.“ kontert der Referent. Aber laut seiner Eltern wäre erst durch diese globale, staats- und firmenunabhängige Infrastruktur ein wirklich freies Internet möglich gewesen. Das sei dann das Ende von Facebook und den damit verbundenen großen Firmen gewesen, die ihr Geld mit den Daten der Nutzer verdienten und innerhalb weniger Jahre habe sich als Nachfolger des freien Wikipedia-Ansatzes die zentrale Wissensdatenbank gebildet. Damals war wohl der Werbeslogan: „Globales Wissen zentral speichern, persönliche Erfahrung selbst zuordnen.“ Und so sei das Konzept, dass persönliche Informationen, Erfahrungen und Deutungen in eigenen Web-Servern vom Nutzer selbst verwaltet werden letztlich nur durch die Datenskandale der jungen Netzwerke aufgekommen. „Also muss man Facebook danken, dass sie damals die Daten unserer Großeltern verkauft und durch dubiose Spiele Süchte und Finanzprobleme ausgelöst haben?“ wird er ein letztes Mal unterbrochen und kann dem Einwurf prinzipiell zustimmen. Natürlich wäre das damals nicht in Ordnung gewesen, aber nur durch den globalen Skandal, dass Firmen und sogar der Staat die Daten der Nutzer ausspioniert und missbraucht haben, sei das Bewusstsein für den Wert persönlicher Information entstanden, was heute jedem Kind beigebracht wird. Allerdings seien die Schritte vom Skandal zur Eigenständigkeit kein leichter Weg gewesen. Viel komfortabler sei es gewesen, einem Netzwerk naiv zu vertrauen als selber über die Art der Datenspeicherung Bescheid zu wissen. „Und ein eigener Webserver war damals immerhin so etwas besonderes, wie ein privates Flugmobil heute.“ ergänzt die Lehrerin. Und sie muss es wissen. Schließlich hatte sie damals die ersten statischen Internetseiten, den Wandel zu nutzerorientierten Web-2.0-Anwendungen, die Einführung der semantischen Suchfunktionen des Web3 und die Revolution hin zu persönlicher Datenspeicherung selber miterlebt. Welche Rolle sie im Kampf gegen die staatliche Kontrolle aller Netzdaten gespielt hatte, darüber möchte sie nicht reden. Aber sie schaut so geheimnisvoll, dass den Schülern klar ist, dass in ihrem privaten Erfahrungsspeicher sicher einige brisante Informationen lagern. Und wieder einmal sind sie froh, dass sich das kommerziell orientierte Internet der Jahrtausendwende in ein tatsächlich freies Informationsnetz mit zentraler Wissensdatenbank und dezentral gespeicherten Nutzerdatenbanken gewandelt hat. Gerne zahlen sie für diese Infrastruktur einen kleinen Beitrag und sind dafür sicher, ihre eigene Meinung auch online vernetzt mit den weltweiten Freunden teilen zu können, ohne dass sie dafür vom System gesperrt werden könnten.

Gamification About Squares

www.aboutsquares.com
Der Weg ist intuitiv…

Kürzlich habe ich das Browsergame www.gameaboutsquares.com entdeckt, das mich schnell gefesselt hat. Es geht dabei um Quadrate.  Mehr nicht. Schnell erklärt, schnell geladen, aber langer Knobelspass. Und um ehrlich zu sein, bei Level 35 hab ich irgendwann aufgegeben…

Ich schreibe aber nicht darüber, um entscheidende Tipps für den „Endgegner“ zu bekommen, sondern, weil ich das konsequent minimalistische Konzept bemerkenswert finde. Es gibt auf der Startseite kein Menü, keine Auswahl, keine Hilfedatei und keine wortgewandte Erklärung.

Das erste Level besteht aus einem roten Quadrat mit einem Pfeil. Spontan klicke ich darauf und – wie erwartet – bewegt sich das Quadrat in diese Richtung. Wenn ich den roten Kreis erreiche, ist das Level gelöst. Das war ja einfach.

Der Weg ist klar...
Auch das ist klar…

Bei Level 2 kommt ein blaues Quadrat und ein blauer Kreis dazu. Später können die Quadrate die Richtung ändern und sich verschieben. Aber mehr als vier Farben und vier Richtungen werden es nie.

Das Spiel kommt komplett ohne Spielregel aus. Zwischen jedem Level gibt es einen Joke, der teilweise auf das Spiel bezogen ist, teilweise auch einfach nur bei Laune halten soll. Der Spaß steht im Vordergrund. Dieses Prinzip steht stellvertretend für einen Ansatz, den man Gamification nennt. Spielend lernen. Wenn Kinder zwar keine 20 Englisch-Vokabeln pro Woche behalten, aber 150 Pokemon-Namen inklusive Abhängigkeiten in 2 Tagen auswendig können, zeigt das, welche Motivation von einem guten Spielsystem ausgehen kann. Jetzt sind weder Pokemon noch Quadrate das primäre Ziel von typischen Lehreinheiten, aber wer verstanden hat, dass Menschen spielerisch viel leichter (und lieber) lernen als durch lange Texte, komplizierte Vorträge oder gar Druck und Stress, der kann seinen Inhalt in einfache Aufgaben verpacken, die man spielerisch erledigen kann.

eigentlich ganz einfach...
eigentlich ganz einfach…

Klar sind komplexe wissenschaftlichen Themen oft zu vielschichtig für einfache Spiele, aber in jedem Thema steckt eine einfache Wahrheit, die man spielerisch verstehen kann. Und mentale Kombinationen aus mehreren Spielergebnissen sind im Zweifel immer noch leichter als rein theoretisch erworbenes Wissen zu behalten.

Intuitiver Wissenserwerb ist im Web-2.0 dank durchdachter Steuerung möglich und nötig, um den Überfluss an Textinformationen bearbeiten zu können. Menschen müssen Fakten schnell beurteilen. Dabei sollte man gerade im Internet immer harte Kernkriterien im Hinterkopf haben, um Falschmeldungen, ironsiche Berichte, manipulierte Grafiken oder bösartige Bedrohungen sofort zu erkennen und korrekt zu behandeln.

4-jährige können statistisch gesehen Smartphones genausogut bedienen wie 45-jährige. Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte und wer mit Icons kommuniziert, spart Denkleistung bei den Lesern. So bleibt Kapazität, um inhaltlich und kreativ zu denken. Das ist die Aufgabe der Zukunft: alltägliche Aufgaben so spielerisch zu erledigen, dass wir uns den wirklich spannenden Fragen widmen können. Egal ob es dann um kirchlich-religiöse Kommunikation, Wissenschaft oder Kunst geht, dürfen wir „werden wie die Kinder“, um himmlisch zu kommunizieren.

Formen von Gemeinschaft

Oft werde ich gefragt, wie meine unterschiedlichen Betätigungsfelder zusammen passen. Ganz einfach: Es geht mir darum, Gemeinschaft zu stärken.

Physische Gemeinschaft

(c) privat
Physische Gemeinschaft am Strand

Wenn ich sportlichen Rock’n’Roll und klassischen Gesellschaftstanz unterrichte und Menschen bei Wochenend-Freizeiten zum Schwitzen und Entspannen bringe, kommt man sich näher. Man erlebt etwas, findet Freunde. Ebenso bei Cocktailabenden, Hochzeiten, Feiern und anderen Events, wo Menschen sich begegnen. Überall da, wo positive Gemeinschaft gelebt wird, bin ich gerne dabei und helfe durch meine Erfahrungen, das Gute zu etwas Besonderem zu machen.

Virtuelle Gemeinschaft

(c) Andreas Kutter via Foto-Community
Virtuelle Gemeinschaft im Internet

Auch wenn sich Menschen im Internet austauschen findet Gemeinschaft statt. Sicher eine andere Form mit reduzierter Kanalvielfalt. Fehlende Gestik, Mimik und Haptik reduzieren die zwischenmenschlichen Schwingungen. Daher sind digitale Begegnungen oft stringenter und nutzen die vorhandenen Möglichkeiten (Text, Fotos, Audio, Videostreaming) besonders bewusst, um über weite Strecken hinweg persönliche Gemeinschaft zu erleben. Egal ob ein Gottesdiesnt, ein Konzert, privater Austausch oder Geschäftskommunikation, einmalige Events, Kampagnen oder regelmäßige Beiträge. Ich mag es, wenn das menschliche durch maschinelle Kanäle hindurch erhalten bleibt. Denn auch ohne körperliche Anwesenheit kann dann echte Gemeinschaft entstehen.

Spirituelle Gemeinschaft

Christus-Treff Marburg
geistliche Gemeinschaft im Gottesdienst

Wenn Menschen Gott begegnen und geistlich auftanken ist das immer ein intimer und persönlicher Moment. Das kann ganz alleine („im stillen Kämmerlein“) passieren oder gemeinsam mit anderen Menschen. Oft im Gottesdienst gemeinsam an einem Ort, aber auch darüber hinaus mit Christinnen und Christen aller Zeiten und an allen Orten. Geistliche Gemeinschaft ist schon vom Prinzip her ortsunabhängig, von daher mag ich es besonders, neben kreativen Vor-Ort-Konzepten auch neue digitale Medien und virtuelle Vernetzung in Gottesdienste zu integrieren. So kann man zeitgemäß feiern und den Kontakt zu Menschen und zu Gott ganzheitlich erleben.

Buch-Cover: "Gott - gefällt mir!"
Buch: „Gott – gefällt mir!“

Ganzheitliche Gemeinschaft

In diesem Sinne bin ich also ein Gemeinschaftsmensch. Ich mag es, alle drei Ebenen zusammen zu denken und Menschen zu motivieren, sie auch kombiniert umzusetzen. Wie ist das bei dir?

  • Bist du eher der Face-To-Face-Typ? Dann denk mal drüber nach, wo du weit entfernte Menschen mit Social Media noch besser erreichen kannst.
  • Bist du eher der Online-Nerd? Dann überleg mal, ob es in deiner Nachbarschaft Personen gibt, die du mal wieder besuchen könntest.
  • Bist du eher rationaler Humanist? Dann versuch mal, dich auf Gott einzulassen. Egal ob online oder offline. Im Stau oder im Wald. Er hat uns für Gemeinschaft geschaffen und antwortet, wenn wir mit ihm reden. Manchmal durch ganz konkrete Situationen, machmal durch Ereignisse, Menschen oder Gefühle.
  • Bist du verantwortlich für Events, Gemeinde- oder Firmenkommunikation? Dann lass uns ins Gespräch kommen. Gerne berate ich, schule Mitarbeiter oder zeige in Impulsvorträgen Ideen auf, wie man mit dem, was man schon macht, noch effektiver Menschen in Gemeinschaft führen kann 🙂

Iconic Church

Seit den 90er Jahren reden Geisteswissenschaftler aller Fachbereiche vermehrt vom Iconic Turn. Sie meinen damit, dass Icons/Grafiken immer stärker unsere Wahrnehmung prägen. Wo vorher Texte die Welt erklärt haben, treten jetzt Bilder ins Zentrum. Egal ob es um die Bedienung von ComputeScripture Iconrn und Smartphones geht, um Symbole auf Schildern oder um Internetseiten. Dass Fotos als Blickfang wirken, ist schon lange bekannt. Mittlerweile wird das Bild aber durch Netzwerke wie instagram immer öfter zum Hauptbestandteil der Nachricht.

Gerade habe ich einen Text darüber für die EKD-Synode im November geschrieben. Das inspiriert mich, auch hier nochmal weiterzudenken.

Die intensive Bildkommunikation beeinflusst auch, was Menschen erwarten, wenn sie Vorträge oder Shows sehen. Die Aufmerksamkeitsspanne sinkt, immer öfter muss man gerade junge Zuhörer „aufwecken“ oder medial „bei der Stange halten“. Und selbst im Gottesdienst ist ein adequater Medieneinsatz unerlässlich. Dabei ist allerdings zu beachten, dass die Medien auch schnell zu viel Aufmerksamkeit bekommen und vom eigentlichen Inhalt ablenken können. Wenn eine Theaterszene oder ein Filmausschnitt die Predigt vorbereitet, können die Worte tiefer wirken. Wenn sich am Ende aber niemand an den Predigttext erinnert, sondern der mediale Effekt memoriert wird, ging der Schuss nach hinten los.

Was macht das mit dem Evangelium? Ich wage mal zu behaupten, dass Predigten, die diesen Paradigmenwechsel ernst nehmen, näher dran sind an den Gleichnisreden Jesu. Nicht mehr so verkopft, wie die Wort-Theologie der Reformationskirchen, sondern einfach und lebensnah. Kurze Redeblöcke mit leicht zu merkenden Kernsätzen. So konnten schon vor 2000 Jahren Menschen das „Reich Gottes“ in Geschichten aus ihrer Erfahrungswelt lebendig erfahren.

Vielleicht sind passende Bilder heute nicht mehr aus der Landwirtschaft und dem Hausbau, sondern aus dem Sport, der Disko, dem Internet. Das Thema bleibt sicherlich Gottes Liebe und Gnade. Aber womit man sie vergleicht, darf sich nach der Zielgruppe richten. Auch ob man Bilder auf Papier malt, virtuell in Köpfen entstehen lässt oder digitale Medien nutzt, kann variieren. Wer alle Methoden beherrscht, kann sich je nach Szenario das passende Medium aussuchen. Die Wende hin zu Bildern heißt ja nicht, dass die Schrift oder Sprache völlig untergeht. Was bleiben wird ist ein Medienmix. Da, wo man mit Worten etwas exakter ausdrücken kann, werden sie weiter genutzt werden. Da wo Bilder Emotionen verdeutlichen können, macht es Sinn, diese einzusetzen. Und eine Mischung aus Grafiken und Texten mit alltagsrelevanten Beispielen wird meist den besten Effekt erziehlen. Egal ob von der Kanzel gesprochen, auf Facebook gepostet oder als Video bei YouTube.

Von allen Seiten…

Neulich beim WM schauen am PC war ich in der ZDF-Mediathek unterwegs. Es ist schon beeindruckend, wie man nicht nur das Live-Spektakel, sondern auch Zusatzinfos und weitere Kameraperspektiven digital nach Hause geliefert bekommt. Und für die Highlights gibt es schon während des Spiels die MultiAngle-Auswahl: selber zwischen den 19 Kameras im Stadion hin und her schalten.

WM2014_MultiAngleViewSo bleibt nichts verborgen. Jedes Foul und jede Glanztat wird perfekt sichtbar, wann immer der Zuschauer es möchte. Die Spieler können sich nicht mehr verstecken und jede Schwalbe wird knallhart aufgedeckt. Das erinnert mich an einen alten Text:

„Herr, du erforschest mich und kennest mich. Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne. Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege. Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, HERR, nicht schon wüsstest. Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.“ (Psalm 139, 1-5)
Bei Gott ist unser Leben transparent wie im Fußballstadion. Nicht nur 19 Kameras beobachten uns, sondern Gott kennt uns durch und durch. Diese Größe und Allmacht ist zu hoch, um sie zu begreifen, heißt es im Psalm. Gott kennt uns schon im Mutterleib, bevor das erste medizinische Bild von uns geschossen wird. Und er kennt uns am Totenbett, wenn die letzten Fotos im Familienkreis gemacht werden. Er beobachtet jeden Moment unseres Lebens und weiß sogar, warum wir etwas tun.
Da machen Schwalben und die Vortäuschung falscher Tatsachen nicht viel Sinn. Besser ist es, von Anfang an ehrlich zu spielen – nach Gottes Regeln eben. Denn er weiß, wo wir mit fairen Mitteln um den Sieg kämpfen und wo wir nur unseren Vorteil suchen, ohne die Regeln einzuhalten.
Wichtig ist: Gott ist keine menschliche Instanz, die uns zum eigenen Vorteil überwacht und die Privatsphäre auflöst. Denn das wäre selbst wieder unfair. Gott ist größer, seine Gedanken unzählbar:
„Wie schwer sind für mich, Gott, deine Gedanken! Wie ist ihre Summe so groß! Wollte ich sie zählen, so wären sie mehr als der Sand: Am Ende bin ich noch immer bei dir.“ (Vers 17-18)
Aber Gott überwacht uns nicht zur Unterhaltung, wie wir die Fußballer. Auch nicht aus Spionagezweck, wie die NSA. Gott ist für uns. So endet der Psalm:
„Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich’s meine.Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege.“ (Vers 23-24)
Das ist ganz gewiss keine Bitte an die NSA, doch bitte noch etwas mehr zu schnüffeln. Und auch keine Aufforderung an die FIFA, noch mehr Kameras aufzustellen, um auch die Zuschauer auf dem Weg zur Toilette beobachten zu können. Es ist ein Wunsch an Gottes Gerechtigkeit. Schau mir ins Herz, Gott, und korrigiere meine Absichten.
David Luiz Moreira MarinhoDas hat auch David Luiz erkannt. Der brasilianische Profifußballer weiß, dass Gottes Führung ausreicht. Er gibt auf dem Platz alles und verlässt sich darüberhinaus auf Gottes Planung.
Und letztlich zählt in seinem Leben nicht so sehr, was die 19 Kameras auf dem Platz filmen, sondern was in seinem Herzen passiert. Gerade auch, wenn er mal nicht erfolgreich ist oder garnicht mitspielt.
So seh ich das auch. Und ich schau mir gerne nochmal die Highlights der Spiele aus allen Perspektiven an. Auch wenn das nichts mit meinem Seelenheil zu tun hat, ist es doch ein cooles Spielzeug und eine technische Glanzleistung. Vielelicht hat das Public Viewing der nächsten WM dann Haupt- und Seitenleinwände, um parallel auch die vielen schönen Extras anzuzeigen 🙂