Die Osterdramaturgie

In den letzten Jahren beginne ich, die Dramaturgie von Ostern zu wertschätzen. Bewusst nicht jeden Tag des „Oster-Wochenendes“ gleich fröhlich zu feiern, sondern zu begreifen, welche emotionale Achterbahnfahrt Jesus durchgemacht hat und sie mir auch zuzumuten, ohne vor dem Leid wegzulaufen.

Dieses Jahr haben wir in Erfurt am Gründonnerstag eine Tischgemeinschaft organisiert, bei der neben einem liturgischen Teil mit Abendmahl das gemeinsame Essen im Vordergrund stand. Ohne Fußwaschung und ohne Verrat, aber mit dem Gefühl, nochmal mit guten Freunden zu Tisch zu sitzen, bevor ein hektisches Wochende beginnt.

Zu den Szenen von Jesu Verurteilung am Karfreitagsmorgen durfte ich dieses Jahr predigen (Predigt als Audioaufnahme, 21 min, Anfang fehlt leider). Zwar bereits vorgezogen am Palmsonntag, aber dramaturgisch passend habe ich die Aufnahme am Freitag nochmal nachgehört, als ich Karfreitag  zu meiner Familie gefahren bin.

Karsamstag ist der „Zwischentag“ ohne festes Programm. Die Jünger waren verunsichert, zerstreut. Sicherlich haben einige auch ihre Familien mal wieder gesehen, die sie für die Jüngerschaft verlassen hatten. Zumindest war ich mit meiner Familie unterwegs. Kein tief geistliches Programm, sondern ein Tag zwischen den Ereignissen.

Den Ostersonntag beginne ich gerne mit einer Osternachtsfeier, die im dunkeln beginnt und liturgisch in die Auferstehung hinein feiert. Das konnten wir in Ingolstadt erleben, wo lebendige Geschichten von Dunkelheit in der heutigen Welt die Folie bildeten, um die Auferstehungsfreude zur Geltung kommen zu lassen. Mit geteiltem Osterlicht ging es dann zum Frühstück und fröhlichen Familienausflug vor dem traditionellen Ostergrillen in Erfurt.

Und der Ostermontag? Bisher kenne ich noch keine einleuchtende Tradition für diesen Tag. Vielleicht ein echtes Entspannen nach diesen emotionalen Tagen? Vielleicht ein Beisammensein mit Erzählen und sich Wahrnehmen? Vielleicht eine Zeit der Buße für Verleugnung, persönliche Schuld und Gnadenerfahrung?

Dieses Jahr werde ich einfach frei haben und das sacken lassen, was ich im letzten Jahr und den letzten Tagen erlebt habe.

Wenn du Ideen oder Anregungen dazu hast, lass es mich gerne wissen!