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auf dem Weg zu wem?

Jetzt sind sie vorbei, die Kirchentage 2017…
Paralleles Programm in neun Städten am Himmelfahrts-Wochenende bot die Möglichkeit, mit möglichst vielen Leuten das Reformationsjubiläum zu feiern. Und es gab fantastische Inhalte, tolle Konzepte und sehr viele engagierte Menschen, die sich super eingebracht haben. Aber die Chance, mit den Teilen der (ostdeutschen) Bevölkerung zu feiern, die sonst eher wenig mit der Kirche zu tun haben, wurde weitestgehend verpasst. Das ist schade.

Es gab große Gottesdienste (z.B. in Wittenberg)
Es gab hochkarätige Kirchenmusik (z.B. die Augustinerkantorei Erfurt)
Es gab wichtige Themen (z.B. Schwerpunkt Medien in Magdeburg)
Und, ja, es gab auch in allen Orten Möglichkeiten, um ganz offen zusammenzukommen. Bunte Kaffeetafeln, Begegnungsabende, öffentliches Theater oder Marktplatzmusik.

Ich war selber bei einigen dieser Veranstaltungen unterwegs, um medial zu berichten und habe viele Menschen getroffen, die eine tolle Zeit hatten, neue Freunde gefunden haben und zumindest Kirche als gastfreundlich erlebt haben.
Aber ich habe auch Marktplatz-Bühnen erlebt, an denen Passanten ratlos vorbeigingen, weil sie nicht informiert wurden, wann hier was passieren wird. Das Programm war gut gehütetes Geheimwissen in Programmheften. Der „normale Bürger“ wurde weder zum Gottesdienst, noch zum Konzert öffentlich eingeladen noch wurde ihm überhaupt mitgeteilt, dass er eingeladen wäre, mitzufeiern.

So blieb manch gut gemeinte Veranstaltung relativ unbesucht, während nebenan im Park derweil ganze Studentenhorden und junge Familien entspannt auf der Wiese lagen und das Leben genossen.

Warum machen wir eigentlich immer so viel Programm und sind nicht viel mehr einfach da? Warum fragen wir nicht mal die Menschen um uns herum, was sie sich wünschen würden und schaffen Orte, wo man gemeinsam sein kann? Ich hätte mich gefreut, wenn lokale Studenten und „Kirchentagstouristen“ in einer gemeinsamen Grill&Chill-Lounge miteinander ins Gespräch kommen können oder wenn man Kirche zumindest in einer Art und Weise präsentiert, dass Menschen vor Ort wahrnehmen: Da bin ich willkommen, da werde ich gesehen, ernst genommen, das ist etwas, das mit meinem Leben etwas zu tun haben könnte.

So sollte Kirche sein, nicht nur die Kirchentage, sondern der Kirchenalltag. Mittendrin im Leben. Nah dran an den Menschen. Nicht nur an denen orientiert, die eh schon da sind, sondern an denen, die in unserem Stadtteil/Dorf/Gebiet zu Hause sind. Dann sind Medienzentren keine Fremdkörper neben der lokalen Medienuni, sondern Kooperationspartner. Dann werden Innenstadtbühnen gemeinsam mit lokalen Kulturgrößen gestaltet und beworben, damit das potentielle Publikum vor Ort sie auch findet. Und Kirche wird wieder zu einem Kommunikator der Gnade Gottes für Menschen in einer oft gnadenlosen Welt.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schwer das ist. Deshalb möchte ich garnicht so viel meckern, was „man“ anders hätte machen müssen… Ich freue ich mich an dem, was gut lief und mache mir Gedanken, wie in Zukunft noch mehr Menschen daran teilhaben können. Nicht erst beim #dekt19 in Dortmund, sondern vielleicht schon diesen Sommer! Macht ihr mit?

Der Herr ist auferstanden!

Karsamstag, Jesus ist beerdigt. Die Jünger verängstigt, zerstreut, versteckt. Alles scheint vorbei zu sein.

Ostermorgen, das Grab ist leer. Wurde der Leichnahm gestohlen und versteckt? Doch einige sagen, Ihnen wäre Jesus begegnet. Das hat sie verändert, ermutigt zum Guten.

Und dass wir heute, kanpp 2000 Jahre später immer noch davon sprechen und dieses Ereignis feiern, zeigt, wie zentral diese Begegnungen unser Weltgeschehen verändert haben. Was genau in dieser Osternacht geschah, können wir wohl nie wissenschaftlich erforschen. Aber der Glaube an den Auferstandenen gibt seither zahlreichen Menschen Kraft und befreit.

Nachdem ich bereits über das Kreuz und den Passionsfilm von Mel Gibson geschrieben habe, möchte ich heute von einem anderen Film erzählen, der für mich zu den Ostertagen gehört. Er fängt ungefähr da an, wo Mel Gibson aufhört und kommt dementsprechend mit deutlich weniger Gewalt aus. „Auferstanden“ ist ein amerikanischer Spielfilm aus dem Jahr 2016, der aus Sicht eines römischen Soldaten (Clavius, gespielt von Joseph Fiennes, den einige schon als Martin Luther kennen) die unglaubliche Geschichte erzählt, wie ein jüdischer Aufrührer hingerichtet wird, die Oberen extra eine Grabbewachung ordern und dennoch nach zwei Nächten das Grab leer ist. Jetzt beginnen die Ermittlungen und bringen viele Fragen mit sich.

Spannend, weil der Film sich relativ nah an den biblischen Quellen orientiert, aber dennoch eine Geschichte erzählt, die darüber hinaus geht und filmisch gut inszeniert ist. Anfangs will Clavius nur irgendeine Leiche finden, um seine eigene Haut zu retten. Am Ende geht es ihm darum, die Wahrheit herauszufinden und zu begreifen, was das für ihn bedeutet, falls ein Mensch, den er sterben sah, tatsächlich wieder leben sollte.

Die Frage sollten wir uns auch immer wieder stellen: Was hat Jesu Tod und seine Auferstehung mit uns heute zu tun. Was bringt es uns, daran zu glauben? Was verändert es, wenn er tatsächlich lebt? Und welche Perspektive hat unser Leben, wenn Jesus uns persönlich begegnen kann? Mit oder ohne Film wichtige Fragen.

Frohe Ostern euch allen.

Der Herr ist auferstanden!

 

Dass du mich einstimmen lässt…

Gestern haben wir im Gottesdienst ein Lied gesunden, dass ich aus meinen Kindertagen kenne. Es ist ein locker-flockiges (Kinder-)Lied. Aber erst gestern ist mir bewusst geworden, wie viel theologischer Tiefgang in dem Lied steckt:
„Dass du mich einstimmen lässt in deinen Jubel, o Herr, deiner Engel und himmlischen Heere; das erhebt meine Seele zu Dir, oh mein Gott, großer König, Lob sei Dir und Ehre!“*
1. Gott jubelt.
Egal, wie kaputt die Welt uns oft scheint, Gott ist am Jubeln! Vielelicht, weil ein Sünder umkehrt(Lk 15,7) oder einfach so… Bei Gott herrscht Freude und nicht Trauer. Das macht Hoffnung!
2. Mit ihm jubeln auch seine Engel und die himmlischen Heere.
Gott jubelt nicht alleine: Die Engel, also Wesen die er geschaffen hat, um in seiner Gegenwart zu sein, jubeln mit ihm. Ebenso die Heerscharen, die man sonst primär aus der Weihnachtsgeschichte kennt. Wow, ein imposantes Bild!
3. Ich darf dabei sein.
Ich bin jetzt nicht der begabteste Sänger und in Gottes Herrlichkeit stelle ich mir das Niveau noch höher vor als bei Willow Creek 😉
Dennoch bin ich nicht nur Zuschauer, sondern darf mitmachen! Das ist faszinierend! Gott lässt mich einstimmen in den himmlischen Jubel.
4. Ich mache das nicht als Dienst für Gott, sondern werde selber dadurh erhoben.
Ich opfere nicht einen Teil meiner Zeit, um Gott zu erheben, sondern wenn ich mich auf ihn einlasse, erhebt das mich! Ich werde erhöht aus meiner kleinen Welt hin zum Schöpfer aller Dinge!
5. Durch den Lobpreis Gottes erkenne ich seine Größe.
Es ist Gnade, dass ich dabei sein darf, das führt mich in den Lobpreis. Auch die anderen sind durch Gottes Gnade da und niemand muss sich verstecken. Wir sind alle nicht perfekt, aber durch ihn gerecht gesprochen. Dafür möchte ich ihm zujubeln!
6. Das führt zu Inklusion und offenen Strukturen!
Wir sollten viel mehr Menshen mitnehmen, wenn wir Gott zujubeln, damit sie seine Herrlichkeit erkennen können! Der Gottesdienst ist schon lange vorbei, aber das Lied begleitet mich und bringt mich immer wieder dazu, Gott zuzujubeln.
Wer jubelt mit?
*) Text und Melodie: 1976 Jesus-Bruderschaft (Gnadenthal). Die sechs Strophen unterschlage ich hier mal großzügig, aber alle münden wieder in diesen Refrain…

Komm, Herr, segne uns!

Gerade war ich bei einer Netzwerkveranstaltung kirchlicher Öffentlichkeitsarbeiter, bei der als Abschlusss dieses Lied von Dieter Trautwein gesungen wurde (in einer etwas peppigeren Version!).

Dabei kamen mir folgende Impressionen:

Komm, Herr, segne uns, daß wir uns nicht trennen,

Wir bleiben vereint, auch wenn wir auseinander gehen. Virtuelle Netzwerke sind im Herzen von Menschen schon 1978 Realität. Und wir haben durch Social Media nun wirklich die Möglichkeit, aktiv in Verbindung zu bleiben.

sondern überall uns zu dir bekennen.

Nachdem gestern ein bekannter Journalist es als Heldentat begreift, scheint das Christusbekenntnis ja wirklich ein großer Schritt zu sein. Klar, Todesstrafe haben wir dafür nicht zu befürchten, aber das Bewusstsein, sich im Alltag als Christ zu bekennen, für die Kirche und für Gottes Liebe einzustehen und bei Streitfragen Position für Nächstenliebe und Gerechtigkeit zu beziehen ist oft eine Herausforderung. Warum nur? Vielleicht sollten wir etwas offener und positiver darüber reden, dass wir in direkten Draht zum mächtigsten Wesen des Kosmos stehen?! Probleme? – mal kurz (im Gebet) beim Chef nachfragen!

Nie sind wir allein, stets sind wir die Deinen.

Das entlastet. Ich muss garnicht immer alles selber hinbekommen, sondern kann vertrauen, dass Gott bei mir ist und mir zur rechten Zeit die passenden Worte geben wird, um mich zu ihm zu bekennen. Im Internet redet man ja viel von Schwarmintelligenz und Massen, die die Welt verändern. Dabei sind es schon seit 2000 Jahren die (oft im Untergrund beginnenden) Ströhme christlicher Nächstenliebe, die Strukturen umwälzen und für die Schwachen eintreten. Kirche – das sind nicht die, die schrumpfen, sondern das ist die große Gemeinschaft der weltweiten Christenheit, die Teil einer Revolution der Liebe ist!

Lachen oder Weinen wird gesegnet sein.

Ja, es wird auch als Christ Leid geben und es ist nicht alles eitel Sonnenschein. Aber das, was kommen wird, wird am Ende gut und gesegnet sein, weil Gott dabei ist. Und deshalb dürfen wir auch mehr sein als ein institutionelles Leidens-Gedächtnis. Wir dürfen lachen, feiern und tanzen. Wir dürfen uns miteinander freuen und mit Gottes Blick auf das Leid der Welt sehen. Und wir dürfen die, die trauern, zum Fest des Glaubens einladen, das wir täglich feiern!

Keiner kann allein Segen sich bewahren.

Wir brauchen die menschliche Gemeinschaft, auch wenn es oft anstrengend ist, man sich über andere Christen oder „die Kirche“ aufregt oder fremd schämt. Aber ein von Gott gesegnetes Leben können wir nur als Gemeinschaft führen (ohne stille Einkehrtage grundsätzlich auszuschließen). Daher ist es gut, auch über den Tellerrand zu schauen. Ökumene, internationale Begegnungen und Offenheit für andere Christen, hilft mir meine Engstirnigkeit zu erkennen und Gottes Weite zu erleben.

Weil du reichlich gibst, müssen wir nicht sparen.

Ein Satz, der oft für Schmunzeln sorgt, wenn man vorher über knappe Finanzbudgets geredet hat. Wie schön, dass wir bei der Weitergabe von Gottes Segen tatsächlich nicht sparen müssen und dass wir dadurch mit einem offenen Herzen auf Menschen zugehen können, weil wir reichlich geben können! Diesen Gestus wünsche ich mir viel öfter in christlichen Verlautbarungen. Und auch bei neuen Methoden und Formen sollten Christen nicht sparsam auf bekanntem beharren, sondern aus der Fülle der Möglichkeiten schöpfen.

Segen kann gedeihn, wo wir alles teilen,

bei Twitter, Facebook, Instagram und dem Gemeindekaffee können News schnell die Runde machen. Teilen ist angesagt. Auch die Bohrmaschine für den Nachbarn, das gemeinsame WLAN oder Car-Sharing. Was uns von Gott anvertraut ist, können wir gemeinsam zu seiner Ehre einsetzen statt egoistisch zu horten. Und auch gute Infos dürfen wir in unserem Kommunikationsnetzwerk mit-teilen, um andere an unseren Erkenntnissen teilhaben zu lassen. Das ist kirchlich noch zu oft ein ignoriertes Lernfeld, das an wenige Experten delegiert wird, statt es fundamental als geistliche Wahrheit zu begreifen.

schlimmen Schaden heilen, lieben und verzeihn.

Das ist oft garnicht so einfach, wenn mir doch unrecht getan wude und ich gekränkt bin. Da muss ich meinen Stolz und Trotz zurücknehmen, auf das größere Bild schauen und kann in Liebe Vergebung aussprechen. Und mitunter wird mir bewusst, dass auch ich oft Schaden anrichte und auf die Vergebung angewiesen bin. Gott sagt seine Vergebung jedem zu, der zu ihm umkehrt. Dem Beispiel dürfen wir folgen – auch initiativ!

Frieden gabst du schon, Frieden muß noch werden, wie du ihn versprichst uns zum Wohl auf Erden.

Wir vertrauen schon darauf, dass Gottes Reich kommt, auch wenn wir täglich von Krieg, Gewalt, Tod und Trauer auf der Welt hören und sehen. Alles Leid dürfen wir Gott klagen, der den Krieg schon gewonnen hat, während die letzten Kämpfe um uns herum noch brodeln. Und Frieden ist das Ziel, das Gott zu unserem – aller Menschen – Wohl geplant hat.

Hilf, daß wir ihn tun, wo wir ihn erspähen –

Wir müssen nicht tatenlos zuschauen, sondern sollen aktive Friedensstifter sein. Wenn wir Gott fragen, was er angesichts einer Situation tut, kann es sein, dass er antwortet „Ich sende dich, um zu Frieden zu stiften!“.

die mit Tränen säen, werden in ihm ruhn.

Die Zusage bleibt hoffnungsvoll. Denn nicht die Tränen sind das Ziel. Nicht das Leid wird glorifiziert. Aber trotz der Rückschläge, Verletzungen und Kämpfe, werden(!) wir in Gott ruhen. Sein „Shalom“ bleibt bestehen auch im hektischen Alltag der Öffentlichkeitsarbeit und der sich schnell wandelnden Internetkommunikation.

Es bleibt der demütige Wunsch (der nicht mit einer Forderung oder einem Befehl zu verwechseln ist) in allem frommen Aktionismus: Komm, Herr, segne uns!

Das wünsche ich allen Teilnehmern der Veranstaltung, die jetzt auf dem Heimweg sind, allen, die mit uns tagtäglich aktiv kirchliche und diakonische Öffentlichkeitsarbeit gestalten und allen, die sich unter Gottes Segen stellen wollen.

Amen.

Immer noch „Nun“

Das arabische Schriftzeichen Nun ging um die Welt. Auf Facebook und Twitter, auf Postkarten und T-Shirts, bei Gebets-Flashmobs und in Diskussionen haben sich seit Sommer 2014 tausende Menschen hinter die Opfer von religiös motiviertem Terror gestellt und für Glaubensfreiheit protestiert. Auch ich habe damals mein Facebook Profilbild angepasst und den folgenden Text übernommen:

Arabisch „N“ für Nazarene, also „Nazarener/Christ“ ist das Zeichen, mit dem militante ISIS Anhänger die Häuser von Christen in Mossul markiert haben. Inzwischen mussten alle Christen Mossul verlassen.
Mein verändertes Profilbild soll zeigen: ich bin auch einer von denen, die mit diesem Jesus unterwegs sind und ich leide mit meinen Schwestern und Brüdern, die um ihres Glaubens willen verfolgt werden – im Irak, in Syrien, in Nigeria und an so vielen anderen Orten.
Und ich wünsche mir, dass sich Menschen muslimischen Glaubens von diesem barbarischen und unmenschlichen Verhalten distanzieren und es vorbehaltlos verurteilen – gerade diejenigen, die politische oder religiöse Verantwortung tragen.
Zugleich steht aber dieses „N“ auch dafür, dass NIEMAND um seines Glaubens willen verfolgt, mißhandelt, seiner Menschenrechte beraubt oder getötet werden soll.

Seit Sommer ist einige Zeit vergangen, das ganz große Medienecho ist verschwunden und auch die Profilbilder sind weitestgehend wieder echten Köpfen gewichen. Ich habe schon mehrfach nachgedacht, mein Gesicht wieder zu zeigen, weil das ja eigentlich der Sinn des Profilbildes ist und ich möchte, dass Leser meine Kommentare zuordnen können. Aber da die Situation gegen die ich protestiere in keinster Weise besser geworden ist, habe ich mich jedes Mal dagegen entschieden.

In den letzten Wochen kam mir jetzt allerdings der Gedanke, dass ich mich wunderbar hinter dem einmal gesetzten Profilbild verstecke und bei weiteren Schreckensmeldungen eher abschalte. Immer noch werden Menschen wegen ihres Glaubens verfolgt. Und als Abschluss meiner Nun-Foto-Zeit möchte ich deren Schicksal bewusst nochmal thematisieren. Ich lese von grausamen Massakern, Folter und Exekutionen aus Syrien, dem Lybanon, Ägypten, Sudan, Indien, Irak oder auch in anderer Form aus Frankreich, England, den USA und Deutschland. Egal ob es dabei um Alltags-Antisemitismus, um gefolterte Moslems in amerikanischen Gefängnissen, Selbstjustiz durch militante Abtreibungsgegnern oder Peitschenhiebe für das Aussprechen einer unbequemen Wahrheit geht. Ich fordere Glaubensfreiheit für Menschen aller Kulturen und Überzeugungen. Der Mainstream des Christentums hat in einem langen und blutigen Prozess gelernt, Liebe statt Hass zu verkünden, große Strömungen im Islam sind da scheinbar noch auf dem Weg (ich beziehe mit mit diesen Pauschalisierung nicht auf einzelne Gläubige, sondern auf das mir durch die Medien offenbarte Bild der Mehrheitsströhmungen). Auch Anhänger des Buddhismus, Hinduismus und Atheismus sind durchaus zu menschenverachtenden und gewalttätigen Repressionen in der Lage. Und für ein globales Miteinander ist es nötig, dass Extremisten auf allen Seiten lernen, einander stehen zu lassen.

Um auf die Situation verfolgter Christen hinzuweisen, informiert OpenDoors jährlich im Weltverfolgungsindex über Verfolgungssituationen.

Wenn ich nun also nicht mehr mit meinem geänderten Profilbild demonstriere trete ich immer noch für weltweite Glaubensfreiheit und Liebe statt Hass ein und gegen ein Vergessen oder Verharmlosen der bestialischen Grausamkeit, die auch heutzutage für viele Menschen bittere Realität ist.

Folge dem Stern-Pfeil

Je nach Tradition endet die Weihnachtszeit in den meisten Kirchen heute oder am kommenden Wochenende. Weihnachten? Irgendwie scheint das alles schon so lang her zu sein. Lebkuchen seit Ende August, Weihnachts-Deko seit September, Geschenke kaufen seit Oktober und Glühwein ab November. Da freut man sich, wenn am 26. Dezember endlich alles vorbei ist …
Eigentlich ist es andersrum gedacht: Weihnachten ist nicht das Ende, sondern der Anfang der Freudenzeit. Ursprünglich war die Adventszeit eine Fastenzeit (ähnlich wie vor Ostern) und ab Heiligabend wurde dann die Geburt Christi gefeiert bis (mindestens) zum 6. Januar.
Daher kommt ja auch mein traditioneller Weihnachts-Rundbrief immer erst im Januar und heute hier schonmal ein Auszug daraus für euch als Weihnachtsgruß:

„In welche Richtung willst du gehen?
Alles hat Folgen.
Forscher & Arbeiter, die nicht alles hatten,
ein Architekt und ein schwangeres Mädchen folgen
dem Stern von Bethlehem, denn
das Christkind lässt sich gerne finden!
Frohe Weihnachten 2014.“

stern-pfeil_webDie Geschichte ist schon krass:
Gelehrte Menschen aus dem Osten machen sich auf. Sie reisen aufgrund ihrer wissenschaftlichen Erkenntnisse hunderte von Kilometern, um einen neuen König zu begrüßen. Sie lassen sich von kosmischen Phänomenen leiten, bis sie ihn finden. Ob es drei waren, wissen wir nicht. Ob sie Könige oder Sterndeuter waren und was mit den Geschenken passierte, ist nebensächlich. Wichtig ist: Sie haben Jesus gesucht und gefunden. Der Stern hat ihnen den Weg gezeigt.

Dann sind da die Lohnarbeiter, die am Heiligabend zur Nachtschicht auf dem Felde verdonnert sind und in ihrem tristen Alltag eine übernatürliche Erscheinung haben, die sie dazu antreibt, sich auf die Suche nach dem Sinn des Lebens zu machen. War Alkohol im Spiel? Was war mit den Schafen? Sind sie hinterher zurück zur Arbeit gegangen oder haben sie den Job verloren? Unwichtige Fragen hinter der Erkenntnis, dass es sich lohnt, im Alltagsleben offen für göttliche Intervention zu bleiben. Auch sie haben sich auf den Weg gemacht, der ihnen gewiesen wurde.

Ebenso das junge Paar, verlobt aber noch nicht verheiratet. Auf einmal ist sie schwanger, aber nicht von ihm. Sie bleiben zusammen, gehen durch dick und dünn zur Zählung im überfüllten Bethlehem, später nach Ägypten und zurück nach Nazareth. Aufgrund eines Engels. Wie das biologisch tatsächlich war ist völlig egal. Irgendwo treffen sich Historie und Mythos. Relevant ist, dass beide den Worten Gottes vertraut haben und seinen Weg eingeschlagen haben. Maria war bereit, ihre Lebensplanung auf den Kopf stellen zu lassen und Josef war die Beziehung zu Maria und die Zusage Gottes wichtiger als soziale Anerkennung und der „normale Werdegang“.

Alle diese Personen treffen sich beim Stern an der Krippe. Da wo Gottes Licht in die Welt kommt. Dafür ist der Stern von Bethlehem ein gutes Bild. Er weist darauf hin, dass Weihnachten etwas entscheidendes passiert ist. Daher ist der Stern auch ein Pfeil, der uns darauf hinweist, worum es im Leben geht. Ich habe dieses Jahr einen Weihnachtsgruß als Pfeil-Stern gebastelt. krippe_webUnd ich habe mir die Frage gestellt, wo Gott mir die Richtung weisen möchte. Ich hab zwar keine kosmische oder innere Erscheinung gesehen und musste auch nicht nach Ägypten auswandern. Aber der Neuanfang in Erfurt ist für mich eine deutliche Führung Gottes, die er über lange Zeit vorbereitet hat. Deshalb kann ich ihm gerne folgen, weil ich ihm vertraue, dass er mich zu einem guten Ziel führt.

In welche Richtung willst DU gehen? Wo stehst du in der Stern-Geschichte? Machst du dich aufgrund rationaler Erkenntnis auf die Suche nach Gott? Oder aufgrund einer emotionalen Begegnung? Oder müsste Gott innerlich dein ganzes Leben auf den Kopf stellen, damit du aufhorchst? Probiers doch mal! Gott hat ein Interesse daran, auch dir deinen Weg zu weisen und ihn mit dir zu gehen. Nimm dir Zeit und mach dich auf den Weg. Das Tempo ist dabei zweitranging, solange die Richtung stimmt…

Zum Nachlesen die Bibeltexte: Matthäus 2 und Lukas 2

Nur wer genießt, kann vergeben

Heute Nacht kam mir der Gedanke:

„Nur wer genießt, kann vergeben.“

Der Satz klingt erstmal komisch, aber je mehr ich darüber nachdenke, desto wahrer finde ich ihn.

Dazu erstmal die Grundlage:

Genuß bedeutet nicht maßloses Partygelage, Völlerei oder Feiern auf Kosten anderer. Genuss bedeutet, sich an dem zu freuen, was man Gutes hat. Das kann Gottes Schöpfung sein, eine neue Jeans, ein gutes Essen oder ein Filmabend mit Freunden. Wer dabei entspannen und sich freuen kann, der genießt.

Warum manche Menschen nicht genießen:

  1. höherEs gibt Leute, die immer mehr wollen. Wer durch eigene Leistung ein Geschäft gut abgeschlossen hat, arbeitet sofort daran, das nächste noch besser abzuschliessen. Wer immer höher hinaus will, kann nie die Aussicht geniessen. Wer sich zu sehr ausstreckt, lebt am Sinn des Lebens vorbei.
  2. entspannungAndere Menschen können nicht genießen, weil etwas noch nicht perfekt ist. Die Hose zwickt, der Pulli ist zu warm oder zu kalt, das Licht zu hell oder zu dunkel und irgendetwas kann man immer noch optimieren. Das ist eigentlich nur eine Spielart von 1. – etwas kleiner gedacht. Ich optimiere mich zu tode und komme nicht oder nur selten ans Ziel.
  3. gerechtigkeitWer sich weltweites Unrecht anschaut, kann oft auch nicht wirklich genießen. Denn andere Leute arbeiten unter unwürdigen Bedingungen, damit ich meinen Lebensstandard halten kann. Natürlich ist es gut, sich darüber Gedanken zu machen und schlechte Abhängigkeiten fairer zu gestalten. Aber wenn ich als „Ausbeuter“ schon das Leben nicht genießen kann, ist das keine gute Grundlage, um mein Leben als Ziel für die Ausgebeuteten anzusetzen.
  4. Schließlich gibt es dauerhafte „Opfer“, denen so viel Leid widerfährt, dass sie nichts genießen können. Das will ich nicht per se werten. Viele Menschen leiden tatsächlich stark. Manche fokussieren aber auch immer das, was nicht optimal läuft und nehmen so ihr Leid viel stärker wahr. Wer nur über das redet, was schief läuft, wird immer etwas zu meckern finden. Gerade die Opfer der unter 3. genanten Abhängigkeit hätten da viel Grund zu klagen. Erstaunlicherweise sind Menschen in armen Ländern oft zufriedener und glücklicher als wir mit unseren Luxusproblemen.

Gott meint es gut mit uns

Sicher, ich bin Optimist und ich bin Christ. Ich lege den Fokus gerne auf das positive, sehe Möglichkeiten statt Schwierigkeiten und glaube an das Gute in der Welt. Ich bin überzeugt, dass Gott es gut mit uns meint und wir deshalb das Leben genießen dürfen.
Und eschatologisch argumentiert: Wenn Christus am Kreuz alles getan hat und der Mensch aus freier Gnade gerettet ist, dann gibt es ohnehin nichts, was ich dazu beitragen kann. Mein Job ist es also, dieses Geschenk anzunehmen und mich darüber zu freuen. Aus Dankbarkeit kann ich dann darauf reagieren, davon weitersagen und Menschen helfen, diese positive Erfahrung auch zu machen, aber das ist keine Voraussetzung für meine Freude, sondern eine Folge davon. Also kann ich auch das große Geschenk erstmal genießen und dadurch einen Lebensstil führen, der nachahmenswert ist. Keine Verbissenheit, noch mehr zu tun, keine Ausbeutung, kein Übermaß und keine Selbstkasteiung. Sondern eine positive Offenheit für die Möglichkeiten und ein dankbarer Umgang mit dem, was mir geschenkt ist.

Verstandene Vergebung kann man nur genießen!

Wenn ich diese Vergebung und das Anrecht, Kind Gottes zu sein, verstanden habe, kann ich entspannt mit der Welt und ihren Sorgen umgehen. Wenn meine Fehler vergeben sind, kann ich auch die Fehler von anderen Menschen vergeben. Und meine Vergebung an andere wird dann keine zähneknirschende Zwangstat sein, weil man das als Christ eben so tut, sondern eine Liebestat aus freiem, reinen, glücklichen Herzen.

Gerne denke ich mit dir weiter nach, ob es auch echte Vergebung ohne Genuss gibt und ob das dann gut oder schlecht ist. Aber wenn man tatsächlich verstanden hat, was Vergebung bedeutet, glaube ich, dass der Genuss der daraus folgenden Freiheit die automatische Folge davon ist. Und damit ist Genuss das Bindeglied zwischen dem Empfangen von Vergebung und der Weitergabe von Vergebung. Und weil mir das so wichtig ist, bleibe ich bei der Formulierung:

„Nur wer genießt, kann vergeben.“

Von allen Seiten…

Neulich beim WM schauen am PC war ich in der ZDF-Mediathek unterwegs. Es ist schon beeindruckend, wie man nicht nur das Live-Spektakel, sondern auch Zusatzinfos und weitere Kameraperspektiven digital nach Hause geliefert bekommt. Und für die Highlights gibt es schon während des Spiels die MultiAngle-Auswahl: selber zwischen den 19 Kameras im Stadion hin und her schalten.

WM2014_MultiAngleViewSo bleibt nichts verborgen. Jedes Foul und jede Glanztat wird perfekt sichtbar, wann immer der Zuschauer es möchte. Die Spieler können sich nicht mehr verstecken und jede Schwalbe wird knallhart aufgedeckt. Das erinnert mich an einen alten Text:

„Herr, du erforschest mich und kennest mich. Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne. Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege. Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, HERR, nicht schon wüsstest. Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.“ (Psalm 139, 1-5)
Bei Gott ist unser Leben transparent wie im Fußballstadion. Nicht nur 19 Kameras beobachten uns, sondern Gott kennt uns durch und durch. Diese Größe und Allmacht ist zu hoch, um sie zu begreifen, heißt es im Psalm. Gott kennt uns schon im Mutterleib, bevor das erste medizinische Bild von uns geschossen wird. Und er kennt uns am Totenbett, wenn die letzten Fotos im Familienkreis gemacht werden. Er beobachtet jeden Moment unseres Lebens und weiß sogar, warum wir etwas tun.
Da machen Schwalben und die Vortäuschung falscher Tatsachen nicht viel Sinn. Besser ist es, von Anfang an ehrlich zu spielen – nach Gottes Regeln eben. Denn er weiß, wo wir mit fairen Mitteln um den Sieg kämpfen und wo wir nur unseren Vorteil suchen, ohne die Regeln einzuhalten.
Wichtig ist: Gott ist keine menschliche Instanz, die uns zum eigenen Vorteil überwacht und die Privatsphäre auflöst. Denn das wäre selbst wieder unfair. Gott ist größer, seine Gedanken unzählbar:
„Wie schwer sind für mich, Gott, deine Gedanken! Wie ist ihre Summe so groß! Wollte ich sie zählen, so wären sie mehr als der Sand: Am Ende bin ich noch immer bei dir.“ (Vers 17-18)
Aber Gott überwacht uns nicht zur Unterhaltung, wie wir die Fußballer. Auch nicht aus Spionagezweck, wie die NSA. Gott ist für uns. So endet der Psalm:
„Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich’s meine.Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege.“ (Vers 23-24)
Das ist ganz gewiss keine Bitte an die NSA, doch bitte noch etwas mehr zu schnüffeln. Und auch keine Aufforderung an die FIFA, noch mehr Kameras aufzustellen, um auch die Zuschauer auf dem Weg zur Toilette beobachten zu können. Es ist ein Wunsch an Gottes Gerechtigkeit. Schau mir ins Herz, Gott, und korrigiere meine Absichten.
David Luiz Moreira MarinhoDas hat auch David Luiz erkannt. Der brasilianische Profifußballer weiß, dass Gottes Führung ausreicht. Er gibt auf dem Platz alles und verlässt sich darüberhinaus auf Gottes Planung.
Und letztlich zählt in seinem Leben nicht so sehr, was die 19 Kameras auf dem Platz filmen, sondern was in seinem Herzen passiert. Gerade auch, wenn er mal nicht erfolgreich ist oder garnicht mitspielt.
So seh ich das auch. Und ich schau mir gerne nochmal die Highlights der Spiele aus allen Perspektiven an. Auch wenn das nichts mit meinem Seelenheil zu tun hat, ist es doch ein cooles Spielzeug und eine technische Glanzleistung. Vielelicht hat das Public Viewing der nächsten WM dann Haupt- und Seitenleinwände, um parallel auch die vielen schönen Extras anzuzeigen 🙂

Hallo Welt!

Hier ist nun also meine neue Website als Medientheologe.

Allgemeine Infos finden sich oben rechts, darunter aktuelle Feeds und die Anmeldefunktion für den neuen Newsletter.

Außerdem plane ich, etwa einmal pro Woche etwas Nachdenkliches, Witziges oder Wissenswertes  zu posten, das mit Medien, Computern, Internet, Web 2.0, Patizipazion,Theologie, Religion, Bibel, Kirche, Gemeinde, Forschung, Lehre oder einfach nur Kuriosem zu tun hat.

Also schau öfters mal vorbei, abonnier den Feed oder folge mir bei Twitter (@medientheologe). Freunde, die ich persönlich kenne gerne auch auf Facebook (Karsten Kopjar).

Es ist mein Ziel, geistliche und zwischenmenschliche Gemeinschaft zu stärken, online und offline Gemeinde zu bauen und Tools dafür an andere weiterzugeben. Das ist nichts Neues. Das hat Jesus schon gemacht. Und daran orientiere ich mich. Aber er hatte noch kein Internet, also sind manche Umsetzungen neu 🙂